Behindert sein ist auch normal

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Jörg Müller Lars Pries ist 23 Jahre alt. Mit 12 Jahren wurde ihm der rechte Arm aufgrund eines Tumors amputiert. Im Jahr 2000 schloss er eine Ausbildung zum Landwirt ab. Ihm war jedoch klar, dass er nicht eigenverantwortlich in diesem Beruf würde arbeiten können. Ein Jahr lang suchte er nach einem Arbeitsplatz, der zumindest einen Bezug zur Landwirtschaft hat. Über das Arbeitsamt und den örtlichen Integrationsfachdienst bekam er schließlich einen Praktikumsplatz in einer Öhlmühle.
Berufsausbildung mit Behinderung
Wenn behinderte Jugendliche zusammen mit nicht behinderten Jugendlichen in Betrieben ausgebildet werden, haben sie bessere Chancen übernommen und im allgemeinen Arbeitsmarkt beschäftigt zu werden. Bei der Ausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf werden die besonderen Verhältnisse behinderter Menschen berücksichtigt. Dies gilt vor allem- für Zeit und Aufbau der Ausbildung,
- für die Dauer der Prüfungszeiten,
- für die Zulassung von Hilfsmitteln und
- für Hilfeleistungen, wie zum Beispiel Gebärdensprachdolmetscher.
Behinderung
Von Behinderung spricht man, wenn eine Person wegen eines körperlichen, geistigen oder seelischen Defizits am Alltagsleben nicht mehr teilhaben kann. Die Ursachen für dieses Defizit können dabei angeboren, Folge eines Unfalls oder einer Krankheit sein. Eine genaue Definition befindet sich im Neunten Sozialgesetzbuch, kurz SGB IX. Weitere Informationen hier.Die Auswirkungen auf die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft werden in Zehnerschritten abgestuft als Grad der Behinderung, kurz GdB, bewertet. Wenn dieser bei 50 und höher liegt, spricht man von Schwerbehinderung. In Deutschland leben 12,9 Millionen Menschen mit einer Behinderung. Davon sind 8,05 Millionen schwerbehindert. Das ist jeder neunte Einwohner.
Gleiche Chancen gesetzlich garantiert
In Artikel 3 des Grundgesetzes heißt es: „Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“ Außerdem gibt es ein spezielles Gesetz zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung. Damit sollen- Diskriminierungen beseitigt,
- barrierefreie Lebensräume geschaffen und
- ein selbstbestimmtes Leben ermöglicht werden.
So müssen zum Beispiel neue öffentliche Gebäude behindertengerecht geplant oder sämtliche Informationsquellen möglichst barrierefrei gestaltet werden. Arbeitgeber mit mindestens 20 Arbeitsplätzen sind gesetzlich verpflichtet, wenigstens fünf Prozent der Arbeitsplätze mit schwerbehinderten Menschen zu besetzen. Wer diese Quote nicht erreicht, muss eine Ausgleichsabgabe zahlen. Das Sozialgesetzbuch Neuntes Buch, kurz SGB IX, Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen stellt die Förderung der aktiven, selbstbestimmten und eigenverantwortlichen Teilhabe am Leben in der Gesellschaft in den Mittelpunkt. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, kurz AGG, stärkt die Rechte von Menschen mit Behinderung in verschiedenen Lebenslagen, vor allem in der Arbeitswelt.
