Berufswelt im Wandel

Schüler schreiben für Schüler

Arbeitswelt im Wandel: Porträtbilder von Leon und Karoline
Fotos: privat

Aufgeschrieben: mein Beruf und ich

Im Kindergarten habe ich Raketen gebastelt und wollte Astronaut werden. Eine Woche später Clown und dann doch lieber Detektiv. Heute sehne ich mich nach diesem Optimismus zurück, unter Traumberufen bedenkenlos auswählen zu können. Kinderleicht geht es in der modernen Arbeitswelt wohl nicht unbedingt zu. In zwei Jahren werde ich meinen Schulabschluss in der Tasche haben. Und dann? Es wird Zeit, berufliche Visionen zu entwickeln und eine passende Ausbildung zu finden. Aber wie sieht die moderne Arbeitswelt aus, der ich mich stellen muss?

Während meine Großeltern in ihrem Wohnort eine Ausbildung angefangen haben, kann ich heute rund um den Globus arbeiten oder studieren. Doch schon bei der Wahl der Ausbildung beginnt die erste Hürde. Es gibt so viele Berufe, für die unterschiedliche Voraussetzungen notwendig sind. Ich muss mich also in einem riesigen Berufe-Labyrinth zurechtfinden, bis ich meinen möglichen Traumberuf gefunden habe. Hab ich die nötigen Fähigkeiten, also die Hard Skills, erworben? Bekomme ich meinen Traumjob überhaupt? Vollzeitstellen für Berufsanfänger sind Mangelware. Als unerfahrener Arbeitnehmer muss ich vielleicht erst noch viele Praktika machen oder gering bezahlte Teilzeit- oder Minijobs annehmen. Gleichzeitig soll ich aber alle Anforderungen und Kompetenzen erfüllen.

Neben den Hard Skills muss ich auch die Soft Skills mitbringen: Das sind Sozialkompetenzen wie Flexibilität und Belastbarkeit. Früher musste sich ein Hotelmanager meist nur um ein einziges Hotel kümmern, heute gehören Hotels oft zu riesigen Ketten an unterschiedlichen Standorten in verschiedenen Ländern. Früher wurden Waren einfach in einem Laden verkauft, heute muss man sich mit den Medien auskennen und parallel Online-Handel betreiben, um zu überleben. Als Arbeitnehmer oder Arbeitgeber muss ich mich immer wieder anpassen und Neues lernen.

Trotzdem: Mein Berufsleben will ich auf jeden Fall genießen können. Jeden Tag die gleichen Tätigkeiten zu verrichten oder einen Beruf auszuüben, der nicht zu mir passt, wäre für mich unvorstellbar. Er soll mir Abwechslung bringen, mich jedoch nicht überlasten, schließlich möchte ich noch Zeit für Familie und Hobbys haben. Erfolgreich und vor allem glücklich im Beruf zu sein, ist für mich die Voraussetzung für ein gutes Leben. Ich werde mir also viel Mühe geben, um meinen Traumjob zu finden. Astronaut, Clown oder Detektiv zählen allerdings nicht mehr dazu.

Leon Bornemann

 

Umgehört:

Leon befragt Sarah (16), Auszubildende, und Dominik (21), Student

Wie stellst du dir dein Berufsleben vor? Hast du konkrete Bilder oder Zukunftsvisionen?

Sarah: Ich stelle mir mein Berufsleben sehr spannend und interessant vor. Ich werde viel Neues kennen lernen. Meine Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten dauert drei Jahre. Danach möchte ich wieder ein Jahr auf die Schule gehen, damit ich mein Fachabitur habe, und dann Sozialpädagogik studieren, damit ich später in diesem Gebiet auch arbeiten kann.

Dominik: Ich studiere auf Lehramt, und da ist der Beruf im Grunde vorgezeichnet. Der Lehrerberuf gehört zu den wenigen Berufen, die man ein Leben lang ausüben kann.

Was erhoffst du dir durch deinen zukünftigen Job?

Sarah: Meiner Meinung nach gibt es nichts Schöneres, als Menschen glücklich und gesund zu sehen. Als medizinische Fachangestellte werde ich mein Hobby zum Beruf machen. Gut zu verdienen finde ich auch wichtig, denn man möchte sich später auch etwas leisten können. Das Wichtigste ist aber der Spaß an der Arbeit, denn so macht man sie gut und gerne.

