Förderung und Fürsorge

Steuerfianzierte Sozialleistungen

Förder- und Fürsorge: Eine Mutter mit ihren Töchtern bei dem Ausfüllen von Formularen.
Foto: Fotolia/The Good Brigade

Unterstützung für wirtschaftlich Schwache

Laut Grundgesetz hat der Staat die Aufgabe, für eine gerechte gesellschaftliche Ordnung und sozialen Ausgleich zu sorgen. Dazu wurde in Deutschland das System der Sozialversicherungen geschaffen, das die Versicherten bei den großen Lebensrisiken Arbeitslosigkeit, Krankheit, Alter, Unfall und Pflegebedürftigkeit schützt (siehe Sozialversicherung im Überblick). Die Sozialversicherungen werden durch die Beiträge der Arbeitgeber und Arbeitnehmer finanziert (Ausnahme: Die Unfallversicherung, wird allein vom Arbeitgeber finanziert.) Nur wer Beiträge eingezahlt hat, kann auch Leistungen aus den Sozialversicherungen bekommen.

Was ist jedoch mit Jugendlichen, die Probleme haben, eine Ausbildung zu finanzieren, mit älteren Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht arbeiten können, oder mit einem alleinerziehenden Vater, der nicht voll arbeiten kann und kaum Geld übrig hat, um die Wohnung zu bezahlen? Hier hilft der Staat mit Förder- und Fürsorgeleistungen. Dazu gehören vor allem Kinder- und Elterngeld, Grundsicherung für Arbeitsuchende, Wohngeld, Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe, Erziehungsgeld und Förderung der Aus- und Weiterbildung. Diese Leistungen werden – im Unterschied zu den vorher genannten Sozialversicherungen – aus den Steuern aller Bürger finanziert. Jeder Bedürftige hat einen Rechtsanspruch darauf, wenn er die gesetzlich festgelegten Voraussetzungen erfüllt. Allerdings wird vor allem bei der Grundsicherung und bei der Sozialhilfe genau geprüft, ob keine andere Hilfe aus eigenem Vermögen oder durch die Familie möglich ist.

Fallbeispiel Jugendhilfe

Familie Meier lebt mit Sohn Roland, 16 Jahre, und Tochter Eva, 10 Jahre, in einer Mietwohnung eines Mehrfamilienhauses. Herr Meier ist beruflich sehr eingespannt, aber sein Verdienst ist nicht sehr hoch. Frau Meier geht deshalb noch einmal in der Woche einer Reinigungstätigkeit nach, wodurch sie stark belastet ist. Roland geht zur örtlichen Hauptschule in die neunte Klasse, nachdem er eine Klasse wiederholen musste. Er hat massive Fehlzeiten, da er lieber mit seinen Freunden zusammen ist, welche die Schule ebenfalls nur unregelmäßig besuchen. Aktuell liegt eine Anzeige wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis gegen ihn vor. In einem ersten Gespräch beim örtlichen Jugendamt klagt Frau Meier, an ihren Sohn nicht mehr so richtig heranzukommen. Wenn Roland zu Hause ist, zieht er sich oft in sein Zimmer zurück, hört ohrenbetäubend laute Musik und reagiert nicht auf Gesprächsangebote. Die Mitarbeiterin trifft sich mit der Familie zu einem Hilfeplangespräch, um gemeinsame Ziele festzulegen. Roland kann sich vorstellen, zweimal in der Woche einen Erziehungsbeistand der Jugendhilfe für jeweils zwei Stunden zu treffen. Er äußert den Wunsch, die Schule nach der neunten Klasse verlassen zu wollen, um lieber eine praktische Tätigkeit aufzunehmen. Außerdem erklärt er sich bereit, die Schule wieder regelmäßig zu besuchen, um die Klasse neun erfolgreich abzuschließen. Danach will er in eine Berufsfindungsmaßnahme wechseln. Die Eltern erklären sich bereit, an einem Kurs der Erziehungsberatungsstelle teilzunehmen. In sechs Wochen wollen sie sich wieder treffen und das Erreichen der festgelegten Ziele prüfen.

