Besatzungszeit und Gründung zweier Staaten
Fragebogen als PDF zum Download
Das Jahr 1945 – die „Stunde null“
Deutschland ist militärisch, politisch und wirtschaftlich am Ende, woraufhin die deutsche Wehrmacht am 8. Mai 1945 den Kampf aufgibt (bedingungslose Kapitulation). Einen funktionierenden deutschen Staat gibt es nicht mehr.
Die verbündeten Großmächte (Alliierten) USA, Großbritannien, Sowjetunion und Frankreich übernehmen am 5. Juni 1945 die oberste Regierungsgewalt. Sie teilen Deutschland und die Hauptstadt Berlin in vier Besatzungszonen auf, die jeweils von amerikanischen, britischen, sowjetischen und französischen Truppen besetzt werden. In mehreren Konferenzen treffen die Alliierten Entscheidungen über eine Nachkriegsordnung für Europa und Deutschland, über Reparationsleistungen (Kriegsentschädigungen) und den Abbau wichtiger Industrieanlagen, zum Beispiel im Ruhrgebiet. Im August 1945 übernimmt ein Alliierter Kontrollrat die gemeinsame Zonenverwaltung.
Die Situation der deutschen Bevölkerung ist katastrophal. Viele deutsche Städte liegen in Schutt und Asche. Erwachsene und Kinder leiden unter den Folgen des Nationalsozialismus und des Krieges; Hunger, materielle Not, Energieknappheit und Wohnungsnot prägen das Bild der Zeit. An erster Stelle für die Sozialpolitik stehen: die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln, Kleidung, Wohnraum und Energie sowie die Eingliederung der Flüchtlinge, Kriegsheimkehrer und Kriegsinvaliden.
Konferenz der „großen Drei“ in Potsdam
Am 17. Juli 1945 treffen sich der amerikanische Präsident Harry S. Truman, der sowjetische Regierungschef Josef W. Stalin und der britische Regierungschef Winston Churchill zu einer Konferenz in Potsdam. Am 2. August 1945 vereinbaren die Alliierten im "Potsdamer Protokoll", dass die deutsche Bevölkerung in allen Besatzungszonen gleich behandelt und Deutschland als wirtschaftliche Einheit angesehen werden soll. Als wichtige Ziele der gemeinsamen Besatzungspolitik formulieren sie die vier „D“:
- Demilitarisierung und Abrüstung - das heißt die Auflösung aller bewaffneten Verbände und militärischen Kriegervereine sowie die Schließung der Industriebetriebe für Kriegsproduktionen;
- Denazifizierung – das heißt die Auflösung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP), die Aufhebung nationalsozialistischer Gesetze, die Verurteilung der Kriegsverbrecher und die Entfernung von Nationalsozialisten aus öffentlichen Ämtern beziehungsweise verantwortlichen Posten der Privatwirtschaft;
- Demokratisierung – das heißt die Umgestaltung des politischen Lebens auf demokratischer Grundlage, die Zulassung aller demokratischen Parteien sowie die demokratische Erneuerung des Bildungs- und des Gerichtswesens;
- Dezentralisierung – das heißt die Verantwortung und Aufgaben der deutschen Wirtschaft und der Verwaltung werden auf verschiedene Stellen übertragen (keine zentrale Steuerung mehr).
Beginn des Ost-West-Konflikts
Die Gemeinsamkeiten der vier Siegermächte beruhen auf ihrem Kampf gegen das nationalsozialistische Deutschland. Nach Kriegsende brechen die unterschwelligen Gegensätze in der Anti-Hitler-Koalition (Zusammenschluss der Alliierten) auf. Die amerikanische Vorstellung einer Neuordnung Europas betont das Selbstbestimmungsrecht der Völker und schließt auch die Forderung nach einem freien Weltmarkt mit ein.Für die Sowjetunion dagegen ist Demokratie nicht ohne Überwindung des Kapitalismus vorstellbar; der Nationalsozialismus gilt als dessen typische Ausprägung. Umfangreiche Reparationen aus Deutschland sollen die schweren Kriegsschäden in Russland ausgleichen. Außerdem hat die Sowjetunion ein großes Sicherheitsbedürfnis und nimmt massiven Einfluss auf die Entwicklung der Staaten in Osteuropa.
Dieser kommunistischen Politik mit polizeistaatlichen Mitteln wiederum trauen die Westmächte nicht. Die Verhandlungen zwischen den Alliierten in der Deutschlandfrage bleiben ergebnislos und münden schließlich in einen offenen Ost-West-Konflikt, der auch als „Kalter Krieg“ bezeichnet wird.
