Geschichte

Zum 1. Januar 2007 wird das Elterngeld eingeführt. Dies ist eine Lohnersatzleistung, die sich am Nettoeinkommen des betreuenden Elternteils orientiert. Das Bild zeigt eine Familie, die Eltern und zwei Kinder halten sich an der Hand, Foto ohne Jahresangabe.
Foto: Getty Images

Sozialpolitik im Zeichen der Globalisierung

2005 bis heute

Die Arbeitswelt verändert sich stetig. Die Globalisierung und die neuen Kommunikationstechnologien haben neue Berufsbilder entstehen lassen und andere verdrängt. Das sozialversicherungspflichtige Normalarbeitsverhältnis, wie wir es bisher kennen, weicht flexibleren Erwerbsformen.

Die Regierung kündigt im neuen Jahrtausend notwendige Reformen an. Das Bild zeigt die Glaskuppel des Deutschen Bundestages im umgebauten Reichstagsgebäude in Berlin, 1999.
Foto: Ullstein-Bild/Christian Bach

Reformen sichern die Zukunft

1998 bis 2005

Die Belastungen für das deutsche Sozialversicherungssystem konnten trotz einiger Reformen bis zur Jahrtausendwende nicht entschärft werden. Mit einer Quote von 12,8 Prozent erreichte die Arbeitslosigkeit im Jahr 1998 ihren Höhepunkt. Erste tiefgreifende Neuerungen auf dem Arbeitsmarkt schafften die Hartz-Gesetze. Weitere folgten mit der Agenda 2010.

Besucher aus Potsdam werden am 10. November 1989 freudig von den Westberlinern empfangen.
Foto: AKG-Images

Wiedervereinigtes Deutschland

1990 bis 1998

Am 3. Oktober 1990 war Deutschland wiedervereint. Ein neuer Zeitabschnitt gemeinsamer sozialpolitischer Herausforderungen begann. Die Freude über die Wiedervereinigung war in beiden Teilen Deutschlands groß. Für beide Staaten gingen damit jedoch auch große neue Herausforderungen einher.

In den 1970er-Jahren werden Arbeitsabläufe vermehrt technisiert. Das Bild zeigt Frauen an Computern im Rechenzentrum der Bundespost, 1974.
Foto: Ullstein-Bild/Zeitbild

Grenzen des Sozialstaats

1974 bis 1989

Die ersten knapp 20 Jahre der Bundesrepublik Deutschland waren geprägt von wirtschaftlichem Aufschwung, Vollbeschäftigung, sozialem Ausbau und Wohlstand. Mitte der 1970er-Jahre begann das scheinbar so stabile Sozialmassiv zu bröckeln. Wirtschaftskrisen und Strukturwandel bremsten das Wachstum. Sparkurse waren die Folge.

Die zunehmende Motorisierung unterstreicht den wachsenden Wohlstand in den 1950er-Jahren: Am 5. August 1955 läuft der einmillionste VW-Käfer vom Band. Das Bild zeigt ihn inmitten einer Menschenmenge, 1955.
Foto: Ullstein-Bild/VW/Audi

BRD: Wirtschaftswunder und Sozialstaat

1949 bis 1973

Nach neun Monaten Beratung verkündete am 23. Mai 1949 der Präsident des Parlamentarischen Rats, Konrad Adenauer, das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland. Nach Artikel 20, Absatz 1 war die Bundesrepublik Deutschland ab diesem Zeitpunkt ein demokratischer und sozialer Bundesstaat. Der Aufbau des Sozialstaates begann.

Kindergartenkinder mit Mützen von Soldaten der Nationalen Volksarmee beim militärischen Gruß, 1970er-Jahre.
Foto: Ullstein-Bild/Wiezorreck

DDR: Sozialpolitik im Sozialismus

1949 bis 1990

In der sowjetischen Besatzungszone wird am 7. Oktober 1949 die Deutsche Demokratische Republik, kurz DDR, als zweiter deutscher Staat gegründet. Von Anfang an übernimmt die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands, kurz SED, die Macht. Im Mittelpunkt ihres sozialpolitischen Handelns steht die DDR als Arbeitsgesellschaft: Erwerbstätigkeit soll das Leben des Staatsbürgers bestimmen. Die fünf Sozialversicherungen werden in eine zentral gelenkte Einheitsversicherung umgewandelt.

Die "großen Drei" – Churchill, Truman und Stalin auf der Potsdamer Konferenz im Jahr 1945
Foto: AKG-Images

Besatzungszeit und Gründung zweier deutscher Staaten

1945 bis 1949

Deutschland ist militärisch, politisch und wirtschaftlich am Ende. Am 8. Mai 1945 gibt die deutsche Wehrmacht den Kampf auf, sie erklärt die bedingungslose Kapitulation. Einen funktionierenden deutschen Staat gibt es nicht mehr.

