Pflegeversicherung

Hilfe und Pflege nicht nur für Senioren

Pflegeversicherung: Ausschnitt von einer Pflegerin, die sich zu einem betagten Patienten vorbeugt.
Foto: Shutterstock/Photographee

Der fünfte Zweig der Sozialversicherung

Die Pflegeversicherung wurde als fünfter und letzter Zweig des Sozialversicherungssystems im Jahr 1995 eingeführt (siehe Schaubild unter Sozialversicherung im Überblick). Die gesetzliche Pflegeversicherung übernimmt Kosten für die Pflege im Alter oder bei Krankheit und wird aus Beiträgen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern gemeinsam getragen. Beide zahlen jeweils 1,275 Prozent des monatlichen Bruttoeinkommens des Arbeitnehmers, Kinderlose zahlen zusätzlich 0,25 Prozent (Stand 2018, siehe Gehaltsabrechnung unter Berufseinstieg). Nach Angaben des Bundesministeriums für Gesundheit erhielten im Jahr 2016 rund 2,94 Millionen Menschen Leistungen aus der Pflegeversicherung, Tendenz steigend. Mehr als zwei Drittel von ihnen wurden zu Hause versorgt.

Wer sich zu Hause pflegen lassen will, kann zwischen Geld- und Sachleistungen oder einer Kombination von beidem wählen. Die Betreuung durch ambulante Pflegedienste oder eine Sozialstation gehört zu den Sachleistungen. Pflegebedürftige können anstelle einer häuslichen Pflegehilfe auch Pflegegeld beantragen. Wenn jedoch weder eine häusliche noch eine teilstationäre Pflege infrage kommt, hilft nur noch die Aufnahme in ein Pflegeheim.

Neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff: Pflegegrade statt Pflegestufen

In den Jahren 2015 bis 2017 sind drei Pflegestärkungsgesetze in Kraft getreten. Seit 2017 stehen jährlich fünf Milliarden Euro zusätzlich für die Pflege zur Verfügung. Außerdem wurde der Begriff der Pflegebedürftigkeit neu definiert. Die bisherige Unterscheidung zwischen Pflegebedürftigen mit körperlichen Einschränkungen und Pflegebedürftigen mit kognitiven und psychischen Einschränkungen ist weggefallen. Um den Grad der Pflegebedürftigkeit zu bestimmen, sind nun ausschließlich die Fähigkeiten und die Selbstständigkeit entscheidend. Diese werden in den folgenden sechs Lebensbereichen eingeschätzt:

  1. Mobilität (zum Beispiel selbstständiger Positionswechsel im Bett)
  2. kognitive und kommunikative Fähigkeiten (zum Beispiel Verstehen und Reden, räumliche und zeitliche Orientierung)
  3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen (zum Beispiel Aggressionen in der Nacht)
  4. Selbstversorgung (zum Beispiel selbstständiges Waschen, eigenständiges Essen und Trinken)
  5. Bewältigung von krankheitsbedingten Anforderungen und Belastungen (zum Beispiel selbstständige Medikamenteneinnahme, Blutzuckermessen)
  6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte (zum Beispiel Anpassung an Veränderungen, Kontaktpflege)
     

Ein Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung erfasst die individuellen Beeinträchtigungen und das Ausmaß, in dem der pflegebedürftige Mensch sich noch selbst ohne fremde Hilfe versorgen kann, in einem Gutachten. Die Pflegekasse entscheidet dann auf dieser Grundlage über den Pflegegrad. Das Ergebnis ist die Einstufung in einen von fünf Pflegegraden, welche die vorherigen drei Pflegestufen ersetzen. Die Einstufung reicht von geringer Beeinträchtigung (Pflegegrad 1) bis zur schwersten Beeinträchtigung mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung (Pflegegrad 5). Eine Erfassung des zeitlichen Aufwands der Pflegemaßnahmen spielt in der neuen Begutachtung keine Rolle mehr.

