Armut und Reichtum

Chancen für alle schaffen

Armut und Reichtum: Ein Junge sitzt in Jogginghosen und mit zerschlissenen Turnschuhen am Fuß einer Treppe.
Foto: Shutterstock/Ralf Geithe

Schere zwischen Arm und Reich

Das Statistische Bundesamt hat errechnet, dass rund 16,5 Prozent der Menschen in Deutschland im Jahr 2016 weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens (siehe unten) zur Verfügung hatten. Sie gelten als armutsgefährdet. Die Armutsgefährdungsgrenze für Alleinlebende liegt in Deutschland bei 1.064 Euro Nettoeinkommen im Monat (Einkommen nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben), für Familien mit zwei Kindern bei 2.234 Euro im Monat. Besonders gefährdet sind arbeitslose, alleinlebende und alleinerziehende Menschen. Mit wachsender Kinderzahl steigt das Armutsrisiko. Auch Migranten und Menschen mit niedrigen Bildungsabschlüssen sind überdurchschnittlich häufig von Armut bedroht.

Nach Angaben des fünften Armuts- und Reichtumsberichts der Bundesregierung aus dem Jahr 2017 besitzen die reichsten zehn Prozent der Bevölkerung über die Hälfte des Gesamtvermögens in Deutschland, während die ärmere Hälfte der Bevölkerung lediglich über gut ein Prozent verfügt. Aufgabe der Politik ist es, Rahmenbedingungen für soziale Aufstiegsmöglichkeiten zu schaffen, damit sich die Schere zwischen Arm und Reich nicht weiter öffnet.

Armut  soll sich nicht vererben

Alle Menschen sollen am wirtschaftlichen und sozialen Leben teilhaben können. Das soziale Netz soll Menschen in Notlagen auffangen. Dazu gehören zum Beispiel das Arbeitslosengeld II, auch Hartz IV genannt, die Grundsicherung im Alter und die Unterstützung armer Familien. Armut soll sich nicht vererben. Der Weg zur Armutsvermeidung führt über mehr Bildung und Beschäftigung. Daher ist es ein vorrangiges Ziel der Bundesregierung, Erwerbslose wieder in Arbeit zu bringen.

Bildungschancen von Anfang an

Über alle Altersgruppen hinweg besteht ein starker Zusammenhang zwischen Einkommen, familiärem Bildungshintergrund und dem eigenen Bildungsweg. So schaffen Kinder aus Elternhäusern mit niedrigem Bildungsstand nach der Grundschule deutlich seltener den Sprung aufs Gymnasium. Das Risiko, körperlich oder seelisch krank zu werden, ist bei ihnen höher. Jugendliche aus einkommensschwachen Familien  erreichen häufiger niedrigere oder gar keine Schulabschlüsse als Kinder aus finanziell bessergestellten Familien und müssen als Erwachsene häufiger mit Arbeitslosigkeit rechnen.

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit lebten im Dezember 2017 rund zwei Millionen Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren in Haushalten, die Arbeitslosengeld II in Anspruch nehmen mussten. Schlimmer als der Mangel an Geld wirken sich die sozialen Folgen der Armut aus: das Gefühl, mit den anderen nicht mithalten zu können, und der Frust über die geringeren Möglichkeiten, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.

Mit dem sogenannten Bildungspaket unterstützt die Bundesregierung seit dem Jahr 2011 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die Arbeitslosengeld II, Sozialgeld oder Sozialhilfe erhalten oder deren Eltern einen Kinderzuschlag oder Wohngeld beziehen. Ziel ist es, ihnen über Zuschüsse und Kostenerstattungen bessere Lebens-, Bildungs- und Entwicklungschancen zu bieten.

Schulbesuch 2017 nach Schularten und Schulabschlüssen der Eltern

Excel-Datei zum Schaubild

Schulwahl in Abhängigkeit von dem Schulabschluss der Eltern
Quelle: Statistisches Bundesamt, Stand: September 2018

Armut weltweit

Die Einkommensunterschiede zwischen Industrie- und Entwicklungsländern sind groß. Die absolute Armut ist zwar weltweit leicht gesunken, und es gibt in vielen Regionen soziale Fortschritte wie steigende Lebenserwartung, sinkende Kindersterblichkeit und höhere Einschulungsquoten. Einkommen und Vermögen sind in den Entwicklungsländern jedoch immer noch sehr ungleich verteilt. Aus den daraus resultierenden Konflikten können Bürgerkriege entstehen. Die Folge sind oft große Wanderungsbewegungen aus den ärmeren Ländern in die reicheren Länder.

Nach Schätzungen der Vereinten Nationen waren Ende des Jahres 2016 rund 66 Millionen Menschen auf der Flucht vor Armut, Krieg und Verfolgung. Das war der höchste Wert seit dem Zweiten Weltkrieg (1939 bis 1945). Die Fluchtbewegungen halten – wenn auch vermindert – an. Im weltweiten Vergleich zählt Deutschland zu den wohlhabendsten und sichersten Ländern und ist deshalb ein begehrtes Ziel. Seit 2015 sind mehr als eine Million Menschen nach Deutschland gekommen.Insgesamt wurden seit 2015 rund 1,5 Millionen Anträge auf Asyl beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gestellt.

