Hintergrund: Gleichberechtigung und Chancengleichheit

Der Vergleich mit anderen Ländern in der Europäischen Union zeigt, dass Deutschland bei der Gleichstellung der Frauen zurückliegt. Zwar liegt die Erwerbstätigkeit der Frauen mit 68 Prozent im Jahr 2011 über dem Durchschnitt, aber knapp die Hälfte der deutschen erwerbstätigen Frauen arbeitet in Teilzeit. Die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen beträgt in Deutschland 22 Prozent und ist so groß wie in kaum einem anderen Land der Europäischen Union. Von den Top-Positionen in der deutschen Wirtschaft waren im Jahr 2012 nur 18 Prozent mit Frauen besetzt, in Norwegen waren es 44 Prozent, in Frankreich immerhin 25 Prozent. Nach wie vor sind Beruf und Familie in Deutschland nicht so leicht vereinbar. Rund 55 Prozent der deutschen Mütter mit Kindern unter sechs Jahren waren im Jahr 2010 berufstätig, in Dänemark waren es 83 Prozent. Dabei weist Dänemark mit durchschnittlich 1,75 Kinder pro Frau eine vergleichsweise hohe Geburtenrate auf, während Deutschland mit 1,36 Kindern pro Frau in Europa am Ende der Skala liegt.

Bildung und Ausbildung

Mädchen und junge Frauen sind in der Ausbildung sehr erfolgreich und demzufolge sehr gut qualifiziert. Sie haben die höheren Schulabschlüsse, auch im Bereich der beruflichen Bildung und Weiterbildung. Außerdem sind sie in allen Ausbildungsbereichen tendenziell erfolgreicher als ihre männlichen Kollegen. Frauen beginnen zwar seltener eine handwerkliche Ausbildung, aber dafür schlossen 88 Prozent der Frauen, die sich dafür entschieden haben, im Jahr 2010 ihre handwerkliche Ausbildung erfolgreich ab. Bei den Männern waren es 84 Prozent.

In der Altersgruppe von 25 bis 30 Jahren jedoch haben auffällig viele Frauen keinen Berufsabschluss. Es ist zu vermuten, dass Ausbildungen wegen Familiengründung nicht zu Ende geführt werden. Auch sind sie nach wie vor in den technischen und naturwissenschaftlichen Berufen stark unterrepräsentiert. Mädchen konzentrieren sich mehrheitlich auf etwa 25 Berufe, von insgesamt rund 350, vor allem aus dem sozialen und Dienstleistungsbereich. Diese Berufe sind meist als Assistentinnenberufe und Helferinnenberufe mit schlechten Verdienstmöglichkeiten und Karrierechancen und schlechter sozialer Absicherung konzipiert.

Die Bundesregierung unterstützt zusammen mit der Bundesagentur für Arbeit, den Gewerkschaften, den Verbänden von Industrie und Handwerk und anderen Partnern Initiativen, um die eingeschränkte Berufswahl und Studienwahl von jungen Frauen aufzubrechen. Beispiele sind der Girls’ Day und der Nationale Pakt für Frauen in MINT-Berufen Komm, mach MINT. MINT steht hierbei als Abkürzung für Mathematik, Ingenieurwissenschaften, Naturwissen­schaften, Technik. Der im Jahr 2011 geschaffene Boys’ Day hingegen soll Jungen Berufsmöglichkeiten und Lebensperspektiven jenseits der traditionellen Rollenbilder aufzeigen. Das Bundesprogramm Mehr Männer in Kitas wirbt um junge Männer für Erziehungsberufe, denn das geschlechtsspezifische Verhalten von Mädchen und Jungen wird unter anderem darauf zurückgeführt, dass in den Betreuungsstätten und Erziehungseinrichtungen männliche Vorbilder fehlen.