Im Jahr 1933 übernehmen die Nationalsozialisten die Macht in Deutschland und stürzen die Welt sechs Jahre später in den Zweiten Weltkrieg. Sie feiern die Machtübernahme mit Fackelzügen. Das Bild zeigt diese Szene, die noch im Jahr 1933 während der Dreharbeiten zu einem Propagandafilm nachgestellt wurde.
Foto: Ullstein-Bild/Heinrich Hoffmann

Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg

1933 bis 1945

Mit der Machtübernahme im Jahr 1933 setzten die Nationalsozialisten ihre Ideologien radikal um. Die Juden auszurotten und eine arische Weltherrschaft zu erlangen, waren ihre Ziele. Gleichschaltung von Staat und Gesellschaft sowie die schnelle militärische Aufrüstung des Landes, waren ihre Methoden. Welche verheerenden politischen und sozialpolitischen Folgen das neue nationalsozialistische Regime mit sich bringen würde, war zunächst kaum abschätzbar.

Von 1918 bis 1933 ist das Deutsche Reich erstmals ein demokratischer Bundesstaat. Das Bild zeigt die verfassunggebenden Nationalversammlung in Weimar 1919.
Quelle: Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Die Weimarer Republik

1918 bis 1933

Nach der Niederlage Deutschlands im Herbst des Jahres 1918 veränderten sich die politischen Verhältnisse hierzulande grundlegend: Das Kaiserreich verwandelte sich im Oktober 1918 in ein parlamentarisch-demokratisches Reich, und der letzte kaiserliche Reichskanzler dankte ab. Kurz darauf, im Januar 1919 wurde in Weimar eine neue Republik gegründet.

Die Arbeit in den Fabriken ist für die Arbeiter sehr gefährlich, Schutzvorschriften gibt es keine. Das Bild zeigt einen Unfall in einer Maschinenfabrik, Holzstich 1889.
Quelle: AKG-Images

Kaiser Wilhelm II. und Erster Weltkrieg

1889 bis 1918

Gleich mit der Thronübernahme im Juni 1888 gab es zwischen dem neuen Kaiser Wilhelm II. und dem Reichskanzler Bismarck Spannungen. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger und Großvater Wilhelm I. verfolgte der junge Kaiser ganz eigene sozialpolitische Pläne. Vor allem der Arbeiterschutz war Wilhelm II. ein großes Anliegen.

Im Jahr 1871 wird das Deutsche Reich gegründet, und Wilhelm I., König von Preußen, wird zum Kaiser ernannt. Das Bild zeigt die Reichsgründung im Spiegelsaal von Versailles am 18. Januar 1871, Gemälde von Anton von Werner, 1885.
Quelle: AKG-Images

Reichsgründung und Sozialgesetze

1871 bis 1889

Im Spiegelsaal zu Versailles wird am 18. Januar 1871 das Deutsche Reich gegründet. Wilhelm I. wird zum Kaiser ernannt und Otto Fürst von Bismarck übernimmt das Amt des ersten Reichskanzlers. Wirtschaftlicher Aufbruch bestimmt das Land, gleichzeitig findet das Massenelend kein Ende. Es ist höchste Zeit, für den Staat zu handeln und die Soziale Frage endlich zu lösen.

In den schnell wachsenden Industriestädten des 19. Jahrhunderts leben viele Menschen in erbärmlichen Verhältnissen. Das Bild zeigt ein Elendsquartier der Obdachlosen in Berlin, Holzstich von Georg Koch, 1872.
Quelle: AKG-Images

Die Arbeiterbewegung entsteht

1848 und die Folgen

Die Industrialisierung schaffte im 19. Jahrhundert viele neue Arbeitsplätze. Die Kehrseite: Bis zu 13 Stunden Arbeit täglich in dunklen, dreckigen Hallen. Unfälle und Krankheiten waren alltäglich, von Arbeitsschutz oder Gesundheitsschutz keine Spur. Das Leben als Arbeiter bedeutete Not und Elend. Über Jahrzehnte spitze sich diese Situation zu, bis erste Stimmen laut wurden.

Eine entscheidende Grundlage für die Industrialisierung in Deutschland ist die Fähigkeit, Stahl in großen Mengen zu produzieren. Das Bild zeigt Arbeiter bei der Stahlerzeugung  an der "Bessemerbirne", zeitgenössischer Holzschnitt, 1870.
Quelle: AKG-Images

Industrielle Revolution

1848 bis 1880

Die Industrielle Revolution führte dazu, dass sich die Wohnverhältnisse der Menschen grundlegend änderten: Wohnplatz und Arbeitsplatz wurden voneinander getrennt, das Leben und Arbeiten unter einem Dach ging verloren. Seitdem gehört zur Sozialstaatlichkeit in Deutschland auch die Aufgabe, jedem Bürger einen Platz zum Leben und Wohnen zu ermöglichen.

