Teilhabe von Menschen mit Behinderung

Behindert sein ist auch normal!

| Bild: männliche Puppe, blind | In Deutschland leben rund 6,9 Millionen Menschen mit Schwerbehinderungen. Das heißt, ihr Behinderungsgrad liegt bei 50 Grad und mehr. Damit ist in Deutschland jeder zwölfte Einwohner schwerbehindert. Bei 84 Prozent war eine Krankheit oder ein Unfall die Ursache – es kann also jeden von uns treffen.

Volle Arbeitsleistung trotz Behinderung

Ein gängiges Vorurteil ist, dass schwerbehinderte Menschen nicht arbeiten können. Doch tausende schwerbehinderte Menschen beweisen täglich das Gegenteil. Es kommt für sie nur darauf an, den geeigneten Arbeitsplatz und Arbeitgeber zu finden. Um mehr Menschen mit Behinderungen eine passende Beschäftigung zu ermöglichen, wendet der Gesetzgeber sanften Druck an: Private und öffentliche Arbeitgeber mit durchschnittlich 20 Arbeitsplätzen sind verpflichtet, wenigstens fünf Prozent der Arbeitsplätze mit schwerbehinderten Menschen zu besetzen. Wer diese Quote nicht erreicht, muss eine Ausgleichsabgabe zahlen.

Leider bemühen sich – trotz Ausgleichsabgaben – immer noch viel zu wenige Unternehmen darum, Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung einzurichten. Dabei haben gerade sie oft eine bessere Arbeitsmoral, weil sie sich und ihre Arbeitsleistung beweisen wollen.

Behinderung

Von Behinderung spricht man, wenn jemand wegen eines körperlichen, geistigen oder seelischen Defizits am Alltagsleben nicht mehr teilhaben kann – ob angeboren oder als Folge eines Unfalls oder einer Krankheit. Eine ausführliche Definition findet man im SGB IX, im Sozialgesetzbuch Neuntes Buch.

Gleiche Chancen gesetzlich garantiert

In Artikel 3 des Grundgesetzes heißt es seit dem Jahr 1994: „Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“ Außerdem gibt es ein spezielles Gesetz zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung. Damit sollen Diskriminierungen beseitigt, barrierefreie Lebensräume geschaffen und ein selbstbestimmtes Leben ermöglicht werden. So müssen zum Beispiel neue öffentliche Gebäude behindertengerecht geplant oder sämtliche Informationsquellen bis hin zum Internetangebot möglichst barrierefrei gestaltet werden. Menschen mit Behinderung wollen mit ihren Rechten, Qualitäten und Fähigkeiten sowie als unabhängige Bürger und Verbraucher akzeptiert werden.

Das Sozialgesetzbuch Neuntes Buch (SGB IX) „Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen“ stellt die Förderung der aktiven, selbstbestimmten und eigenverantwortlichen Teilhabe am Leben in der Gesellschaft in den Mittelpunkt. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) stärkt die Rechte von Menschen mit Behinderungen in verschiedenen Lebenslagen, vor allem in der Arbeitswelt. Es soll dazu beitragen, dass Menschen (unter anderem) wegen ihrer Behinderung nicht benachteiligt werden.

Jobs ohne Barrieren

Um (schwer-)behinderte Menschen besser in den Arbeitsmarkt zu integrieren, hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales zusammen mit weiteren Partnern die Initiative „Jobs ohne Barrieren“ gestartet. In diesem Rahmen werden Projekte gefördert, die Betroffenen helfen, im Berufsleben Fuß zu fassen. Weitere Infos unter www.jobs-ohne-barrieren.de

Unterstützte Beschäftigung

Unterstützte Beschäftigung ist ein Angebot für Menschen, die aufgrund ihrer Behinderung keine reguläre Berufsausbildung oder -vorbereitungsmaßnahme machen können, aber auch keine besonderen Angebote in einer besonderen Werkstatt brauchen. Die Berufseinsteiger werden durch Beratung unterstützt und bis zu zwei Jahre lang in einem Betrieb qualifiziert. Diese Beschäftigung wird als Rehabilitationsmaßnahme in der Regel durch die Bundesagentur für Arbeit finanziert.

Persönliches Budget

Mit einem Persönlichen Budget können Menschen mit Behinderung selbstbestimmt soziale Leistungen einkaufen und bezahlen, beispielsweise Fahrdienste oder Haushaltshilfen. Jüngere Menschen mit Behinderung, die volljährig werden, können das Persönliche Budget auch dazu nutzen, um von zuhause in ein betreutes Wohnheim zu ziehen. Das Persönliche Budget ist freiwillig.
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Quelle: Statistisches Bundesamt, Stand Dezember 2007

Arbeitsaufträge

Überlegen Sie: Was würde es für Sie bedeuten, wenn Sie nach einem Unfall oder einer Krankheit dauerhaft körperlich oder geistig beeinträchtigt wären?
Welche Rolle spielt das Persönliche Budget für die Menschen mit Behinderung in unserer Gesellschaft?

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