Hintergrund: Rentenversicherung

„Einer für alle – alle für einen“, lautet der Grundsatz in der gesetzlichen Rentenversicherung. Arbeitgeber und Arbeitnehmer bilden darin eine Solidargemeinschaft, die Beiträge einzahlt und damit die laufenden Renten finanziert. Die Versicherten erhalten im Gegenzug einen Rechtsanspruch auf eine eigene Rente, die dann die nächste Generation an Beitragszahlern finanzieren wird. Dieses System wird Umlageverfahren genannt. Man spricht in diesem Zusammenhang auch vom Generationenvertrag.

Wer in Deutschland eine Ausbildung beginnt oder als Arbeitnehmer eine Tätigkeit aufnimmt, ist in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert. Das Gleiche gilt für Pflegepersonen mit einer wöchentlichen Pflegezeit von über 14 Stunden sowie seit dem 1. Januar 2013 auch für Minijobber. Bestimmte Berufsgruppen von Selbstständigen sind ebenfalls versicherungspflichtig, zum Beispiel Künstler, Journalisten, Handwerker und Hebammen. Alle anderen Selbstständigen können sich freiwillig versichern.

Der Beitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung wird direkt von den Arbeitgebern an die Rentenkassen abgeführt. Die Höhe richtet sich nach dem Einkommen des Versicherten. Derzeit liegt der Beitragssatz bei 18,7 Prozent des Bruttolohns. Für den Einkommensteil, der die Beitragsbemessungsgrenze überschreitet, müssen keine Beiträge geleistet werden. Im Jahr 2017 liegt sie bei 6.350 Euro brutto pro Monat im Westen und 5.700 Euro im Osten Deutschlands.

Die gesetzliche Rentenversicherung bietet finanziellen Schutz im Alter oder bei Erwerbsminderung. Außerdem sichert sie im Todesfall die Hinterbliebenen ab. Die Rentenversicherung zahlt auch medizinische Rehabilitationsleistungen, wenn sie der Wiedereingliederung in das Berufsleben dienen.

Rehabilitation vor Rente

Bei Rehabilitationsmaßnahmen stehen die optimale medizinische Betreuung des Versicherten sowie seine berufliche und soziale Wiedereingliederung im Vordergrund. Die gesetzliche Rentenversicherung unterscheidet zwischen

  • medizinischen Leistungen zur Rehabilitation, zum Beispiel dem Aufenthalt in einer Rehabilitationsklinik,
  • Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben, zum Beispiel Hilfen zum Erhalt des Arbeitsplatzes wie Berufsvorbereitungen und Weiterbildungen,
  • ergänzenden Leistungen, zum Beispiel Übergangsgeld oder die Übernahme von Reisekosten, und
  • sonstigen Leistungen, zum Beispiel Rehabilitation nach Krebserkrankungen.
     

Rente wegen Erwerbsminderung

Seit der Rentenreform 2001 gibt es für die nach dem 1. Januar 1961 Geborenen die vorherige Berufsunfähigkeitsrente nicht mehr. Neu geschaffen wurde eine Erwerbsminderungsrente mit insgesamt reduzierten Leistungen. Eine große Erwerbsminderungsrente von etwa einem Drittel des letzten Bruttoeinkommens erhält, wer infolge einer Krankheit oder eines Unfalls weniger als drei Stunden täglich arbeiten kann. Wer noch drei bis unter sechs Stunden arbeiten kann, bekommt die kleine Erwerbsminderungsrente, die etwa die Hälfte der vollen Erwerbsminderungsrente ausmacht.

Um eine Erwerbsminderungsrente zu erhalten, muss man mindestens fünf Jahre der gesetzlichen Rentenversicherung angehört und in den vergangenen fünf Jahren mindestens 36 Monate lang Pflichtbeiträge geleistet haben. Berufsanfänger erfüllen diese sogenannte Wartezeit oft nicht. Außerdem sind ihre erworbenen Ansprüche meist sehr gering. Darum ist es sinnvoll, gleich zu Berufsbeginn eine private Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen. Im Fall der Berufsunfähigkeit zahlt diese an den Versicherten eine monatliche Rente. Da sich die zu zahlenden Prämien am Alter und Gesundheitsrisiko bemessen, ist die finanzielle Belastung für Berufsanfänger vergleichsweise niedrig.

