Rentenversicherung 2

Mehr Rentner, weniger Kinder

Rentenversicherung: Kleine Figürchen eines Rentnerpaars in einer Landschaft von aufgetürmten Geldstücken.
Foto: Shutterstock/beeboys

Weiterentwicklung der Rente

Ziel der Reformen in der Rentenpolitik der vergangenen Jahre ist es, die Folgen der demografischen Veränderungen generationengerecht auf Jung und Alt zu verteilen. Dazu wurde unter anderem die Rentenanpassungsformel durch einen sogenannten Nachhaltigkeitsfaktor ergänzt, der erstmalig im Jahr 2005 zur Anwendung kam. Dieser Faktor berücksichtigt die Entwicklung des zahlenmäßigen Verhältnisses von Rentnerinnen und Rentnern zu Beitragszahlerinnen und Beitragszahlern bei der jährlichen Anpassung der Renten. Steigt die Anzahl der Rentnerinnen und Rentner, so wirkt der Nachhaltigkeitsfaktor dämpfend, und die Rentenanpassung fällt geringer aus. Steigt die Anzahl der Beitragszahlerinnen und Beitragszahler, wirkt der Nachhaltigkeitsfaktor steigernd, und die Rentenanpassung fällt höher aus.

Ein weiteres wichtiges Gesetz war das Altersgrenzenanpassungsgesetz von 2007. Damit wurde beschlossen, das Renteneintrittsalter für die Regelaltersrente schrittweise von 65 auf 67 Jahre anzuheben. Das heißt: Wer 1964 und später geboren wurde, kann in der Regel erst mit 67 Jahren ohne Abzüge in Rente gehen. In der Gesellschaft wird darüber diskutiert, ob das Renteneintrittsalter noch weiter angehoben werden sollte (siehe unten).

Rentenpakt für Deutschland

Nach dem Entwurf eines Gesetzes über Leistungsverbesserungen und Stabilisierung in der gesetzlichen Rentenversicherung (RV-Leistungsverbesserungs- und Stabilisierungsgesetz), der im August 2018 vom Bundeskabinett beschlossen wurde, soll eine doppelte Haltelinie in der gesetzlichen Rentenversicherung eingeführt werden. Danach darf das Rentenniveau* bis zum Jahr 2025 nicht unter 48 Prozent sinken und der Beitragssatz für die Arbeitnehmer und Arbeitgeber nicht über 20 Prozent steigen. Außerdem soll es bei der Rente weitere Verbesserungen für Zeiten der Kindererziehung vor 1992, für Geringverdiener und für krankheitsbedingte Frührentner geben.

* Das Rentenniveau ist das Verhältnis der verfügbaren Standardrente zum verfügbaren Durchschnittsentgelt. Die zu zahlenden Sozialbeiträge auf die Rente und den Lohn werden dabei abgezogen. Die sogenannte Standardrente entspricht einer Rente nach 45 Jahren Arbeit mit Durchschnittsverdienst. Vereinfacht ausgedrückt wird mit dem Rentenniveau gezeigt, wie sich die Renten im Zeitablauf im Verhältnis zu den Löhnen entwickeln. Das Rentenniveau ist damit eine Kennzahl für die Leistungsfähigkeit des Rentensystems insgesamt. Es dient aber nicht dazu, Aussagen über individuelle Rentenansprüche zu treffen.

Alterssicherung 2025+

Die Finanzierung der Rentenversicherung bleibt angesichts der demografischen Entwicklung eine große Herausforderung. Um sie langfristig zu stabilisieren, wurde die Rentenkommission „Verlässlicher Generationenvertrag“ eingerichtet. Sie wird bis März 2020 Empfehlungen für die Alterssicherung in Deutschland für die Zeit nach dem Jahr 2025 erarbeiten.

Wer ist in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert?

  • Arbeitnehmer: Dazu gehören auch Auszubildende, Entwicklungshelfer, Menschen mit Behinderungen, die in anerkannten Behindertenwerkstätten arbeiten, freiwillig Wehrdienstleistende und Bundesfreiwilligendienstleistende. Wer einige Zeit lang Arbeitslosengeld oder Krankengeld bezieht, ist trotzdem weiterhin versichert.
     
  • Pflegende: Menschen, die mindestens zehn Stunden pro Woche, verteilt auf wenigstens zwei Tage, einen pflegebedürftigen Angehörigen betreuen und nicht mehr als 30 Stunden wöchentlich arbeiten, sind ohne eigene Beitragszahlung pflichtversichert. Ihre Beiträge werden von den Pflegekassen übernommen.
     
  • Erziehende: Auch Mütter und Väter sind in Zeiten, in denen sie Kinder erziehen, pflichtversichert. Bis zu drei Jahre werden bei der Rente berücksichtigt. In dieser Zeit müssen sie keine Beiträge zahlen, das übernimmt der Staat für sie.
     
  • Selbstständige: Nur bestimmte Berufsgruppen wie selbstständige Handwerker, Künstler und Hebammen sind laut Sozialgesetzgebung pflichtversichert. Alle anderen Selbstständigen können sich freiwillig versichern oder auf Antrag pflichtversichern und erwerben dann ebenfalls Rentenansprüche. Selbstständige zahlen ihre Beiträge bis auf einige Ausnahmen selbst. Der Mindestbeitrag beträgt derzeit monatlich 83,70 Euro (Stand 2018).
     

