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30 Jahre Mitbestimmungsgesetz

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Gut 17 Jahre dauerte das Ringen um die Mitbestimmung der Arbeitnehmer/-innen. Im März 1976 war es dann soweit: Nach langen Debatten trat das Mitbestimmungsgesetz endlich in Kraft. Die sozialliberale Koalition stärkte damit die Rechte der Betriebsräte und die Anzahl der Arbeitnehmervertreter in den Aufsichtsräten deutscher Unternehmen erheblich.

Heute gerät die deutsche Mitbestimmung durch die internationale Arbeitsteilung und den europäischen Binnenmarkt immer mehr unter Druck. Doch während die Gewerkschaften die Mitbestimmung ausbauen und auf den europäischen Markt übertragen möchten, fordern die Arbeitgeber endlich die weniger strikten Mitbestimmungsregelungen im übrigen Europa zum Maßstab zu machen.

Bis Herbst 2006 soll eine Reformkommission unter Leitung des ehemaligen sächsischen Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf im Auftrag der Bundesregierung Vorschläge für eine Anpassung der Gesetze an die neue Arbeitswirklichkeit erarbeiten.

Lernziele

Fast täglich werden die Folgen der Globalisierung in den Medien thematisiert. Die Schließung des AEG-Werks durch Elektrolux ist nur ein Beispiel dafür, dass Konzernzentralen über die Geschicke von Tochterunternehmen und damit die Zukunft der Beschäftigten an den weltweiten Standorten, also auch in Deutschland entscheiden. Immer häufiger ist der verschärfte Konkurrenzdruck in der Wirtschaft und in Betrieben aber auch für die Jugendlichen selbst spürbar, z.B. wenn Eltern arbeitslos sind, Geschwister keine Lehrstelle finden oder Freunde unter schlechten Arbeitsbedingungen in ihrem Betrieb leiden.

Vor diesem Hintergrund ist es besonders wichtig, mit dem Thema Mitbestimmung den positiven Handlungsspielraum aufzuzeigen, den die Schülerinnen und Schüler als zukünftigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer am Arbeitsplatz haben, um ihre Interessen im Unternehmen zu vertreten. Die Schülerinnen und Schüler sollen die Institutionen der Mitbestimmung als Möglichkeit kennen lernen, die Arbeitswelt mitzugestalten. Am Beispiel der Unternehmensmitbestimmung sollen sie die Chancen und Risiken der Mitbestimmung im Kontext des europäischen Binnenmarkts diskutieren.


Methodische Hinweise

Im Mittelpunkt des Unterrichts steht die Vorbereitung und Umsetzung eines Rollenspiels zum Thema Unternehmensmitbestimmung. Die Schülerinnen und Schüler sollen sich mit den Positionen der Arbeitgeber und Gewerkschaften zu den Reformen des Mitbestimmungsgesetzes auseinandersetzen.

Vorbereitung des Rollenspiels:
In einer Selbstlernphase erarbeiten die Schülerinnen und Schüler Grundlagenwissen zum Thema Mitbestimmung. Dazu finden sie Hintergrundinformationen auf diesen Seiten unter 30 Jahre Mitbestimmungsgesetz. Die Ergebnisse der Selbstlernphase können im Klassengespräch durch Erläuterung des Schaubildes Das System der Mitbestimmung gesichert werden.

Umsetzung:
Das zum Thema abrufbare Arbeitsblatt Neue Arbeitswelt, alte Mitbestimmung? bietet Materialien und Arbeitsaufträge zur Durchführung des Rollenspiels. Die Tabelle und die Zitate des DGB-Vorsitzenden Michael Sommer bzw. des Hauptgeschäftsführers der BDA Reinhard Göhner stellen die Positionen der Arbeitgeber und der Gewerkschaften zum Thema Unternehmensmitbestimmung gegenüber.

Die Aufgabe der Schülerinnen und Schüler ist es, diese Positionen mit Argumenten zu belegen. In der anschließenden Diskussion haben sie die Aufgabe, in den Rollen von Arbeitgeber- und Gewerkschaftsvertreter ihre Positionen darzustellen. Ein neutraler Vorsitzender an der Spitze der Kommission sollte mit seiner Stimme dafür sorgen, dass am Ende der Diskussion eine Abstimmung und Einigung stattfinden kann. Es kann hilfreich sein, die Diskussion nach festen Regeln, zum Beispiel denen der englischen Debatte, zu führen.
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