Renten für Hinterbliebene

Witwenrenten und Waisenrenten sollen verhindern, dass die Familie nach dem Tod eines Berufstätigen bedürftig wird. Die jeweilige Rente wird aus den rentenrechtlichen Zeiten des Verstorbenen berechnet und ist unterschiedlich hoch. Die kleine Witwenrente erhält der Ehepartner, wenn er nebenbei noch eigene Einkünfte hat. Sie beträgt 25 Prozent der Rente des Verstorbenen. Wer keine eigenen Einkünfte hat, erhält die große Witwenrente mit 55 Prozent.

Der Anspruch auf eine Waisenrente besteht bis zum 18. Lebensjahr oder bis zum 27. Lebensjahr, wenn sich das Kind noch in einer Ausbildung befindet. Kinder, deren beide Elternteile verstorben sind, erhalten 20 Prozent der Renten ihrer Eltern zuzüglich eines Zuschlags. Kinder, die ein Elternteil verloren haben, bekommen 10 Prozent der Rente des Verstorbenen zuzüglich eines Zuschlags.

Weitere Informationen finden Sie in den Hintergrundinformationen Rentenversicherung – nicht nur fürs Alter.

Dreisäulensystem der Alterssicherung

Die erste Säule der Alterssicherung ist die gesetzliche Rentenversicherung. Sie wird für die Mehrheit der Bevölkerung die wichtigste Einnahmequelle im Alter bleiben, trotz der Einschnitte in den vergangenen Jahren. Sie bietet einen wichtigen sozialen Ausgleich für Menschen, die längere Zeit krank waren, keine Arbeit hatten, Kinder erzogen oder einen Angehörigen gepflegt haben.

Das Umlageverfahren, also die Finanzierung durch Beitragszahlungen der Erwerbstätigen, reicht jedoch nicht mehr aus, um die Renten komplett zu decken. Zu vielen Rentnern stehen heute zu wenige junge Menschen gegenüber, die in die Rentenkasse einzahlen. Einige Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung werden deshalb zusätzlich aus Steuergeldern finanziert. Inzwischen macht dieser Zuschuss ein Viertel des Gesamtvolumens aus.

Zur ersten Säule der Alterssicherung zählen neben der gesetzlichen Rentenversicherung für Arbeitnehmer auch die Alterssicherung der Landwirte, die Berufsständische Versorgung und die Beamtenversorgung. Diese werden gesondert geregelt.

Die zweite Säule der Alterssicherung ist die zusätzliche, betriebliche Altersversorgung. Diese gibt es in Deutschland schon seit dem 19. Jahrhundert. Früher wurde die Betriebsrente vom Arbeitgeber gezahlt, um qualifizierte Arbeitskräfte langfristig an ein Unternehmen zu binden. Das war vor allem während der Zeit des Wirtschaftswunders in den 1950er-Jahren und 1960er-Jahren der Fall. Heute werden die meisten Betriebsrenten teilweise oder sogar ausschließlich vom Arbeitnehmer finanziert, beispielsweise durch Gehaltsumwandlung, auch Entgeltumwandlung genannt.

Seit 2002 haben in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversicherte Arbeitnehmer einen Rechtsanspruch auf betriebliche Altersvorsorge durch Entgeltumwandlung. Dabei wird ein Teil des Bruttoentgelts vor Steuer und vor Abzug von Versicherungsbeiträgen vom Arbeitgeber in einen betrieblichen Versorgungsvertrag gezahlt. Wer also auf Teile des Weihnachtsgeldes oder Urlaubsgeldes oder auf einen Teil des monatlichen Verdienstes verzichtet, kann steuerfrei und bis zu einer gewissen Grenze auch sozialversicherungsfrei eine zusätzliche Altersrente ansparen. Der Rechtsanspruch ist auf Pensionskassen, Pensionsfonds und Direktversicherungen beschränkt. Viele Arbeitgeber bieten Entgeltumwandlung auch über die Direktzusage und Unterstützungskasse an.

