Lernziele: Soziale Sicherung in Europa

In den Nachrichten werden Schülerinnen und Schüler nahezu täglich mit den sozialen Folgen der Staatsschuldenkrise in den betroffenen europäischen Ländern konfrontiert: Verarmte Rentner, Menschenschlangen vor humanitären Einrichtungen oder protestierende Jugendliche, die Wege aus der Perspektivlosigkeit suchen. In der Staatsschuldenkrise hat die Idee von einer Harmonisierung der Lebensverhältnisse im gemeinsamen Sozialraum Europa einen Riss bekommen. Es zeigt sich, wie anfällig die dezentral organisierte Sozialpolitik der Europäischen Union (EU) nach wie vor ist.

Dabei hat die Europäische Union weitreichende Regelungen in der Sozialpolitik geschaffen: In der EU-Grundrechtecharta wurden verbindliche soziale Mindeststandards festgelegt. Der Europäische Sozialfonds hilft insbesondere jungen Menschen mit schwieriger Ausgangslage, beruflich Fuß zu fassen. Die Mobilität in der EU wird durch die Koordinierung der Sozialversicherungen unterstützt. Beschäftigungsprogramme, Bildungsinitiativen und Maßnahmen zur Armutsbekämpfung sollen die Lebensstandards in Europa harmonisieren. Vor allem bei der Gleichstellung von Mann und Frau und beim Arbeitsschutz hat die EU seit ihrer Gründung viele Verbesserungen durchsetzen können.

Dennoch ist die Wirtschafts- und Währungsunion Europa keine Sozialunion, dies ist aufgrund des Subsidiaritätsprinzips nicht vorgesehen. Viele Schülerinnen und Schüler wundern sich, warum eine Vereinheitlichung der sozialen Sicherung in Europa nicht schon längst umgesetzt wurde. Bei der Erarbeitung des Themas werden sie mit Argumenten für und gegen die europäische Sozialunion konfrontiert. Sie erfassen, wie die Wirtschaftskraft der Mitgliedsstaaten, die Wahlentscheidung der Bürger, unterschiedliche kulturelle Traditionen und historisch gewachsene Sozialmodelle die sozialen Sicherungssysteme in Europa prägen. Hieraus leiten sie Vorteile und Nachteile einer einheitlichen Regelung der sozialen Sicherung in der EU ab und erschließen die Problematik einer europäischen Sozialunion aus verschiedenen Perspektiven.

Lernziele

Die Schülerinnen und Schüler

  • lernen die wichtigsten sozialpolitischen Regelungen in der EU kennen,
  • stellen einen Bezug zwischen der Wirtschaftskraft und den sozialen Sicherungssystemen in den Mitgliedsstaaten her,
  • machen sich mit verschiedenen nationalen Modellen zur sozialen Sicherung in Notlagen vertraut,
  • erfassen das Spannungsfeld zwischen nationalstaatlicher Unabhängigkeit und Regelungskompetenzen der EU und
  • entwickeln in der Diskussion um die Sozialunion eine begründete Position.
     

Methodisch-didaktische Hinweise

Das Thema Soziale Sicherung in Europa hat zwei Anknüpfungspunkte aus der Alltagswelt für Jugendliche. Zum einen geht es um die Mobilität im Euroraum und die Frage, wie man als Austauschschüler oder bei einem Ferienjob im EU-Ausland sozial abgesichert ist. Aus solchen Fallbeispielen heraus können die unterschiedlichen Sozialsysteme in Europa erschlossen werden. Die Schüler erörtern daraufhin die Schwierigkeiten, die einer Vereinheitlichung der Sozialmodelle entgegenstehen. Dabei berücksichtigen sie die Forderung nach sozialer Gerechtigkeit im Zuge der europäischen Integration.

Als alternativer Einstieg bietet sich die tagesaktuelle Berichterstattung zu den sozialen Folgen der EU-Staatsschuldenkrise an. Hierbei könnten Videos der journalistischen Medien als Auftakt dienen. Dieser Zugang zur Thematik ist stärker auf eine Diskussion zum Thema „Sozialunion Europa“ ausgelegt und nähert sich dem Faktenwissen zur europäischen Sozialpolitik auf diskursivem Weg.

Anhand des Arbeitsblatts erarbeiten die Schüler die Grundlagen für die unterschiedlichen sozialen Systeme in Europa und beschäftigen sich mit dem Zukunftsszenario einer künftigen Sozialunion. Mithilfe des Schaubilds können sie konkret nachvollziehen, wie ausgewählte Mitgliedsstaaten die Grundsicherung für soziale Notlagen umsetzen.

Weiterführende Informationen zur Mobilität in der EU finden Sie auf dem Arbeitsblatt Lernen und Arbeiten in Europa und auf dem Schaubild EU-Förderprogramm Erasmus+.

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