Armut und Reichtum

Chancen für alle schaffen

Armut und Reichtum: Ein kleines Mädchen wirft einem Bettler ein Geldstück in den Hut.
Foto: Shutterstock/Dmytro Zinkevych

Ziel der Sozialpolitik: Teilhabe für alle

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes hatten rund 16,7 Prozent der Menschen in Deutschland im Jahr 2014 weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung. Sie gelten als armutsgefährdet. In Deutschland liegt die Armutsgefährdungsgrenze für Alleinlebende bei 987 Euro Nettoeinkommen (nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben) im Monat, für Familien mit zwei Kindern bei weniger als 2.072 Euro im Monat. Besonders gefährdet sind arbeitslose, alleinerziehende und alleinlebende Menschen. Auch Migranten und Menschen mit niedrigen Bildungsabschlüssen sind überdurchschnittlich häufig betroffen. Mit wachsender Kinderzahl steigt das Armutsrisiko.

Bildung und Beschäftigung vermeiden Armut

Alle Menschen sollen am wirtschaftlichen und sozialen Leben teilhaben können. Das soziale Netz soll Menschen in Not auffangen. Zu diesem sozialen Netz gehören zum Beispiel das Arbeitslosengeld II, auch Hartz IV genannt, oder die Grundsicherung im Alter und die Unterstützung armer Familien. Armut soll sich nicht vererben. Der Weg zur Armutsvermeidung führt über mehr Bildung und Beschäftigung. Daher ist es ein vorrangiges Ziel der Bundesregierung, Erwerbslose wieder in Arbeit zu bringen.

Kinderarmut – ein Startplatz in der hinteren Reihe

Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Familien haben ein erhöhtes Risiko, körperlich oder seelisch krank zu werden. Sie erreichen häufiger gar keine oder niedrigere Schulabschlüsse als Kinder aus finanziell besser gestellten Familien und müssen als Erwachsene häufiger mit Arbeitslosigkeit rechnen – ein Teufelskreis.

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit lebten im Dezember 2015 rund 1,5 Millionen Kinder unter 15 Jahren in Haushalten, die Arbeitslosengeld II in Anspruch nehmen mussten. Schlimmer als der Mangel an Geld wirken sich die sozialen Folgen der Armut aus: das Gefühl, mit den anderen nicht mithalten zu können, und der Frust über die geringeren Möglichkeiten, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.

Mit dem sogenannten Bildungspaket unterstützt die Bundesregierung seit dem Jahr 2011 Kinder und Jugendliche, deren Eltern Arbeitslosengeld II oder Sozialgeld, Sozialhilfe, den Kinderzuschlag oder Wohngeld beziehen. Ziel ist es, den Kindern und Jugendlichen über Zuschüsse und Kostenerstattungen bessere Lebens-, Bildungs- und Entwicklungschancen zu bieten.

Entwicklungsprobleme bei Vorschulkindern

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Schaubild Entwicklungsprobleme bei Vorschulkindern
Quelle: Thomas Groos, Nora Jehles: Der Einfluss von Armut auf die Entwicklung von Kindern, Ergebnisse der Schuleingangsuntersuchung. Herausgeber: Bertelsmann Stiftung und Zentrum für interdisziplinäre Regionalforschung. Gütersloh 2015

Armut in Deutschland und weltweit

Nach Angaben des vierten Armuts- und Reichtumsberichts der Bundesregierung aus dem Jahr 2013 besitzen die reichsten zehn Prozent der Bevölkerung über die Hälfte der Vermögen in Deutschland, während die ärmere Hälfte der Bevölkerung lediglich über gut ein Prozent verfügt. Aufgabe der Politik ist es, Rahmenbedingungen für soziale Aufstiegsmöglichkeiten zu schaffen und dafür zu sorgen, dass sich die Schere zwischen Arm und Reich nicht weiter öffnet.

Im weltweiten Vergleich zählt Deutschland dennoch zu den reichen Ländern. Die Einkommensunterschiede zwischen Industrie- und Entwicklungsländern sind groß. Die absolute Armut ist zwar insgesamt weltweit leicht gesunken, und es gibt in vielen Regionen soziale Fortschritte wie steigende Lebenserwartung, sinkende Kindersterblichkeit und höhere Einschulungsquoten. Einkommen und Vermögen sind in diesen Ländern jedoch immer noch sehr ungleich verteilt. Aus den daraus resultierenden Konflikten können Bürgerkriege entstehen. Die Folge sind große Wanderungsbewegungen aus den ärmeren in die reicheren Länder.

Nach Schätzungen der Vereinten Nationen sind derzeit weltweit mehr als 50 Millionen Menschen auf der Flucht vor Armut, Krieg und Verfolgung. Das ist der höchste Wert seit dem Zweiten Weltkrieg (1939 bis 1945). Auch Deutschland ist als wohlhabendes und sicheres Land ein begehrtes Ziel. Im Herbst 2015 öffnete die Bundesregierung die Grenzen für Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien. Rund eine Million Flüchtlinge kam im Jahr 2015 nach Deutschland. Es wurden rund 477.000 Asylanträge gestellt, für 2016 erwartet das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge noch einmal etwa 500.000 Flüchtlinge. Um den Menschen in ihren Herkunftsländern bessere Lebensbedingungen zu ermöglichen, müssen vor allem der Zugang zu Bildung und die Infrastruktur (zum Beispiel Gesundheitsversorgung, Straßenbau) verbessert werden.

Ziel von Entwicklungspolitik ist es, die Entwicklungsländer politisch und wirtschaftlich zu fördern. Nur so werden die Menschen in den ärmeren Ländern in die Lage versetzt, sich selbst zu helfen und ein besseres Leben aufzubauen.

Begriffserläuterungen

Absolute Armut bezeichnet ein Leben am Rande des Existenzminimums (existenzielle Armut). Menschen in absoluter Armut haben kaum Zugang zu lebenswichtigen Gütern wie Nahrung und Trinkwasser. Absolute Armut betrifft in erster Linie Entwicklungsländer und ist in Deutschland nahezu ausgeschlossen. Nach einer Definition der Weltbank liegt absolute Armut vor, wenn Menschen von weniger als 1,25 Dollar pro Tag leben müssen, das ist rund ein Euro.

Relative Armut: In Industrieländern wird Armut zumeist als relative Armut definiert. In relativer Armut leben Menschen, die ein deutlich geringeres Einkommen als der Durchschnitt der Bevölkerung haben (Einkommensarmut). Diese Menschen können nur eingeschränkt an Bildung, Gesundheit und dem gesellschaftlichen Leben teilhaben.

Durchschnittseinkommen ist ein rechnerisch ermittelter Wert. Dabei wird die Summe aller Einkommen durch die Anzahl der Einkommensbezieher geteilt.

Mittleres Einkommen, Medianeinkommen bedeutet, es liegt genau in der Mitte: Die Zahl der höheren Einkommen ist genauso groß wie die Zahl der niedrigeren. Wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung hat, gilt in Deutschland als armutsgefährdet.

 

Die Texte und Bilder entstammen dem Schülermagazin Sozialpolitik
Stand Juli 2016

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