Im März 1946 beschwört Winston Churchill in einer Rede das Bild vom „Eisernen Vorhang“, der von Stettin bis Triest über Europa niedergegangen sei.1 Mehr als vier Jahrzehnte wird der Kalte Krieg die Politik beherrschen.
Kurz gefasst: politische Begriffe
- Demokratie (Volksherrschaft): Staatsform, bei der das Volk seine Regierung wählt
- Faschismus: politische Bewegung, die demokratie-, fremdenfeindliche und rassistische Ideen vertritt und bei der das Volk sich einem Führer vollkommen unterwerfen soll, zum Beispiel der Nationalsozialismus in Deutschland
- Kapitalismus: Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, in der das Kapital (Vermögen) privaten Unternehmern gehört, deren Ziel es ist, ein Maximum an Gewinn zu erzielen
- Sozialismus: politische Lehre, die sich gegen den Kapitslismus richtet und durch Güterverteilung ein soziales Gleichgewicht herstellen möchte
- Kommunismus: auf den Sozialismus aufbauende Weltanschauung, bei der alle Produktionsmittel und Erzeugnisse der Geselschaft gemeinsam gehören
- Liberalismus: Weltanschauung, bei der die Freiheit des Individuums im Mittelpunkt steht
Sozialversicherung: Kontinuität oder Neubeginn?
Nach Kriegsende ist das System der Sozialen Sicherung in Deutschland zerstört. Bereits im Herbst 1945 beraten die Alliierten über die Wiedereinführung der Sozialversicherungen.Ein gemeinsamer Entwurf der Besatzungsmächte, die Kranken-, Unfall- und Invalidenversicherung zu einer allgemeinen Versicherung zusammenzulegen, scheitert jedoch. Nur in Berlin gelingt es, für alle vier Zonen eine gemeinsame Einheitsversicherung einzuführen.
„Das Berliner Modell“
Am 1. Juli 1945 nimmt die Versicherungsanstalt Berlin ihre Arbeit auf. Die neue Berliner Sozialversicherung finanziert sich ausschließlich aus den Beiträgen ihrer Versicherten. Arbeitnehmer und Arbeitgeber zahlen jeweils zehn Prozent des Bruttoarbeitslohnes (Arbeitslohn vor Abzug der Steuern und Sozialversicherungsbeiträge) für die vereinigte Kranken-, Unfall-, Invaliden- und Altersversicherung. Der monatliche Höchstbetrag beträgt 50 Mark für eine Einzelperson und 200 Mark für eine Familie.Ab dem 1. November 1945 werden wieder Renten ausgezahlt. Im Jahr 1946 werden die Studentenversicherung, die Ausstellung von Versichertenausweisen und die Abrechnung der Kassenärzte nach Einzelleistungen statt Pauschalbeträgen eingeführt.
Der Weg zur Teilung
Bereits im Jahr 1945 beginnt die Sowjetunion mit einer umfassenden politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umgestaltung ihrer Zone: Im Herbst 1945 werden Großgrundbesitzer mit Gütern über 100 Hektar entschädigungslos enteignet. Das Land geht an Bauern, Landarbeiter, Vertriebene und den Staat (Bodenreform).Im Juni 1945 werden im sowjetischen Sinne antifaschistisch-demokratische Parteien zugelassen. Die neu gegründeten Parteien Kommunistische Partei Deutschlands (KPD), Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD), Christlich-Demokratische Partei Deutschlands (CDU) und Liberal-Demokratische Partei Deutschlands (LDP) schließen sich im Juli 1945 zur Einheitsfront der antifaschistisch-demokratischen Parteien (Block) zusammen; im April 1946 werden KPD und SPD unter Druck der sowjetischen Militärverwaltung zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) vereinigt.
Bis zum Frühjahr 1948 gehen fast 10.000 Unternehmen aus dem Besitz aktiver Nationalsozialisten und Kriegsverbrecher sowie Betriebe, die Wehrmachtsaufträge übernommen haben, in Volkseigentum über.
Diese Volkseigenen Betriebe (VEB) bilden die Grundlage für eine staatlich gesteuerte Planwirtschaft, in der Wirtschaftsprozesse zentral gelenkt werden. Es gibt also keinen freien Wettbewerb wie in der Marktwirtschaft, in dem alle Unternehmen die gleichen Chancen haben, ihre Produkte und Dienstleistungen zu verkaufen. Der Staat plant, was wann mit welchen Arbeitskräften, Materialien und Rohstoffen zu welchem Preis produziert werden soll. Auch die Löhne werden vom Staat festgelegt.