Darüber hinaus schlagen Experten eine Reform des Berufsbildungssystems vor. Jugendliche können bisher zwischen zwei Ausbildungswegen wählen: Die duale Ausbildung findet im Betrieb und in der Berufsschule statt, vermittelt ein einheitliches Qualifikationsprofil und ist für fast alle technisch-naturwissenschaftlichen Berufe vorgesehen. Die vollschulische Ausbildung findet nur in der Berufsschule statt, ist nicht standardisiert und weniger professionalisiert. Sie ist für viele frauentypische Berufe vorgesehen, die entsprechend geringer bewertet und schlechter bezahlt werden. Diese Teilung des Berufsbildungssystems empfehlen Experten abzuschaffen, einheitliche Standards für alle Berufe einzuführen und die personenbezogenen Dienstleistungsberufe zu professionalisieren und aufzuwerten. So können Nachteile von Frauen, die in diesen Berufen besonders stark vertreten sind, abgebaut werden.

Ferner wird diskutiert, die Vereinbarkeit von Ausbildung und Weiterbildung sowie Familie zu verbessern. Zwar besteht seit dem Jahr 2005 für junge Eltern nach dem Berufsbildungsgesetz die Möglichkeit, über eine Teilzeitausbildung einen qualifizierten Berufsabschluss zu erlangen. Was fehlt, sind jedoch Förderprogramme, zum Beispiel für den Unterhalt, damit junge Eltern diesen Rechtsanspruch auch wahrnehmen können. Um den Wiedereinstieg nach einer familienbedingten Berufsunterbrechung zu erleichtern, wird außerdem vorgeschlagen, die Bildungsförderung für Erwachsene auszubauen und lebenslanges Lernen finanziell zu unterstützen, zum Beispiel durch eine Leistungserweiterung des Bundesausbildungsförderungsgesetzes, kurz BAföG.

Erwerbsarbeit

Die Erwerbstätigkeit von Frauen ist zwar von 58 Prozent im Jahr 1991 auf 68 Prozent im Jahr 2011 gestiegen, aber ihr Arbeitsvolumen, also die Anzahl der geleisteten Arbeitsstunden, ist nahezu gleich geblieben. Das liegt daran, dass nur 43 Prozent der Frauen eine unbefristete Vollzeitbeschäftigung haben, bei den Männern hingegen sind es 73 Prozent. Die Mehrheit der Frauen, nämlich 52 Prozent, arbeitet in flexiblen, so genannten atypischen Beschäftigungsverhältnis­sen. Das sind befristete Stellen, Teilzeitstellen, Minijobs und die Ein-Personen-Selbstständigkeit. 84 Prozent aller Teilzeitbeschäftigten sind weiblich. Eine sozialversicherungspflichtige Teilzeitbeschäftigung wird von vielen Frauen als Lösung gesehen, um Beruf und Familie zu vereinbaren. Dies ist jedoch nur günstig, wenn die Rückkehr in eine Vollzeittätigkeit möglich ist.

Problematisch ist der große Anteil von Frauen in geringfügigen Beschäftigungen, den so genannten Minijobs, da der Arbeitgeber hier keine Sozialversicherungsbeiträge und in vielen Fällen auch keine Rentenbeiträge zahlt. Zwei Drittel aller ausschließlich geringfügig Beschäftigten sind Frauen. Hinzu kommt, dass 85 Prozent der Minijobs mit Niedriglöhnen entlohnt werden und der Übergang in ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis schwierig ist. Solange ein Partner diese Frauen absichert, funktioniert es. Wird der Partner jedoch arbeitslos oder kommt es zur Scheidung, sind viele kaum noch in der Lage, ihre Existenz zu sichern.

Ein weiteres Problem ist der Verdienstabstand zwischen Frauen und Männern, der seit dem Jahr 2006 konstant bei etwa 22 Prozent liegt. Der Einkommenrückstand der Frauen lässt sich fast in allen Branchen und Berufen beobachten und ist bei Führungskräften und technischen Berufen mit 30 Prozent besonders groß (Zahlen: Statistisches Bundesamt, 2010). Nur ein Teil der Lohnunterschiede lässt sich statistisch erklären durch Berufswahl, Branchenzuge­hörigkeit, Qualifikationen, Berufserfahrung, Beschäftigungsumfang, Position im Unternehmen. Dazu kommt ein nicht genau bestimmbarer Anteil an indirekter und direkter Diskriminierung. Indirekte Diskriminierung liegt vor, wenn zum Beispiel bei der Bewertung von Arbeitsanforderungen die körperliche Belastung von Krankenschwestern oder Kassiererinnen nicht berücksichtigt wird oder wenn Frauen vom Arbeitgeber weniger gefördert und weitergebildet werden. Direkte Diskriminierung liegt vor, wenn Frauen für die gleiche Arbeit geringer bezahlt werden, siehe Schaubild.