Dominik: Ich würde in meinem Beruf eine Beschäftigung sehen. Geld ist mir eher unwichtig, für mich zählt der Spaß.

Dein Chef gibt dir plötzlich einen neuen Auftrag. Du müsstest dich lange einarbeiten, um alles zu verstehen, da du dich in diesem Fachgebiet bisher nur wenig auskennst. Was machst du?

Sarah: Den Auftrag nehme ich mit Freude entgegen, denn man wächst mit seinen Aufgaben. Wenn man etwas Neues geschafft hat, freut man sich umso mehr, und auch das Selbstwertgefühl steigt.

Dominik: Sollte irgendwo noch Arbeit zu tun sein, die ich schon gut kann und die mir Spaß macht, würde ich diese bevorzugen.

 

Diskussion: Arbeitswelt von Morgen

Leon und Karoline diskutieren mit Schülern, Auszubildenden, Studierenden und jungen Berufstätigen.

Der Arbeitnehmer von morgen wird flexibler arbeiten als heute, selbstständiger, aber auch selbstverantwortlicher. Er wird in wechselnden Teams, wechselnden Projekten und für wechselnde Arbeitgeber arbeiten. Betrachtest du das als positive Herausforderung, oder bereitet dir die fehlende Sicherheit und Planbarkeit Sorge?

Giuliana (13), Schülerin: Das kommt auf den Beruf an. Wenn er Spaß macht, ist es bestimmt total schön, immer wieder neue Leute und Arbeitsweisen kennen zu lernen.

Denise (18), Auszubildende: Wechselnde Arbeitsorte und Arbeitgeber sind sicherlich nützlich, um sich weiterzubilden und neue Kontakte zu knüpfen. Man hat mehr Möglichkeiten, wenn man nicht gebunden ist.

Dennis (21), Student: Für junge Arbeitnehmer sind neue Projekte und Arbeitsplätze bestimmt interessant, sie können viele Wege für die Karriere öffnen. Aber ab einem gewissen Alter möchte man einen geregelten beruflichen Alltag haben, um sich besser um die Familie und Freizeit kümmern zu können.

Als moderner Arbeitnehmer muss man sich ständig weiterbilden. Doch nicht immer reicht die Zeit für alles. Am Wochenende findet eine interessante und wichtige Fortbildung statt, doch am gleichen Wochenende feiert dein Onkel Geburtstag. Wie würdest du entscheiden?

Sybille (48), Finanzberaterin: Wenn ich die Chance bekomme, mich weiterzubilden, wäre das zu meinem eigenen Vorteil, und ich hätte bessere Aufstiegschancen. Ich würde meinem Onkel am Telefon gratulieren und den Geburtstag eventuell nachfeiern.

Dennis: Familie geht absolut vor. Ich würde versuchen, die Fortbildung nachzuholen.

Cathy (16), Schülerin: Nein, den Onkel sieht man noch oft, aber die Fortbildung ist eine einmalige Gelegenheit.

Du hast Urlaub und willst entspannen. Bist du für deinen Chef trotzdem erreichbar, oder schaltest du dein Handy aus?

Denise: Ich würde mein Handy anlassen, um erreichbar zu sein. In meinem Urlaub würde ich jedoch nur arbeiten, wenn es absolut wichtige Aufgaben sind.

Marcel (16), Schüler: Nein, im Urlaub will ich entspannen. Ich würde mein Handy zwar anlassen, doch wenn der Chef anruft, das Gespräch nicht annehmen.

Sybille: Ich bin auf jeden Fall erreichbar. Wenn ich gut in meinem Beruf bin und mich offen zeige, bin ich irgendwann diejenige, die befördert wird und mehr Geld bekommt. Gerade bei der heutigen Wirtschaftslage muss ich als Arbeitnehmer sehr motiviert sein.

Andre (20), Auszubildender: Ich würde meinem Chef sagen, dass ich nur zu bestimmten Zeiten erreichbar sein werde, zum Beispiel von 12 bis 15 Uhr. Den Großteil meines Urlaubs hätte ich gerne für mich.

 

Die Texte und Bilder entstammen dem Schülermagazin Sozialpolitik
Stand Juli 2015

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