Krankenversicherung

Hauptsache gesund

Krankenversicherung: Zwei Krankenschwestern laufen den Gang eines Krankenhauses entlang.
Foto: Shutterstock/Spotmatik Ltd.

Alle für einen: gesetzliche Krankenversicherung

Als erste Sozialversicherung wurde in Deutschland unter Reichskanzler Bismarck im Jahr 1883 die Krankenversicherung eingeführt (siehe Schaubild unter Sozialversicherung im Überblick). Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt medizinische Leistungen und Kosten zur Gesundheitsvorsorge. Sie wird aus Beiträgen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern gemeinsam finanziert. Beide zahlen jeweils 7,3 Prozent des monatlichen Bruttoeinkommens des Arbeitnehmers. Die Krankenkassen können jedoch von den Arbeitnehmern einen Zusatzbeitrag erheben, derzeit liegt er bei durchschnittlich 1,1 Prozent (Stand 2017, siehe Beispiel-Gehaltsabrechung unter Berufseinstieg).

Arbeitnehmer mit einem Einkommen unterhalb der sogenannten Versicherungspflichtgrenze von 57.600 Euro im Jahr 2017 sind in der Krankenversicherung pflichtversichert. Gleiches gilt für Arbeitslose, Sozialhilfeempfänger, Rentner, landwirtschaftliche Unternehmer, Heimarbeiter, Studierende, bestimmte Berufsgruppen bei Selbstständigen sowie Bundesfreiwilligendienstleistende.

Die gesetzliche Krankenversicherung beruht auf dem Solidarprinzip. Das bedeutet, dass Arbeitnehmer mit einem höheren Einkommen höhere Beiträge zahlen, Arbeitnehmer mit einem niedrigeren Einkommen entsprechend niedrigere. Ehepartner, die nicht berufstätig sind, und Kinder sind kostenfrei mitversichert. Unabhängig davon, wie hoch der finanzielle Beitrag des Einzelnen ist, erhalten alle Mitglieder die erforderlichen medizinischen Leistungen.

Jeder nach dem persönlichen Risiko: private Krankenversicherung

Wer so viel verdient, dass das Einkommen die genannte Versicherungspflichtgrenze übersteigt, kann nach einem Jahr wählen, ob er sich freiwillig gesetzlich oder privat versichern möchte. Auch Selbstständige oder Beamte können sich privat krankenversichern. 2016 waren rund 8,8 Millionen Menschen Mitglied in einer privaten Krankenversicherung. Sie finanziert sich über die Prämien, also Beiträge der Versicherten. Die Höhe der Prämie richtet sich nicht nach dem Einkommen, sondern ist vom individuellen Krankheitsrisiko, Alter und Geschlecht sowie vom gewählten Umfang des Versicherungsschutzes abhängig. Privatversicherte, die den vollen Leistungskatalog finanzieren können, erhalten jede von ihnen gewünschte Gesundheitsleistung.

Bei der privaten Krankenversicherung findet also kein sozialer Ausgleich statt. Jeder zahlt für sich selbst nach persönlichem Risiko und Bedürfnissen. Das nennt man Äquivalenzprinzip. Je jünger und gesünder man bei Versicherungsabschluss ist, desto niedriger fallen die Prämien aus. Das ist vor allem für jüngere und gesunde Menschen attraktiv. Es gibt jedoch auch Nachteile: Familienmitglieder sind nicht automatisch mitversichert. Arzt- und Krankenkosten müssen zunächst vom Patienten selbst beglichen und von der Kasse zurückgefordert werden. Die Leistungen sind vertraglich fest vereinbart, dies gilt jedoch nicht für die zu zahlenden Prämien. Wenn die Kosten steigen, reagieren die Versicherer darauf mit Beitragserhöhungen.

Das bietet die gesetzliche Krankenversicherung

  • Gesundheitliche Prävention: Um die Kosten für Krankheitsfälle möglichst gering zu halten, bieten die gesetzlichen Krankenkassen gesundheitliche Vorsorge an: Sportkurse, Kurse zum Thema gesunde Ernährung, kostenfreie Untersuchungen im Kindes- und Jugendalter und Früherkennungsuntersuchungen auf Krebserkrankungen. Darüber hinaus unterstützen die Krankenkassen Unternehmen bei der betrieblichen Gesundheitsförderung. Dadurch werden gesunde Arbeitsbedingungen geschaffen, von denen die Beschäftigten und letztlich auch die Unternehmer profitieren.
  • Finanzielle Absicherung: Bei langwierigen Krankheiten bekommt der Arbeitnehmer vom Arbeitgeber in der Regel sechs Wochen lang seinen Lohn weitergezahlt. Danach überweisen die Krankenkassen Krankengeld. Es beträgt 70 Prozent des Bruttoarbeitslohns.
  • Sozialversichert bei Krankheit: Auch wenn man Krankengeld erhält, endet der soziale Schutz nicht. Wie der Arbeitnehmer zahlt auch der Krankengeldbezieher seinen Anteil an den Beiträgen zur Arbeitslosenversicherung und Rentenversicherung.
     