Die Bundesregierung setzt zur Lösung dieser Probleme auf Initiativen der Privatwirtschaft wie flexible Arbeitszeitmodelle, auf Aktionsprogramme wie Perspektive Wiedereinstieg und unterstützt den internationalen Aktionstag Equal Pay Day. Den Betrieben stellt sie mit Lohngleichheit im Betrieb – Deutschland ein Analyseinstrument zur Verfügung, mit dessen Hilfe diese freiwillig und anonym ihre Lohnstrukturen analysieren und fair gestalten können.

Nach Meinung einiger Experten geht dies nicht weit genug. Sie empfehlen der Bundesregierung, gesetzgeberisch einzugreifen und zum Beispiel die Minijobs abzuschaffen, da sie nicht nur den Betroffenen schaden, sondern auch Kosten für die Allgemeinheit produzieren. Um allen Vollzeit-Erwerbstätigen im unteren Einkommenbereich eine eigenständige Existenzsicherung zu ermöglichen, schlagen Fachleute die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns vor. Dies würde zahlreichen Frauen helfen, wie es zum Beispiel in Großbritannien der Fall ist. Zur Herstellung von Entgeltgleichheit empfehlen sie, geschlechtergerechte Arbeitsbewertungsverfahren einzusetzen sowie den Anspruch auf gleichen Lohn im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz zu verankern. Schließlich wird diskutiert, das Steuerrecht und Familienrecht so zu ändern, dass keine Anreize mehr für Frauen bestehen, ihre Erwerbstätigkeit länger zu unterbrechen oder sich auf die Rolle der Zuverdienerin zu beschränken. Umgesetzt werden soll dies durch die Abschaffung des Ehegattensplittings zugunsten der Individualbesteuerung und durch die Abschaffung der hohen Besteuerung des zweiten Einkommens bei verheirateten Paaren.

Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Als Grund, nicht Vollzeit zu arbeiten, nennt im Jahr 2011 über die Hälfte der Frauen Kinder und Familie. Von Teilzeit arbeitenden Männern, das sind rund 19 Prozent aller erwerbstätigen Männer, geben nur 11 Prozent diesen Grund an. Den Hauptteil der unbezahlten Hausarbeit und Familienarbeit wie Kinderbetreuung, Pflege von Kranken und Alten verrichten nach wie vor Frauen. Schätzungen zufolge würde diese unbezahlte Arbeit gemessen in Geldwert etwa ein Drittel des Sozialprodukts moderner Industriegesellschaften ausmachen. Dabei haben Umfragen ergeben, dass beide Geschlechter Beruf und Familie vereinbaren möchten. 60 Prozent der Väter wünschen sich mehr Zeit für die Familie und die Hälfte der Teilzeit beschäftigten Frauen würde gerne mehr arbeiten. Dies wird erschwert durch fehlende Kinderbetreuungseinrichtungen und mangelnde Familienfreund­lichkeit von Betrieben. Zwar bieten immer mehr Unternehmen flexible Arbeitszeiten an, aber steigende Anforderungen an Flexibilität und Mobilität, ausgedehnte Servicezeiten, zum Beispiel im Einzelhandel, sowie die Anforderung ständiger Erreichbarkeit, stellen die Familienfreundlichkeit wieder in Frage.

Die Bundesregierung hat im Jahr 2007 das Elterngeld eingeführt, um auch Vätern die Übernahme von Betreuungsarbeit in den ersten zwölf bis 14 Monaten nach der Geburt eines Kindes zu erleichtern. Gleichzeitig wurden Kinderbetreuungseinrichtungen ausgebaut und der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder ab dem ersten Lebensjahr gesetzlich verankert. Als kontraproduktiv hingegen wird von vielen Kritikern das Betreuungsgeld für Eltern gewertet, welche die Betreuung ihres Kindes auch im zweiten und dritten Lebensjahr privat sicherstellen wollen.

