Kompetenzerwartungen: Ausbildungsmarkt

Für Schülerinnen und Schüler ist die Berufsorientierung an der Schule ein wichtiger Prozess, in dem sie sich intensiv mit den eigenen Erwartungen an einen künftigen Beruf auseinandersetzen. Dabei sind die Eckdaten für Ausbildungsinteressenten derzeit günstig, da mehr Ausbildungsplatzangebote als Bewerberinnen und Bewerber zur Verfügung stehen. Dabei sollte den Schülerinnen und Schülern bewusst werden, dass nicht jede und jeder in den überlaufenen beliebtesten Berufen und Branchen unterkommen kann, während in anderen Berufen die Betriebe nach Auszubildenden suchen.

Doch warum sind manche Berufe bei den Jugendlichen so beliebt und haben ein gutes Image, während andere fast schon Ladenhüter sind und ihre Ausbildungsplätze nicht besetzen können? Die Sozialpartner geben hierfür unterschiedliche Gründe an.

Die Ausbildungsbetriebe klagen über die mangelnde Ausbildungsreife der Bewerber. Die Auszubildenden selbst und deren Interessenvertreter verweisen auf die schlechte Ausbildungsqualität und Arbeitsbedingungen in manchen Branchen. Wer hat also recht? Sind die Jugendlichen nicht gut genug? Oder liegt es an Mängeln in den Betrieben? Oder liegen die Wahrheit und somit auch die politischen Lösungsansätze irgendwo dazwischen? Welche Schlussfolgerungen ergeben sich aus diesem gesellschaftlichen Diskurs für die persönliche Berufswahl der Jugendlichen?

Das Thema Ausbildungsmarkt soll Jugendliche auf dem Weg zwischen persönlicher Entscheidungsfindung und politischer Meinungsbildung begleiten und sie anregen, die Erwartungen an eine gute Ausbildung aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten.

Kompetenzerwartungen

Die Schülerinnen und Schüler …

  • formulieren im Einstieg selbstreflexiv ihre Vorstellungen einer guten Ausbildung. Sie spiegeln diese Forderungen mit den vermuteten Erwartungen der Betriebe an Auszubildende.
  • lernen Eckdaten und Problemstellungen zum Ausbildungsmarkt kennen und leiten daraus einen Handlungsbedarf der verschiedenen Akteure auf dem Ausbildungsmarkt ab.
  • setzen sich kritisch mit unterschiedlichen gesellschaftlichen Positionen und Forderungen zum Thema auseinander und machen sich mit der öffentlichen gesellschaftspolitischen Debatte um die Ausbildungsmarktsituation in Deutschland vertraut.
  • nehmen einen Perspektivwechsel vor und versetzen sich in die Lage von Ausbilderinnen und Ausbildern und Auszubildenden, um in einem fiktiven Streitgespräch Lösungsansätze für Probleme bei der Ausbildung zu auszuarbeiten.

Methodisch-didaktische Hinweise

Das Thema Ausbildungsmarkt bietet Anknüpfungspunkte an die persönlichen beruflichen Wünsche und Vorstellungen der Jugendlichen – unabhängig davon, ob sie selbst ein Studium anstreben oder nach ihrem Schulabgang eine Ausbildung beginnen möchten.

Mithilfe des Arbeitsblatts und der Kartenabfrage als Einstieg in die Thematik machen sich die Schülerinnen und Schüler zunächst bewusst, wie sie sich eine gute Ausbildung vorstellen. Gleichzeitig machen sie sich darüber Gedanken, was im Gegenzug ein möglicher Ausbildungsbetrieb von seinen Auszubildenden erwartet. Indem sie die Abfrage auswerten, erkennen sie die wichtigsten Forderungen. Anhand des Schaubilds gleichen sie die Vorstellungen aus ihrer Klasse mit Umfrageergebnissen der Deutschen Industrie- und Handelskammer und des DGB ab. Mithilfe des Arbeitsblatts und der Online-Umfrage können sie dann die zentralen Daten und Eckpunkte zum Deutschen Ausbildungsmarkt und auch die wichtigsten Streitpunkte erarbeiten, an denen sich die öffentliche Debatte wie auch die politischen Forderungen entzünden. Diese Informationen können zu einem Rollenspiel führen, in dem Meister und Azubi in einer Aussprache die gesellschaftspolitischen Positionen widerspiegeln. Dabei erarbeiten die Jugendlichen über den Diskurs konstruktive Lösungsvorschläge, um die Ansprüche der Sozialpartner auszugleichen und formulieren gegebenenfalls auch Forderungen an den Gesetzgeber.

Die Hintergrundinformationen geben zusätzlich Hinweise auf die Umfrageergebnisse der Sozialpartner und informieren Lehrkräfte über die staatlichen Programme und Initiativen zur Ausbildung und Fachkräftesicherung sowie über Fördermöglichkeiten für Jugendliche, die eine Ausbildung suchen oder als Azubi zusätzliche Unterstützung benötigen. Die Lesetipps bieten weiterführende Links zur vertiefenden Information.

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