Industrielle Revolution

1848 bis 1880

Eine entscheidende Grundlage für die Industrialisierung in Deutschland ist die Fähigkeit, Stahl in großen Mengen zu produzieren. Das Bild zeigt Arbeiter bei der Stahlerzeugung  an der "Bessemerbirne", zeitgenössischer Holzschnitt, 1870.
Quelle: AKG-Images

Welt im Wandel

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts nimmt die Industrielle Revolution in Deutschland ihren Lauf. Die Dampfmaschine treibt sie im wörtlichen Sinne an und sorgt dafür, dass immer mehr Waren maschinell hergestellt werden.

Die Lebensbedingungen und Arbeitswelt der Menschen wandelt sich in dieser Zeit radikal. Weitere technische Erfindungen, eine wachsende Nahrungsmittelproduktion sowie die mit den medizinischen und hygienischen Fortschritten einhergehende Bevölkerungszunahme tragen ebenfalls dazu bei.

Noch mehr Menschen ziehen auf der Suche nach Arbeit in die Städte. Dort stehen die Fabriken, in denen sie nun an Maschinen arbeiten.

Unmenschliche Arbeitsbedingungen

In den neu entstehenden Industriezentren des Bergbaus, der Stahlproduktion und des Textilgewerbes gibt es zwar Arbeit, aber die Bedingungen sind für heutige Verhältnisse unvorstellbar: Die Maschinen diktieren die Abläufe, und die Arbeiter müssen täglich zwölf bis dreizehn Stunden oder länger immer die gleichen Handgriffe erledigen. Sie sind fast militärischer Disziplin unterworfen und arbeiten in dunklen, überfüllten, staubigen, von Lärm durchfluteten Hallen.

Arbeitsschutzmaßnahmen gibt es nicht, Unfälle sind an der Tagesordnung. Doch wer nicht arbeiten kann, der erhält auch keinen Lohn. Wehren können sich die Arbeiter nicht, Kündigungsschutz ist unbekannt, und die Zahl der Arbeitsuchenden ist groß. Denn die neuen Maschinen schaffen nicht nur Arbeitsplätze, sie vernichten gleichzeitig auch viele Handwerksbetriebe.

Niedrige Löhne, hohe Lebenshaltungskosten

Genauso schlecht wie die Arbeitsbedingungen sind auch die Löhne. Es reicht deshalb nicht aus, wenn nur die Männer arbeiten. Frauen und sogar Kinder müssen ihren Teil dazu beitragen, um das Existenzminimum der Familien zu sichern. Sie verdienen jedoch nur einen Bruchteil dessen, was die Männer an Lohn für die gleiche Arbeit erhalten.

In den schnell wachsenden Industriestädten leben viele Menschen in engen und feuchten Einzimmerwohnungen oder Zweizimmerwohnungen. Die Mieten sind sehr hoch, und das Essen ist teuer: Die Arbeiter müssen mehr als die Hälfte ihres Einkommens für Lebensmittel ausgeben. Sie ernähren sich hauptsächlich von Kartoffeln und Brot. Letztlich bezahlen viele Millionen Menschen den Fortschritt dieser Zeit mit bitterem Elend. Diese sozialen Probleme, die mit der Industrialisierung einhergehen, werden auch als Soziale Frage bezeichnet.

Die meisten Menschen leben in Armut, einen Arzt können sie nicht bezahlen. Die Gemeinden versuchen, durch die Anstellung von Armenärzten medizinische Betreuung sicherzustellen. Das Bild zeigt Patienten, die beim Armenarzt auf ihre Behandlung, Ölgemälde von Jules Leonhard, 1860.
Quelle: AKG-Images

Der Staat ignoriert die Not

Lange ignoriert der Staat weit gehend die Not der Fabrikarbeiter und das Elend der Handwerksgesellen. Ein Beispiel: Aufgrund einer Wirtschaftskrise und der damit verbundenen Massenarbeitslosigkeit gibt der preußische Staatskanzler Karl August Freiherr von Hardenberg im September 1817 eine Umfrage in Auftrag. Alle Provinzialregierungen müssen ihm über die Lage der Fabrikarbeiter berichten. Dabei kommt heraus, dass ein Hauptgrund für die Verelendung der Arbeiter die Lohndrückerei durch Kinderarbeit ist.

Die preußischen Beamten lehnen staatliche Eingriffe jedoch ab. Stattdessen empfehlen sie, die Auswanderung zu fördern, um damit die Massenarbeitslosigkeit zu senken. Außerdem wollen sie die Schulpflicht verschärfen, um so die Kinderarbeit einzuschränken. Allerdings scheitern in den folgenden Jahren verschiedene Versuche am Widerstand der Unternehmen und auch der Arbeiterfamilien selbst, denn diese sind zur Existenzsicherung auf den Lohn ihrer Kinder angewiesen.