Quelle: Prof. Dr. Katja Nowacki: Hilfen zur Erziehung – was können sie für Kinder und Familien leisten?, www.familienhandbuch.de, Praxisbeispiel zusammengefasst und sprachlich bearbeitet

Sozialleistungen nach Bereichen

Excel-Datei zur Tabelle: Das System der Sozialleistungen
Excel-Datei zur Grafik: Leistungen im Bereich Förderung und Fürsorge

Sozialleistungen Förderung Fürsorge
Quelle: Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Sozialbudget 2017, Bonn 2018, Tabelle I-2

Das Sozialbudget

Jedes Jahr veröffentlicht die Bundesregierung einen Bericht über die Sozialausgaben. Laut „Sozialbudget 2017“ wurden in Deutschland im Jahr 2017 rund 580 Milliarden Euro für soziale Leistungen im Rahmen der beitragsfinanzierten Sozialversicherungen ausgegeben. Der zweitgrößte Ausgabenposten, rund 185 Milliarden Euro, entfiel auf steuerfinanzierte Förder- und Fürsorgeleistungen.

Förder- und Fürsorgeleistungen

  • Kindergeld soll einen Teil der zusätzlichen Kosten abdecken, die Eltern für ihre Kinder aufbringen müssen. Eltern erhalten für ein Kind 194 Euro monatlich (Stand 2018), der Betrag steigt ab dem dritten und erneut ab dem vierten Kind.
  • Elterngeld erhalten Arbeitnehmer, die ihr Kind in den ersten drei Lebensjahren selbst betreuen wollen. Damit wird ein Teil ihres wegfallenden Einkommens ausgeglichen.
  • Kinder- und Jugendhilfe soll die Entwicklung junger Menschen fördern, Benachteiligungen abbauen und die Eltern bei der Erziehung beraten und unterstützen. Sie bekommen in Belastungs- und Krisensituationen Hilfe entsprechend dem konkreten Bedarf. Kitas und Jugendzentren werden finanziell unterstützt.
  • Arbeits- und Ausbildungsförderung helfen Jugendlichen beim Übergang in Ausbildung und Beschäftigung durch Bildungsmaßnahmen und finanzielle Unterstützung. Arbeitsuchende erhalten Beratung und Vermittlungsangebote. Auch Fortbildungen (Meister-BAföG) werden gefördert.
  • Grundsicherung für Arbeitsuchende, auch Arbeitslosengeld II oder Hartz IV (benannt nach dem Leiter einer Expertengruppe für Arbeitsmarktreformen im Jahr 2002) erhalten erwerbsfähige Menschen, die trotz vieler Bemühungen keinen Arbeitsplatz finden oder von ihrem Einkommen nicht leben können.
  • Wohngeld erhalten Menschen, die in bestimmten Lebenssituationen ihre Wohnung vorübergehend nicht allein bezahlen können.
  • Sozialhilfe erhalten Menschen, die ihre Existenz nicht aus eigener Kraft sichern können, zum Beispiel aufgrund von Erwerbsunfähigkeit durch eine Krankheit oder eine Behinderung.
     

Karikatur: Was wohl mal aus mir wird?

Karikatur zum Thema Chancengleichheit: Zwei Jungen sitzen auf einer Mauer und unterhalten sich. Der eine vergräbt seinen Kopf in den Händen und sagt „Was wohl mal aus mir wird?“ Sein Nebenmann entgegnet: „Kommt drauf an! Deine Eltern? Hartz Vier? Facharbeiter? Oder Akademiker?“
Zeichnung: Thomas Plaßmann, 2015

 

Die Texte und Bilder entstammen dem Schülermagazin Sozialpolitik
Stand September 2018

1 Antworten

Kommentare

Wenn jemand der vollzeit arbeitet dankbar sein solll dass er eine unterstuzung bekommt ist bei dem hamsterrad etwas falsch.

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