Kompetenzerwartungen: Gesellschaft für alle

Die meisten stellen sich unter einem Menschen mit Behinderung einen Rollstuhlfahrer vor. Viel öfter sind jedoch organische Fehlfunktionen oder psychische Erkrankungen Ursache für eine Behinderung.

Von geistiger und seelischer Behinderung sind ebenso viele Menschen betroffen wie von Funktionseinschränkungen der Gliedmaßen oder der Wirbelsäule und des Rumpfes. Sehbehinderte oder Blinde, Sprachgestörte oder Taube machen den geringsten Teil von Menschen mit Behinderung in Deutschland aus.

Behinderung kann jeden treffen, junge wie alte Menschen. In Deutschland leben 7,5 Millionen schwerbehinderte Menschen, das ist etwa jeder elfte Einwohner. Die Quote wird steigen, denn durch die zunehmende Lebenserwartung werden mehr Menschen altersbedingt durch Behinderungen eingeschränkt sein.

Eine Anerkennung der Rechte von Menschen mit Behinderung ist nicht nur eine Frage der Ethik, sondern auch der gesellschaftlichen Vernunft und wirtschaftlichen Notwendigkeit. Eine Verbesserung der Lebensqualität für Menschen mit Behinderung ist auch ein Mehr an Lebensqualität für alle.

Kompetenzerwartungen

Die Schülerinnen und Schüler erfahren, dass Behinderungen selten angeboren sind, sondern vor allem durch Krankheiten verursacht werden. Behinderungen kommen häufiger vor, als man denkt: Die Verschiedenartigkeit der Behinderungen lässt die Schülerinnen und Schüler erkennen, dass eine Funktionsbeeinträchtigung jeden treffen kann, auch sie selbst.

Eine Behinderung geht oft mit privaten und beruflichen Problemen einher. In diesem Zusammenhang erarbeiten die Jugendlichen, wie Chancengleichheit und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben realisiert werden können, zum Beispiel in der Schule oder in der Ausbildung.

Zur besseren Wahrnehmung der eigenen Rechte sind das Neunte Buch Sozialgesetzbuch, das Gesetz zur Gleichstellung behinderter Menschen, das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz und das Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen, kurz Behindertenrechtskonvention, in Kraft getreten. Das Bundesteilhabegesetz wurde am 28. Juni 2016 beschlossen, zum 1. Januar 2017 ist die erste von insgesamt vier Reformstufen in Kraft getreten. Es wird in mehreren Stufen umgesetzt, die ersten Änderungen werden am 1. Januar 2017 in Kraft treten. Die Schülerinnen und Schüler sollen die Inhalte der Gesetze und der Konvention in Grundzügen kennen.

Ihnen werden die Begriffe Teilhabe, Inklusion, Barrierefreiheit und Gleichstellung erläutert und mögliche Konsequenzen nahe gebracht. Als wesentliche Botschaft soll den Schülerinnen und Schülern klar werden: Behindert ist man nicht, behindert wird man.

Methodisch-didaktische Hinweise

Zum Einstieg überlegen die Schülerinnen und Schüler, welche Menschen mit Behinderung sie kennen und wie diese durch Barrieren im alltäglichen Leben beeinträchtigt werden, zum Beispiel in Gebäuden, im Straßenverkehr oder bei der Kommunikation. In Gruppen erarbeiten die Schülerinnen und Schüler, wo, wann und warum Menschen mit Behinderung ausgegrenzt werden.

Anhand des Arbeitsblatts befassen sich die Schülerinnen und Schüler mit der Beschäftigung von schwerbehinderten Menschen in Deutschland. Sie lernen die verschiedenen Ursachen für eine Behinderung kennen und gehen der Frage nach, ob schwerbehinderte Menschen leistungsgemindert sind. Das Schaubild vermittelt ihnen einen Überblick über die Ausbildung von Jugendlichen mit Behinderung in Deutschland.

Die Auseinandersetzung über die inklusive Schule, an der Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung zusammen lernen, betrifft die Schülerinnen und Schüler ganz direkt. Die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen ist seit dem Jahr 2009 für Deutschland verbindlich. Derzeit wird die inklusive Schule deutschlandweit eingeführt und sorgt für gesellschaftliche Kontroversen. Weitere Informationen finden Sie in den Hintergrundinformationen Inklusion an Schulen.

Ebenfalls interessant für die Schülerinnen und Schüler kann die Auseinandersetzung mit dem Thema barrierefreies Internet sein. Sie können beispielsweise der Frage nachgehen, wie eine barrierefreie Internetseite im Unterschied zu normalen Internetseiten aussieht. Seit 2005 sind Behörden verpflichtet, ihre Seiten barrierefrei zu gestalten. Die Schülerinnen und Schüler könnten also zum Beispiel die Sozialpolitik-Internetseiten oder die Seite des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales auf Barrierefreiheit untersuchen und sie mit einem sogenannten Screenreader vorlesen lassen. Im Anschluss können sie untersuchen, inwiefern junge Menschen mit Behinderung Probleme haben, Youtube, Facebook und andere alltägliche Seiten zu nutzen.

2 Antworten

Kommentare

Sehr geehrte Damen und Herren, Arbeitsblatt und Schaubild zu "Gesellschaft für Alle" funktionieren z.Z. nicht, bitte dringlich um Behebung, mfG, Ch. Pammé

Sehr geehrter Herr Pammé, vielen Dank für Ihren Hinweis - wir kümmern uns schnellstmöglich um dieses technische Problem! Beste Grüße Katja Rieger, Redaktion Sozialpolitik

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