Arbeitslosigkeit und Arbeitslosenversicherung

Arbeitslos, aber nicht mittelos

„Als der Chef uns mitteilte, dass er unseren Betrieb schließen muss, war das ein ziemlicher Schock. Zum Glück wusste mein Kollege, dass man sich schon vor Beginn der Arbeitslosigkeit bei der Arbeitsagentur Hilfe holen kann. Ein Großteil meiner Bewerbungs- und Fahrtkosten zu den Vorstellungsgesprächen wurde übernommen. Beim fünften Vorstellungsgespräch hat es geklappt, sodass ich insgesamt nur sechs Wochen arbeitslos war.“ 
 

Stefan, 33, Kfz-Mechatroniker aus Eschwege

Nicht allen Menschen ohne Job gelingt es so schnell wie Stefan, ins Arbeitsleben zurück zu finden. Im Schnitt sind Betroffene in Deutschland etwa 37 Wochen arbeitslos. Die Dauer schwankt aber stark je nach Alter und Qualifikation. Seit Jahren hat sich der Wert nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit kaum verändert. Je länger Menschen ohne Arbeit sind, desto schwieriger wird meist ihre Situation. Denn sie verlieren mit der Zeit fachlich den Anschluss, wenn sie 

keine Möglichkeit zur Weiterbildung haben. Damit wird es auch schwieriger, einen neuen Job zu finden. Für viele Betroffene ist die seelische Belastung groß: Nicht nur die knappere Kasse kann schmerzhafte Veränderungen bedeuten. Manche entwickeln das Gefühl, weniger wert zu sein und von der Gesellschaft nicht gebraucht zu werden. Psychische Krankheiten wie Depressionen treten laut medizinischen Studien bei Arbeitslosen häufiger auf als bei Erwerbstätigen.

Erste Hilfe

kommt vom Staat

Wer arbeitslos wird, dem greift der Sozialstaat unter die Arme – etwa mit der Arbeitslosenversicherung, die Betroffene finanziell absichert. So wird ihre Teilhabe an der Gesellschaft gesichert. Der Staat hilft zudem mit Fortbildungen und Qualifizierungskursen, um die Chancen auf einen neuen Job zu erhöhen. Denn das Ziel der Arbeitsmarktpolitik ist es, für ein Gleichgewicht zu sorgen:

Einerseits sollen Arbeitsuchende möglichst schnell wieder in sozialversicherungspflichtige Jobs kommen, weil die finanziellen Hilfen den Staat viel Geld kosten. Andererseits sollen Unternehmen genügend Arbeitskräfte finden, um ihren Bedarf zu decken und damit Wirtschaftswachstum sichern zu können. Perfekt läuft es aber nirgends: In allen modernen Gesellschaften,

auch in Deutschland, gibt es Menschen ohne Job. Das lässt sich nicht ganz vermeiden. Etwa weil sich die Gesellschaft wandelt und bestimmte Berufe dadurch aussterben: in den letzten Jahren zum Beispiel der des Bergarbeiters. Die Arbeitslosenquote in der Bundesrepublik ist seit einigen Jahren deutlich gesunken und liegt derzeit bei rund fünf Prozent.

Weniger Menschen ohne Job

Arbeitslose und Arbeitslosenquote, in absoluten Zahlen und in Prozent aller zivilen Erwerbspersonen, 2009 bis 2018

Grafik: Arbeitslosenquote nahm über die Jahre ab
Quelle: Bundesagentur für Arbeit: Arbeitslosigkeit im Zeitverlauf 01/2019, Datenstand März 2019

Das Arbeitslosengeld

Arbeitslosengeld: Hilfe aus der Sozialversicherung

Arbeitnehmer*innen, die ihren Job verlieren, erhalten Geld aus der gesetzlichen Arbeitslosenversicherung. Die Mittel dafür stammen aus Beiträgen von Arbeitnehmer*innen und Arbeitgeber*innen. Doch automatisch kommt das Geld nicht aufs Konto. Wer Arbeitslosengeld erhalten will, muss sich bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) melden und zwar schnell: Spätestens 3 Monate vor Ende des Arbeitsverhältnisses. 

Wer arbeitslos wird, erhält mit dem Arbeitslosengeld 60 Prozent seines vorherigen Nettolohns, mit Kindern sind es 67 Prozent. Auch Selbstständige, die vorher freiwillig Beiträge bezahlt haben, können Arbeitslosengeld bekommen. Wie lange das Arbeitslosengeld  fließt, hängt vom Alter ab und der Zeitspanne, in der Beiträge bezahlt wurden. Arbeitslose unter 50 Jahren können höchstens 12 Monate Arbeitslosengeld beziehen. Für über 50-Jährige erhöht sich die Dauer stufenweise auf maximal 24 Monate.   

Arbeitslosengeld II: Steuerfinanzierte Grundsicherung

Wer länger arbeitslos ist und nicht vom eigenen Vermögen leben kann, hat unter bestimmten Voraussetzungen Anspruch auf Arbeitslosengeld II. Diese sogenannte Grundsicherung für Arbeitsuchende (umgangssprachlich auch „Hartz IV“) wird im Unterschied zum Arbeitslosengeld nicht aus Beiträgen, sondern aus Steuern finanziert. Bevor der Staat zahlt, gibt es eine Bedürftigkeitsprüfung. Zuerst müssen Betroffene ihr Vermögen für den Lebensunterhalt einsetzen. Je nach Alter des Empfängers bleibt ein bestimmter Betrag davon aber unangetastet. 

Ab 1. Januar 2020 bekommen Alleinlebende und Alleinerziehende im Monat 432 Euro Grundsicherung. Ehe- oder Lebenspartner erhalten jeweils 389 Euro, Kinder und Jugendliche je nach Alter 250 bis 328 Euro. Auch die Kosten für die Wohnungsmiete, das Heizen und die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung werden übernommen. Für Alleinerziehende und Schwangere gibt es zusätzlich monatliche sowie einmalige Hilfen - beispielsweise Geld für einen Kinderwagen oder Kleidung.

 

Wer kriegt den Job?

Szene in Arbeitsagentur: Roboter und Mensch warten
Quelle: Oliver Wallbaum