In den Westzonen beginnen im Juni 1945 die Parteigründungen. Die Amerikaner und Briten stimmen der Gründung aller demokratischen Parteien ausdrücklich zu.
Die Bizone im Westen
Das wachsende Misstrauen zwischen Westalliierten und Sowjetunion, aber auch die sich ständig verschlechternde Wirtschaftslage Deutschlands beschleunigen die Teilung. Die USA und Großbritannien schließen am 1. Januar 1947 ihre beiden Zonen zu einer wirtschaftlichen Einheit, der Bizone, zusammen, der sich Frankreich wenig später anschließt (Trizone). Der US-amerikanische Außenminister George C. Marshall initiiert ein umfangreiches Wiederaufbauprogramm, das ab 1948 die Wirtschaft in Europa mit Krediten, Lebensmitteln, Rohstoffen und Waren wieder ankurbeln soll. Am 3. April 1948 tritt der nach seinem Erfinder benannte "Marshallplan" in Kraft. Die Sowjetunion lehnt eine Teilnahme der sowjetischen Besatzungszone an diesem Programm ab. Auch die osteuropäischen Staaten nehmen nicht teil.
Die Währungsreform und ihre Folgen
Eine Währungsunion soll die wirtschaftliche Entwicklung in ganz Deutschland vorantreiben. Wegen des Zerwürfnisses zwischen den Westalliierten und der Sowjetunion scheitert diese jedoch. Eine Währungsunion für alle Besatzungszonen ist nicht mehr möglich.Am 20 Juni 1948 verkünden die Westalliierten eine Währungsreform für ihre drei Zonen. Am 23. Juni 1948 folgt sie in der Sowjetischen Besatzungszone. Die Sowjetunion sperrt daraufhin am 24. Juni 1948 bis zum 12. Mai 1949 die Zonengrenze nach West-Berlin.
Während der Berlin-Blockade versorgen die Westalliierten die Stadt über eine Luftbrücke mit lebensnotwendigen Gütern. Ein echter "heißer" Krieg wird zwar vermieden, jedoch ist Deutschland damit zu einem Hauptkampffeld des Kalten Krieges geworden. Die Weichen für die Gründung zweier deutscher Staaten, der Bundesrepublik Deutschland (BRD) und der Deutschen Demokratischen Republik (DDR), sind gestellt.
Im Westen wird die entwertete Reichsmark durch die Deutsche Mark ersetzt. Mit der Einführung der D-Mark sind alle privaten Schulden erloschen. 60 Reichsmark können gegen 40 Deutsche Mark (DM) getauscht werden. Einen Monat später bekommt man noch einmal 20 DM.
Im Osten werden zunächst alte Reichsmarkscheine mangels neuer Banknoten mit Coupons beklebt. Jeder Bürger bekommt 70 Ostmark sofort ausbezahlt. Aufgrund der Zwangsbewirtschaftung verbessert sich der Lebensstandard in den sowjetisch besetzten Zonen im Gegensatz zu Westdeutschland nicht merklich.
Die Teilung Deutschlands in der Sozialpolitik
Der beginnende Ost-West-Konflikt führt auch zu getrennten Wegen der Besatzungsmächte in der Sozialpolitik. Während man zumindest in der amerikanischen und britischen Zone versucht, grundsätzliche Entscheidungen zu verschieben, setzt die sowjetische Militärverwaltung von Anfang an tiefgreifende Veränderungen in ihrer Besatzungszone durch.Arbeitsmarktpolitik:
Die Westalliierten knüpfen in ihren Besatzungszonen an die Arbeitsmarktpolitik der Weimarer Republik (1919 bis 1933) an. Das Recht auf Arbeitsvermittlung und die Arbeitslosenversicherung werden wieder eingeführt.In der sowjetischen Besatzungszone steuert die sowjetische Militärverwaltung den Einsatz von Arbeitskräften. Diese Arbeitskräftelenkung bildet eine wichtige Grundlage für die Einführung einer Planwirtschaft in der sowjetischen Besatzungszone. Eine Arbeitslosenversicherung wird bis zum Ende der DDR nicht eingeführt.
Arbeitsrecht:
Mit dem Tarifvertragsgesetz vom 9. April 1949 wird in den westlichen Besatzungszonen die Tarifautonomie eingeführt. Die Tarifautonomie sichert Arbeitgebern und Arbeitnehmern das Recht, die Arbeitsbedingungen und die Entlohnung ohne staatlichen Eingriff selbst zu regeln.Das ist ein wichtiger Schritt in Richtung einer "Sozialen Marktwirtschaft" (siehe "1949 bis 1973: BRD: Wirtschaftswunder und Sozialstaat "), die den Bürgern durch Gesetze hilft, ihre Freiheitsrechte zu sichern, ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen und einen angemessenen Lebensstandard zu erreichen.
