Hintergrund: Was ist gute Arbeit?

Arbeitszufriedenheit als Indikator für Arbeitsqualität

Gute Arbeitsbedingungen sind entscheidend für die Zufriedenheit der Beschäftigten, aber auch für die Qualität der hergestellten Produkte und der erbrachten Dienstleistungen. Die Arbeitszufriedenheit wiederum lässt erkennen, ob die Beschäftigten die Qualität des eigenen Arbeitsplatzes als gut einschätzen. Dem Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zufolge ist der Anteil der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in einem Land, die mit ihrer Arbeit zufrieden sind, sogar ein Gradmesser für die Qualität der Arbeitsplätze in einer Volkswirtschaft insgesamt.

In der Europäischen Union sind laut einer Studie des IW im Durchschnitt 86 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit ihrem Beschäftigungsverhältnis zufrieden. In Deutschland sind es mit 88 Prozent etwas mehr.

Faktor gute Führung

Der Faktor Führungsqualität weist nach Angaben des Monitors Sozialer Wandel und mitarbeiterorientierte Unternehmensführung, veröffentlicht vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales, einen engen Zusammenhang mit der Arbeitszufriedenheit auf. Gute Führungsqualität ist demnach stärker als die meisten anderen Arbeitsplatzfaktoren mit hoher Arbeitszufriedenheit assoziiert (und umgekehrt). Maßnahmen, die sich im Rahmen einer mitarbeiterorientierten Personalführung positiv auf Arbeitszufriedenheit und Engagement der Beschäftigten auswirken sind zum Beispiel Mitarbeitergespräche und die Möglichkeit zur Höherqualifizierung (siehe Schaubild).

Merkmale guter Arbeit

Fragt man die Beschäftigten, wie wichtig ihnen verschiedene Aspekte ihres Arbeitsumfeldes sind, ist nach Angaben des von der Initiative Neue Qualität der Arbeit herausgegebenen Monitors Gewünschte und erlebte Arbeitsqualität die Sicherheit des Beschäftigungsverhältnisses am wichtigsten. Auch die Zusammenarbeit mit netten Leuten, ein guter Lohn und die gute Führung des Arbeitsbereichs sind relevant für die Arbeitszufriedenheit der Beschäftigten.

Die vom Statistischen Bundesamt herausgegebene Broschüre Qualität der Arbeit unterscheidet sieben Dimensionen guter Arbeit (siehe Arbeitsblatt). Sie basieren auf unterschiedlichen Statistiken. Die wichtigste Quelle ist dabei die Arbeitskräfteerhebung, die in den Mikrozensus integriert ist. Grundlegende Aspekte für gute Arbeit sind danach etwa im Bereich Arbeitssicherheit und Gleichberechtigung zu finden. Diese erste Dimension wertet zum Beispiel Kennzahlen zu Arbeitsunfällen und gesundheitlichen Belastungen aus und untersucht inwiefern Arbeit gesundheitsgefährdend ist. Außerdem geht es in diesem Punkt um ethische Standards, wie etwa der Verzicht auf Kinderarbeit, Zwangsarbeit oder Menschenhandel. Solche Missstände spielen in Deutschland so gut wie keine Rolle. Jedoch ist die Gleichbehandlung unterschiedlicher Personengruppen ein zentraler Aspekt, der auf dem deutschen Arbeitsmarkt noch stärker berücksichtigt werden sollte. Hervorzuheben ist etwa die Gleichbehandlung von Männern und Frauen oder von Deutschen und Ausländern.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund fasst die Merkmale guter Arbeit wie folgt zusammen:

Gute Arbeit bedeutet: faires Einkommen, berufliche und soziale Sicherheit sowie Arbeits- und Gesundheitsschutz, der hilft, gesund das Rentenalter zu erreichen. Doch Gute Arbeit ist noch mehr: ein respektvoller und wertschätzender Umgang zwischen den Beschäftigten einschließlich der Vorgesetzten, umfassender und klarer Informationsfluss, ausgewogene Arbeitszeiten und gute betriebliche Qualifizierungs- und Entwicklungsmöglichkeiten. Auch Arbeitnehmermitbestimmung ist elementarer Bestandteil des Leitbilds. Der Begriff Gute Arbeit geht auf den englischen Begriff ,Decent Work‘ zurück, der wörtlich so viel wie ,menschenwürdige Arbeit‘ bedeutet.

