Globalisierung und die Wirtschaftskrise
Rettungsversuche weltweit
Im September 2008 drohte der absolute Kollaps der Finanzwelt. Die Regierungen in den USA und Europa halfen mit milliardenschweren Krediten, um die angeschlagenen Banken zu retten. Für Sparer und Anleger in Europa wurden Einlagesicherungen von der EU-Kommission festgelegt. Die Angst um Spareinlagen, Arbeitsplatz und allgemein die nahe Zukunft führte dazu, dass die Menschen kurzfristig weniger Geld ausgaben. Um den wirtschaftlichen Kreislauf wieder in Schwung zu bringen, wurden von den Ländern selbst, aber auch in gemeinschaftlichen Bündnissen, vor allem zwischen den stärksten Industriestaaten, länderspezifische und weltweite Rettungspakete geschnürt.Die USA und Europa versuchten die Krise mit Krediten und Bürgschaften zu verhindern, erfolglos. Kurz darauf kündigte die US-Regierung ein 700 Milliarden Dollar schweres Rettungspaket für die Finanzwirtschaft an. Aktuell sind es 789 Milliarden Dollar (614 Milliarden Euro): Davon sollen 507 für staatliche Investitionen und 282 Milliarden Dollar für Steuererleichterungen ausgegeben werden.
Die deutsche Regierung will mit insgesamt rund 700 Milliarden Euro aus der Krise helfen. Davon sollen mit etwa 500 Milliarden Euro die Banken gestützt werden. 31 Milliarden Euro hat sie bereits in 2008 für das erste Konjunkturpaket bereitgestellt, 50 Milliarden fließen in das aktuelle Konjunkturpaket II, dazu kommen 100 Milliarden als Rettungsschirm für die Realwirtschaft.
Die EU-Kommission hat ein Rettungspaket mit rund 200 Milliarden Euro für zwei Jahre geschnürt. Die einzelnen Länder sollen dem Paket 170 Milliarden Euro beilegen. Die restlichen 30 Milliarden will die Kommission aus dem Gemeinschaftshaushalt und von der Europäischen Investitionsbank (EIB) zusteuern. (siehe auch unter Europäische Union)
Ziel dieser Konjunkturpakete ist es, die wirtschaftliche Entwicklung positiv zu beeinflussen, indem zeitlich befristet mehr finanzielle Mittel investiert werden, z. B. in Bildung, Infrastruktur und andere Bereiche. Dies soll zu einer gesteigerten Nachfrage bei privaten Haushalten und
Unternehmen führen. Die Theorie: Wer mehr Geld in der Tasche hat, konsumiert mehr, womit die Produktion wieder angekurbelt wird und Arbeitsplätze erhalten oder neu geschaffen werden. Der Nachteil ist: Konjunkturprogramme führen gleichzeitig auch zu einer drastischen Erhöhung der Staatsschulden – Lasten, die die nächste Generation stemmen muss.
Siehe auch: „Arbeitsmarkt in der Krise – Konjunkturpaket II“: Arbeitsblatt und Schaubild
Weltfinanzgipfel der G20
Im April 2009 haben sich die Staatschef der 20 wirtschaftlich wichtigsten Industrie- und Schwellenländer zum Weltfinanzgipfel in London getroffen, um gemeinsame Strategien und Maßnahmen zur Bekämpfung der weltweiten Rezession zu erarbeiten. Mit einem Gesamtvolumen von über eine Billion Dollar (rund 817 Milliarden Euro) beschlossen sie Hilfen für die ärmsten Länder und den Welthandel.Finanzkonzerne und -produkte sollen künftig von einem weltweiten Kontrollgremium beaufsichtigt werden. Ins Visier rücken auch so genannte Steueroasen (Staaten mit besonders niedrigen Steuern auf Einkommen oder Vermögen), die künftig auf einer schwarzen Liste veröffentlicht werden sollen.
Bis 2010 wollen die G20-Länder die weltweit beschlossenen Konjunkturhilfen erfolgreich in Gang gesetzt haben. [zurück][1][2]3[4][vor]
[zur Übersicht] [Drucken] [Versenden]