Soziale Sicherung

Die Starken unterstützen die Schwachen

| Bild: Otto von Bismarck |

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mussten die Menschen unter katastrophalen Umständen arbeiten. Wenn sie ihre Arbeit verloren, krank oder zu alt wurden, waren sie auf ihre Familien oder auf sich selbst angewiesen. Die Arbeiter begannen, gegen ihre elende Situation zu protestieren, und organisierten sich.

| Bild: Überfüllte Frabrikhalle | 1850: Radikale Veränderungen

Während der industriellen Revolution veränderten sich die Arbeits- und Lebensbedingungen in Europa rapide: Viele Menschen mussten täglich zwölf bis dreizehn Stunden oder länger in dunklen, überfüllten, lauten Fabrikhallen arbeiten. Sie kannten weder Arbeits- noch Kündigungsschutz, Hygiene oder Gesundheitsvorsorge. Die Löhne reichten nicht einmal für das tägliche Brot. Kinderarbeit war selbstverständlich.

1863: Arbeiter kämpfen gegen soziale Missstände

Um gemeinsam gegen Ausbeutung und miserable Arbeitsbedingungen zu kämpfen, schlossen sich die Arbeiter in Vereinen zusammen. Daraus entwickelten sich Ende des 19. Jahrhunderts Sozialwerke, Gewerkschaften und Parteien. Der Sozialist Ferdinand Lassalle (1825 bis 1864) gründete im Jahr 1863 den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein (ADAV). Auch die Unternehmen organisierten sich, erste Arbeitgeberverbände entstanden. Diese beiden Seiten sind heute die Sozialpartner: Sie handeln die Interessen der Arbeitnehmer und Arbeitgeber direkt aus. Ergebnisse sind zum Beispiel Tarifverträge.

1878: Das Sozialistengesetz

Reichskanzler Otto Fürst von Bismarck (1815 bis 1898) sah in der neu entstandenen Arbeiterbewegung eine Bedrohung für den Staat. Unter dem damals regierenden Kaiser Wilhelm I. war eine Demokratie nach heutigen Maßstäben unvorstellbar. Daher verbot das von Bismarck im Oktober 1878 vorgeschlagene Sozialistengesetz „Vereine, welche durch sozialdemokratische, sozialistische oder kommunistische Bestrebungen den Umsturz der bestehenden Gesellschaftsordnung bezwecken“.

1881: Das Sozialversicherungssystem entsteht

Otto von Bismarck setzte aber nicht nur auf Verbote. Er erkannte, dass die sozialen Probleme der Arbeiter auf Dauer nur durch staatliche Regelungen gelöst werden können. Daher forderte er am 17. November 1881 mit der „Kaiserlichen Botschaft“ den deutschen Reichstag auf, Gesetze zum Schutz der Arbeiter gegen Krankheit, Unfall, Invalidität und zur Versorgung im Alter zu beschließen. Dieser Tag gilt als Geburtsstunde der deutschen Sozialversicherung.

Zweige der Sozialversicherung

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1933: Gleichschritt im Dritten Reich

Die Nationalsozialisten lösten nach ihrer Machtübernahme im Jahr 1933 die Gewerkschaften auf und erklärten die Rechte der Arbeitnehmer für ungültig. Im Zuge der Gleichschaltung bauten sie den gesamten Staatsapparat um und zentralisierten die Sozialversicherungen. Das Naziregime unterwarf den Staat, die Gesellschaft und die Wirtschaft vollständig seinen Kriegszielen.

| Bild: Mauer Berlin |

1949: Getrennte Wege

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Sozialversicherung wieder aufgebaut: Während nach 1949 in der DDR eine Einheitsversicherung entstand, wurde in der frisch gegründeten Bundesrepublik das dezentral gegliederte, aus verschiedenen Sozialversicherungen bestehende System erneuert.

1990: Eine historische Wiedervereinigung

Mit der friedlichen Revolution der Bürger im November 1989 endete die sozialistische DDR. Am 3. Oktober 1990 war Deutschland wieder vereint. Das westdeutsche Sozialsystem wurde im Osten eingeführt, die Kosten der Wiedervereinigung wurden über die Sozialversicherung und den Solidaritätszuschlag finanziert.

2000: Die Sozialversicherungen geraten unter Druck

Die gesetzlichen Sozialversicherungen bieten allen, die in Not geraten, eine Grundsicherung. Die Versicherten bilden eine Solidargemeinschaft, in der die Stärkeren die Schwächeren unterstützen. Doch die Ausgaben dafür sind enorm gestiegen. Im Zuge der Globalisierung hat sich der internationale Wettbewerb verschärft, und viele Unternehmen haben Arbeitsplätze ins Ausland verlagert. Außerdem sinkt die Zahl der Geburten, während die Lebenserwartung der Menschen stetig steigt. Daher zahlen immer weniger Menschen in die Sozialversicherungssysteme ein, gleichzeitig erhalten aber immer mehr Versicherte soziale Leistungen – und das für eine längere Zeit als früher.

2010: Weitere Reformen nötig

| Bild: Bundestag in Berlin | Um das Sozialversicherungssystem zukunftssicher zu machen, hat die Bundesregierung im Jahr 2003 das Reformprogramm „Agenda 2010“ gestartet: Es umfasst unter anderem einen grundlegenden Umbau des Arbeitsmarktes sowie Reformen bei der Kranken- und Rentenversicherung. Das bedeutet, dass sich die Menschen zwar auf eine soziale Grundsicherung verlassen, aber nicht mehr mit so umfangreichen Leistungen rechnen können wie vorher. Vor allem bei der Rente ist es wichtig, dass jeder Bürger zusätzlich privat vorsorgt und Geld für das Alter anlegt – mit staatlicher Unterstützung. Angesichts der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise stellt die Bundesregierung zusätzliche finanzielle Mittel bereit, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln und Arbeitsplätze zu erhalten. So wurden beispielsweise die Bedingungen für Kurzarbeit verbessert, um Entlassungen zu vermeiden.

Arbeitsaufträge

Erklären Sie, warum Bismarck erstmals in der Geschichte ein Gesetz zur sozialen (Ab-) Sicherung der Menschen einführte.
Nennen Sie Gründe, warum der deutsche Sozialstaat in seiner bisherigen Form nicht mehr bezahlbar ist.

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[5 Kommentare]Kommentare
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cg am 02.11.2009 / 12:39
Jammern können wir Deutschen do sowieso am besten lol Allerdings ist das kein Grund, Sozialabbau tatenlos zuzusehen, man muss aufpassen, dass es nicht zu weit geht. am 23.04.2009 / 10:53
haha!!!!!!! ich bin halt noch in der schule gogo sebi am 09.02.2009 / 10:51
das ist sehr richtig jessi am 21.01.2009 / 09:24
hallo :D hmmm.. ich denke das ist alles richtig!!! flyandaway am 27.11.2008 / 10:35
Das sieht man mal wieder - wir jammern echt auf hohem Niveau ...
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