Seit 2005 können Arbeitnehmer ihre einmal begonnene betriebliche Vorsorge beim Jobwechsel mitnehmen. Dadurch wird eine zusätzliche, betriebliche Altersversorgung ermöglicht, die das ganze Berufsleben begleitet.

Die dritte Säule der Alterssicherung ist die private Altersvorsorge. Zu ihr gehören alle Formen der privaten Vermögensbildung, die der Altersabsicherung dienen. Jeder kann sich ein individuelles Vorsorgepaket zusammenstellen, beispielsweise mit einer Kapitallebensversicherung, einem Investmentfonds, langfristigen Sparverträgen oder einer privaten Rentenversicherung. Welche private Altersvorsorgeform sinnvoll ist, hängt von verschiedenen Faktoren wie Alter, Höhe des Einkommens und Familiensituation ab.

Die private und im Wesentlichen auch die betriebliche Altersvorsorge werden im Kapitaldeckungsverfahren finanziert. Die eingehenden Beiträge werden für den späteren Rentner angelegt und Jahr für Jahr verzinst. Die Höhe der Rente hängt vom angesparten Kapital und dessen Anlageertrag ab. Der Anlageertrag ist wiederum abhängig vom Zinsniveau.

Wer eine zusätzliche kapitalgedeckte Altersvorsorge aufbaut, stellt die Alterssicherung auf eine breitere finanzielle Grundlage. Die private Vorsorge kann helfen, entstehende Lücken zwischen dem letzten Arbeitseinkommen und der gesetzlichen Rente zu schließen, damit der gewohnte Lebensstandard auch im Alter erhalten bleibt. Seit 2002 wird der Aufbau einer zusätzlichen kapitalgedeckten Altersversorgung staatlich gefördert.

Reformen und Neuerungen

„Kinder kriegen die Leute immer“, sagte der ehemalige deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer im Jahr 1957. Er hat 1955 das Umlageverfahren in der gesetzlichen Rentenversicherung eingeführt. Das geschah weniger aus Überzeugung als vielmehr aus der Not heraus. Nach zwei Weltkriegen, der großen Inflation und der Währungsreform waren die Finanzreserven der Rentenversicherung vollständig aufgebraucht.

Adenauers Spruch muss man seit dem Pillenknick 1964 allerdings ändern. Kinder kriegen die Leute zwar noch immer, nur sind es heute deutlich weniger. Gleichzeitig werden wir dank des medizinischen Fortschritts und des allgemeinen Wohlstands immer älter. Die Lebensarbeitszeit hat sich jedoch kaum verlängert. Daher muss nun eine abnehmende Zahl von Arbeitnehmern die längeren Renten von immer mehr Älteren bezahlen. Im Jahr 1960 standen noch sechs Beitragszahler einem Rentner gegenüber. Heute kommen nur noch zwei Beitragszahler auf einen Rentner. Der Anteil der älteren Bevölkerung wird auch künftig zunehmen, während die Zahl der Erwerbstätigen weiter zurückgehen wird. Wenn immer weniger Junge für immer mehr Ältere zahlen, dann bedeutet das für die Jüngeren, dass sie in Zukunft länger arbeiten und selbst mit einer geringeren Rente rechnen müssen.

