Arbeitswelt im Wandel

Arbeiten 4.0

Arbeitswelt im Wandel: Junge Menschen arbeiten gemeinsam mit Computer.
Foto: Shutterstock/racorn

Digitalisierung und Vernetzung der Arbeitswelt

Die digitale Vernetzung wirkt sich auf alle öffentlichen und privaten Lebensbereiche aus – und damit auch auf die Arbeitswelt. Der Begriff Arbeiten 4.0 ist an die aktuell diskutierte vierte industrielle Revolution, die sogenannte Industrie 4.0, angelehnt. Arbeiten 4.0 umfasst nicht nur die internetgestützte, hoch automatisierte und vernetzte Produktion, sondern alle Bereiche der Arbeitswelt. In den Jahren 2015 und 2016 hatte die Bundesregierung zu dem öffentlichen Dialog Arbeiten 4.0 mit Experten und Bürgern eingeladen. Trends und Lösungsansätze sind im Weißbuch Arbeiten 4.0 und vier Werkheften zum Dialogprozess dokumentiert (siehe Links in der Randspalte).

Chancen und Herausforderungen

Der digitale Wandel vollzieht sich auf drei miteinander verbundenen Ebenen und kann sich auf unterschiedliche Weise auswirken:

  1. Neue, immer leistungsfähigere Technologien: Das Arbeiten wird zunehmend vernetzt. Der Informationsaustausch kann prinzipiell von überall und zu jeder Uhrzeit erfolgen, auch über Ländergrenzen hinweg. Die Arbeitsprozesse werden von IT-Systemen unterstützt, kontrolliert und teilweise sogar gesteuert. Bestimmte Arbeitsschritte werden dadurch entbehrlich, andere kommen neu hinzu.
    → Technologien entlasten den Menschen von monotoner oder schwerer körperlicher Arbeit und unterstützen das menschliche Denken. Tätigkeiten für Geringqualifizierte fallen dadurch weg. Qualifizierung und Weiterbildung werden deshalb noch wichtiger.
    → Über vernetzte Computer können Verhalten und Leistungen der Arbeitnehmer theoretisch ständig kontrolliert werden. Der Beschäftigtendatenschutz und die Mitbestimmung von Betriebsräten beim Einsatz neuer Software gewinnen an Bedeutung.
     
  2. Neue Dienstleistungen, Produkte und Geschäftsmodelle: Durch die neuen Technologien entstehen neue Berufsbilder und digital erzeugte Produkte (zum Beispiel durch 3-D-Drucker). Online-Plattformen schaffen mit ihren Geschäftsmodellen neue zentrale Marktplätze nicht nur für Informationen und Waren, sondern auch für Arbeit und Dienstleistungen, die vorher dezentral angeboten wurden.
    → Je mehr die Leistungsfähigkeit der digitalen Technik steigt, desto mehr Leistung wird auch von den Arbeitnehmern erwartet. Die Arbeit „verdichtet sich“, es wird in Schichten rund um die Uhr gearbeitet.
    → Die sozialen Sicherungssysteme sind für Vollzeitarbeitsverhältnisse konzipiert. Arbeitnehmer in sogenannten atypischen Arbeitsverhältnissen, etwa Soloselbstständige (siehe unten) oder Leiharbeiter (siehe Arbeitsrecht 2), sind schlechter abgesichert.
     
  3. Neue Kommunikations-, Konsum- und Arbeitskultur: Die Menschen kommunizieren auf neuen Wegen miteinander, zum Beispiel über soziale Netzwerke, und haben veränderte Konsumvorlieben. Die Digitalisierung erlaubt flexiblere Arbeitsmodelle, zum Beispiel mobiles Arbeiten. Einerseits lassen sich dadurch Familie und Beruf besser vereinbaren, andererseits wird es durch die ständige Erreichbarkeit schwieriger, Arbeit und Freizeit zu trennen.
    → Mobile Arbeitsgeräte und digitale Vernetzung machen das Arbeiten von jedem Ort aus und zu jeder Zeit möglich. Arbeitnehmer können Beruf und Familie/Privatleben leichter vereinbaren und selbstbestimmter arbeiten.
    → Die Flexibilisierung von Arbeitszeit und Arbeitsort kann dazu führen, dass die Grenzen von Arbeit und Privatem verschwimmen und Erwerbstätige sich selbst ausbeuten. 
     

