Gluehbirne

Arbeitswelt von morgen

Suche nach hellen Köpfen

Vielen Firmen fehlen zunehmend Mitarbeiter*innen. Welche Wege gegen den Fachkräftemangel helfen sollen.

Die Landkarte ist leuchtend rot eingefärbt: Die Agentur für Arbeit veröffentlicht jeden Monat eine Übersicht, in welchen Bundesländern Fachkräfte in bestimmten Berufen fehlen. Im Sommer 2019 zeigt das Dokument: An IT-Experten mangelt es zum Beispiel in Baden-Württemberg, dem Saarland und im Norden Deutschlands. Fachkräfte für Energietechnik oder Altenpflege gibt es bundesweit zu wenig – genauso sieht die Lage bei Berufskraftfahrer*innen aus. Auch in vielen anderen Berufen spüren Unternehmer*innen, dass sie nicht mehr so leicht Angestellte finden wie früher. So blieben in jedem dritten Betrieb in Deutschland im Jahr 2018 Ausbildungsplätze unbesetzt, zeigen Zahlen des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Parallel gehen jetzt und in den kommenden Jahren viele Arbeitnehmer*innen in den Ruhestand. Diese Mischung ist eine Gefahr für die Wirtschaft: Wenn Stellen nicht besetzt werden können, bleibt Arbeit liegen – und irgendwann müssen Unternehmen Aufträge ablehnen. 

Politik und Wirtschaft arbeiten daher an vielen Strategien, um die Situation zu verbessern. Automatisierung kann in manchen Berufen helfen: Wenn ein Roboter unterstützende Tätigkeiten übernimmt, können sich die Mitarbeiter*innen auf wichtigere Aufgaben konzentrieren. Im Kleinen verbessern viele Unternehmen ihre Angebote für Mitarbeiter*innen, um sie für sich zu gewinnen. Dazu gehören höhere Gehälter, mehr Weiterbildungen oder flexible Arbeitszeiten. Um auch leichter im Ausland nach Fachkräften suchen zu können, wurde im Sommer 2019 das Fachkräfteeinwanderungsgesetz beschlossen. Ab März 2020 ist es einfacher, Mitarbeiter*innen aus Drittstaaten zu rekrutieren und deren Berufs- oder Studienabschlüssen aus ihrem jeweiligen Heimatland anerkennen zu lassen.  

1.389.000

offene Stellen zählte das IAB im Sommer 2019. Diese teilten sich wie folgt auf die Branchen auf:

Grafik offene Stellen nach Branche
Quelle: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, IAB-Stellenerhebung, Nürnberg 2019, Datenstand Quartal 2/2019

Lebenslanges Lernen

Schule, Praktikum, Ausbildung, fertig? Von wegen. Fortbildungen gehörten schon immer zum Berufsleben dazu. In Zukunft aber wandeln sich Stellenanforderungen noch schneller, weil neue Technologien dazukommen oder sich Wertschöpfungsketten verändern. Das rückt das Thema Weiterbildung viel stärker in den Fokus: „Die Bedeutung des lebensbegleitenden Lernens nimmt mit der fortschreitenden Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft zu“, sagt Friedrich Hubert Esser, der das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) leitet. Was bedeutet das? Die Grundlage für einen Berufseinstieg ist eine duale Ausbildung, ein duales Studium oder ein Hochschulstudium. Doch danach kommen neue Bildungsbausteine dazu: Die Industrie- und Handelskammern bieten Zertifikatskurse, in denen Arbeitnehmer*innen sich über mehrere Wochen in Spezialthemen weiterbilden können. In wenigen Wochen oder Monaten ist so eine anerkannte Zusatz-Qualifikation als Online-Marketing-Manager*in, 

Datenschutzbeauftragte*r oder E-Recruiter*in möglich. Auch im Handwerk gibt es kompakte Weiterbildungsmöglichkeiten und neue Wege – bis hin zum Studium ohne Abitur. Gerade durch digitale Plattformen wird es einfacher, online neben der Arbeit Kurse zu absolvieren. Die Lebensläufe werden so individueller. In Wirtschaft und Politik ist inzwischen anerkannt, dass der Wandel zum lebenslangen Lernen unterstützt werden muss. Berufliche Weiterbildung wird durch vielfältige und passgenaue Maßnahmen gefördert, mit denen Betriebe, Beschäftigte und Arbeitsagenturen auf Qualifizierungsbedarfe reagieren und finanziell unterstützt werden können. Da die Arbeitsgesellschaft der Zukunft noch stärker als heute eine Wissensgesellschaft sein wird, die auf Bildung und lebenslanges Lernen aufbaut, sagt Bundesarbeitsminister Hubertus Heil: „Wenn wir die Chancen des digitalen Wandels nutzen wollen, muss Deutschland mehr in Qualifizierung und Weiterbildung investieren“.
 

Clevere Kompetenzen

Fachwissen bildet den Kern eines Lebenslaufes. Doch in einer veränderten Arbeitswelt gewinnen die sogenannten Soft Skills an Bedeutung. Hierzu zählen unter anderem soziale Intelligenz, Kreativität, Kommunikationsfähigkeit, Kooperationsfähigkeit, kritische, interaktive und analytische Fähigkeiten. Drei konkrete Beispiele:

1. Komm­unikation:

Mehr Berufe arbeiten in Teams immer enger zusammen. Deshalb müssen Arbeitnehmer*innen ihr Spezialwissen in Zukunft allgemeinverständlich erklären können.

2. Entscheidungs­fähigkeit:

Mitarbeiter*innen kümmern sich künftig um die Fragen, die Computer nicht beantworten können oder dürfen. Ein überlegtes Abwägen von Pro und Contra, eine gewissenhafte Entscheidung – das wird für mehr Menschen zum Arbeitsalltag. 

3. Eigenverantwortlichkeit:

Was ist bis wann zu tun, wie viel kann man schaffen, was ist überhaupt realistisch? Diese Fragen beantworten Angestellte in Zukunft häufiger selbst. Der Grund: Vorgesetzte kennen sich nicht mehr in den jeweiligen Spezialgebieten ihrer Mitarbeiter*innen aus, sondern konzentrieren sich darauf, Teams zu koordinieren und bei Problemen zu vermitteln.