Auch die Wiedervereinigung Deutschlands hat die Rentenversicherung mit hohen Folgekosten belastet. Die ehemaligen Bürger der Deutschen Demokratischen Republik wurden in die bundesdeutschen Sozialsysteme integriert. Aufgrund des geteilten Deutschlands hatten sie aber bis zur Wiedervereinigung keinerlei Beiträge in die Sozialversicherung zahlen können. Zeiten hoher Arbeitslosigkeit, zum Beispiel während Wirtschaftskrisen, und ein wachsender Niedriglohnsektor tragen ebenfalls zu den Finanzierungsproblemen bei: Je höher die Arbeitslosigkeit beziehungsweise je niedriger die Löhne, desto geringer sind die Beiträge, mit denen die Erwerbstätigen die gesetzliche Rentenversicherung finanzieren.

Die gesetzliche Rentenversicherung steht also vor zwei großen Herausforderungen. Zum einen soll auch in Zukunft jeder Versicherte im Alter, bei Erwerbsminderung oder wenn ein Angehöriger stirbt eine ausreichende Rente erhalten. Zum anderen sollen die Löhne und Gehälter nicht durch zu hohe Beiträge belastet werden. Denn dann bestünde die Gefahr, dass Unternehmen Arbeitsplätze ins Ausland verlagern. Dies würde wiederum die Rentenkasse belasten und den Nutzen der Beitragserhöhung zunichtemachen.

Im Jahr 2001 beschloss der Gesetzgeber deshalb eine weitreichende Rentenreform: Die Versicherten sollen in den kommenden Jahrzehnten zusätzlich zum Rentenversicherungsbeitrag Geld in eine betriebliche oder private Form der Altersvorsorge einzahlen. Dabei werden sie vom Staat mit Zulagen oder steuerlichen Vorteilen gefördert.

Im Januar 2004 traten weitere Neuregelungen in Kraft. Ziel war es, den seit Jahren steigenden Beitragssatz bei 19,5 Prozent des Bruttolohns zu halten. Dafür mussten die Rentner mehrere Jahre Nullrunden hinnehmen, sie erhielten also keine Rentenerhöhungen. Vorher sind die Renten jährlich der Bruttolohnentwicklung der arbeitenden Bevölkerung angepasst worden. Weil die Löhne gestiegen sind, sind auch die Renten jedes Jahr gestiegen.

Im Jahr 2004 setzte diese Rentenanpassung erstmalig für drei Jahre aus. In den Jahren 2007 bis 2009 fanden jährliche Erhöhungen statt. Von 2010 bis 2012 kam es aufgrund der Finanzkrise wiederum zu Nullrunden. Seit Juli 2013 steigen die Renten wieder jährlich. Im Juli 2016 wurden die Renten im Westen um 4,25 Prozent und im Osten Deutschlands um 5,95 Prozent erhöht, dies war die größte Rentensteigerung seit 23 Jahren. Im Jahr 2017 stiegen die Renten im Westen um 1,9 Prozent und im Osten Deutschlands um 3,59 Prozent.

Der Beitragssatz zur Rentenversicherung konnte vorerst nicht bei 19,5 Prozent gehalten werden. Von 2007 bis 2011 lag er bei 19,9 Prozent. Seitdem sank der Beitragssatz wieder und liegt seit 1. Januar 2015 bei 18,7 Prozent, also unterhalb der angestrebten 19,5 Prozent.

Riester-Rente

Seit 2002 fördert der Staat mit der Riester-Rente den Aufbau einer kapitalgedeckten Altersvorsorge durch Zuschüsse oder steuerliche Vorteile. Diese Zulagenrente wurde nach dem damaligen Bundesarbeitsminister Walter Riester benannt. Genutzt werden kann sie von allen, die in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert sind. Freiwillig Versicherte, Beamte, Arbeitnehmer des öffentlichen Dienstes oder Versicherte einer berufsständischen Versorgung gehören nicht dazu. Den maximalen Fördersatz erhält, wer mindestens vier Prozent seines Bruttoeinkommens für die Altersvorsorge aufwendet.

