Armut und Reichtum
Kinderarmut in Deutschland
Für Kinder sind die Konsequenzen der Armut besonders gravierend, denn sie tragen die Folgen ihrer sozialen Minderprivilegierung bisweilen ihr Leben lang. So sind arme Kinder sowohl körperlich als auch psychisch anfälliger für Krankheiten als Kinder aus wohlhabenderen Familien, sie erreichen schlechtere Schulabschlüsse und sind im späteren Leben häufiger von Arbeitslosigkeit oder Suchtkrankheiten betroffen.Nach dem UNICEF-Bericht zur Lage der Kinder in Industrieländern 2010 liegt Deutschland auf Platz acht und damit im oberen Mittelfeld von 21 Industrienationen, wenn es darum geht, eine gute Lebensumwelt für Kinder und Jugendliche zu schaffen. Als Besorgnis erregend sieht die UNICEF jedoch die Lage allein erziehender Mütter und ihrer Kinder, die unverhältnismäßig stark von Armut betroffen seien.
Um die Kinderarmut in Deutschland zu bekämpfen, tut die Regierung einiges. Beispielsweise soll der im Jahr 2005 eingeführte Kinderzuschlag Familien im Niedrigeinkommensbereich entlasten. Eltern, deren Einkommen zwar den eigenen Bedarf ausreicht, aber nicht für den Unerhalt ihrer Kinder, haben Anspruch auf diese finanzielle Unterstützung, die bis zu 140 Euro pro Kind beträgt.
Bildungspaket
Seit Anfang April gibt es zusätzliche Geld- und Sachleistungen für Kinder zur Bildung und Teilhabe im Rahmen des Bildungspakets. Kinder, deren Eltern wenig verdienen, Arbeitslosengeld II oder Sozialgeld bekommen, werden durch folgende Kostenübernahmen unterstützt:- eintägige Schul- und Kitaausflüge (tatsächliche Kosten),
- mehrtägige Klassen- und Kitafahrten (tatsächliche Kosten),
- den persönlichen Schulbedarf (insgesamt 100 Euro jährlich),
- die Beförderung von Schülerinnen und Schülern zur Schule (tatsächliche Kosten),
- Lernförderungen (tatsächliche Kosten),
- die Teilnahme an einer gemeinschaftlichen Mittagsverpflegung in Schule oder Kindertageseinrichtungen (Zuschuss) und
- die Teilnahme am sozialen und kulturellen Leben in der Gemeinschaft (wie im Sportverein oder in der Musikschule in Höhe von 10 Euro monatlich).
Der 3. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung
„Lebenslagen in Deutschland − Der Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung“ beschreibt und analysiert die soziale Lage der Menschen in Deutschland anhand statistischer Daten. Zudem gibt das Papier Auskunft über die Maßnahmen zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung. Die Lebenslagen (Bildung, Erwerbstätigkeit, Familie, Gesundheit, Wohnen) besonders betroffener Personengruppen werden im Armutsbericht statistisch erfasst und nachgezeichnet, wobei Menschen mit Migrationshintergrund, Behinderte, Alleinerziehende, Empfänger von Transferleistungen, Wohnungslose im Fokus stehen.Im 3. Armuts- und Reichtumsbericht von 2008 benennt das Bundesministerium für Arbeit und Soziales unter anderem folgende Entwicklungen:
- Der wirtschaftliche Aufschwung wird weiterhin zu einer höheren Beschäftigungsrate führen. Eine rückläufige Arbeitslosigkeit wird maßgeblich das Armutsrisiko senken.
- Durch die Verschuldung der öffentlichen Haushalte sind die Handlungsspielräume begrenzt. Es gilt, Hilfen zielgruppengerechter zu verteilen und alle bestehenden Maßnahmen darauf zu überprüfen, ob sie die gesetzten Ziele auch erreichen.
- Der Schlüssel zu Armutsvermeidung ist Bildung und Beschäftigung.
- Die Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer gingen real von durchschnittlich 24.873 Euro auf 23.684 Euro und damit um 4,8 Prozent zurück. Die Ungleichverteilung der Einkommen nahm zu: Während der Anteil der höheren Einkommen wuchs, sanken die Anteile der niedrigen Einkommensgruppen.
- Mit der Zunahme des Niedriglohnbereichs auch bei Vollzeiterwerbstätigkeit geht ein gestiegenes Armutsrisiko von Erwerbstätigen einher.
- Deutschland gehört zu den OECD-Staaten, in denen die Ungleichheit der Markteinkommen am stärksten durch Steuern und Sozialtransfers reduziert wird. Sozial- und familienpolitische Transferleistungen wie Arbeitslosengeld II, Kindergeld, Kinderzuschlag, Wohngeld und das frühere Erziehungsgeld haben das Risiko der Einkommensarmut im Jahr 2005 insgesamt von 26 Prozent auf 13 Prozent und bei Kindern von 34 Prozent auf 12 Prozent gesenkt.
- Frauen holen im Bildungsbereich und bei der Erwerbsbeteiligung gegenüber Männern auf. Dennoch gibt es weiterhin eine Vielzahl struktureller Hürden für eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern im Erwerbsleben, die sich etwa an dem sehr hohen Lohngefälle in Deutschland im europäischen Vergleich messen lassen.
- Das Armutsrisiko von Kindern hängt stark von der Erwerbsbeteiligung der Eltern ab.
- Frühkindliche Bildung verbessert auch die gesellschaftlichen Teilhabechancen insbesondere von Kindern aus einkommensschwachen, bildungsfernen oder ausländischen Familien und ermöglicht ihnen, die deutsche Sprache zu erlernen.
Die Kluft zwischen Arm und Reich
Nach einem Bericht der Hans Böckler Stiftung vom März 2011 schrumpft die Mittelschicht seit der Jahrtausendwende kontinuierlich. 2009 zählten dazu nur noch 58,7 Prozent der Bevölkerung. Zehn Jahre zuvor waren es noch mehr als 64 Prozent gewesen. Zur Mittelschicht werden hier Mitglieder von Haushalten, die 70 bis 150 Prozent des mittleren Nettoeinkommens in Deutschland beziehen, gezählt.Die Kluft zwischen Arm und Reich wird also immer größer.
Diese Entwicklung wurde in den Medien vielfach als Besorgnis erregend eingestuft. Die „schrumpfende Mittelschicht“ wurde als Gefahr für eine stabile, solidarische Gesellschaft und Symptom für eine wachsende soziale Ungerechtigkeit interpretiert: „Die Armen werden immer ärmer, die Reichen werden immer reicher“. [zurück][1][2]3vor
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