Unter den Flüchtlingen sind nicht nur Menschen, die vor Bürgerkriegen fliehen, sondern auch Armutsflüchtlinge, die in ihrer Heimat keine Perspektive sehen. Um den Menschen in ihren Herkunftsländern bessere Lebensbedingungen und Sicherheit zu ermöglichen, müssen vor allem der Zugang zu Bildung und Arbeit sowie die Infrastruktur (zum Beispiel Gesundheitsversorgung, Straßenbau) verbessert und die gewaltsamen Konflikte gelöst werden. Das Ziel einer nachhaltigen Entwicklungspolitik ist es deshalb, die Entwicklungsländer politisch zu stabilisieren und wirtschaftlich zu fördern. Nur so werden die Menschen in ärmeren Ländern in die Lage versetzt, sich selbst zu helfen und sich aus eigener Kraft ein besseres Leben aufzubauen.

Definitionen von Armut und Einkommen

Absolute Armut bezeichnet ein Leben am Rande des Existenzminimums (existenzielle Armut). Menschen in absoluter Armut haben kaum Zugang zu lebenswichtigen Gütern wie Nahrung und Trinkwasser. Absolute Armut betrifft in erster Linie Entwicklungsländer und ist in Deutschland nahezu ausgeschlossen. Nach einer Definition der Weltbank liegt absolute Armut vor, wenn Menschen von weniger als 1,90 Dollar pro Tag leben müssen – das entspricht rund 1,60 Euro.

In relativer Armut leben Menschen, die ein deutlich geringeres Einkommen als der Durchschnitt der Bevölkerung haben (Einkommensarmut). Diese Menschen können nur eingeschränkt an Bildung, Gesundheit und dem gesellschaftlichen Leben teilhaben. In Industrieländern wird Armut zumeist als relative Armut definiert.

Das Durchschnittseinkommen ist ein rechnerisch ermittelter Wert. Dabei wird die Summe aller Einkommen durch die Anzahl der Einkommensbezieher geteilt.

Das mittleres Einkommen oder Medianeinkommen liegt genau in der Mitte: Die Zahl der höheren Einkommen ist genauso groß wie die Zahl der niedrigeren. Wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung hat, gilt in Deutschland als armutsgefährdet.

 

Die Texte und Bilder entstammen dem Schülermagazin Sozialpolitik
Stand September 2018

4 Antworten

Kommentare

Es ist bedrückend, wie reiche Menschen für die Armut anderer verantwortlich gemacht werden. Wer das behauptet, versteht die Zusammenhänge nicht oder will sie nicht verstehen. In der Wirtschaft wird nicht der reich, der vielen Menschen etwas nimmt, sondern nur der, der vielen Menschen etwas gibt. Die Reichsten in Deutschland waren die "ALDI-Brüder", die den Discount im Lebensmittelbereich erst erfunden haben. Es gibt viele andere Beispiele, wo Reichtum für die Armen eine Hilfe war. Wann werden das alle kapieren ? -

Danke fürs Schönreden - wirklich sehr hilfreich. Dann kann man also alles so lassen? Angesichts von immer mehr Menschen, die an der Tafel Schlange stehen - alles im grünen Bereich? Es gibt sicher Reiche, die viel Gutes tun. Aber es gibt nun mal auch viel Reiche, die einfach reich geboren werden und viel erben, ohne selbst dran schuld zu sein und ohne etwas Sinnvolles dafür getan zu haben. Und es gibt noch mehr Arme, die arm geboren werden, ohne selbst dran schuld zu sein, und die sich abrackern, ohne auf einen grünen Zweig zu kommen. Man kann eben auch einfach Glück und Pech im Leben haben. Gerecht ist das nicht. Um Gerechtigkeit müssen sich die Menschen dann selbst bemühen. Und etwas mehr Demut bei Reichen wäre dabei nicht schlecht ...

Reiche sollten prinzipielle nur max. 1 mio. Euro besitzen. Da die Geldmenge bzw. der Wert auf der Welt gleich bleibt, erzeugt jeder Reichtum auch Armut. Sollen die Reichen so weiter machen, werden sie sowieso alle mit ihren getötet, wenn der große Crash kommt. Reiche bestechen unsere Politiker mittels Parteispenden und so machen es die Reichen immer leichter uns normale ausbluten zu lassen, statt die wahren Verbrecher zu bestrafen, werden sie gefördert. Wer arbeitslos wird muss dann Zeitarbeitsjobs zumachen um noch mehr in die Armut getrieben zu werden.

Es besteht ein Missverständnis in unserer Gesellschaft hinsichtlich der Bedeutung von Sozialer Gerechtigkeit! Selbstverständlich sich Unterschiede in Einkommen legitim (bis zu einem bestimmten Grad), jedoch nur wenn für alle Mitglieder der Gesellschaft Chancengleichheit besteht. Ist dies nicht so können wir in gewisser Weise von Ungerechtigkeit sprechen. Es besteht definitiv handlungsbesdarf im deutschen System, denn wie der Artikel aufzeigt klafft die Schere stetig weiter auseinander. Das Kommentar von Fred finde ich interessant, selbstverständlich profitieren wir von den cleveren Köpfen einer Gesellschaft. Jedoch profitieren die cleveren Köpfe auch von den sehr geringen Standortkosten, welche in DE vorherrschen. Es ist ein Geben und Nehmen in der Gesellschaft und die Verdienste von Unternehmern sollten gewürdigt werden! Aber ein mehrstelliger Millionenverdienst gegenüber Kurz- Mini- oder Leiharbeit als gerecht darstellen zu wollen ist nicht der richtige Weg. Unterschiede- ja ; Gerechtigkeit - ja bitte bitte! Denn heutzutage ist nicht mehr jeder seines Glückes Schmied, sondern der Rahmen schafft die Entwicklungsmöglichkeiten.

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