In der sowjetischen Besatzungszone schreibt das neue Tarifgesetz von 1947 dagegen die Ausrichtung der Löhne und Arbeitsbedingungen an den staatlichen Planvorgaben der neu eingeführten Planwirtschaft fest.
Betriebliche Mitbestimmung:
In den westlichen Besatzungszonen werden die Gewerkschaften als Interessenvertretung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wieder zugelassen.Als Klassenorganisation der Arbeiterklasse wird in der sowjetischen Besatzungszone im Februar 1946 der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund (FDGB) gegründet. Er übernimmt unter anderem die Organisation der betrieblichen Sozialpolitik.
Sozialversicherung:
Im Januar 1947 führt die sowjetische Besatzungsmacht eine zentral gelenkte Einheitsversicherung für die Kranken-, Renten- und Unfallversicherung ein. Auch im Westen gibt es eine breite Diskussion um eine Einheitsversicherung. Befürworter und Gegner hoffen, nach dem Ende der Besatzungszeit gesetzgeberische Mehrheiten für ihre Position zu finden.Schließlich wird das traditionelle gegliederte System mit den verschiedenen Zweigen der Sozialversicherung des 19. Jahrhunderts fortgeführt.
Krankenversicherung:
Nach dem Krieg versucht zunächst jede Besatzungsmacht, den Krankenversicherungsschutz für die Menschen in ihrer Zone selbst zu regeln.In der britischen Zone werden einheitliche Leistungen und Beiträge eingeführt. In der amerikanischen Zone bleibt das bestehende System ebenfalls erhalten. Während in der französischen Zone nur allgemeine Ortskrankenkassen zugelassen und alle übrigen
Kassen aufgelöst werden, entstehen in der britischen und der amerikanischen Zone auch private Krankenversicherungen.
Mit dem Zusammenschluss zur Bizone arbeiten die britischen und amerikanischen Zonenverwaltungen auch auf sozialpolitischer Ebene stärker zusammen. Gemeinsame rechtliche Regelungen sollen wieder zu mehr Einheitlichkeit im sozialen Sicherungssystem führen. Ein besonders wichtiger Schritt ist das Sozialversicherungsanpassungsgesetz, das am 17. Juni 1949 in Kraft tritt. Es legt fest, dass Beiträge zur Krankenversicherung je zur Hälfte von Arbeitnehmer und Arbeitgeber gezahlt werden. Ursprünglich (seit 1884) mussten Arbeitnehmer zwei Drittel und Arbeitgeber ein Drittel aufbringen. Die französische Militärregierung schließt sich dem Vorgehen der Amerikaner und Briten an.
In der sowjetischen Besatzungszone gehört auch die Krankenversicherung zur sozialen Einheitsversicherung. Die freiberuflichen Ärzte und die private Krankenversicherung werden abgeschafft. Ein Netz von so genannten Polikliniken entsteht, in denen praktische Ärzte und Spezialisten gemeinsam die ambulante Versorgung übernehmen, für die im Westen die niedergelassenen Ärzte (Hausärzte) zuständig sind.
BRD – DDR: zwei deutsche Staaten
Am 8. Mai 1949 – vier Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges – wird das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland (BRD) verabschiedet. Für dessen Ausarbeitung war der Parlamentarische Rat zuständig, der auf Anweisung der westlichen Siegermächte im Jahr zuvor gegründet wurde. Rund zwei Wochen später, am 23. Mai 1949, verkündet Konrad Adenauer als Präsident des Parlamentarischen Rates das Grundgesetz der BRD. Die Bundesrepublik Deutschland ist nun „ein demokratischer und sozialer Bundesstaat“ (GG Art. 20,1).Am 14. August 1949 wählen die Deutschen den ersten Bundestag in allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl. Erster Bundespräsident wird Theodor Heuss (FDP), erster deutscher Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU). Adenauers politisches Ziel ist von Beginn an die Wiedervereinigung Deutschlands. Doch vordergründig will er gegenüber den Weststaaten die volle Integration und Souveränität Deutschlands erreichen, das heißt die staatliche Selbstständigkeit und Unabhängigkeit der Bundesrepublik.