Experten empfehlen außerdem, die Vollzeit auf etwa 30 bis 35 Stunden zu verkürzen, um Paaren die gleichberechtigte Wahrnehmung von Hausarbeit und Familienpflichten zu ermöglichen. Ein Gesetz über Wahlarbeitszeiten könnte die Unterbrechung und Reduzierung der Arbeitszeit zugunsten familiärer Pflichten, aber auch die Rückkehr zur vollen Arbeitszeit regeln. Führungspositionen sollten auch in Teilzeit wahrgenommen werden können. Ferner schlagen Experten vor, die Kinderbetreuungseinrichtungen weiter auszubauen und zu flexibilisieren, um sie besser an die Erfordernisse der Arbeitswelt anzupassen.

Teilhabe an Führungspositionen

Frauen sind in Führungspositionen stark unterrepräsentiert. Nur etwa 30 Prozent der allgemeinen Führungspositionen sind mit Frauen besetzt, obwohl sie inzwischen knapp die Hälfte der Erwerbstätigen stellen. In den Top-Positionen der 160 größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland sieht es noch schlechter aus: Nur 17 Prozent der Aufsichtsräte und nur sechs Prozent der Vorstände sind Frauen. In 36 dieser 160 Unternehmen ist keine Frau in den Führungsetagen vertreten (Zahlen: Women-on-Board-Index, Stand Juni 2013).

Dies ist nicht nur für die Frauen schlecht, sondern auch für die Unternehmen selbst. Sie werben damit, die besten Köpfe zu beschäftigen, und ignorieren doch die Hälfte der qualifizierten Bevölkerung. Die Realität hingegen zeigt, dass Unternehmen mit gemischten Leitungsteams organisatorisch leistungsfähiger sind. Wo liegen also die Ursachen für diese Situation?

Ein Teil der Ursachen ist bei den Unternehmen selbst zu suchen. Ihre familienunfreundlichen Strukturen machen es Frauen schwer, sich für eine Leitungsposition zu entscheiden. Vielfach wird gerade in den Führungsetagen eine so genannte Präsenzkultur gepflegt und Engagement mit Anwesenheit gleichgesetzt, sodass Frauen und Männer, die Zeit für ihre Familie einfordern, bei Beförderungen übergangen werden. Dazu kommt, dass die Führungsetagen durch Männer geprägt sind. Eine Führungspersönlichkeit wird mit männlichen Eigenschaften wie Dominanz, Autonomie, Selbstbewusstsein und Härte assoziiert, die dem gängigen Frauenbild nicht entsprechen. Den Frauen werden daher Führungsqualitäten häufig abgesprochen. Wissenschaftlichen Studien zufolge sind jedoch Führungseigenschaften keine Frage des Geschlechts, sondern eine Frage der Persönlichkeit. Ferner lässt sich beobachten, dass hoch qualifizierte Frauen häufig nicht über die mittlere Managementebene hinauskommen. Es gibt eine Reihe unsichtbarer Faktoren und Prozesse, die sie am Aufstieg hindern, zum Beispiel Vorbehalte in den Köpfen der Männer, männliche Netzwerke, aus denen sie ausgeschlossen sind, und mangelnde Förderung durch Vorgesetzte. Dieses Phänomen wird als Gläserne Decke bezeichnet.

Weitere Ursachen sind in den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zu finden. Frauen wird nach traditionellen Rollenerwartungen immer noch der Hauptteil der Familienarbeit und Hausarbeit zugewiesen, während Männer die Familie ernähren sollen. Frauen, die Karriere machen, werden häufig als Rabenmütter diffamiert, Männer, die zu Gunsten der Familie beruflich kürzer treten, als Schwächlinge bezeichnet. Bei traditionell lebenden Paaren unterstützen Frauen ihre Männer bei der Karriere, aber nicht umgekehrt. Hinzu kommen fehlende Kinderbetreuungsmöglichkeiten. Viele Frauen entscheiden sich schon bei der Berufswahl gegen die Karriere, weil sie auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie Rücksicht nehmen.