Die Zulagen sollen vor allem Menschen mit niedrigen und mittleren Einkommen den Aufbau einer zusätzlichen Altersvorsorge erleichtern. Leistungskürzungen bei der gesetzlichen Rente sollen so zum Teil ausgleichen werden. Die zusätzliche Vorsorge ist freiwillig. Es gibt eine Grundzulage sowie eine Kinderzulage für Familien. Die Beiträge können in der Steuererklärung als Sonderausgaben vom zu versteuernden Einkommen abgezogen werden.

An die Förderung sind Bedingungen geknüpft, die Vorsorgeverträge müssen besonders zertifiziert sein. Eine Zertifizierungsstelle bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht prüft, ob die Angebote den gesetzlichen Anforderungen entsprechen. Dies sagt jedoch nichts darüber aus, wie viel Gewinn der Vertrag letztlich abwirft. Die Zertifizierung ist also keine Garantie für eine hohe Rendite. Die Rendite ist der Jahresertrag eines angelegten Kapitals, in diesem Fall der Ertrag aus dem Riester-Vertrag. Folgende Anlageformen werden gefördert: Banksparpläne, Rentenversicherungen und Fondssparpläne. Mit dem Wohn-Riester kann auch privates Wohneigentum gefördert werden.

Das Alterseinkünftegesetz

Mit dem Alterseinkünftegesetz wird seit 2005 schrittweise zur sogenannten nachgelagerten Rentenbesteuerung übergegangen. Bis zum Jahr 2005 mussten 50 Prozent der gesetzlichen Rente versteuert werden. Menschen, die seit 2006 Rente beziehen, müssen einen höheren Teil versteuern. Bis 2020 steigt der zu versteuernde Rentenanteil jährlich um zwei Prozentpunkte. Ab 2040 steigt er jährlich um einen Prozentpunkt bis auf insgesamt 100 Prozent. Für die Mehrheit der Rentnerinnen und Rentner ändert sich allerdings nichts. Mehr als drei Viertel aller Rentnerhaushalte zahlen auch nach 2005 keine Steuern auf ihre Rente.

Im Gegenzug werden die Aufwendungen für die Altersvorsorge bis 2025 schrittweise von Steuern entlastet. Im Jahr 2005 blieben mindestens 60 Prozent der Rentenversicherungsbeiträge steuerfrei. Der steuerfreie Anteil wird in Schritten von zwei Prozentpunkten jährlich bis 2025 auf 100 Prozent erhöht. Der Freibetrag wird dann 20.000 Euro für Alleinstehende beziehungsweise 40.000 Euro für Verheiratete betragen. Auf diese Weise erhalten Erwerbstätige einen größeren finanziellen Spielraum für die zusätzliche Altersvorsorge.

Von den drei Säulen zu den drei Schichten

Nach dem Alterseinkünftegesetz werden die verschiedenen Vorsorgearten in drei Schichten eingeteilt.

Schicht 1: Dazu gehört neben der gesetzlichen Rente und den berufsständischen Versorgungswerken auch die private Basis-Rente. Diese ist vor allem für Selbstständige und Freiberufler interessant. Die Basis-Rente erfüllt spezielle Kriterien, die sich an jene der gesetzlichen Rente anlehnen. In der ersten Schicht können pro Person und Jahr maximal 20.000 Euro steuerlich berücksichtigt werden. Der steuerpflichtige Teil der Renten steigt von heute 60 Prozent auf 100 Prozent im Jahr 2040.

Schicht 2: Dazu gehören die Riester-Rente und die betriebliche Altersversorgung. Die Beiträge sind in bestimmten Grenzen steuerfrei, teilweise auch sozialversicherungsfrei beziehungsweise als Sonderausgaben abziehbar. Die Renten in der Schicht 2 sind jedoch voll steuerpflichtig.

Schicht 3: Hierzu gehören alle sonstigen Formen der Kapitalansammlung und Risikoabsicherung, zum Beispiel Fondssparpläne, Krankenversicherung und kapitalbildende Lebensversicherungen. Die Beiträge werden in den meisten Fällen steuerlich nicht gefördert. Allerdings hat das Bürgerentlastungsgesetz aus dem Jahr 2010 dazu geführt, dass die Beiträge zur Krankenversicherung steuerlich besser absetzbar sind. Die Besteuerung der Leistungen ist unterschiedlich und hängt von der Anlageform ab.

