Arbeitsmarkt Europa

Lernen und arbeiten in der EU

Arbeitsmarkt Europa: Eine Gruppe Studentinnen und Studenten unterhält sich vor dem Gebäude der europäischen Kommission in Brüssel.
Foto: Europäische Kommission

Mobilität in der Europäischen Union

EU-Bürgerinnen und -Bürger können in jedem EU-Mitgliedsland ihrer Wahl arbeiten und leben. Rechtliche Grundlagen hierfür sind die Arbeitnehmerfreizügigkeit und das allgemeine Freizügigkeitsrecht.

  • Recht auf Freizügigkeit: Freie Mobilität (nur ein Ausweis ist erforderlich) und freie Wohnortwahl (bei ausreichenden Existenzmitteln und Krankenversicherungsschutz). Das Freizügigkeitsrecht ist eine der Grundfreiheiten des europäischen Binnenmarktes. Eine besondere Ausprägung davon ist die Arbeitnehmerfreizügigkeit: Freie Arbeitsplatzwahl und gleiche Rechte für Arbeitnehmer und deren Familienangehörige im EU-Ausland wie für die Staatsangehörigen des jeweiligen Mitgliedsstaats.
  • Recht auf Gleichbehandlung: Verbot der Diskriminierung aufgrund der Staatsangehörigkeit. Sonderregelungen gibt es beim Zugang zu Sozialleistungen eines anderen Mitgliedsstaats.
     

Schwierigkeiten im Alltag können durch unterschiedliche Sprachkenntnisse und Bildungssysteme entstehen. Das in Deutschland verbreitete duale System der Berufsausbildung, also die Kombination von Ausbildung im Betrieb und Unterricht in Berufsschulen, existiert zum Beispiel nur in wenigen EU-Ländern. Es gibt jedoch einige Möglichkeiten, Abschlüsse auch im EU-Ausland anerkennen zu lassen:

Europäischer Qualifikationsrahmen (EQR) für lebenslanges Lernen:

Der EQR hilft dabei, die unterschiedlichen Ausbildungsarten innerhalb der EU zu vergleichen. Dazu werden die erworbenen Qualifikationen in der jeweiligen Ausbildung beschrieben, und der Grad an Selbstständigkeit und Verantwortung wird eingeordnet. Die acht Ausbildungsstufen im EQR reichen von grundlegenden Kenntnissen (zum Beispiel von angelernten Mitarbeitern) bis zur Beherrschung eines hoch spezialisierten Wissensgebiets (zum Beispiel von Wissenschaftlern mit Doktortitel).

Europass:

Dabei handelt es sich um eine Sammlung von Dokumenten, mit deren Hilfe sich Qualifikationen und Kenntnisse in verständlicher und standardisierter Form darstellen lassen. Dies hilft bei einer Bewerbung im EU-Ausland, dokumentiert aber auch die interkulturelle Kompetenz bei Bewerbungen in Deutschland. Der Europass enthält drei Vorlagen, die der Bewerber ausfüllen kann:

  1. Lebenslauf
  2. Europäischer Skills-Pass (Fähigkeitenpass), in dem Qualifikationen belegt und Sprachkenntnisse in einen Sprachenpass eingetragen werden
  3. Europass Mobilität, in dem Auslandserfahrungen dokumentiert werden
     

Hinzu kommen Zeugniserläuterungen, in denen Ausbildungsinhalte und Noten auf Deutsch, Englisch oder Französisch erläutert werden, und ein Diploma Supplement für Hochschulabschlüsse und -qualifikationen wie ECTS-Kreditpunkte (European Credit Transfer and Accumulation System, Europäisches System zur Übertragung und Akkumulierung von Studienleistungen).

Youthpass:

Ein Zertifikat für nicht formale Lernerfahrungen, zum Beispiel Sportvereine, Sommerlager, Austauschprogramme, Freiwilligendienste oder private Projekte. Hierin werden neben Informationen zur Person und zum Projekt auch Schlüsselkompetenzen in eigenen Worten beschrieben, wie Sprach-, Computer-, Sozial-, Kultur- und Bürgerkompetenzen oder Eigeninitiative.

Ausbildung und Austausch: EU-Programm Erasmus+

Erasmus+ ist das Mobilitätsprogramm der Europäischen Union für allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport. Es läuft von 2014 bis 2020 und fördert die Bildung und Auslandsaufenthalte junger Menschen mit insgesamt fast 15 Milliarden Euro.

Excel-Datei zum Schaubild

Tabelle: Ausbildung und Austausch: EU-Programm Erasmus+
Quelle: eigene Darstellung nach www.erasmusplus.de und https://ec.europa.eu/info/education_de

Soziale Sicherheit in der EU

Wer überlegt, in ein anderes EU-Land zu ziehen, kann sich darauf verlassen, dass seine soziale Sicherheit und die seiner Familie geschützt sind. Die gesetzliche Grundlage hierfür bilden die EU-Verordnungen zur Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit. Sie erfassen zum Beispiel die gesetzliche Kranken- und Rentenversicherung, aber auch Familienleistungen wie das Kindergeld.

Fallbeispiel:

Leon ist Schreiner in Deutschland, er ist also in Deutschland sozialversichert. Nach einigen Jahren nimmt er eine Stelle in einer französischen Möbelmanufaktur an und zieht nach Frankreich. Da Leon nun in Frankreich lebt, arbeitet und Steuern zahlt, ist seine soziale Sicherheit nach französischem Recht geregelt. Doch nach kurzer Zeit geht die Firma pleite, und Leon wird arbeitslos. Seine Beschäftigungszeit in Frankreich allein reicht zwar nicht für einen Anspruch auf Arbeitslosengeld, jedoch werden auch seine Versicherungszeiten in Deutschland berücksichtigt, sodass Leon französisches Arbeitslosengeld erhält. Nach einem halben Jahr findet Leon eine neue Stelle in Frankreich. Wenn Leon eines Tages in Rente geht, hat er Rentenansprüche in beiden Ländern erworben: Seine französische Teilrente bekommt er dann schon mit 62 Jahren, die deutsche mit 67 Jahren.

Quelle: eigene Darstellung nach: Europäische Kommission, Bundesministerium für Arbeit und Soziales

 

Die Texte und Bilder entstammen dem Schülermagazin Sozialpolitik
Stand September 2018

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