Digitalisierte und globalisierte Arbeitswelt

Die Digitalisierung hat die Arbeitsmärkte und Arbeitsbedingungen bereits grundlegend verändert und wird sie auch künftig weiter stark beeinflussen. So bilden sich zum Beispiel neue (globale) Machtstrukturen heraus. Insbesondere IT-Konzerne aus den Vereinigten Staaten und aus China dringen weltweit mit ihren Produkten und Plattformen immer stärker in die Lebens- und Arbeitswelten vor.

Indes entwickelt sich in Deutschland, die Industrie 4.0 zum Indikator der Digitalisierung. Für die Beschäftigten ist die Digitalisierung nach Meinung der Hans-Böckler-Stiftung durch entgrenzte Arbeitszeiten, Multitasking und die zunehmende Schnelligkeit bei Aufgaben bereits spürbar – und für viele eine zusätzliche Belastung. Auch die repräsentative Umfrage des Instituts DGB-Index Gute Arbeit bei rund 10.000 Beschäftigten im Jahr 2016 ergab: Digitales Arbeiten führt für fast die Hälfte zu einer höheren Arbeitsbelastung und mehr Stress.

Demgegenüber kommt eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zu dem Schluss, dass bei einem nicht zu vernachlässigenden Anteil der Beschäftigten die Tätigkeitsprofile immer einfacher werden. Davon sind häufiger geringqualifizierte Beschäftige und solche mit körperlich belastenden Tätigkeiten betroffen. Gerade diese beiden Gruppen profitieren überproportional davon, dass neue Technologien sie körperlich entlasten.

Kultureller Wandel und veränderte Lebensstile

Optimistischer blicken die Befragten der vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales beauftragten Studie Wertewelten Arbeiten 4.0 in die Zukunft: Fast die Hälfte der Befragten erwartet, dass die eigene Arbeitssituation im Jahr 2030 nah an ihrem Idealbild liegen wird. Gestützt auf über 1.000 repräsentative Tiefeninterviews erlaubt die Studie qualitative und quantitative Aussagen darüber, wie die Menschen in Deutschland ihre aktuelle Arbeitssituation wahrnehmen und in welcher Arbeitswelt sie morgen leben möchten. Dabei identifiziert sie sieben klar voneinander unterscheidbare Wertewelten und macht dabei vor allem deutlich: Was für die einen wünschenswerte Zukunft ist, stellt für andere ein bedrohliches Szenario dar.

Generell lässt sich sagen, dass der Wandel von Wirtschaft und Gesellschaft und die Pluralisierung der Lebensentwürfe zu einer stärkeren Individualisierung in allen Lebensbereichen führen. Das erfordert einerseits mehr Selbstverantwortung und Steuerungskompetenzen der einzelnen. Andererseits eröffnen zum Beispiel veränderte Familienmodelle und ein stärker partnerschaftliches Rollenverständnis der Geschlechter bessere Möglichkeiten etwa für gleichberechtigte und flexiblere Arbeit von Frauen und Männern.

Wie gute Arbeit künftig aussehen wird, muss auch weiterhin in einem breiten gesellschaftlichen Dialog diskutiert werden – mit den Sozialpartnern und Verbänden, in der Politik und in den Unternehmen.

Quellen: Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Deutscher Gewerkschaftsbund, Hans-Böckler-Stiftung, Initiative Neue Qualität der Arbeit, Statistisches Bundesamt

 

Stand: Juli 2018

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Kommentare

Als BewerbungsCoach höre ich von Bewerbern immer wieder recht unterschiedliche Vorstellungen von guter Arbeit und guten Arbeitgebern. Dennoch glaube ich, dass sich gute Arbeit auf ein paar wesentliche Kriterien als Grundlage guter Arbeitsverhältnisse verdichten lässt. Ein Ehrenkodex für gute Arbeitgeber muss nicht umfangreich sein, wie z. B. auf www.gutabe.de. Dort werden gute Arbeitgeber in ganz Deutschland gelistet, die nicht unbedingt ein Siegel tragen müssen.

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