Verlängerung der Lebensarbeitszeit

Die Regelaltersgrenze wird seit 2012 bis 2029 schrittweise von 65 auf 67 Jahre angehoben. Die Verlängerung der Lebensarbeitszeit soll das gesetzliche Rentensystem stabilisieren. Wer 1964 und später geboren wurde, kann in der Regel erst mit 67 Jahren ohne Abzüge in Rente gehen.

Finanzielle Anreize, möglichst früh in Rente zu gehen, wurden abgebaut. Wer früher in Rente geht, muss einen Abschlag von 0,3 Prozent pro Monat des früheren Rentenbeginns in Kauf nehmen.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Menschen, die länger arbeiten, zahlen länger und damit mehr Beiträge. Zudem ist die durchschnittliche Rentenbezugsdauer kürzer. Die Vorteile treten jedoch nur ein, wenn ältere Menschen auch Arbeit haben und nicht zu oft und zu lange krank sind. Das tatsächliche Renteneintrittsverhalten ist schwer kalkulierbar.

Ausnahmen gibt es für Menschen, die ihr Leben lang (45 Jahre oder länger) gearbeitet und Beiträge in die Rentenversicherung gezahlt haben. Sie wurden mit dem Rentenreformpaket aus dem Jahr 2014 besser gestellt. Langjährig Erwerbstätige können zwei Jahre früher in Rente gehen, ohne dass die Rentenzahlungen gekürzt werden.

Bewertung von Ausbildungszeiten

Seit 2002 werden Zeiten des Schulbesuchs und Hochschulbesuchs nach dem 17. Lebensjahr nicht mehr rentensteigernd bewertet, wenn die Versicherten nach dem 1. Januar 2009 in Rente gehen. Unberührt bleibt die rentenrechtliche Anrechnungszeit, für die bis zu acht Jahre Ausbildungszeiten berücksichtigt werden. Dies verhindert, dass die Rente zum Beispiel im Fall einer Erwerbsminderung verringert wird. Fachschulzeiten und die Teilnahme an berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen werden weiterhin für längstens 36 Monate rentensteigernd bewertet.

Die Rentengarantie

Die Entwicklung der Rentenhöhe war früher direkt an die wirtschaftliche Gesamtentwicklung gekoppelt. Entscheidend hierfür war die Entwicklung der Durchschnittseinkommen der Arbeitnehmer. Stiegen die Einkommen, stieg damit auch die Rente. Der umgekehrte Fall sollte jedoch verhindert werden. Mit der im Jahr 2009 verabschiedeten Rentengarantie können die Renten aufgrund wirtschaftlich schlechter Zeiten nicht mehr gekürzt werden. Das heißt, die Renten bleiben beispielsweise trotz sinkender Löhne wegen Kurzarbeit stabil.

Das dadurch entstehende Defizit in der gesetzlichen Rentenversicherung müssen die Rentner allerdings seit 2011 selbst ausgleichen. Mögliche Rentenerhöhungen werden nicht voll an die Ruheständler weitergegeben. So soll das Geld für eigentlich fällig gewesene Rentenkürzungen wieder in die Kassen kommen. Die Renten werden also langsamer steigen, und weitere Nullrunden können die Folge sein.