Schließlich gibt es auch Barrieren auf Seiten der Frauen selbst, die vor den steigenden Anforderungen und der Vorstellung, sich als Minderheit in einer Männerwelt behaupten zu müssen, zurückschrecken. Eigenschaften, die für den Aufstieg förderlich sind, sind bei Frauen oft weniger ausgeprägt. Es genügt nicht, fachlich kompetent, geeignet und willig zu sein, um Karriere zu machen. Frauen müssen lernen, ihre Leistungen im Unternehmen offensiv zu präsentieren und ihre Ansprüche auf Karriere deutlich anmelden, sie dürfen nicht darauf warten, entdeckt zu werden. Vielmehr müssen sie bereit sein, selbstbewusst einen attraktiven verantwortungsvollen Posten zu übernehmen, auch wenn sie sich noch Kenntnisse dafür aneignen müssen.

Die Bundesregierung sieht in der Vereinbarkeit von Beruf und Familie das Hauptproblem und ist mit einer Reihe von Maßnahmen aktiv geworden. Gegenüber den Unternehmen jedoch setzt sie seit zwölf Jahren auf deren Selbstverpflichtung, die Chancengleichheit zu fördern – bisher mit sehr begrenztem Erfolg. Um den Druck zu erhöhen, soll die selbstbestimmte Frauenquote, die so genannte Flexi-Quote, ab dem Jahr 2014 für Unternehmen ab einer bestimmten Größe gesetzlich verpflichtend sein und ihre Nichteinhaltung sanktioniert werden.

Bei ihrer Weigerung, eine gesetzliche Frauenquote einzuführen, folgt die Bundesregierung Bedenken der Wirtschaft. Betriebe befürchten, dass eine gesetzliche Quote nicht erfüllbar wäre, weil qualifizierte Frauen fehlten, und dass die Situation jeder Branche gesondert betrachtet werden müsse. Demgegenüber fordern zahlreiche Frauenorganisationen eine gesetzliche Einheitsquote von 30 Prozent für Aufsichtsräte und Vorstände bis zum Jahr 2020. In den Unternehmen hingegen ist der Widerstand gegen eine Frauenquote im operativen Bereich, zum Beispiel bei den Vorständen, besonders groß. Sie ziehen hier betriebliche Zielvereinbarungen, betriebsinterne Mentoring-Programme und die Einführung eines modernen Personalmanagements vor, das Frauen fördert und ermutigt. Die von der Bundesregierung eingesetzte Sachverständigenkommission schlägt daher vor, die gesetzliche Frauenquote zunächst nur für Aufsichtsräte einzuführen und für allgemeine Führungspositionen eine Mindestanteilsregelung zu prüfen.

Alle sind sich jedoch darin einig, dass mehr Frauen in Führungspositionen gebraucht werden und dass politische, gesetzliche, betriebliche und kommunikative Maßnahmen nötig sind, um bestehende Mentalitätsmuster und Strukturen zu überwinden. Es geht um die Entwicklung einer neuen Unternehmenskultur, um ein verändertes gesellschaftliches Bewusstsein und damit verbunden um ein verändertes Rollenbild von Frauen und Männern in unserer Gesellschaft.

Chronik: Gleichberechtigung in Deutschland

1958:

Am 1. Juli tritt in der Bundesrepublik Deutschland das Gleichberechtigungsgesetz in Kraft. Die schon im Jahr 1949 im Grundgesetz verankerte Gleichberechtigung von Frauen und Männern wird in das Familienrecht umgesetzt, das Alleinbestimmungsrecht des Mannes in allen Ehefragen und Familienangelegenheiten wird abgeschafft. Doch die Aufgabenteilung zwischen Mann und Frau wird bis zur Gesetzesreform im Jahr 1977 fortgeschrieben: Frauen dürfen nur dann berufstätig sein, wenn dies mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar ist.

1968:

An den Universitäten entsteht eine neue Frauenbewegung. Gekämpft wird für gleiche Chancen in der politischen Arbeit und für die Streichung des Paragrafen 218, der Abtreibung unter Strafe stellt.

