Personen vor Datascreen

Digitalisierung

Arbeiten 4.0: Gemeinsam

in eine neue Welt

Die Digitalisierung krempelt die Arbeits­welt um: Neue Tools und neue Teams verändern den Alltag von Arbeit­nehmer*innen. Das sorgt in manchen Unternehmen für Unruhe – die Entwicklung birgt aber gerade für Berufs­anfänger*innen große Chancen.

Der Kollege Cobot kommt zum Üben vorbei: Elf Maschinen­bau­unternehmen rund um die Stadt Arnsberg haben gemeinsam einen Roboter angeschafft, der ganz eng mit Menschen zusammen­arbeiten kann – und immer wieder mit einfachen Bau­teilen für neue Aufgaben umgebaut werden kann. Alle paar Wochen zieht das 35.000 Euro teure Gerät von einer Fabrik in die nächste. Am neuen Stand­ort steht der Roboter dann für ein Projekt mit Auszubildenden bereit. Beim Schweiß­maschinen­bauer Ideal-Werk in Lippstadt sollten fünf Azubis aus verschiedenen Berufen ein Stahl­gitter entwerfen: Erst entwickelten sie gemeinsam ein Design, dann kalkulierten sie Kosten und Aufwand, schließlich programmierten sie den Roboter.

Am Anfang lagen die Berufs­einsteiger*innen ganz schön daneben mit ihren Berechnungen – in einem End­spurt schafften sie dann aber doch alle Heraus­forderungen. Und wurden von Ausbilder*innen und Geschäfts­führung beglückwünscht: „Das Projekt war ein voller Erfolg für uns, weil wir als Team gelernt haben, zusammen­zuarbeiten“, berichtet ein Teil­nehmer stolz. Das Projekt zeigt den Wandel der Arbeits­welt: Statt starrer Strukturen werden flexible Teams immer wichtiger, die sich für eine bestimmte Aufgabe zusammen­finden. Alternative Technologien verändern die traditionelle Art, wie in Unternehmen gearbeitet wird – und wie sie Geld verdienen. Unter dem Schlagwort „Arbeiten 4.0“ werden alle diese Veränderungen oft zusammen­gefasst. Der Begriff lehnt sich an die „Industrie 4.0“, die die zunehmende Vernetzung von Geräten und Produkten beschreibt. Schritt für Schritt, Projekt für Projekt wandelt sich die Art zu arbeiten. Die Arbeit­nehmer*innen von heute stecken mittendrin, Berufs­einsteiger*innen spüren die Veränderung vom ersten Tag an.

25 Prozent

der sozial­versicherungs­­pflichtig Beschäftigten in Deutschland arbeiten in einem Beruf, in dem Kern­tätigkeiten in Zukunft theoretisch durch den Einsatz computer­gesteuerter Maschinen erledigt werden könnten. Zu dieser Einschätzung kommt das Institut für Arbeits­markt- und Berufs­forschung auf Basis von Angaben aus dem Jahr 2016.

Die Digitalisierung sorgt dafür, dass das Tempo des Wandels zunimmt. Sie ist gleich für mehrere Stellschrauben verantwortlich:

Geschäftsmodelle

Digital entstehen neue Marktplätze – für Schuhe und Bücher, aber auch für Mobilität, Hotels oder Werkzeuge. Zugleich müssen Unternehmen überlegen, ob sie Produkte immer noch verkaufen oder sie für einen bestimmten Zeitraum an Nutzer*innen vermieten. Dadurch verändern sich die Stellenprofile in vielen Firmen.

Zusammenarbeit

Ein Auto ist heute ein Computer auf vier Rädern – neben Konstrukteur*innen denken deshalb auch Mitarbeiter*innen aus der IT, dem Design und der Kostenkalkulation von Anfang an mit. Das gilt für viele andere Produkte genauso. Die Erfahrungen in der Corona-Krise haben gezeigt: Das digitale Zusammenarbeiten beispielsweise über Videokonferenzen gehört für viele Beschäftigte zum Arbeitsalltag.

