Globalisierung und die Wirtschaftskrise
Aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise (seit 2008)
Nach dem Niedergang der New Economy und den Terroranschlägen kurz darauf am 11. September 2001 auf das World Trade Center in New York, senkte die amerikanische Notenbank die Zinsen, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Nahezu jeder US-Bürger konnte sich daraufhin mit billigen Krediten den Traum vom eigenen Haus erfüllen. Banken vergaben Kredite an Menschen ohne solide, finanzielle Sicherheiten. Oft wurden die Häuser zu 100 Prozent aus den Krediten finanziert – mit variablen Zinssätzen. Als Sicherheiten dienten bei diesen Krediten die gekauften Immobilien selbst.Die steigende Nachfrage nach Immobilien trieb die Immobilienpreise bis 2006 in die Höhe. Um den Markt weiterhin mit Krediten für Immobilien bedienen zu können, mussten sich die Banken Geld leihen. Schließlich wandelten sie die von ihnen vergebenen risikoreichen Immobilienkredite in Wertpapiere um – auch „Verbriefung“ genannt – und handelten diese weltweit mit hohen Renditeversprechen. Mit dem Verkauf dieser „faulen“ Wertpapiere erhielten sie wiederum neue finanzielle Mittel.
Im Jahr 2006 fielen die Immobilienpreise in den USA damit auch der Wert der „verbrieften“ Papiere. Gleichzeitig hob die US-Notenbank aufgrund der schwächenden Konjunktur den Leitzins wieder an, was eine Erhöhung der Kreditzinsen bedeutete. In der Folge verloren viele Menschen ihr Eigenheim, weil sie die Kreditraten nicht mehr bezahlen konnten (die Kredite, die sie abgeschlossen hatten unterlagen einem variablen Zinssatz). Erste Banken standen vor der Insolvenz. Besonders bedeutend für den Verlauf der Krise war, „dass das Risikobewusstsein vieler Investoren sprunghaft wuchs: Niemand wollte die verbrieften Kredite mehr kaufen. Der Markt für diese Papiere brach zusammen; die Praxis der Auslagerung der Kredite funktionierte nun nicht mehr. Da niemand mehr diese Papiere kaufen wollte, konnte man auch keinen Preis mehr dafür ermitteln, ihr Wert fiel ins Bodenlose“1. Betroffen waren Banken weltweit – in Europa beispielsweise die Hypo Real Estate und Deutschland die Sächsische Landesbank.
Um sich gegen Illiquidität und Insolvenz zu schützen, führten die Banken Kredite zurück und reduzierten das Fremdkapital. Aufgrund ihres geringen Eigenkapitals reduzierten die Banken Kreditvergabe. Das wiederum führte zu massiven Finanzierungsschwierigkeiten in der Realwirtschaft – Unternehmen mussten Investitionen stoppen oder gar Insolvenz anmelden: „Als Folge fielen Gesamtnachfrage und Produktion, die Arbeitslosigkeit stieg. Zusätzlich verminderte der mit der Finanzkrise einhergehende Verfall der Wertpapierpreise das Vermögen der privaten Haushalte, wodurch sich das Konsumklima weiter verschlechterte. Wegen der weltweiten Beteiligung von Finanzinstitutionen am Handel mit strukturierten Produkten waren auch die Auswirkungen des Crashs weltweit zu spüren, der Abschwung der Realwirtschaft erfasste alle wichtigen Wirtschaftsregionen gleichzeitig, was die Abwärtsdynamik verstärkte, da – anders als bei regional begrenzten Einbrüchen – der Export keinen Ausgleich für die schrumpfende Binnennachfrage bewirken konnte. Die Finanzkrise mutierte zu einer weltweiten Wirtschaftskrise“2.
1 Hanno Beck, Helmut Wienert: „Anatomie der Weltwirtschaftskrise: Ursachen und Schuldige“ aus Politik und Zeitgeschichte / Bundeszentrale für politische Bildung, www.bpb.de
2 Hanno Beck, Helmut Wienert: siehe oben [zurück][1]2[3][4][vor]
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