Gesellschaft für alle

Arbeiten mit Behinderung

Inklusion: Zwei Berufstätige schauen sich gemeinsam ein Dokument an. Der Mann lehnt am Schreibtisch, die Frau sitzt im Rollstuhl.
Foto: Shutterstock/Phovoir

Gesetze für mehr Teilhabe

Das Sozialgesetzbuch Neuntes Buch, abgekürzt SGB IX, hat die Förderung der aktiven, selbstbestimmten und eigenverantwortlichen Teilhabe am Leben in der Gesellschaft zum Ziel. Arbeitgeber mit mindestens 20 Arbeitsplätzen sind zum Beispiel gesetzlich verpflichtet, wenigstens fünf Prozent der Arbeitsplätze mit schwerbehinderten Menschen zu besetzen. Wer diese Quote nicht erfüllt, muss eine Ausgleichsabgabe zahlen. Mit dem Geld werden schwerbehinderte Menschen dabei unterstützt, auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt eine Beschäftigung zu finden. Mit dem Gesetz zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen, das seit dem Jahr 2002 mehrmals weiterentwickelt wurde, sollen Diskriminierungen beseitigt werden. So müssen zum Beispiel neue öffentliche Gebäude behindertengerecht geplant werden.

Zum 1. Januar 2017 wurde das SGB IX reformiert. Das sogenannte Bundesteilhabegesetz soll Menschen mit (drohender) Behinderung und Schwerbehinderten ein selbstbestimmtes Leben in Deutschland ermöglichen. Sie erhalten nun staatliche Leistungen von einer Stelle und müssen nicht mehr mehrere Anträge bei verschiedenen Stellen einreichen. Außerdem orientieren sich diese Leistungen am tatsächlichen Bedarf und sind nicht länger dem Fürsorgesystem der Sozialhilfe zugeordnet.

Die Leistungen und Unterstützungen dienen vor allem der besseren Eingliederung in Kindergarten, Schule, Ausbildung und Beruf sowie der verbesserten Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

Von der Beeinträchtigung zur Behinderung

Der erste Teilhabebericht der Bundesregierung unterscheidet zwischen Menschen mit Beeinträchtigungen und Menschen mit Behinderungen. Menschen mit Beeinträchtigungen haben geistige oder körperliche Störungen, aufgrund von geistigen oder körperlichen Störungen zum Beispiel beim Sehen, Hören oder Gehen. Aber erst wenn ihre Teilhabe an der Gesellschaft und am Arbeitsleben durch diese Störung und aufgrund ungünstiger Umweltfaktoren dauerhaft eingeschränkt ist, spricht der Teilhabebericht von einer Behinderung.

Dieser Definition liegt die Sichtweise zugrunde, dass es normal ist, verschieden zu sein, und dass Beeinträchtigungen Teil der menschlichen Vielfalt sind. Erst die Benachteiligung macht aus einer Beeinträchtigung eine Behinderung. Diese Sichtweise ermöglicht es, die individuelle Lebenssituation zu berücksichtigen und diejenigen Faktoren genauer in den Blick zu nehmen, die vom Beeinträchtigt-Sein zum Behindert-Werden führen.

Berufsausbildung mit Behinderung

Noch während der Schulzeit erhalten Jugendliche mit Behinderungen Informationen über die Alternativen für ihren künftigen Berufsweg, damit sie die richtige Entscheidung treffen können. Dabei werden auch die Eltern, Lehrkräfte, potenzielle Dienstleister und Leistungsträger einbezogen. Nach dem Berufsbildungsgesetz haben sie grundsätzlich Anspruch auf eine reguläre Berufsausbildung. Wenn sie zusammen mit Jugendlichen ohne Behinderungen ausgebildet werden, haben sie bessere Chancen, vom Betrieb übernommen und auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt beschäftigt zu werden. Nach Angaben des Bundesinstituts für Berufsbildung bewertet etwa die Hälfte der Betriebe, die Jugendliche mit Behinderungen ausbilden, ihre Erfahrungen als positiv.

Bei der Ausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf werden die besonderen Verhältnisse von Menschen mit Behinderungen berücksichtigt. Dies gilt vor allem für den Zeitraum und die Gestaltung der Ausbildung, die Dauer der Prüfungszeiten und die Zulassung von Hilfsmitteln und Hilfeleistungen wie Gebärdensprachdolmetschern. Dementsprechende Hilfen werden Nachteilsausgleich genannt. Wenn eine Regelausbildung wegen einer Behinderung nicht möglich ist, kann ein sogenannter Fachpraktikerberuf erlernt werden.

Auch Menschen, die wegen ihrer Behinderung nicht auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt tätig sein können, haben verschiedene Beschäftigungsmöglichkeiten. Sie können zum Beispiel in einer Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) arbeiten. Dort erhalten sie eine berufliche Bildung und können sich darüber qualifizieren.

Unterstützte Beschäftigung

Unterstützte Beschäftigung ist ein Angebot für Menschen, die aufgrund ihrer Behinderung keine reguläre Berufsausbildung oder Berufsvorbereitungsmaßnahme absolvieren können, aber auch keine speziellen Angebote in einer Werkstatt für behinderte Menschen brauchen. Ziel der Unterstützten Beschäftigung ist der Abschluss eines Arbeitsvertrages und damit eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Die Berufseinsteiger werden durch Beratung unterstützt und bis zu zwei Jahre lang in einem Betrieb qualifiziert. Diese Beschäftigung wird als Rehabilitationsmaßnahme in der Regel von der Bundesagentur für Arbeit finanziert.

Persönliches Budget

Mit dem sogenannten Persönlichen Budget können Menschen mit Behinderungen selbstbestimmt soziale Leistungen einkaufen und bezahlen, beispielsweise Fahrdienste oder Haushaltshilfen. Der Umfang des Persönlichen Budgets richtet sich nach den Leistungen und Hilfsmitteln, die hiermit finanziert werden sollen. Jüngere Menschen mit Behinderungen, die volljährig werden, können das Persönliche Budget auch nutzen, um beispielsweise zu Hause auszuziehen und in einer betreuten Wohngemeinschaft zu leben.

Die Antragstellung und die Wahl der Leistungsform sind freiwillig: Als Experte in eigener Sache kann jeder selbst entscheiden, welche Maßnahmen für ihn persönlich hilfreich sind. Diese Wahlfreiheit fördert die Selbstbestimmung und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen. Die Art und Weise der Verwendung des Persönlichen Budgets und die hiermit abgedeckten Hilfebedarfe werden vorher zusammen mit dem Leistungsträger in einer Zielvereinbarung gemeinsam festgelegt.

Arbeitslosenquote von Menschen mit und ohne Behinderungen

Excel-Datei zum Schaubild

Arbeitslosenquoten von Menschen mit und ohne Behinderungen
Quelle: Bundesagentur für Arbeit: Arbeitsmarkt für Menschen mit Behinderung, Jahreszahlen, Juni 2018

 

Die Texte und Bilder entstammen dem Schülermagazin Sozialpolitik
Stand September 2018

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