Deutschland altert

Das Schaubild „Deutschland altert – deutsche Lebensbäume“ zeigt vier Grafiken, die die Altersstrukturen für die Jahre 1900, 1950, 2018 und 2060 abbilden. Die Balkendiagramme zeigen unten den Anteil der jungen Menschen und oben den Anteil der alten Menschen in Fünfjahresschritten von 0 bis 100 Jahren. Im Jahr 1900 sieht die Grafik aus wie ein spitz zulaufender Tannenbaum: unten am breitesten mit vielen Jungen als Schwerpunkt, oben am schmalsten mit nur wenigen Alten in der Spitze. Von Grafik zu Grafik wandert der Schwerpunkt immer weiter nach oben: 2018 stehen 35 Menschen im Rentenalter etwa 100 Menschen im erwerbsfähigen Alter gegenüber. Im Jahr 2060 werden es voraussichtlich noch etwa 55 Erwerbstätige sein. Die Grafik sieht nun eher aus wie ein Dönerspieß, von dem unten schon Fleisch weggeschnitten worden ist.
Quelle: Statistisches Bundesamt, Stand: Februar 2018/Globus 12298

Diskussion: Rente mit 70?

Pro:

Das lässt viele erst einmal zusammenzucken. […] Doch angesichts der steigenden Fitness im Alter erscheint zumindest ein Bürojob auch mit 70 zumutbar. […] Ein […] automatisch ansteigender Renteneintritt würde den ständigen politischen Streit über das Rentenalter beenden. Und es wäre ein Einstieg in eine Rentenversicherung, die bezahlbar bliebe.

Dyrk Scherff: Arbeiten bis 72, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 10. Juni 2018, Seite 36

Kontra:

Die Frage, ob das Instrument der Heraufsetzung des Renteneintrittsalters wirklich praxistauglich ist, steht noch aus. Körperlich schwer arbeitende Menschen werden wohl kaum bis zum Eintritt der gesetzlichen Altersgrenze ihrer Beschäftigung nachgehen können. Eine grundlegende Reform des Arbeitsmarktes ist daher zwingend […]. Es müssen vielmehr Angebote für die Generation 60+ geschaffen werden.

AktiveRentner.de – Magazin für Senioren: Rente mit 70 – Segen oder Fluch, Stand: Juni 2018

 

Die Texte und Bilder entstammen dem Schülermagazin Sozialpolitik
Stand September 2018

5 Antworten

Kommentare

Wie Sie sicher wissen, haben wir in Deutschland unterschiedliche Systeme für die Altersversorgung, die gesetzliche Rentenversicherung, die Politikerversorgung, die Beamtenversorgung und die berufsständischen Versorgungssysteme für die Selbständigen. Was auch in den vorliegenden Materialien nicht genannt wird, ist, dass Deutschland das einzige Land in Europa ist, in dem nicht alle Bürger in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert sind. In allen anderen Ländern gibt es entweder eine Volksversicherung, das heißt alle Bürger sind pflichtversichert, oder eine Erwerbstätigenversicherung, das heißt alle Erwerbstätigen sind pflichtversichert, sozusagen vom Bundespräsidenten bis zum Hilfsarbeiter. Allein in Deutschland gibt es die Pflichtversicherung mit wenigen Ausnahmen nur für abhängig Beschäftigte. Für Selbständige gelten überwiegend die berufsständischen Versorgungssysteme, für Beamte und Richter die Beamtenversorgung. Wäre es nicht erforderlich hier darauf einzugehen?

Sehr geehrter Herr Sorgalla, danke für Ihren Beitrag. Zur Erklärung: Die Materialien "Sozialpolitik" richten sich an Schüler und Auszubildende, die erfahren sollen, warum Sie beim Berufseinstieg Sozialbeiträge von ihrem ersten Gehalt abgezogen bekommen. Darum werden hier die fünf Zweige der Sozialversicherung erklärt. In den Kapiteln Rentenversicherung 1+2 geht es deshalb auch vor allem die gesetzliche Rente, die zwei Drittel aller Altersvorsorgeausgaben in Deutschland abdeckt. Die Texte in der Rubrik "Wissen" hier im Internet entsprechen den Texten des gedruckten Schülermagazins "Sozialpolitik", in dem wir aus Platzgründen möglich kompakt erklären müssen. Ich werde Ihre Anregung jedoch gern aufnehmen und in die Redaktionssitzung zur nächsten Aktualisierungsrunde einbringen. Denkbar wäre auch, eines unserer nächsten Online-Arbeitsblätter, die wir Lehrern jeden Monat zum Herunterladen anbieten, dem Thema "Altersversorgungssysteme für verschiedene Berufsgruppen" zu widmen. Auf einem Arbeitsblatt hätten wir genügend Platz das Thema zu vertiefen. Einen europäischer Vergleich sozialer Sicherungssysteme wird ansatzweise in dem Arbeitsheft "Grundwissen soziales Europa" unter www.sozialpolitik.com/europa gezogen. Dort verweisen wir auch auf den "Sozialkompass Europa" unter www.sozialkompass.eu - eine Datenbank, die einen Vergleich der europäischen Sozialsysteme ermöglicht. Freundliche Grüße Katja Rieger, Redaktion "Sozialpolitik"

Dieser Artilel war sehr hilfreich

Lieber Tristan, es freut mich, dass ihnen der Artikel sehr gefällt wenn sie wollen können sie sich hier weitere Artikel anschauen. Wenn nicht fände ich das nicht korrekt von ihnen. Ich werde ihre Adresse finden und mit ihnen einen Café trinken. Danach werde ich wieder nach Hause gehen und mir die Fussball Bundesliga angucken.

ich finde nicht was ich brauche

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