Entwicklung

Weil Produkte weltweit verglichen werden können, ist die Konkurrenz höher. Neue Entwicklungen müssen schneller fertig werden als zuvor. Früher wurde viele Monate an einer Idee getüftelt. Heute kommt in einer Woche eine neue Funktion dazu, in der nächsten wird das Design verfeinert. Dieses sogenannte agile Arbeiten erhöht das Tempo.

Technologie

Eine ganze Reihe von neuen Technologien ist dabei, die Produktion zu verändern:  Cobots erleichtern etwa die Arbeit in der Industrie, weil sie Arbeiter*innen schwere Aufgaben abnehmen können. 3D-Drucker können dafür sorgen, dass individuelle Bauteile für relativ geringe Kosten gefertigt werden können. Software übernimmt Routineaufgaben, etwa in der Buchhaltung oder dem Personalwesen. Die Arbeit von morgen wird also anders aussehen: Viele Standardaufgaben könnten in Zukunft Maschinen und Computer übernehmen. Manchen Menschen macht diese Entwicklung Angst: Sie fürchten, dass ihr Job verschwindet.

Auch bei der Flexibilität gibt es ein ähnliches Pro und Contra: Viele finden es gut, dass sie auch von Zuhause noch rasch eine Mail beantworten können, ohne dafür ins Büro fahren zu müssen. Andere fürchten, dass die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmt.

80 Prozent

der Auszubildenden sind laut dem Ausbildungsreport 2019 des DGB der Meinung, dass Digitalisierung und Automatisierung in ihrer Ausbildung wichtig sind.

Junge Menschen haben gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt von morgen: Mit einer soliden Ausbildung – ob im dualen System oder einer Hochschule – legen sie die Basis dafür. Natürlich könnten dabei in Zukunft auch neue Berufsbilder entstehen – etwa Drohnenpilot*in oder 3D-Druck-Ingenieur*in. Berufsschulen, Hochschulen und Unternehmen arbeiten permanent daran, den Berufseinsteiger*innen möglichst aktuelles Fachwissen beizubringen.

Von den 326 anerkannten dualen Ausbildungsberufen in Deutschland wurde etwa in den vergangenen zehn Jahren bereits ein gutes Drittel modernisiert. Dabei wurde die Ausbildungsordnung an aktuelle wirtschaftliche und technologische Anforderungen angepasst – und so zukunftssicher gemacht. „Die Arbeit wird uns nicht ausgehen, aber sie wird sich verändern – und zwar beständig“, sagt Arbeitsminister Hubertus Heil.

Plattformökonomie

In einigen Bereichen könnten in Zukunft mehr Selbstständige arbeiten, die anders als klassische Arbeitnehmer*innen nur für einzelne Aufträge gebucht werden. Da dafür oft digitale Plattformen verwendet werden, wird auch von Plattformökonomie gesprochen. Diese bringt viel Flexibilität, schließlich bezahlen Unternehmen nur für Arbeit, wenn es tatsächlich etwas zu tun gibt. Umgekehrt können Plattformtätige ihre Arbeitszeit und ihren Arbeitsumfang in der Regel selbst bestimmen. In der Praxis geben Plattformen allerdings vielfach vor, wie die Aufträge bearbeitet werden sollen. Zudem müssen Plattformtätige meist auch auf Rechte verzichten: Werden sie krank, gibt es kein Geld. Für ihre Rente müssen sie allein sorgen. Auch der Zusammenschluss in Gewerkschaften und die Vereinbarung von Tarifverträgen, um gemeinsam die Arbeitsbedingungen zu verhandeln, ist Selbstständigen bislang meist nicht möglich. Und gibt es in einer Krise keine Aufträge mehr, fällt die Einnahmequelle komplett weg. Das führt dazu, dass wir als Gesellschaft darüber nachdenken müssen, wie neue Arbeitsformen sozial gerecht ausgestaltet werden können. Das Arbeits- und Sozialministerium will diese „Neue Arbeit“ gut gestalten. Unternehmen sollen die Potenziale der Plattformökonomie nutzen können, gleichzeitig sollen auch in der Plattformökonomie gute Tätigkeitsbedingungen und soziale Absicherung gelten.