Berufsorientierung

Fachkräfte gesucht

Berufsorientierung: Drei junge Leute beschriften Haftnotizzettel, die sie an ein Fenster geklebt haben.
Foto: Shutterstock/wavebreakmedia

Berufsbiografie früher und heute

Früher war der Berufsweg oftmals schon vom Elternhaus vorgegeben. Wer in einem Betrieb Fuß gefasst hatte, konnte sich seines Arbeitsplatzes in der Regel sicher sein und wechselte ihn höchstens aus privaten oder Karrieregründen. Auch die soziale Absicherung war gewährleistet. Wer über Jahrzehnte kontinuierlich in die Rentenversicherung eingezahlt hatte, konnte sich über eine auskömmliche Rente im Alter freuen.

Heutige Lebensläufe sind viel individueller: Praktika, Zeiten der Arbeitslosigkeit oder Selbstständigkeit, befristete Beschäftigungsverhältnisse, Elternzeiten, Teilzeit, Arbeitsplatzwechsel, Umorientierung und erneutes Durchstarten kennzeichnen das Berufsleben. Das bedeutet Chance und Risiko. Die Abwechslung ist größer, man entwickelt sich ständig weiter und kann leichter Tätigkeiten finden, die wirklich zu den eigenen Interessen passen und das ganze Arbeitsleben hindurch Freude bereiten. Die soziale Absicherung ist bei häufigen Umbrüchen und Arbeitsplatzwechseln jedoch lückenhafter.

Die Wahl eines Berufs gehört zu den wichtigsten Entscheidungen eines jungen Menschen. Da die Arbeitswelt immer komplexer wird und es unzählige Ausbildungs- und Einstiegsangebote gibt, kann man leicht den Durchblick verlieren. Umso wichtiger ist es, sich möglichst früh zu informieren und bei der Arbeitsagentur beraten zu lassen. Praktika können helfen, verschiedene Berufe und Branchen kennenzulernen.

Praktikum

Ein Praktikum ist eine gute Möglichkeit, Berufsfelder kennenzulernen und erste Erfahrungen in der Arbeitswelt zu sammeln. In manchen Fällen gelingt es auch, Kontakte für einen späteren Ausbildungs- oder Arbeitsplatz zu knüpfen. Praktika, die während der Schulzeit absolviert werden, dauern etwa zwei Wochen. Jugendliche, die keinen Ausbildungsplatz finden, oder Arbeitslose können sechs bis zwölf Wochen lang in einem Betrieb ein Praktikum zur Erprobung machen.

Ein Praktikum ist kein Arbeitsverhältnis. Die Berufsorientierung steht beim Praktikum im Vordergrund. Es zeichnet sich dadurch aus, dass der Praktikant Gelegenheit bekommt, möglichst viele Bereiche des Betriebes kennenzulernen und verschiedene, für das Berufsfeld wichtige Tätigkeiten auszuprobieren. Wer nur am Kopierer steht, Kaffee kocht oder andere unqualifizierte Hilfsarbeiten ausführt, macht kein Praktikum, sondern erledigt einen Aushilfsjob, der dann auch entsprechend vergütet werden sollte.

Freiwilliges Engagement

Beim Jugendfreiwilligendienst (Freiwilliges Soziales oder Ökologisches Jahr) können sich junge Menschen ehrenamtlich einsetzen. Der Bundesfreiwilligendienst (früher: Zivildienst) steht allen – auch älteren – Menschen offen. Die Freiwilligendienste dauern sechs Monate bis maximal zwei Jahre. Die Sozialversicherungsbeiträge übernimmt die jeweilige Einsatzstelle. Für die Freiwilligen gibt es ein Taschengeld von maximal 390 Euro, und sie bekommen zum Abschluss ein qualifiziertes Zeugnis.

Arbeitswelt nach Wirtschaftsbereichen

Excel-Datei zum Schaubild

Arbeitswelt nach Wirtschaftsbereichen
Quelle: Statistisches Bundesamt: Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen, Stand: Januar 2018.

Auszubildende gesucht!

Grundsätzlich haben sich die Startbedingungen für Schulabgänger in den vergangenen Jahren verbessert. Das Verhältnis zwischen angebotenen Ausbildungsplätzen und Bewerbern ist ausgeglichener geworden. Dennoch gibt es Passungsprobleme: Viele Ausbildungsplätze werden nicht besetzt, weil Unternehmen keine qualifizierten Bewerber finden oder weil die Ausbildungsberufe für die Jugendlichen nicht attraktiv erscheinen. Jugendliche mit niedrigem Schulabschluss oder aus strukturschwachen Gegenden haben nach wie vor Schwierigkeiten, eine passende Ausbildungsstelle in ihrer Region zu finden. Für sie gibt es zahlreiche finanzielle Hilfen und Fördermöglichkeiten (siehe Berufswahl).

Laut dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales wird es bis zum Jahr 2030 im Vergleich zum Jahr 2010 etwa 2,9 Millionen weniger Erwerbspersonen in Deutschland geben. Gesucht werden vor allem Fachkräfte, also Menschen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung oder einem gleichwertigen Abschluss. Wirtschaftsexperten warnen vor einem Fachkräftemangel in Deutschland, der sich bereits heute in einigen Branchen bemerkbar macht. Personalmangel herrscht vor allem in den Gesundheitsberufen, zum Beispiel in der Pflege (siehe Pflegeversicherung). Auch bei den Sozial- und Erziehungsberufen gibt es einen großen Fachkräftebedarf.

Die Bundesregierung hat daher verschiedene Maßnahmen beschlossen: Arbeitnehmer sollen die Möglichkeit haben, sich kontinuierlich weiterzubilden. Die Gesundheit älterer Arbeitnehmer soll gefördert werden, damit sie länger arbeiten und ihre Erfahrungen und Fähigkeiten einbringen können. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf soll weiter verbessert werden, damit Eltern arbeiten können. Bildungsangebote für Kinder im Vorschulalter sollen ausgebaut werden, und die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss soll sinken. Außerdem sollen qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland besser integriert und deren Bildungsabschlüsse und Zeugnisse leichter anerkannt werden.

Recht auf Weiterbildung

Die drei Kernelemente der Qualifizierungsoffensive Wissen und Sicherheit für den Wandel des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales sind:

  1. Alle Beschäftigten sollen künftig einen Anspruch auf Weiterbildungsberatung und Zugang zu Qualifizierungsangeboten haben und während der Qualifizierung finanziell gefördert werden.
  2. Flexible Arbeitsformen (siehe Arbeitswelt im Wandel) sollen besser abgesichert werden. Der Versicherungsschutz in der Arbeitslosenversicherung soll auf mehr Menschen ausgeweitet werden.
  3. Arbeitslose, die sich weiterqualifizieren, sollen künftig länger Arbeitslosengeld erhalten. Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung sollen Anspruch auf Förderung eines Berufsabschlusses haben.
     

 

Die Texte und Bilder entstammen dem Schülermagazin Sozialpolitik
Stand September 2018

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