1979:

Berufstätige Mütter haben Anspruch auf einen viermonatigen Mutterschaftsurlaub. Während dieser Zeit ist ihr Arbeitsplatz durch ein Kündigungsverbot gesichert.

1985:

Das Übereinkommen der Vereinten Nationen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau tritt in der Bundesrepublik Deutschland in Kraft.

1986:

Erwerbstätige Eltern haben das Recht, bis zu drei Jahre Erziehungsurlaub zu nehmen und ein Erziehungsgeld zu beantragen.

1990:

Nach der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten Bundesrepublik Deutschland und Deutsche Demokratische Republik wird im Staatsvertrag angekündigt, die Gesetzgebung zur Gleichberechtigung weiterzuentwickeln.

1994:

Im Grundgesetz wird das Gleichberechtigungsgebot ergänzt:

Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.

1996:

Für Kinder ab drei Jahren wird der Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz eingeführt.

1999:

Das Bundeskabinett erkennt in einem Beschluss die Gleichstellung von Frauen und Männern als durchgängiges Leitprinzip der Bundesregierung an. Es bestimmt, diese Aufgabe mittels des so genannten Gender Mainstreaming zu fördern.

2000:

Nach einer Grundgesetzänderung im Dezember können Frauen jetzt Dienst in allen Bereichen der Bundeswehr leisten, auch Dienst mit der Waffe.

2001:

Die Elternzeit löst den Erziehungsurlaub ab. Beide Elternteile können zur gleichen Zeit Elternzeit nehmen und zusätzlich bis zu 30 Stunden wöchentlich arbeiten.

Im April findet der erste Mädchen-Zukunftstag Girls’ Day statt.

Im Juli wird das Betriebsverfassungsgesetz reformiert: Der Betriebsrat verpflichtet sich, auf die Gleichstellung der Geschlechter und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu achten.

Mit den Spitzenverbänden der Deutschen Wirtschaft wird eine Vereinbarung getroffen, mit der die Chancengleichheit von Frauen und Männern in der privaten Wirtschaft gefördert werden soll.

Für die Bundesverwaltung und die Gerichte des Bundes tritt im Dezember 2001 ein neues Bundesgleichstellungsgesetz in Kraft, das die Gleichstellung von Mann und Frau verbessert.

2003:

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend initiiert die Allianz für Familie, ein Bündnis von Verbänden und Organisationen, die sich für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf einsetzen wollen.

2005:

Die Bundesregierung will Betreuungseinrichtungen für Kinder unter drei Jahren qualitätsorientiert und bedarfsorientiert ausbauen. Im Januar tritt das so genannte Tagesbetreuungsausbaugesetz in Kraft.

Im Frühjahr startet das Pilotprojekt Neue Wege für Jungs. Es bietet ein Netzwerk mit Servicebüro für bundesweite Initiativen und Projekte, die jungengerechte Angebote zur Berufswahl und Lebensplanung durchführen. Es richtet sich an Lehrkräfte, soziale Fachkräfte, Fachkräfte der Jungenarbeit, Berufsberatende sowie Eltern.

2006:

Mit dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz sollen Benachteiligungen wegen des Geschlechts, des Alters oder der sexuellen Identität verhindert oder beseitigt werden.

2007:

Für Kinder, die nach dem 1. Januar geboren werden, erhalten Mütter oder Väter, die die Kinderbetreuung selbst übernehmen, zwölf bis 14 Monate ein Elterngeld. Es beträgt je nach Voreinkommen zwischen 65 und 67 Prozent des wegfallenden Nettoeinkommens. Der Mindestbeitrag liegt bei 300 Euro, der Höchstbeitrag bei 1.800 Euro pro Monat.

2008:

Im Februar startet das Programm des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zur Betrieblich unterstützten Kinderbetreuung. Unternehmen und Eltern sollen gemeinsame Lösungen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf finden.

2009:

Im Oktober erscheint der Atlas zur Gleichstellung von Männern und Frauen in Deutschland.

2011:

Ab Januar startet das Modellprogramm Mehr Männer in Kitas.