Erste Debatten um die Soziale Frage

„Überwindung des Pauperismus“, der Massenarmut, lautet der Schlachtruf der 1840er-Jahre. So kommt es im Jahr 1837 erstmals zu einer parlamentarischen Debatte um die Soziale Frage. Der Badener Professor und Politiker Franz Joseph Buß fordert, die Kinderarbeit einzuschränken und die Arbeitszeit für Erwachsene auf 14 Stunden zu begrenzen.

Buß regt an, dass der Staat die Arbeitsverhältnisse in den Fabriken gesetzlich regeln und durch ein Arbeits- und Wirtschaftsministerium überwachen soll. Zudem skizziert er die Grundzüge der heutigen Krankenversicherung und Unfallversicherung.

Hilfskassen für Krankheiten und Unfälle sollen die Arbeiter im Unglücksfall unterstützen. Sie sollen durch Beiträge finanziert werden, welche die Unternehmer zur Hälfte tragen. Die Vorschläge von Buß werden zwar abgelehnt, aber sie wirken weiter.

Schutz für Kinder und Jugendliche

Ein wichtiger Schritt hin zu einem modernen Arbeitsschutz ist das preußische Regulativ über die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter vom März 1839. Damit gibt es zum ersten Mal ein Jugendarbeitsschutzgesetz. Allerdings sorgt sich der Staat nicht uneigennützig um die Gesundheit der Kinder und Jugendlichen. Vielmehr zeigt sich bei den Musterungen für den Militärdienst, dass viele Jugendliche starke Gesundheitsschäden aufweisen – die preußische Verteidigungsfähigkeit ist also in Gefahr.

Kinder unter neun Jahren dürfen nun nicht mehr in Fabriken arbeiten, Jugendliche bis 16 Jahre höchstens zehn Stunden täglich mit zwei kurzen und einer längeren Pause. Die Unternehmen können von diesen Vorgaben in Ausnahmefällen zwar abweichen, allerdings kann der Staat jetzt auch die Erhaltung der „Moralität und Gesundheit“ der Fabrikarbeiter kontrollieren, heißt es in Paragraf 10 des Jugendarbeitsschutzgesetzes.

Firmen und Kirchen helfen

Einige Unternehmer sind sich ihrer Verantwortung für die Arbeiter bewusst und bieten ihnen freiwillig Unterstützung an. So gründet der Unternehmer und Politiker Friedrich Harkort im Jahr 1820 eine private Arbeiterkrankenkasse und im Jahr 1843 einen Verein „zur Hebung der ärmeren Klassen“.

Es sind aber vor allem die Kirchen, die der sozialen Not der Menschen begegnen. So ruft beispielsweise der Kaplan Adolf Kolping im Jahr 1846 in Elberfeld den Gesellenverein ins Leben. Dieser stellt den wandernden Handwerksburschen in den Unterkünften der Kolping-Familie ein Heim zur Verfügung.

Der Unternehmer und Politiker Friedrich Harkort richtet im Jahr 1827 im Auftrag des preußischen Staates eine Musterfabrik ein. Das Bild zeigt die Harkortsche Musterfabrik auf der Burg Wetter an der Ruhr, Gemälde von Alfred Rethel, 1834.
Quelle: AKG-Iamges

Ordnung von oben – erste Arbeitsrechte

Die preußische Gewerbeordnung aus dem Jahr 1845 soll vor allem den Not leidenden Handwerkern helfen. Sie belebt zwar das mittelalterliche Zunftwesen nicht wieder, allerdings unterstützen nun Innungen die Handwerker. Fortan wachen diese über die Lehrlingsausbildung im Handwerk und verwalten die Krankenkassen, Hilfskassen, Sterbekassen und Sparkassen. Zudem sorgen sie für die Witwen und Waisen der Innungsmitglieder. Außerdem legt die Gewerbeordnung fest, dass Arbeitsverträge frei vereinbart werden können. Dabei ist auch eine 14-tägige Kündigungsfrist zu beachten. Unternehmer dürfen sich nicht zusammenschließen, um Arbeitseinstellungen, Entlassungen oder Nichteinstellungen zu bestimmen. Im Gegenzug ist es den Arbeitern verboten zu streiken.

Im Jahr 1849 wird den Arbeitern schließlich das Recht auf Auszahlung eines Barlohns zugestanden. In den Industriestädten werden Gewerbekammern, die Vorläufer der heutigen Industrie- und Handelskammern, eingerichtet. In diese treten Handwerker, Handelsvertreter und Industrievertreter ein. Die Gewerbekammern organisieren die Gesellenprüfungen und Meisterprüfungen, überwachen die Behandlung von Fabrikarbeitern und regeln die Arbeitszeit. Außerdem schlichten sie Arbeitskonflikte und Lohnstreitigkeiten.

