Kompetenzerwartungen: Sozialversicherung im Überblick

Nach Artikel 20 Absatz 1 des Grundgesetzes ist die Bundesrepublik Deutschland ein demokratischer und sozialer Bundesstaat. Damit wird gesetzlich bestimmt, dass jede Bürgerin und jeder Bürger Anspruch auf einen angemessenen Lebensstandard und ein menschenwürdiges Leben hat. Soziale Unterschiede werden bis zu einem gewissen Grad ausgeglichen, damit alle Bürgerinnen und Bürger an gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen teilhaben können. Die Tätigkeit des Staates ist zudem an Gesetz und Recht gebunden.

Rund 90 Prozent aller in Deutschland lebenden Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gehören zur Solidargemeinschaft der Versicherten in der deutschen Sozialversicherung. Diese gesetzliche Pflichtversicherung soll breite Bevölkerungsschichten vor existenziellen Risiken schützen.

Kompetenzerwartungen

Die Schülerinnen und Schüler lernen die Ziele und Funktionen der Sozialversicherung kennen, die finanziellen Schutz bei Krankheit, Unfall, Alter, Arbeitslosigkeit und Pflegebedürftigkeit bietet. Sie verstehen die Grundprinzipien der Sozialversicherung, also die allgemeine Versicherungspflicht, die Beitragsfinanzierung, das Solidarprinzip, die Selbstverwaltung, die Freizügigkeit innerhalb der Europäischen Union sowie die Äquivalenz von Beiträgen und Leistungen in der Rentenversicherung. Sie erfahren, weshalb diese Grundprinzipien wichtige Voraussetzungen für das Funktionieren des sozialen Sicherungssystems sind.

Die Schülerinnen und Schülern erkennen, wie wichtig die Herstellung des sozialen Friedens für die Entwicklung einer Gesellschaft ist. Ihnen wird bewusst, dass der soziale Frieden nicht nur durch soziale Sicherheit, sondern auch durch soziale Gerechtigkeit gesichert werden muss.

Methodisch-didaktische Hinweise

Um die Jugendlichen an die Bedeutung der fünf großen Lebensrisiken Krankheit, Unfall, Alter, Arbeitslosigkeit und Pflegebedürftigkeit heranzuführen, kann mit der Frage begonnen werden, wer sich um sie kümmert, wenn sie krank sind oder einen Unfall haben. In der Regel werden dies die Eltern sein. Weiterhin könnte gefragt werden, wer sich um die Eltern kümmert, wenn diese krank oder pflegebedürftig werden, einen Unfall haben oder ihre Arbeit verlieren.

Wenn die Meinungen und das vorhandene Wissen gesammelt sind, kann zunächst eine kurze sozialgeschichtliche Zeitreise unternommen werden. Anhand der Entstehungsgeschichte seit der Bismarckschen Sozialgesetzgebung kann chronologisch die Entwicklung der einzelnen Versicherungszweige erläutert werden. An der Reihenfolge ihrer Entstehung lässt sich die gesellschaftliche Bedeutung in ihrer jeweiligen Zeit erkennen. Das Schaubild gibt eine Übersicht über die fünf heute bestehenden Versicherungszweige, Träger, Aufgaben und Beiträge.

Anhand des Arbeitsblatts können die Lückentexte zu den sechs Grundprinzipien, vervollständigt und anschließend in eigenen Worten erläutert werden. Die Quellentexte verdeutlichen den Schülerinnen und Schülern, dass die Sozialversicherung ein wesentlicher Grundstein für sozialen Frieden und Demokratie in unserer Gesellschaft ist.

Ausgehend von den sechs Grundprinzipien können die beiden Begriffe soziale Sicherheit und soziale Gerechtigkeit diskutiert werden. In den Zitaten auf dem Arbeitsblatt geht es um die paritätische Beitragsfinanzierung und die Frage, ob die soziale Absicherung der Beschäftigten auch eine Angelegenheit der Arbeitgeber ist oder nicht. Die Arbeitgeberseite will durch die Privatisierung sozialer Risiken die Unternehmen entlasten, so die Wirtschaft stärken und die Konkurrenzfähigkeit deutscher Unternehmen erhöhen. Die Arbeitnehmerseite macht die Verantwortung der Arbeitgeber für die Arbeitswelt deutlich, und möchte die solidarische Finanzierung stärken. Diese gegensätzlichen Positionen können von den Schülerinnen und Schüler hinterfragt und diskutiert werden.

Die Hintergrundinformationen erläutern den konkreten Aufbau der Sozialversicherung und die Funktionsweise ihrer Grundprinzipien. Mithilfe der Lesetipps können die Schülerinnen und Schüler das Thema selbstständig weiter erschließen.

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