Gesundheit und Pflege als Jobmotor

Excel-Datei zum Schaubild

Schaubild: Gesundheit und Pflege als Jobmotor
Quelle: Statistisches Bundesamt, Gesundheitspersonal 2016

Unterstützung für pflegende Angehörige

Wer einen Familienangehörigen pflegt, muss oft die Berufstätigkeit einschränken. Um die Pflegenden zu unterstützen, zahlt die Pflegekasse für sie die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung. Voraussetzung dafür ist, dass die Pflegenden nebenher nicht mehr als 30 Stunden pro Woche arbeiten. Seit dem Sommer 2008 haben Beschäftigte das Recht, bis zu zehn Arbeitstage der Arbeit fernzubleiben, um für nahe Angehörige Pflege zu organisieren.

Seit 2015 steht Pflegenden als Ausgleich für entgangenes Arbeitsentgelt außerdem ein Pflegeunterstützungsgeld zu. In Zeiten, in denen die Pflegeperson verhindert ist, kann für bis zu sechs Wochen eine Ersatzpflege in Anspruch genommen werden. Seit 2017 ist die Pflegeberatung in den Kommunen neu geregelt. Unterschiedliche Beratungsangebote vor Ort werden gebündelt, damit Pflegebedürftige und ihre Angehörigen Beratung aus einer Hand erhalten.

Mehr Leistungen für Menschen mit Demenz

Durch die steigende Lebenserwartung haben sich die Anforderungen an die Pflegeversicherung verändert. Um auf die steigende Zahl von Demenzkranken, also altersverwirrten Menschen, zu reagieren, wurde im Juni 2012 ein Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz beschlossen und der Leistungskatalog für Demenzkranke erweitert. Mit dem zweiten Pflegestärkungsgesetz wurde 2016 ein neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff eingeführt. Seit dem Jahr 2017 wird in fünf neue Pflegegrade eingestuft (siehe oben).

Um die zusätzlichen Leistungen zu finanzieren, wurde der Beitragssatz für die Pflegeversicherung ab Januar 2017 um 0,2 Prozent erhöht. Die freiwillige private Vorsorge wird vom Staat mit einem Zuschuss von 60 Euro im Jahr gefördert. So sollen die Bürger ähnlich wie bei der Rentenversicherung (siehe Rentenversicherung 1) ermutigt werden, zusätzlich privat vorzusorgen und Geld für bessere Pflegeleistungen im Alter zu sparen.

Der Pflegebereich wächst

Während in vielen anderen Branchen Arbeitsplätze wegfallen, steigt die Zahl der Beschäftigten im Pflegebereich kontinuierlich an. Doch es fehlt immer noch deutlich an Nachwuchs. Um die Attraktivität der Pflegeberufe weiter zu steigern, gibt es seit August 2010 einen gesetzlichen Mindestlohn für Pflegekräfte, der seitdem kontinuierlich angehoben wurde.  Im Jahr 2018 liegt er bei 10,55 Euro pro Stunde im Westen und 10,05 Euro im Osten. Um Pflegeberufe attraktiver zu machen, wird die Ausbildung reformiert und neu geregelt. Dazu gehört auch eine Ausbildungsvergütung. Die Trennung nach Kranken-, Kinderkranken- und Altenpflege wird aufgehoben. Es muss kein Schulgeld mehr gezahlt werden. Die neuen Ausbildungsgänge sollen 2020 starten. Die Bundesregierung will sich außerdem für eine stärkere Tarifbindung in der Pflege einsetzen (siehe Arbeitsrecht 2, Tarifautonomie im Wandel).

 

Die Texte und Bilder entstammen dem Schülermagazin Sozialpolitik
Stand September 2018

4 Antworten

Kommentare

Wer soll uns bloß pflegen, wenn wir mal alt sind, wenn das so weiter geht? Ich habe wirklich Angst davor, wie die Versorgung alter Menschen in Zukunft aussehen wird ...

In den östlichen Bundesländern liegt für Pfleger der Mindestlohn bei 8 €? Nicht viel, wenn man bedenkt, dass der allgemeine Mindestlohn bei 8,50 liegt!

NUN JA DA HABT IHR JA ALLE RECHT DAMIT ABER TROTZDEM FINDE ICH ES BLÖD DAS PFLEGER WENIGER GELD BEKOMMEN. ABER AUCH DIE ERZIEHER KRIEGEN MEINER MEINUNG NACH ZU WENIG GELD

Einfach nur Danke! Ich liebe diese seite... einfach nur der hammer.

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