Im Februar verabschiedet die Bundesregierung gemeinsam mit den Arbeitgeberverbänden die Charta für familienbewusste Arbeitszeiten. Die Arbeitgeber verpflichten sich, beispielsweise mehr 30-Stunden-Stellen für Männer und Frauen zu schaffen.

Im April findet erstmals der Jungen-Zukunftstag Boys’ Day parallel zum Girls’ Day statt. Er soll Jungen bei selbstbestimmten Entscheidungen zur Berufswahl und Lebensplanung abseits von Rollenklischees unterstützen.

Im April verabschiedet der Deutsche Bundestag das Gesetz zur Reform der elterlichen Sorge nicht miteinander verheirateter Eltern. Auch nach diesem Gesetz liegt das alleinige Sorgerecht bei der Mutter, wenn die Eltern kein Gemeinsames beantragt haben. Der Vater kann jedoch vor Gericht ein gemeinsames Sorgerecht beantragen. Die Gerichte sind angehalten, nach dem Wohl des Kindes zu entscheiden.

Im Juni legt die Bundesregierung den Ersten Gleichstellungsbericht: Neue Wege – Gleiche Chancen. Gleichstellung von Frauen und Männern im Lebensverlauf vor.

Im Oktober verpflichten sich auf Initiative der Bundesfamilienministerin Schröder die 30 umsatzstärksten, an der Frankfurter Wertpapierbörse notierten, Unternehmen, den Anteil von Frauen in Führungspositionen zu erhöhen. Sie setzen sich ihre Ziele und Fristen selbst und geben sie der Öffentlichkeit bekannt. Ihre Selbstverpflichtung gilt vorerst für Führungspositionen unterhalb der Vorstandsebene und Aufsichtsratsebene. Ab dem Jahr 2014 soll die selbstbestimmte Frauenquote, die so genannte Flexi-Quote, auch für Vorstände und Aufsichtsräte von allen börsennotierten und voll mitbestimmungspflichtigen Unternehmen gesetzlich verpflichtend werden. Ein Unternehmen, das seine Zielvorgaben nicht erreicht, muss mit Sanktionen rechnen. Die gesetzliche Selbstverpflichtung entfällt, sobald und solange ein Unternehmen in Aufsichtsrat und Vorstand eine Frauenquote von 30 Prozent erreicht hat.

2012:

Die Bundesregierung forciert mit Förderprogrammen den Ausbau von Kindertagesstätten.

2013:

Seit dem 1. August hat jedes Kind ab dem vollendeten ersten Lebensjahr einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz in einer Tageseinrichtung oder in der Kindertagespflege.

Eltern, die die Betreuung ihres Kindes im zweiten und dritten Lebensjahr privat sicherstellen, erhalten ab dem 1. August 2013 ein Betreuungsgeld. Es beträgt zunächst 100 Euro monatlich, ab 1. August 2014 150 Euro monatlich.

Quellen:

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, www.bmfsfj.de
Bundesregierung, www.bundesregierung.de
Bundeszentrale für politische Bildung, www.bpb.de
Hans-Böckler-Stiftung: Gleiche Chancen – doppelter Gewinn, www.boeckler.de
Workshop Zukunft, HEFT 11

 

Stand: Oktober 2013

2 Antworten

Kommentare

Sehr geehrte Redaktion, Anlässlich ihres Beitrages zur Solzialpolitik in Deutschland musste ich voller Empöhrung feststellen, dass ihr Artikel grundlegende mängel ( in bezug auf Informationsrichtigekeit) aufweist! Ich bitte SIE diese Fehler umgehend zu beheben. Vorallem in der Aktuellen Politischen Situation ist es nicht vertretbar solche mägel zu publizieren. Da ich selbst in der Politik Aktiv bin (stellv. Bürgermeister der Stadt Hornbach -nicht der Baumarkt!-) kann ich mit gutem gewissen ihren Artikel stark in ffrage stellen. mit freuntlichsten Grüßen Gerhart Oberlack

Bitte beachten Sie das Erscheinungsdateum des Artikels am Ende: "Stand Oktober 2013". Es wäre sehr hilfreich, wenn Sie uns Fehler konkret nennen würden. Freundliche Grüße, K. Rieger, Redaktion Sozialpolitik

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