Konvention der Vereinten Nationen über die Rechte behinderter Menschen
Die Konvention der Vereinten Nationen über die Recht behinderter Menschen ist seit März 2009 für Deutschland verbindlich. Menschen mit Behinderung sollen in allen gesellschaftlichen Bereichen, etwa bei der Arbeit, öffentlichen Einrichtungen, Schulen, Kindertagesstätten oder in Restaurants , genauso am öffentlichen Leben teilhaben können wie Menschen ohne Behinderung. Bildung ist ein wichtiger Bereich, den die Bundesregierung mit dem Nationalen Aktionsplan zur Umsetzung der Konvention der Vereinten Nationen fördern will, den sie Mitte 2011 beschlossen hat. Mit über 200 Maßnahmen will sie einen Prozess initiieren, der von Bund, Ländern, Gemeinden und Verbänden gemeinsam getragen wird. Hier sind weitere Informationen zu finden.Inklusive Schule
Inklusion bedeutet Einbeziehung, Einschluss, Einbeschlossenheit, Dazugehörigkeit. Die Idee der Inklusion besteht darin, dass kein Kind oder Schüler mehr als andersartig angesehen werden soll. Ziel der inklusiven Schule ist die gemeinsame Bildung von Kindern mit und ohne Behinderung. Alle Schülerinnen und Schüler mit Behinderung sollen wohnortnah eine allgemeine Schule besuchen können.Unterstützte Beschäftigung
Unterstützte Beschäftigung ist ein Angebot für Menschen, die aufgrund ihrer Behinderung keine reguläre Berufsausbildung oder Berufsvorbereitungsmaßnahme absolvieren können, aber auch keine speziellen Angebote in einer besonderen Werkstatt benötigen. Die Berufseinsteiger werden durch Beratung unterstützt und bis zu zwei Jahre lang in einem Betrieb qualifiziert. Diese Beschäftigung wird als Rehabilitationsmaßnahme in der Regel durch die Bundesagentur für Arbeit finanziert.Persönliches Budget
Mit dem so genannten Persönlichen Budget können Menschen mit Behinderung selbstbestimmt soziale Leistungen einkaufen und bezahlen. Typisch dafür sind beispielsweise Fahrdienste oder Haushaltshilfen. Jüngere Menschen mit Behinderung, die volljährig werden, können das Persönliche Budget auch dazu nutzen, um von zuhause in ein betreutes Wohnheim zu ziehen. Das Persönliche Budget ist freiwillig. Als Experte in eigener Sache entscheidet jeder selbst, welche Maßnahmen für ihn persönlich hilfreich sind. Diese Wahlfreiheit fördert die Selbstbestimmung und Teilhabe von Menschen mit Behinderung.Die häufigsten Funktionseinschränkungen bei Personen mit Behinderungen
Excel-Datei zum Schaubild
Schaubild in Originalgröße ansehenQuelle: Statistisches Bundesamt, Stand 2009.
Arbeitsaufträge Sekundarstufe II
Nach Paragraf 4 des Gesetzes zur Gleichstellung behinderter Menschen ist ein Gebäude, ein Gebrauchsgegenstand, eine Informationsquelle oder eine Kommunikationseinrichtung barrierefrei, wenn sie für Menschen mit Behinderung ohne besondere Schwierigkeiten und ohne fremde Hilfe auffindbar, zugänglich und nutzbar sind.- Untersuchen Sie, ob Ihre Schule in diesem Sinne barrierefrei ist.
- Erstellen Sie aufbauend auf den Ergebnissen der Aufgabe 1 eine Liste mit Verbesserungsvorschlägen.
Arbeitsauftrag Sekundarstufe I
- Stell Dir vor, in Deiner Lerngruppe wäre ein Mitschüler mit einer starken Sehstörung. Überlege, welche Veränderungen im Klassenraum, den Unterrichtsmaterialien und an der Gestaltung des Unterrichts vorgenommen werden müssten.
Stand: Juli 2012
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[1 Kommentar]
Gleichstellungsgesetze schön und gut, ich habe bis jetzt aufgrund meiner Krankengeschichte noch keinen Ausweis geholt und jetzt sitze ich hier und habe wirklich Panik, dass die Person mir dem Ausweis die Stelle bekommt. Ich habe wirklich sehr hart für mein Leben gekämpft und ich bin jetzt so wütend und so sauer, es so zu verlieren, nur weil die Stelle beim öffentlichem Dienst ist.Warum verdient die andere Person so eine Sonderbehandlung, nur weil sie einen Ausweis hat?Ihr könnt mich für meine Meinung hassen und verurteilen, aber es denken viele Menschen so wie ich und wir haben auch das Recht uns benachteiligt zu fühlen, denn wir hatten auch ein schweres Leben und wir haben für das gekämpft und wenn wird es dann bedroht sehen, durch einen Menschen mit einem Ausweis, der so wie es aussieht schlechter ist als man selber. Dann ist man sauer und kocht vor Wut.