Die gesetzliche Krankenversicherung stabilisieren

Aufgrund der alternden Gesellschaft und des technischen Fortschritts in der Medizin steigen die Gesundheitskosten stetig. Die Bundesregierung hat deshalb in den vergangenen Jahren mehrere Reformen auf den Weg gebracht, um die Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung zu sichern. Einzelne Leistungen wurden gekürzt oder gestrichen.

Brillen und Sehhilfen müssen heute überwiegend aus eigener Tasche bezahlt werden, für Zahnersatz zahlen die Kassen lediglich Zuschüsse. Seit dem Jahr 2009 gibt es außerdem einen Gesundheitsfonds, in den die Beiträge der Arbeitnehmer und Arbeitgeber fließen. Der Beitragssatz ist einheitlich, egal welche Krankenkasse der Versicherte gewählt hat. Aus dem Gesundheitsfonds erhalten die Kassen für jeden Versicherten einen pauschalen Betrag sowie ergänzende Zu- und Abschläge, die sich jeweils nach Alter, Geschlecht und Vorerkrankungen der Versicherten richten.

Zum 1. Januar 2015 wurde der allgemeine Beitragssatz in der gesetzlichen Krankenversicherung von 15,5 Prozent auf 14,6 Prozent gesenkt (Arbeitgeber und Arbeitnehmer jeweils 7,3 Prozent). Wenn die Kassen mit dem Geld nicht auskommen, dürfen sie allerdings Zusatzbeiträge erheben. Die Zusatzbeiträge liegen im Jahr 2017 bei durchschnittlich 1,1 Prozent. Der Arbeitgeberanteil bleibt dabei unangetastet. Kostensteigerungen müssen also die Arbeitnehmer tragen.

Stellungnahmen zur Gesundheitsreform 2015

Hermann Gröhe, Bundesminister für Gesundheit, CDU, 23. Oktober 2015:

Angesichts unserer älter werdenden Gesellschaft und des medizinischen Fortschritts müssen wir mit steigenden Gesundheitskosten rechnen und zugleich die Beitragsentwicklung in Schach halten. Deshalb werden wir die Zusatzbeiträge […] weiter im Auge behalten. Eine gute Versorgung gibt es aber nicht zum Nulltarif. Bei all unseren Gesetzesvorhaben geht es daher immer darum, Patientinnen und Patienten auch in Zukunft Spitzenmedizin und gute Pflege zur Verfügung zu stellen.

Annelie Buntenbach, Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB), 2. November 2015:

Die Arbeitnehmer-Zusatzbeiträge sind inzwischen das einzige Ventil für die Krankenkassen, um den Kostendruck auszugleichen. Die angekündigte Anhebung der Zusatzbeiträge wird also nicht die letzte sein. […] Das darf nicht allein den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern aufgeladen werden. Spätestens jetzt ist es Zeit, einen großen politischen Fehler zu korrigieren: Die Parität muss wiederhergestellt werden, die Arbeitgeber müssen sich wieder angemessen an den Gesundheitskosten beteiligen.

Positionspapier der Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), 22. Juli 2016:

Die weitere Festschreibung des Arbeitgeberanteils am Beitragssatz der gesetzlichen Krankenversicherung bei 7,3 Prozent ist notwendig, damit überproportional steigende Gesundheitsausgaben sich nicht negativ auf Beschäftigung und Wachstum auswirken. […] Die Arbeitgeber beteiligen sich im Rahmen der Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall bereits überproportional an den Krankheitskosten.

Florian Lanz, Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV), 23. Februar 2017:

Die Rekordbeschäftigung in Verbindung mit dem einmaligen Sonderzuschuss in Höhe von 1,5 Milliarden Euro an die Krankenkassen macht es möglich, dass der durchschnittliche Zusatzbeitragssatz in diesem Jahr trotz weiter steigender Ausgaben nicht steigen musste. Den entscheidenden Stabilitätsbeitrag leisten die Beitragszahler allerdings selbst, denn die zusätzlichen 1,5 Milliarden Euro, die in diesem Jahr aus dem Gesundheitsfonds an die Krankenkassen ausgeschüttet werden, wurden vorher aus Beitragsgeldern eingezahlt. Wichtiger für den Blick in die nahe Zukunft ist jedoch die überaus gute Konjunktur […].

 

Die Texte und Bilder entstammen dem Schülermagazin Sozialpolitik
Stand Juli 2017

10 Antworten

Kommentare

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Ein tendenziell sehr hilfreicher und informativer Beitrag. Vielen Dank an diesem Punkt!

Sehr informativ

Ich muss echt sagen Ihre Seite ist erstklassig und super strukturiert Vielen Dank!:) LG Richard

Ihr seid sehr sehr sehr Super. Ich habe fast etwas dazu gelernt. Aber nur fast! Es ist sehr Informativ aber zu Kompliziert.

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Super toller Beitrag hat uns sehr Weitergeholfen ! :-)

Sehr gutttttt!!!!!! Hat uns total geholfen ohne Witz!<3 yoloooo!!

danke! hab ne eins hat sehr geholfen danke lol!

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