Berufswahl von Frauen und Männern

Von Schülern für Schüler

Berufswahl von Frauen und Männern: Portäts von Manina und Dennis
Fotos: privat

Bestimmt musste sich jeder schon einmal das ein oder andere Rollenklischee anhören, ob positiv oder negativ: Jungs sind stark und begabt in Technik und Sport, Mädchen sind sanft und reden und tratschen gern. Feste Rollenbilder sind ein Problem: Sie beeinflussen nicht nur unterbewusst die Wahl unserer Freizeitaktivitäten, sondern wirken sich auch auf die Berufswahl und Interessen aus. Das Schaubild zeigt, dass unsere Gesellschaft bis in die Berufswahl hinein durch Rollenklischees beeinflusst wird. Manche Berufe, zum Beispiel Mechatroniker oder Kauffrau für Büromanagement, sind ja schon seit Jahrzehnten typische Männer- und Frauenberufe. Da scheint sich gar nicht so viel geändert zu haben, wie wir gedacht – oder gehofft! – hatten.

Ausbildungsberufe von Frauen und Männern

Excel-Datei zum Schaubild

Schaubild: Die häufigsten Ausbildungsberufe von Frauen und Männern
Quelle: Bundesinstitut für Berufsbildung

Interview

Manina und Dennis im Gespräch mit Freunden:

Was haltet ihr von dem Schaubild zu den häufigsten Ausbildungsberufen?

Manina: Mir fällt auf, dass viele Berufe von Frauen mit Menschen und Organisation zu tun haben.

Lena: Ja, ich finde es ganz schön auffällig, dass Frauen so viele medizinische Ausbildungsberufe haben, während Männer eher handwerklichere Berufe lernen.

Dennis: Es ist halt so, dass Männer technische Berufe interessanter finden. Ich denke, dass es bei Frauen umgekehrt ist.

Isabel: Diese Grafik zeigt, wie sehr Rollenklischees doch der Wirklichkeit entsprechen.

Was ist für euch typisch Junge, typisch Mädchen, und was haltet ihr von solchen Aussagen?

Marla: Also früher hätte ich wahrscheinlich geantwortet, dass Jungen immer Fußball spielen und kurze Haare haben und Mädchen gerne zeichnen und lange Haare haben. Aber jetzt finde ich diese Klischeebilder ziemlich blöd. Das Problem ist, dass man sie nicht mehr so leicht losbekommt, da man mit ihnen aufgewachsen ist, aber ich versuche, von diesen Klischees wegzukommen. Jeder sollte sich frei entfalten können.

Frida: Ich halte nichts von solchen Aussagen, aber wenn man Klischees nennen soll, dann würde ich sagen, dass typische Mädchen shoppen und Pyjamapartys machen, und typische Jungen finden Autos interessant.

Fühlt ihr euch in der Schule oder Freizeit manchmal in Geschlechterrollen reingezwängt? (zum Beispiel typische Freizeitbeschäftigungen, Lehrerkommentare)

Marla: In der Freizeit eigentlich nicht, weil meine Hobbys (Klettern und Trompete) für beide Geschlechter offen sind. Aber wenn wir zu Hause helfen sollen, dann sagt mein Vater manchmal, dass er eher einen von den Jungs braucht.

Frida: Nein, ich fühle da keinen Zwang, denn ich mag es, ein Mädchen zu sein!

Anton: Ich würde schon gerne tanzen gehen, aber das ist nicht so „männlich“.

Faruk: Ich finde, dass der Junge in eine starke Rolle reingezwängt wird, das heißt, er muss stark sein, er muss viele Sachen können, und das Mädchen wird in eine Rolle gedrängt, in der sie den Haushalt und „Frauenarbeit“ machen soll.

Glaubt ihr, dass Frauen und Männer bei uns wirklich gleichberechtigt sind?

Frida: Ich denke, nicht komplett, denn Männer werden ja immer noch in manchen Berufen besser bezahlt als Frauen, die den gleichen Job machen, und es gibt immer noch mehr Männer in Chefpositionen als Frauen. Sie haben vielleicht die gleichen Rechte, aber werden trotzdem nicht gleich behandelt.

Faruk: Auf dem Papier schon, aber im echten Leben gibt es schon noch viele Unterschiede.

Anton: Nein, weil ich finde, dass Frauen manche Berufe nicht ausüben können. Aber es ist auf jeden Fall schon besser als früher.

Fühlt ihr euch in eurer Berufswahl eingeschränkt?

Marla: Es gibt halt schon diese typischen Männer- und Frauenberufe, zum Beispiel sind eher Männer Bauarbeiter als Frauen. Aber ich fühle mich nicht eingeschränkt durch diese Klischees.

Jule: Es gibt viele Klischees, was Berufe betrifft, aber wenn es mir Spaß macht, als Handwerkerin zu arbeiten, dann werde ich das auch tun.

Faruk: Typische Männerberufe sind eher welche, die mit körperlicher Arbeit zu tun haben, und dadurch sind dann zum Beispiel Frauen eingeschränkt.

Anton: Ich fühle mich nicht eingeschränkt. Aber selbst wenn ich mich für einen typischen Frauenberuf interessieren würde, würde ich den einfach machen.

Diskussion

Was haltet ihr von dem Vorschlag, ein sogenanntes „Gesellschaftsjahr“ für alle Schulabgänger – Jungen UND Mädchen – einzuführen?

A: Ich finde die Idee ziemlich gut! Es erleichtert den Übergang ins Arbeitsleben und ist gleichzeitig sogar noch dem Staat nützlich! Und ich finde es nur konsequent, dass auch hier Mädchen und Jungen, Frauen und Männer gleichbehandelt werden.

B: Also ich würde das nicht wollen. Wenn ich mit der Schule fertig bin, will ich doch nicht noch ein weiteres Jahr dazu verpflichtet werden, etwas zu machen, was ich gar nicht will.

A: Okay, aber denk doch mal an den Mangel an Pflegepersonal, der dadurch wieder aufgefangen werden würde. Außerdem würdest du lernen, Verantwortung zu übernehmen. Und du könntest ein Jahr lang etwas ausprobieren, was du sonst vielleicht nicht machen würdest.

B: Aber was ist mit den Schülern, die einen Haupt- oder Realschulabschluss machen? Die machen doch dann ihre Ausbildung und können gar nicht direkt in ihren Beruf einsteigen. Oder Leute, die direkt studieren wollen und schon einen Studienplatz haben. Ich würde das weiter auf freiwilliger Basis lassen.

A: Ja, aber es gibt eben zu wenige, die so etwas freiwillig machen. Und das wäre doch ein guter Ansatz, um diese Probleme in den Griff zu bekommen.

Texte: Marina (16) und Dennis (17), Diltheyschule Wiesbaden

 

Die Texte und Bilder entstammen dem Schülermagazin Sozialpolitik
Stand September 2018

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