50 Jahre Gleichberechtigung – Anspruch und Wirklichkeit
Chancengleichheit ist nicht gleich Chancengleichheit
Hatten sich die ersten gesetzlichen Schritte nach Einführung des Gleichberechtigungsgesetzes noch auf die Stellung von Mann und Frau in der Ehe und Familie konzentriert, wird heute klar formuliert, dass es aufgrund des Geschlechts auch nicht zu einer Benachteiligung in der Berufs- und Arbeitswelt kommen darf. Auf dieser Ebene wird seit einigen Jahren vieles bewegt. Im Vordergrund steht dabei die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Mit Förderprogrammen setzen sich Politik, Spitzenverbände der Deutschen Wirtschaft und der Deutsche Gewerkschaftsbund für mehr Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt und eine familienbewusste Arbeitswelt ein.
Dennoch kann noch nicht von wirklicher Chancengleichheit gesprochen werden. Junge Frauen haben heute zwar bessere Schul- und Studienabschlüsse, werden in der Berufswahl besonders gefördert, und es stehen ihnen qua Papier alle Möglichkeiten, „Karriere zu machen“, offen, doch zeigt die Praxis zum Beispiel bei Arbeitszeit und Lohn nach wie vor Ungerechtigkeiten im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen auf.
Frauen in Deutschland verdienen durchschnittlich 22 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Im EU-Durchschnitt liegt Deutschland damit mit an der Spitze der Ungleichheit. Trotz des Elterngeldes, sind es immer noch die Mütter, die ein Jahr oder länger in Elternzeit gehen. Wollen sie in ihren Beruf zurückkehren, gestaltet sich das oft schwer wegen der „langen Auszeit“ und wegen der fehlenden Kinderbetreuung. Ist die Kinderbetreuung geregelt, ist meist nur Teilzeitarbeit möglich, da es kaum Ganztagsangebote in der Betreuung gibt. Und – nicht zuletzt: Frauen wählen noch immer gerne typische Frauenberufe, deren Lohn häufig niedriger ist, als der in zukunftsorientierten, eher technischen Berufen.
Ausblick!?
„Wer arbeiten will, muss auch guten Gewissens das Haus verlassen können weil er weiß, dass die Kinder in guten Händen sind. Der massive Ausbau der Kinderbetreuung bringt allmählich die dazu notwendige Unterstützung. Wichtig ist auch, dass sich so viele Väter engagieren. Wenn sie die Partnermonate nehmen, wird den Arbeitgebern klar, auch die Väter nehmen sich gleichermaßen Zeit für ihre Kinder – es ist keine reine Aufgabe der Mütter. Wenn sich so die Rollenerwartungen ändern, können wir mittelfristig auch die Entgeltungleichheit überwinden." (Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen)
Dem Ziel, Gleichberechtigung in der Familie und im Beruf geschlechtergerecht umzusetzen, sind wir einen großen Schritt näher gekommen, zumindest formell. Vieles wurde erreicht – vieles bleibt Aufgabe der Politik, der Wirtschaft, aber auch jeder und jedes Einzelnen.
(Quellen: DER SPIEGEL, Ausgabe 28/1958, Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.): Aus Politik und Zeitgeschichte „50 Jahre Gleichberechtigung“, Ausgabe 24 – 25/2008, 2008; Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.): Frauen in Deutschland, 2002, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.): Mädchen und Jungen in Deutschland, 2007; Hans-Böckler-Stiftung (Hrsg.): Gleiche Chancen – doppelter Gewinn, Workshop Zukunft HEFT 11; Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: „Gemeinsam Ursachen für Lohnunterschiede angehen“, Tagung 2008; www.bundesregierung.de; www.bpb.de)
Stand Oktober 2008 [zurück][1][2][3]4vor
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