Kompetenzerwartungen: Europa mitgestalten – Europawahl 2019

Was macht die EU, um soziale Ungleichheit zu verringern?
Wie können wir gemeinsam den Terrorismus bekämpfen?
Die Einwanderung muss reguliert werden!
Europa muss die Umwelt und das Klima schützen!
Europaweit sollen Menschen- und Bürgerrechte geschützt werden!

Diese Forderungen von jungen Europäern zwischen 16 und 26 Jahren aus der YouGov-Studie Junges Europa 2018 machen deutlich: Jugendliche haben viele Fragen und großes Interesse an Europa.

Die jungen Menschen wissen, dass die Adressaten für ihre politischen Wünsche in den Organen und Gremien der Europäischen Union (EU) zu finden sind. Die großen, globalen und transnationalen Herausforderungen der Zukunft sind nicht mehr im Alleingang der einzelnen Staaten zu schaffen. Ohne EU geht es nicht – oder nur schlechter: Wenn es nach Europas Jugend ginge, dann gäbe es keinen Brexit (Austritt Großbritanniens aus der EU), und auch keinen Frexit, Grexit oder Plexit.

Aber welche konkreten Erwartungen stellen die Europäer, an die EU? Laut einer Eurobarometer-Umfrage des Europäischen Parlaments ein Jahr vor den Europawahlen 2019 fordern die Befragten gesamteuropäische Lösungen in erster Linie bei der Terrorismusbekämpfung, bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, dem Schutz der Umwelt sowie Maßnahmen gegen Steuerbetrug. Die Schaffung von Arbeitsplätzen steht somit weit oben an zweiter Stelle. Aspekte wie die Armutsbekämpfung und soziale Mindeststandards für alle können am besten durch gemeinsame Beschlüsse realisiert werden. Ganz vorn auf der Wunschliste der Europäer steht auch die Durchsetzung der Klimaziele und eine auf Nachhaltigkeit gerichtete Wirtschaftsordnung – Themen, die vor allem jungen Europäern am Herzen liegen.

Die Erwartungen an die Europäische Union sind also hoch, und viele vormals nationale Themen werden seit den letzten Europawahlen im Jahr 2014 stärker in einem EU-Kontext betrachtet. Dies drückt sich auch in der Wahlbeteiligung aus. 2014 haben rund 48 Prozent der Wahlberechtigten in Deutschland ihre Stimme abgegeben. 2018 zeigten aber immerhin 60 Prozent Interesse an einer Wahlbeteiligung. Rechtspopulistische Parteien, die aktuellen Verhandlungen um den Brexit, drängende Fragen der Flüchtlings- und Verteidigungspolitik oder auch der schwelende Handels- und Zollkrieg mit den USA haben das Bewusstsein für demokratische Werte und den europäischen Zusammengehalt gestärkt. Wichtig für ein europäisches Engagement ist aber auch der Glaube daran, Europa mitgestalten zu können und das Gefühl zu haben, dass die eigene Stimme bei europaweiten Entscheidungsprozessen gehört wird.

Kompetenzerwartungen

Die Schülerinnen und Schüler …

  • kennen die Aufgaben des Europäischen Parlaments und wissen, welchen Einfluss es auf die EU-Politik hat.
  • sind in der Lage abzuschätzen, welche Bedeutung die Zusammensetzung des Europäischen Parlaments für Entscheidungen auf europäischer Ebene hat.
  • setzen sich mit den Fragen und Wünschen der Bürger an die EU auseinander und sind über die wichtigsten Themen im Wahlkampf informiert.
  • wissen, in welchen Bereichen die EU-Politik ihr Leben beeinflusst, und leiten daraus die Bedeutung der Europawahlen für ihren Alltag ab.
  • diskutieren Argumente, wählen zu gehen, und kennen Möglichkeiten, als Wahlbürger die EU mitzugestalten.
  • beziehen eine Position zum eigenen Wahlverhalten.
     

Methodisch-didaktische Hinweise

Einen guten Einstieg in das Thema Europa und Europawahl bieten die Beispiele für die Europapolitik im Alltag: Verfolgt man nur einen einzigen typischen Tag in seinem Leben, kommt man unweigerlich mit Dutzenden Verordnungen und Richtlinien der EU in Kontakt. Die Schülerinnen und Schüler können einen solchen Tag nachzeichnen und anhand der Impulse aus dem Schaubild weitere Beispiele unter dem Motto Was geht mich die EU an? zusammentragen. Hieraus kann eine Diskussion entwickelt werden, wie die Schülerinnen und Schüler zur EU stehen: Fühlen sie sich gehört? Glauben sie, dass sie etwas bewegen können? Bewerten sie die Mitgliedschaft ihres Landes in der EU positiv oder negativ? Diese Fragen können sie mithilfe der im Schaubild schlaglichtartig dargestellten Umfrageergebnisse spiegeln und diskutieren. In der Online-Umfrage Wählen gehen – ja, aber warum? können sie darüber abstimmen, welche Motivation sie selbst hätten, an den Wahlen teilzunehmen.

Die im Arbeitsblatt vorgestellten Informationen zum Europäischen Parlament sollen die Schülerinnen und Schüler darüber informieren, dass sie nicht ohnmächtig einer alles vereinnahmenden Eurokratie ausgeliefert sind, sondern aktiv an der politischen Ausgestaltung der EU teilnehmen können. Dahinter steht die Überlegung, dass mit dem Bewusstsein, etwas bewegen zu können, die Motivation für politisches Engagement gestärkt wird und die Jugendlichen gleichzeitig für die Bedeutung von Europawahlen sensibilisiert werden. Im Focus stehen dabei auch die Themen, die EU-Bürgern am stärksten unter den Nägeln brennen und für die nach Wunsch der Wahlberechtigten eine gemeinsame Lösung in Europa gefunden werden sollte.  

Die Hintergrundinformationen geben zusätzlich Hinweise auf die Einstellungen der Bürgerinnen und Bürger zur EU, die politischen Mitgestaltungsmöglichkeiten, die Geschichte der sozialen Sicherung in Europa und die wichtigsten Themen im Europawahlkampf 2019. Die Lesetipps bieten weiterführende Links zur vertiefenden Information.

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