Weberaufstand in Schlesien

In anderen Wirtschaftsbereichen ist die Not dagegen so groß, dass die Menschen gewaltsam einen Ausweg aus ihrer Situation suchen. So kommt es im Juni 1844 zu einem Weberaufstand in Schlesien. Der Hintergrund: Die Unternehmer hatten die ohnehin sehr niedrigen Stücklöhne, die nicht einmal das Existenzminimum der in Heimarbeit tätigen Weber sichern, aufgrund einer Absatzkrise gekürzt. Das Militär schlägt den Aufstand aber rasch nieder. Von nun an wird immer deutlicher, dass die sich verschlechternden sozialen Verhältnisse rasch und gründlich reformiert werden müssen.

Man hilft sich selbst

Im Verlauf der Revolution in den Jahren 1848 und 1849 werden zwar auch sozialpolitische Ansprüche formuliert, doch sie stehen immer im Schatten der bürgerlich-liberalen Forderungen. Nach dem Scheitern der Revolution müssen sich die Arbeiter wieder vorrangig allein organisieren. Sie gründen beispielsweise Hülfsvereine, die privat Geld sammeln, um die Not zu mildern.

Während der Zeit des Wirtschaftsliberalismus von 1850 bis 1873 hält sich der Staat weitgehend zurück. Der Rat der Liberalen für die Arbeiter lautet schlicht: Hilfe durch Selbsthilfe. Für sie ist Bildung und Erziehung eine wichtige Grundlage für den wirtschaftlichen Erfolg. Eingriffe des Staates in die Wirtschaft, also Wirtschaftspolitik und Sozialpolitik, lehnen die Liberalen ab. Ihre politischen Ziele sollen die Arbeiter innerhalb der linksliberalen Fortschrittspartei verwirklichen.

Arbeiter profitieren nicht vom Wirtschaftswachstum

Im Jahr 1850 setzt in Deutschland ein wirtschaftlicher Aufschwung ein, denn der 1834 gegründete Deutsche Zollverein schützt die einheimische Industrie vor ausländischen Konkurrenzprodukten. Die Schwerindustrie löst die Textilwirtschaft als Vorreiter der industriellen Entwicklung ab, der Eisenbahnbau entpuppt sich als wahres Zugpferd. Schwerpunkte der neuen Industriezentren im Ruhrgebiet, in Berlin, Sachsen und Oberschlesien sind die Gusseisenproduktion, Lokomotiven und Maschinen.

Durch die Weltwirtschaftskrise in den Jahren 1857 bis 1859, einen Konjunktureinbruch im Jahr 1866 und der Großen Depression in den Jahren 1873 bis 1895 wird die wirtschaftliche Entwicklung zeitweise zurückgeworfen. Doch diese Krisen können den Aufstieg nicht mehr umkehren. Allerdings sind es ausschließlich Unternehmer, die von dem Wirtschaftswachstum profitieren. Die Arbeiter bleiben außen vor, und es ändert sich kaum etwas an den schlechten Arbeitsbedingungen und der niedrigen Bezahlung.

 

Die Texte und Bilder entstammen dem Arbeitsheft Sozialgeschichte Band I: Vom späten Mittelalter bis zum Zweiten Weltkrieg
Stand März 2014

11 Antworten

Kommentare

mir hat es echt geholfen.... ist echt klasse zum glück ist es heute nichtmehr so wie früher...

Mir hat dieser Artikel sehr geholfen NICHT! Ich fand ihn einfach viel zu lang... Man könnte ihn ruhig kürzer fassen..-_- ---!

dankeschön sehr hilfreich*-*

geht so in dem text geht es nicht mal wirklich um den wohnstand+

Wir müssen in Geschi eine 30-minütige Radiosendung über die Industrielle Revolution aufnehmen. Sehr viele gute Informationen

Meiner Meinung nach ist die Länge des Artikels genau richtig. =)

dat war supermega hilfreich,aber irgenwie auch nicht,anderseits schon,pie von eins bis zehn war es ne krass m,ega super gute zwei

Das hat mir nicht so sehr geholfen wie waren nun die Arbeitsbedingungen und wohnverhaltnisse der Arbeiter. Na ich würde sagen schrecklich weil sie müssten über lange Zeit arbeiten und die meiste Zeit im stehen die Wohnverhaltnisse waren sehr schlecht

Super :D Bietet einen guten Überblick, nicht zu viel aber dennoch genug Informationen für eine gute Präsentation :)

Ich habe mir nicht alles durchgelesen, da er schon vile zu lange aussieht und ich etwas für bilingual brauche ich habe schon alles was dort drin steht

Sehr gute Quelle und interessant. Mir hat der Text bei einer wichtigen Nachforschung sehr geholfen. Man konnte den Text meiner Meinung nach ausgezeichnet verstehen und es war meine ''Hauptquelle''

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