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Teilhabe von Menschen mit Behinderung

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Die meisten von uns stellen sich unter einem Menschen mit Behinderung einen Rollstuhlfahrer vor. Viel öfter sind jedoch organische Fehlfunktionen oder psychische Erkrankungen Ursache für eine Behinderung.

Von geistiger und seelischer Behinderung sind ebenso viele Menschen betroffen wie von Funktionseinschränkungen der Gliedmaßen oder der Wirbelsäule und des Rumpfes. Sehbehinderte oder Blinde, Sprachgestörte oder Taube machen den geringsten Teil von Menschen mit Behinderung in Deutschland aus.

Behinderung kann jeden treffen – junge wie alte Menschen. In Deutschland leben fast sieben Millionen Schwerbehinderte − das ist etwa jeder zwölfte Einwohner. Die Quote wird steigen, weil durch die Zunahme der Lebenserwartung mehr Menschen altersbedingt durch Behinderungen eingeschränkt sein werden.

Eine Anerkennung der Rechte von Menschen mit Behinderung ist nicht nur eine Frage der Ethik, sondern auch der gesellschaftlichen Vernunft und wirtschaftlichen Notwendigkeit. Eine Verbesserung der Lebensqualität für Menschen mit Behinderung ist auch ein Mehr an Lebensqualität für alle – eine Herausforderung nicht nur für die Politik.

Lernziele

Die Schülerinnen und Schüler erfahren, dass Behinderungen selten angeboren sind, sondern durch Krankheit, Unfall, tätlichen Angriff oder Alter verursacht werden. Behinderungen kommen häufiger vor, als man denkt: Die Vielfalt und Heterogenität der Behinderungen lassen die Schülerinnen und Schüler erkennen, dass eine Funktionsbeeinträchtigung jeden treffen kann – auch sie selbst.

Behinderung geht oft mit privaten und beruflichen Problemen einher. In diesem Zusammenhang arbeiten die Jugendlichen heraus, wie Chancengleichheit und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben realisiert werden können. Zur besseren Wahrnehmung der eigenen Rechte sind das Neunte Sozialgesetzbuch (SGB IX), das Gesetz zur Gleichstellung behinderter Menschen und das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) in Kraft getreten, deren Inhalt die Schülerinnen und Schüler in Grundzügen kennen sollen.

Ihnen werden die Begriffe „Teilhabe“, „selbstbestimmtes Leben“, „Barrierefreiheit“ und „Gleichstellung“ erläutert und mögliche Konsequenzen nahe gebracht. Als wesentliche Botschaft soll den Schülerinnen und Schülern klar werden: Behindert ist man nicht, behindert wird man.

Methodische Hinweise

Zum Einstieg sollen die Schülerinnen und Schüler überlegen, welche Menschen mit Behinderung sie kennen und wie diese durch Barrieren im alltäglichen Leben (Bau, Verkehr, Kommunikation) beeinträchtigt werden.

Interessant wäre die die Schülerinnen und Schüler z. B. folgender Aspekt: Was bedeutet barrierefreies Internet? Wie sieht eine barrierefreie Homepage im Unterschied zu „normalen“ Webseiten aus? Warum haben junge Menschen mit Behinderung Probleme, Youtube, Facebook und andere alltägliche Seiten für Jugendliche zu nutzen? Seit 2005 sind Behörden verpflichtet, ihre Seiten barrierefrei zu gestalten. Die Schülerinnen und Schüler könnten also z. B. die Seite des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales auf Barrierefreiheit untersuchen.

In Gruppen werden einzelne Ausgrenzungsbereiche anhand von Fallbeispielen vertieft, deren Ursache erörtert und die Aussichten auf die berufliche Zukunft der Betroffenen diskutiert. Durch Gespräche mit Arbeitgebern, Personal-, Betriebsräten oder einer Schwerbehindertenvertretung können die Schülerinnen und Schüler ihre Erkenntnisse vertiefen. Besuche und Diskussionen in Heimen, Berufsförderungswerken, Werkstätten für Menschen mit Behinderung oder Förderschulen dienen der Meinungsbildung im Hinblick auf Chancengleichheit und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

Interessant wäre auch die Auseinandersetzung über die „inklusiven Schule“, an der Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung zusammen lernen. Die UN-Konvention über die Rechte behinderter Menschen ist seit März 2009 für Deutschland verbindlich. In Artikel 24 wird gefordert, dass Schülerinnen und Schüler mit Behinderung wohnortnah eine allgemeine Schule besuchen können. Es gibt einige Modellversuche dazu, und in einigen (vor allem nordeuropäischen) Ländern ist die „Schule für alle“ bereits Alltag.

(Siehe auch Arbeitsblatt und Schaubild zum Thema Behinderung in der Schule)
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