Die Einkommensschere öffnet sich
„Das hohe Tempo der globalen Veränderungen beschleunigt den Strukturwandel. Dabei wird es Gewinner und Verlierer geben. Die Sorge, zu den Verlierern zu gehören, schafft Unsicherheit und bei vielen Skepsis gegenüber dem Prozess der Globalisierung. Gewinner wird es umso mehr geben, je mehr Menschen die Chancen des Strukturwandels erkennen und ergreifen, ohne die Risiken zu unterschätzen.“
Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, www.bmwi.de, 2010
Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung
Die Bundesregierung veröffentlicht seit 2001, jeweils zur Mitte der Regierungsperiode, den „Armuts- und Reichtumsbericht“. Im aktuellen dritten Bericht, der 2008 erschienen ist, wird festgestellt: Rund 13 Prozent der Menschen in Deutschland leben unter der Armutsrisikogrenze. Das heißt, diese Menschen haben ein Einkommen, das geringer ist als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens. Ein besonders hohes Armutsrisiko haben Kinder und junge Erwachsene – Letztere vor allem, wenn sie alleine leben. Außerdem sind Alleinerziehende sowie Familien mit mehreren Kindern betroffen.Ziel der Sozialpolitik: Teilhabe für alle
Alle Menschen sollen am wirtschaftlichen und sozialen Leben teilhaben können. Damit niemand durch das soziale Netz fällt, gibt es Leistungen des Sozialstaates, welche die Armutsrisiken mildern: zum Beispiel das Arbeitslosengeld II, eine Mindestrente sowie die Unterstützung armer Familien. Armut soll sich nicht „vererben“. Der Schlüssel zur Armutsvermeidung, so eine Kernaussage des Armuts- und Reichtumsberichts, ist mehr Bildung und Beschäftigung. Daher ist es ein vorrangiges Ziel der Bundesregierung, Arbeitslosigkeit abzubauen. Darüber hinaus investiert sie in mehr Chancengleichheit im Bildungs- und Berufssystem: Wer einen Schul- und Ausbildungsabschluss hat, wird seltener arm.
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Quelle: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung 2010
Armut in Deutschland – was tun?
„In diesem Land leben 2,4 Millionen Kinder mit einem Armutsrisiko. Diese Kinder leben in Armut, weil ihre Eltern keine Arbeit haben. Die große Mehrheit dieser Eltern will raus aus der Arbeitslosigkeit, aber sie können nicht, weil sie kein Arbeitsangebot haben, weil sie keinen Schul- oder Berufsabschluss haben, weil sie keinen Kitaplatz oder keinen Ganztagesschulplatz haben. Wir müssen uns um diese Menschen kümmern, ihnen in den Jobcentern reelle, ehrlich gemeinte, zugewandte Angebote machen. 'Fordern und Fördern' ist ein Vertrag auf Gegenseitigkeit.“Ursula von der Leyen, Bundesministerin für Arbeit und Soziales, www.mit-neuem-mut.de, 25. Februar 2010
„Im Vergleich zum Gießkannenprinzip, nach dem man zum Beispiel jedem 20 Euro mehr Kindergeld gibt, haben wir in den letzten Jahrzehnten beobachtet, wie die Politik zielgruppenorientierter und damit wirkungsvoller vorgehen kann. (...) Wir sahen kurz nach Einführung des Elterngeldes eine gewisse Entlastung von Eltern mit kleinen Kindern, und wir sahen auch einen deutlichen Rückgang des Einkommensarmutsrisikos von Personen, die von Kinderbetreuungseinrichtungen profitieren konnten. Insofern sind Transferleistungen wirkungsvoller, wenn sie zielgerichtet und nicht breit gestreut sind.“
Dr. Joachim R. Frick, stellvertretender Leiter der Abteilung Längsschnittstudie Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) am DIW Berlin, Wochenbericht des DIW Nr. 7/2010
Globalisierung und Armut
Laut einer Studie der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) hat sich in Deutschland die Schere zwischen Arm und Reich in diesem Jahrzehnt stärker geöffnet als in den anderen Industriestaaten: Es gibt mehr reiche und mehr arme Menschen und immer weniger dazwischen – die so genannte Mittelschicht schrumpft. Aus dieser Schicht stammt jedoch der größte Teil der Steuer- und Beitragszahler. Sie ist deshalb für die Stabilität der Sozialversicherungen und für die wirtschaftliche Entwicklung von besonderer Bedeutung.Dennoch zählt der Industriestaat Deutschland im weltweiten Vergleich immer noch zu den Gewinnern der Globalisierung, deren Auswirkungen höchst widersprüchlich sind: Die Armut ist insgesamt leicht gesunken, und es sind weltweit soziale Fortschritte zu verzeichnen (steigende Lebenserwartung, sinkende Kindersterblichkeit, höhere Einschulungsquoten), aber die Einkommensunterschiede zwischen Industrie- und Entwicklungsländern steigen trotzdem. Vor allem der Großteil Afrikas, Indien, Indonesien und die ländlichen Regionen Chinas werden immer ärmer. Um dieser drastisch steigenden Ungleichheit entgegenzuwirken, sind gemeinsame Leitsätze nötig: Sozialstandards, Arbeitnehmerrechte, Zugang zu Bildung und medizinische Versorgung für alle. Außerdem müssten die Industrienationen ihre finanziellen Mittel für die internationale Entwicklungszusammenarbeit weiter aufstocken.
Arbeitsaufträge
Ergänzen Sie die beiden folgenden Aussagen zu einem persönlichen Statement: Ich bin arm, weil ... Ich bin reich, weil ...Tauschen Sie sich mit anderen Schülerinnen und Schülern aus, und diskutieren Sie über die Bedeutung von Armut und Reichtum.
Stand Juli 2010
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[1 Kommentar]Kommentare
nelchen am 19.11.2009 / 12:00sehr informatik