Chancen für alle schaffen
„Je größer die Unterschiede zwischen Arm und Reich, desto größer sind auch die sozialen Probleme. Ob es um Kriminalität, Drogenmissbrauch, um schlechte Gesundheit, den Bildungsstand oder die Lebenserwartung geht: Massive Ungleichheit macht eine Gesellschaft ganz generell störungsanfälliger.“
Quelle: Richard Wilkinson, britischer Sozialforscher in DIE ZEIT Nr. 13, 25.3.2010, bearbeitet
Ziel der Sozialpolitik: Teilhabe für alle
Rund 15,5 Prozent der Menschen in Deutschland waren 2008 von Armut bedroht. Das heißt, diese Menschen haben ein Einkommen, das geringer ist als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens (Quelle: Statistisches Bundesamt 2011, Destatis Kinderstudie, S.21). Ein besonders hohes Armutsrisiko haben Kinder und junge Erwachsene. Auch die Gruppe der Einkommensarmen wird in Deutschland immer größer: Zeitarbeitnehmer, befristet oder geringfügig Beschäftigte, einkommensschwache Selbstständige, Arbeitnehmer im Niedriglohnsektor.Alle Menschen sollen am wirtschaftlichen und sozialen Leben teilhaben können. Damit niemand durch das soziale Netz fällt, gibt es Leistungen vom Sozialstaat, welche die Armutsrisiken mildern: zum Beispiel das Arbeitslosengeld II, eine Mindestrente sowie die Unterstützung armer Familien. Armut soll sich nicht „vererben“. Der Schlüssel zur Armutsvermeidung ist mehr Bildung und Beschäftigung. Daher ist es ein vorrangiges Ziel der Bundesregierung, Erwerbslose wieder in Arbeit zu bringen. Darüber hinaus investieren Bund und Länder in mehr Chancengleichheit im Bildungs- und Berufssystem: Wer einen Schul- und Ausbildungsabschluss hat, hat größere Chancen auf dem Arbeitsmarkt und wird seltener arm.

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Quelle: IAB Kurzbericht, qualifikationsspezifische Arbeitslosenquote 1975 bis 2009
Kinderarmut - ein Startplatz in der hinteren Reihe
Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Familien haben ein erhöhtes Risiko körperlich oder seelisch krank zu werden. Sie erreichen öfter geringere oder gar keine Schulabschlüsse als Kinder aus wohlhabenden Familien und müssen als Erwachsene häufiger mit Arbeitslosigkeit rechnen – ein Teufelskreis. Im Dezember 2010 lebten rund 1,96 Millionen Kinder in Haushalten, die Leistungen der Grundsicherung (Arbeitslosengeld II, auch „Hartz IV“) in Anspruch nehmen mussten (Bundesagentur für Arbeit). Schlimmer noch als der Mangel an Geld wirken sich die sozialen Folgen der Armut aus: das Gefühl, mit den anderen nicht mithalten zu können, und der Frust über die ungleich verteilten Möglichkeiten, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.Mitmachen möglich machen: das Bildungspaket
Sozialer Aufstieg ist nur über Bildung möglich. Will man Armut bekämpfen, muss man in Bildung investieren. Mit dem Bildungspaket unterstützt die Bundesregierung ab 2011 rund 2,5 Millionen Kinder und Jugendliche, deren Eltern Arbeitslosengeld II oder Sozialgeld, Sozialhilfe, den Kinderzuschlag oder Wohngeld beziehen, und eröffnet ihnen so bessere Lebens- und Entwicklungschancen.
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Armut in Deutschland und weltweit
Die Kluft zwischen Arm und Reich in Deutschland nimmt zu: Es gibt mehr reiche und mehr arme Menschen und immer weniger dazwischen – die so genannte Mittelschicht schrumpft (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung). Aus dieser Schicht stammt jedoch der größte Teil der Steuer- und Beitragszahler. Sie ist deshalb für die Stabilität der Sozialversicherungen und für die wirtschaftliche Entwicklung von besonderer Bedeutung.Dennoch zählt der Industriestaat Deutschland im weltweiten Vergleich immer noch zu den Gewinnern der Globalisierung, deren Auswirkungen höchst widersprüchlich sind: Die Armut ist insgesamt leicht gesunken, und es sind weltweit soziale Fortschritte zu verzeichnen (steigende Lebenserwartung, sinkende Kindersterblichkeit, höhere Einschulungsquoten), aber die Einkommensunterschiede zwischen Industrie- und Entwicklungsländern steigen trotzdem. Um dieser stetig zunehmenden Ungleichheit entgegenzuwirken, sind gemeinsame Leitsätze nötig: Sozialstandards, Arbeitnehmerrechte, Zugang zu Bildung und medizinische Versorgung für alle. Außerdem müssten die Industrienationen ihre finanziellen Mittel für die internationale Entwicklungszusammenarbeit weiter aufstocken.
Arbeitsaufträge
Ergänzen Sie die beiden Satzanfänge zu einem persönlichen Statement: Ich fühle mich arm, weil ... Ich fühle mich reich, weil ...
Entwerfen Sie ein Plakat zum Thema Armut in Deutschland. Konzentrieren Sie sich auf einen bestimmten Aspekt des Themas, zum Beispiel Armut in der Stadt oder Kinderarmut.
Stand Juli 2011
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[1 Kommentar]Kommentare
nelchen am 19.11.2009 / 12:00sehr informatik