Am 27. Mai 1832 versammeln sich rund 30.000 Menschen am Hambacher Schloss bei Neustadt in der Pfalz. Das Bild zeigt ein Gemälde von Johann Weber, um 1840.
Quelle: AKG-Images

Reformen und Rebellen

15. bis 19. Jahrhundert

Im Mittelalter waren alte und kranke Menschen auf Angehörige oder Almosen angewiesen. Im 16. Jahrhundert setzen sich Kirchen und Stiftungen für Arme ein. In der frühen Neuzeit regelt der Staat zunehmend die Armenfürsorge. Die Massenarmut konnte damit jedoch nicht reduziert werden. Im Laufe des 18. Jahrhunderts lehnen sich in Europa immer mehr Menschen aus dem Dritten Stand gegen ihre Unterdrückung auf.

Viele Frauen bauen die vom Krieg zerstörten Dörfer und Städte nach 1945 wieder mit auf. Das Bild zeigt "Trümmerfrauen" in Berlin, die Ziegelsteine bergen, 1945.
Foto: Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz/Herbert Hensky

Auf dem Weg zur Gleichberechtigung

Situation der Frau 1945 bis heute

Im Jahr 1949 wurde im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland die Gleichberechtigung von Männern und Frauen festgesetzt. Die rechtliche wie gesellschaftliche Situation für Mädchen und Frauen im Sinne einer besseren Gleichstellung hat sich in den letzten 60 Jahren erheblich verbessert.

Frauen finden vorwiegend als Heimarbeiterinnen oder Fabrikarbeiterinnen in der Textilindustrie oder Tabakindustrie Arbeit. Sie verdienen jedoch nur einen Bruchteil des Lohns der Männer. Das Bild zeigt Frauen bei der Anfertigung von Knallbonbons, 1910.
Foto: AKG-Images

Frauenarbeit, Frauenfrage, Frauenbewegung

Situation der Frau 1830 bis 1945

Bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts begannen Frauen, sich für eigene Rechte einzusetzen. Bis dahin hatten sie nahezu keine Rechte, nur Pflichten als Ehefrauen und Mütter. Die revolutionären Aufstände in den 1840er-Jahren bewegten schließlich auch Frauen dazu, auf die Straße zu gehen und Forderungen für gleiche Rechte laut werden zu lassen.

In der Textilproduktion werden Kinder als billige Arbeitskräfte eingesetzt. Das Bild zeigt Kinder bei der Arbeit in einer Spinnerei, 1907.
Foto: AKG-Images

Von der Ausbeutung zum Kinder- und Jugendschutz

Kinderarbeit

Zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert wurde Kinderarbeit von allen Seiten unterstützt. Für Familien war sie überlebensnotwendig, Behörden wollten eine Verwahrlosung verhindern, Gutsherren wie Fabrikanten profitierten von den billigen Arbeitskräften und den flinken Händchen. Im Jahr 1839 griff der Staat endlich ein. Ein Ende der Kinderarbeit war dennoch erst mal nicht in Sicht.

Während der Industrialisierung entstehen in deutschen Städten und Gemeinden immer mehr so genannte Volks- oder Suppenküchen. Dort können sich Familien, die kaum Geld für Lebensmittel besitzen, zum Selbstkostenpreis Suppe abholen. Das Bild zeigt eine Berliner Suppenküche, 1884.
Quelle: Ullstein-Bild

Armenfürsorge, Wohlfahrt und ehrenamtliches Engagement

Wohlfahrtspflege und Ehrenamt

Die Wohlfahrtspflege hat sich im Laufe von Industrialisierung, Weltkrieg, Inflation und Nationalsozialismus stark gewandelt. Waren Hilfebedürftige im 19. Jahrhundert noch auf private und kirchliche Einrichtungen angewiesen, so ist heute das Prinzip des Sozialstaats im Grundgesetz verankert. Trotzdem ist das Ehrenamt im 21. Jahrhundert genau wie vor 200 Jahren unverzichtbar.

Die Auswandererschiffe sind meist völlig überfüllt. Auf den langen und beschwerlichen Reisen werden viele Auswanderer Opfer von Krankheiten und Seuchen oder sterben an Entkräftung, noch bevor sie die neue Heimat erreichen. Das Bild zeigt eine Menschenmenge an Deck eines Auswandererschiffes, 1905.
Quelle: AKG-Images

Deutschland – ein Land der Zu- und Auswanderer

Zu- und Auswanderung

Im 19. Jahrhundert wanderten Millionen von Deutschen aus ihrer Heimat aus. Im 20. Jahrhundert hingegen entwickelte sich Deutschland ab Mitte der 1950er-Jahre zum Einwanderungsland.