Globalisierung in der Kritik
Europäischer Globalisierungsfonds
Seit Januar 2007 gibt es außerdem den Europäischen Globalisierungsfonds (EGF). Er wurde im Dezember 2006 auf Initiative des EU-Kommissionspräsidenten Jose Manuel Barroso geschaffen. Der Fonds soll Menschen helfen, die ihren Arbeitsplatz in Folge der Globalisierung verlieren. Beispiele sind Arbeitsplatzverluste wegen wegbrechende Märkte, etwa auf Grund rasch steigender Importe in die EU oder weil Arbeitgeber Standorte in Niedriglohnländer außerhalb der EU verlegen. Oft kommen solche Entwicklungen für die Betroffenen plötzlich und lösen eine Krise auf dem regionalen Arbeitsmarkt aus.Die EGF-Mittel finanzieren zusätzliche Maßnahmen einer aktiven Arbeitsmarktpolitik, um entlassenen Arbeitsnehmerinnen und Arbeitnehmern beim beruflichen Wiedereinstieg zu helfen. Gefördert werden beispielsweise Hilfen bei der Stellensuche, bei Bewerbungen, Fortbildungskurse, Umzugshilfen oder Existenzgründungszuschüsse.
Ein EU-Mitgliedsstaat kann bei globalisierungsbedingten Entlassungen größeren Umfangs – ab 1000 Betroffenen - EGF-Mittel beantragen. Die Entlassungen müssen sich in einem Unternehmen und bei seinen Zulieferern innerhalb von vier Monaten oder in einer Branche in einer eng gefassten Region innerhalb von neun Monaten ereignen. Bei EU-Mitgliedsstaaten mit kleineren Arbeitsmärkten wie beispielsweise Malta oder unter „außergewöhnlichen Umständen“ sind Ausnahmen möglich.
Beispiel BenQ
Im September 2006 hatte das Unternehmen BenQ Mobile, deutsche Tochter des taiwanesischen Konzerns BenQ, Insolvenz angemeldet.. BenQ hatte im Jahr 2005 das verlustreiche Handygeschäft von Siemens gekauft. Zu diesem Zeitpunkt machten die Deutschen mit den Handys bereits über eine Millionen Euro Verlust pro Tag. Die Sanierung der Ex-Siemenssparte unter dem Dach von BenQ misslang: Unter anderem konnten Probleme wie veraltetes Design, ineffektive Produktionsabläufe, zu später Markteintritt und umständliche Abläufe nicht gelöst werden.Bereits am 28. September 2006 stand BenQ Mobile Deutschland vor dem Aus. Der taiwanesische Mutterkonzern stellte die Zahlungen an die verlustreiche Tochter ein. Über 3.300 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer verloren Ende 2006/Anfang 2007 ihren Arbeitsplatz an den Standorten Kamp Lintfort, Bocholt und München. Vor allem in Kamp Lintfort hatten die Betroffenen, darunter viele ohne Ausbildung, Probleme bei der Arbeitsplatzsuche.
Ende Juni 2007 stellte die Bundesregierung einen Antrag auf EGF-Mittel, der im September 2007 von der Europäischen Kommission bewilligt wurde. Die Europäische Union fördert mit bis zu 12,766 Mio. Euro umfangreiche Programme zur beruflichen Wiedereingliederung der betroffenen Beschäftigten.
(Quellen: Robert Büssow: EU-Globalisierungsfonds: Millionen, die keiner haben will, 26. März 2008, in: www.spiegel.de; Globalisierung: Ängst und Kritik, Themenblatt 28/2003, in: www.bpb.de; Globalisierung: Chancen und Risiken, in: Focus Money: Wir erklären die Wirtschaft, April 2008, Erklär mir die Welt: Warum macht die Globalisierung Angst, 9. Juni 2007, in: www.faz.net; Europäischer Fonds zur Anpassung an die Globalisierung, 15. Januar 2008, www.bmas.de; Anne Preissner: BenQ: Klingeltod, in: manager magazin 8/2006, 21. Juni 2006)
Stand Mai 2008 [zurück][1][2]3vor
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