Als erster Bundesarbeitsminister bezieht Anton Storch (CDU) im Oktober 1949 in Bonn das neue Bundesministerium für Arbeit und ist in den nächsten acht Jahren für die Arbeits- und Sozialpolitik in der Bundesrepublik zuständig. Zu den Aufgabenbereichen des Arbeitsministeriums gehören die internationale Sozialpolitik, die Arbeits- und Sozialmedizin, die Arbeitsvermittlung, die Berufsberatung, die Arbeitslosenversicherung, das Arbeitsrecht, der Arbeitsschutz, die Gewerbeaufsicht sowie die Sozialversicherung und Kriegsopferversorgung. 1957 werden dem Ministerium zusätzlich Aufgaben der Sozialordnung übertragen. Das Ministerium wird in Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung umbenannt.
Die Deutsche Demokratische Republik (DDR) wird am 7. Oktober 1949 ohne Wahl und damit ohne demokratische Legitimation (Auftrag des Volkes) gegründet. Auch danach bestimmt die sowjetische Besatzungsmacht Tempo und Fortschritt der politischen und gesellschaftlichen Entwicklung. Schon viel früher hat die Sozialistische Einheitspartei (SED) die Macht übernommen und die Sozialpolitik zur Sicherung ihrer Herrschaft gestaltet.
Sozialsysteme Ost und West im Vergleich
Bundesrepublik Deutschland (BRD)
Grundprinzip: Förderung des Föderalismus (Zusammenschluss der einzelnen Zonen, die jedoch weitgehend ihre Eigenständigkeit behalten)
- gegliedertes Sozialversicherungssystem (Kranken-, Unfall-, Renten-, Arbeitslosen- und ab 1995 Pflegeversicherung)
- einzelne gesetzliche Versicherungsträger für Kranken-, Unfall-, Renten- und Arbeitslosenversicherung
- Sozialversicherungspflicht für alle Arbeitnehmer bis zu einer Pflichtgrenze
- Finanzierung durch Beitragszahlungen der Arbeitnehmer und der Arbeitgeber (Ausnahme Unfallversicherung), an deren Höhe und Dauer sich die Leistungen des Versicherungsträgers orientieren
- zusätzliche private Absicherung für das Alter jederzeit möglich
- freie Krankenkassenwahl
- Wahlmöglichkeit für Selbständige und Versicherte, die über der Sozialversicherungspflichtgrenze liegen, ob sie freiwillig in der gesetzlichen oder in einer privaten Krankenversicherung versichert sein wollen
- besondere soziale Absicherung für Beamte
Deutsche Demokratische Republik (DDR)
Grundprinzip: Übergeordnete Zentralverwaltung
- "Staatliche Versicherung der DDR" als Einheitsversicherung (Kranken-, Unfall-, Rentenversicherung zusammengefasst), einziger Versicherungsträger
- Sozialversicherungspflicht für alle Arbeitnehmer unabhängig vom Einkommen
- Finanzierung der SV hauptsächlich aus Beiträgen der Betriebe und aus dem Staatshaushalt, geringer Prozentsatz vom Bruttogehalt
- private Absicherung nicht möglich
- keine Krankenkassenwahl
- "Intelligenzrente" für Personen mit Hochschulqualifikation
- freiwillige Zusatzrentenversicherung, um über freiwillige Beiträge später höhere Rentenansprüche zu erwerben
- Rentenvergünstigungen für "staatsnahe Angehörige", wie Bergleute, Polizisten/NVA, Zollbedienstete, Lehrer oder Politiker
Rubrik "Politik: Hintergründe + Lernziele": 60 Jahre Kriegsende
Linktipps:
Deutsches Historisches Museum/LeMO (Lebendiges virtuelles
Museum Online): www.dhm.de/lemo
Deutsche Geschichten: www.deutschegeschichten.de
1Zitiert nach: Cine Plus Leipzig GmbH / Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.), in: Deutsche Geschichten 1945–1949 „Kalter Krieg“ und Teilung Deutschlands (www.deutschegeschichten.de, Stand: November 2009)
Quellenhinweis:
Für dieses Kapitel wurden neben dem Ausstellungskatalog „In die Zukunft gedacht – Bilder und Dokumente zur Deutschen Sozialgeschichte“ des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, Bonn 2008, auch folgende Quellen herangezogen: Deutsches Historisches Museum/LeMO (Lebendiges virtuelles Museum Online): „Nachkriegsjahre“, www.dhm.de/lemo; Deutsche Geschichten Online der Cine Plus Leipzig GmbH in Koproduktion mit der Bundeszentrale für politische Bildung, www.deutschegeschichten.de (Stand: November 2009). [Drucken] [Versenden]
interessant