Fallbeispiele

Fallbeispiel 1: Der Mechaniker (angestellt)

Früher wurde vieles händisch aufgeschrieben, dokumentiert und ausgewertet. Heute gibt es immer mehr Tools, die ganz vieles vereinfachen und den Ablauf schneller und klarer machen. […] Das ist eine Erleichterung, weil viel transparenter und offensichtlicher wird, wo man eingreifen muss. Es führt aber auch zu einer Verschiebung meiner Tätigkeit. Auf der einen Seite gewinne ich Zeit bei den Störungsanalysen an den Anlagen, auf der anderen Seite benötige ich Zeit, um die Tools kennenzulernen und zu verbessern. […] Insgesamt sind die Neuerungen für unsere Beschäftigten aber keine Mehrbelastung, sondern eher eine Aufgabenverschiebung. Manche Sachen gehen schneller, manche Sachen gehen anders.

Christoph Fink, Industriemechaniker, in: Werkheft 01 – Digitalisierung der Arbeitswelt, herausgegeben vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Berlin 2016, Seite 90

Fallbeispiel 2: Die Crowdworkerin (selbstständig)

Ich bin freiberufliche Grafikerin und Berufsanfängerin. Zurzeit arbeite ich noch viel in der Crowd, um Kontakte zu Auftraggebern zu knüpfen. Beim Crowdworking vergeben Unternehmen (Mini-)Aufträge über Internetplattformen an soloselbstständige* Heimarbeiter. Weltweit kann sich jeder, der einen Internetanschluss hat, um einen solchen Auftrag bewerben. Ich verdiene auf diese Weise bis zu 1.500 Euro im Monat, arbeite dafür aber auch bis zu 80 Stunden pro Woche. Von dem Geld muss ich mich selbst gegen Krankheit und Arbeitslosigkeit versichern. Für Altersvorsorge bleibt derzeit nichts übrig. Ich würde gern in eine Festanstellung wechseln, aber die Chancen stehen schlecht.

* Selbstständige, die ihre Tätigkeit allein (ohne angestellte Mitarbeiter) ausüben

Eigene Darstellung nach: Studie Crowd Worker in Deutschland, herausgegeben von der Hans-Böckler-Stiftung, Band 323, Juli 2016, Seite 9 und 10

Umfrage: Übernahme von Arbeit durch Maschinen

Excel-Datei zum Schaubild

Umfrage zur Übernahme von Arbeit durch Maschinen
Quelle: Bundesministerium für Arbeit und Soziales: Monitor Digitalisierung am Arbeitsplatz – Aktuelle Ergebnisse einer Betriebs- und Beschäftigtenbefragung, Berlin 2016, Seite 16

 

Die Texte und Bilder entstammen dem Schülermagazin Sozialpolitik
Stand September 2018

9 Antworten

Kommentare

Danke, diese Seite war sehr hilfreich für unseren Religionsunterricht.

Hallo, ich finde diesen Artikel sehr hilfreich und würde ihn gerne als Quelle in einer Präsentation verwenden. Dafür müsste ich jedoch Autor und Erscheinungsjahr wissen, und beides kann ich leider nicht finden. Mit freundlichen Grüßen Clara Behn

Sehr geehrte Frau Behn, vielen Dank für ihr Interesse! Am Ende der Seite finden Sie die Quelle: Die Texte und Bilder entstammen dem Schülermagazin "Sozialpolitik" (http://www.sozialpolitik.com/public-files/schuelermagazin-sozialpolitik-2017.pdf). Dort finden Sie im Impressum alle Angaben. Herausgeber: Stiftung Jugend und Bildung in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Arbeit. und Soziales. Autor der Texte: Christian Becker, Hildesheim. Stand Juli 2017. Beste Grüße Katja Rieger, Redaktion Sozialpolitik

Danke für die tollen Informationen habe wirklich sehr lange nach einem geeigneten Bericht über den Wandel der Arbeitswelt gesucht , nun bin ich froh ihre Seite gefunden zu haben .

Richtig gut. Böse Roboter, sollten wenn ins Krankenhaus helfen.

Heftig gut

Gar nicht schlecht! Die Roboter kann man bestimmt noch anders einsetzen... ich warte persönlich ja schon lange auf die Revolution dieser Industrie

Meine Kinder freuen sich schon auf die apokalypse der Roboter Sehr hilfre

DANK, Ich möchte mich bedanken, da mir dies bei der Vorbereitung einer PoWi (Politik und Wirtschaft) Arbeit hilft!!

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