Rentenreformpaket 2014

Seit 1. Juli 2014 gelten die Regelungen des Rentenreformpakets. Es soll Gerechtigkeitslücken schließen und enthält vier Verbesserungen: die Rente ab 63 für langjährig Erwerbstätige, die sogenannte Mütterrente, eine verbesserte Erwerbsminderungsrente und mehr Geld für Rehabilitationsleistungen. Erwerbstätige, die mindestens 45 Jahre lang Beiträge in die Rentenversicherung gezahlt haben, können zwei Jahre früher in Rente gehen, ohne dass die Rentenzahlungen gekürzt werden. Bis zum Jahr 1957 Geborene, die langjährig erwerbstätig waren, können somit bereits mit 63 Jahren eine Rente ohne Abzüge erhalten. Für später Geborene steigt die Altersgrenze mit jedem Jahrgang um zwei Monate. Langjährig Erwerbstätige, die nach dem 1. Januar 1964 geboren wurden, können frühestens mit 65 Jahren ohne Abzüge in Rente gehen (also zwei Jahre früher als die Regelaltersgrenze, die dann bei 67 Jahren liegt).

Die sogenannte Mütterrente verbessert die soziale Absicherung von Rentnerinnen und Rentnern, die vor 1992 Kinder bekommen und erzogen haben und deshalb nicht berufstätig waren. Damals war die Erziehungsleistung bei der Rentenberechnung noch deutlich niedriger bewertet worden als heute. Die betroffenen Mütter oder Väter erhalten für jedes Kind nachträglich Rentenzuschläge. Sie bekommen pro Monat und Kind einen zusätzlichen Brutto-Pauschalbetrag von 28,61 Euro im Westen beziehungsweise 26,39 Euro im Osten.

Versicherte, die eine Erwerbsminderungsrente beziehen, erhalten ebenfalls mehr Geld. Sie werden bei der Berechnung des Durchschnittseinkommens besser gestellt, und es werden zwei zusätzliche Beitragsjahre hinzugerechnet. Ebenfalls erhöht wurden das Budget für Rehabilitationsleistungen sowie die Obergrenze für ärztliche Behandlungen oder Umschulungen, die eine Rückkehr ins Arbeitsleben ermöglichen.

Weitere Informationen finden Sie auf dem Arbeitsblatt und Schaubild zum Rentenpaket 2014.

Flexirente

Immer mehr Menschen möchten weiterarbeiten, auch wenn sie das Rentenalter erreicht haben. Mit dem Gesetz zur Flexibilisierung des Übergangs vom Erwerbsleben in den Ruhestand und zur Stärkung von Prävention und Rehabilitation im Erwerbsleben wurde die sogenannte Flexirente zum 1. Januar 2017 eingeführt. Damit soll ein fließender Übergang in den Ruhestand ermöglicht werden: Jeder soll künftig selbst bestimmen können, wann er in Rente geht, mit entsprechenden Zuschlägen oder Abschlägen.

Wer das Rentenalter zwar erreicht hat, aber weiterarbeitet und noch keine Rente bezieht, erhöht seine spätere Rentenzahlung um 0,5 Prozent pro Arbeitsmonat, das sind 6 Prozent pro Jahr. Bei einem Nebenverdienst kann die Rente gesteigert werden, wenn Arbeitnehmer und Arbeitgeber Rentenbeiträge zahlen. Menschen, die noch nicht die Regelaltersgrenze erreicht haben, ihre Arbeitszeit aber reduziert haben und eine Teil-Altersrente beziehen, können 6.300 Euro pro Jahr hinzuverdienen, ohne dass ihre Rente gekürzt wird.

Künftige Alterssicherung

Im März 2017 hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales ein Gesamtkonzept zur Alterssicherung vorgelegt. Dieses Konzept sieht vor, das Rentenniveau in Zukunft dauerhaft garantiert bei mindestens 46 Prozent zu halten. Der maximale Beitragssatz soll bei höchstens 25 Prozent liegen. Die Leistungen bei Erwerbsminderung sollen verbessert und Selbstständige stärker in die gesetzliche Krankenversicherung einbezogen werden. Zugleich soll die zusätzliche Altersvorsorge ausgebaut werden, indem Betriebsrenten ausgeweitet werden und die Riester-Rente vereinfacht wird. Die Solidarrente soll langjährig Versicherten ein Alterseinkommen oberhalb der Grundsicherung garantieren.

 

Stand Juni 2017

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