Kompetenzerwartungen: Arbeitswelt im Wandel

Der gegenwärtig viel diskutierte Begriff Industrie 4.0 beschränkt sich auf die computergesteuerte Produktionsweise im industriellen Sektor. Im Unterschied und in Ergänzung dazu bezieht sich Arbeiten 4.0 auf den gesamten Wandel der Arbeitswelt, der durch die zunehmende Digitalisierung und Vernetzung, neue Produkte und Geschäftsmodelle, aber auch durch den demografischen Wandel und veränderte kulturelle Einstellungen bedingt ist. Arbeiten 4.0 meint daher sowohl Arbeitsprozesse und Arbeitsbedingungen als auch das Verhältnis des Einzelnen zur Arbeit. Der Begriff hat somit neben der wirtschaftlichen auch eine politische und soziale Dimension.

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat im Jahr 2015 den Dialog Arbeiten 4.0 initiiert. In diesen Dialog wurden Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Politik, Gesellschaft, den Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen sowie den Sozialverbänden eingebunden. Sie diskutierten darüber, wie wir in Zukunft arbeiten können und wollen. Der Dialog fand Ende 2016 mit dem Weißbuch Arbeiten 4.0 seinen vorläufigen Abschluss. Darin wurden die gewonnenen Erkenntnisse und Ergebnisse wiedergegeben und Möglichkeiten zur Gestaltung zukünftiger Arbeitsformen erörtert.

Kompetenzerwartungen

Die Schülerinnen und Schüler

  • lernen, dass Arbeitsformen und die Organisation von Arbeit historisch bedingt sind,
  • erkennen, dass anhand der Arbeitsprozesse und sozialen Aushandlung mehrere historische Phasen von Arbeit unterschieden werden können,
  • erarbeiten aus verschiedenen Textsorten und einer Grafik die besonderen Kennzeichen von Arbeiten 4.0 – auch in Abgrenzung zu anderen Epochen,
  • erschließen aus einem Fallbeispiel und Stellungnahmen der Sozialpartner Chancen und Risiken der Veränderungen in der heutigen und zukünftigen Arbeitswelt,
  • setzen Chancen und Risiken von Arbeiten 4.0 in Beziehung zu Umfrageergebnissen und
  • diskutieren die Auswirkungen von Arbeiten 4.0 für ihre eigene berufliche Zukunft.
     

Methodisch-didaktische Hinweise

Das Thema Digitalisierung betrifft unmittelbar die Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler, da sie vermutlich alle über Kenntnisse und Kompetenzen in der Benutzung von Computern und mobilen Endgeräten verfügen. Sie können den Prozess der zunehmenden Digitalisierung nachvollziehen, einordnen und auf ihr zukünftiges Berufsleben projizieren.

Zum Einstieg bietet es sich daher an, mit den Schülerinnen und Schülern über ihre Erfahrungen mit der Digitalisierung des Alltags ins Gespräch zu kommen. Daran anschließend können in Lerngruppen bereits bekannte oder vermutete Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeitswelt zusammengetragen und in Gruppenarbeit Berufe zusammengestellt werden, die erst infolge der Digitalisierung entstanden sind.

Das Arbeitsblatt und das Schaubild bilden für die Unterrichtsstunde eine enge Einheit.

Zur Beantwortung des ersten Arbeitsauftrags auf dem Arbeitsblatt ziehen die Schülerinnen und Schüler neben den Texten des Arbeitsblatts die obere Grafik des Schaubilds heran. Sie erkennen, dass Digitalisierung, Vernetzung und Flexibilisierung wesentliche Kennzeichen von Arbeiten 4.0 sind und Berufe sich durch diese Entwicklungen verändern, neu entstehen oder auch verschwinden.

Im zweiten Arbeitsauftrag werten die Schülerinnen und Schüler Stellungnahmen verschiedener gesellschaftlicher Interessengruppen aus und hinterfragen diese. Während die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände auf eine Flexibilisierung der gesetzlichen Regelungen zur Arbeitszeit drängt, betont der Deutsche Gewerkschaftsbund, dass die zunehmende Flexibilisierung nicht die Gesundheit der Beschäftigten beeinträchtigen darf und daher die Arbeitnehmerrechte zu stärken sind.

Arbeitsauftrag drei erfordert die Transferleistung, die Stellungnahmen zu Arbeiten 4.0 mit den Umfrageergebnissen aus der unteren Grafik des Schaubilds abzugleichen. Die Schülerinnen und Schüler werden feststellen, dass die Ergebnisse keinesfalls deckungsgleich sind. Die Umfrage verweist zum Beispiel auf Aspekte wie zunehmende Aufgabenkomplexität und Einsatzmöglichkeit von Beschäftigten in verschiedenen Aufgabenbereichen, die in den beiden Zitaten nicht angesprochen werden.

Mit dem vierten Arbeitsauftrag wird der Blick auf die berufliche Zukunft der Schülerinnen und Schüler gelenkt. In die ergebnisoffene Diskussion sollten die Arbeitsergebnisse von Arbeitsblatt und Schaubild einfließen. Vermutlich werden die Schülerinnen und Schüler aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen mit der Digitalisierung die Chancen von Arbeiten 4.0 betonen. Gegebenenfalls könnte die Lehrkraft den Blick darauf richten, dass Chancen und Risiken je nach angestrebtem Beruf und Qualifizierungsgrad differenziert zu betrachten sind.

Als Nachbereitung können Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe II zu Hause den Test Wertewelten Arbeiten 4.0. Welcher Arbeitstyp sind Sie? unter www.arbeitenviernull.de durchführen.

Die Hintergrundinformationen beleuchten die technologischen wie kulturellen Veränderungen der Arbeitswelt seit dem Ende des 18. Jahrhunderts mit einem Schwerpunkt auf gegenwärtige Entwicklungen. Die Entwicklungsstufen der Arbeit aus der oberen Grafik des Schaubilds werden inhaltlich näher erläutert. Der vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales initiierte Dialog Arbeiten 4.0 wird von seinem Start im Jahr 2015 bis zu seinem Abschluss Ende 2016 mit seinen Zielsetzungen und Ergebnissen dargestellt.

Die Link- und Lesetipps ermöglichen eine weitere, selbstständige Erschließung und Vertiefung des Themas.

In einer Online-Umfrage zu Arbeiten 4.0 können die Schülerinnen und Schüler online darüber abstimmen, ob die Digitalisierung der Arbeitswelt ihrer Meinung nach mehr Chancen oder Risiken für die Beschäftigten bringt.

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