Sozialversicherung im Überblick

Sicherheit im Sozialstaat

Sozialversicherung im Überblick: Drei junge Menschen lachen gemeinsam.
Foto: Shutterstock/rawpixel

Einer für alle, alle für einen

Wer erwachsen und gesund ist und eine Vollzeitarbeitsstelle hat, ist in der Regel nicht auf staatliche oder sonstige Unterstützung angewiesen. Doch durch eine längere oder gar chronische Krankheit, einen Unfall oder Arbeitslosigkeit kann sich das schnell ändern. Jeder kann in eine Notlage geraten. Schon ein Krankenhausaufenthalt mit Operation würde die finanziellen Möglichkeiten der meisten Bürger übersteigen. Ein längerer Arbeitsausfall oder gar dauerhafte Pflegebedürftigkeit würden bei vielen die Existenz gefährden, wenn sie keine Unterstützung bekämen.

Deutschland ist ein Sozialstaat, das bedeutet: Ziel der Politik und Gesetzgebung ist es, für eine Absicherung gegen die größten Lebensrisiken zu sorgen. Das heißt, die Bürger erhalten Unterstützung, damit ihr Einkommen gesichert ist. Dieses soziale Sicherungssystem wird solidarisch finanziert, also von allen Versicherten gemeinsam. Es besteht aus verschiedenen Zweigen: der Unfall-, Kranken-, Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung. In diese Sozialversicherungen zahlen die Arbeitnehmer und Arbeitgeber regelmäßig Beiträge ein. Die meisten Arbeitnehmer sind pflichtversichert (siehe unten). Sie erhalten Leistungen, sobald sie Bedarf oder Anspruch haben. Nicht erwerbstätige Ehepartner und Kinder sind eingeschlossen. Auch einige Gruppen von Selbstständigen sind pflichtversichert, zum Beispiel Handwerker. Künstler und Publizisten sind über die Künstlersozialkasse versichert. Andere Selbstständige müssen sich hingegen selbst um ihre Absicherung kümmern. Berufssoldaten, Richter und Beamte sind per Gesetz über ihren öffentlich-rechtlichen Dienstherren (Bund, Länder, Gemeinden) versichert. Sie erhalten Leistungen ohne eigene Beitragszahlungen, die aus Steuermitteln finanziert werden.

Die fünf Zweige der Sozialversicherung

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Schaubild: System der Sozialversicherung
Quelle: eigene Darstellung

Recht auf soziale Sicherheit

Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.

Die verfassungsmäßige Ordnung in den Ländern muss den Grundsätzen des republikanischen, demokratischen und sozialen Rechtsstaates im Sinne dieses Grundgesetzes entsprechen.

Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland, Artikel 20 und 28

Jeder hat als Mitglied der Gesellschaft das Recht auf soziale Sicherheit und Anspruch darauf, durch innerstaatliche Maßnahmen und internationale Zusammenarbeit sowie unter Berücksichtigung der Organisation und der Mittel jedes Staates in den Genuss der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte zu gelangen, die für seine Würde und die freie Entwicklung seiner Persönlichkeit unentbehrlich sind.

Jeder hat Pflichten gegenüber der Gemeinschaft, in der allein die freie und volle Entwicklung seiner Persönlichkeit möglich ist

Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948, Artikel 22 und 29, Menschenrechtscharta der Vereinten Nationen

Prinzipien der Sozialversicherung

  • Prinzip der Versicherungspflicht: Per Gesetz wird bestimmt, wer versicherungspflichtig ist und damit unter dem Schutz der gesetzlichen Sozialversicherung steht. Wer in einem Arbeitsverhältnis steht oder eine Ausbildung macht, ist in der Regel automatisch Mitglied der Sozialversicherung. Daher sind in Deutschland etwa 90 Prozent der Bevölkerung sozialversichert.
  • Prinzip der Beitragsfinanzierung: Die Sozialversicherungen werden überwiegend durch Beiträge der Arbeitnehmer und Arbeitgeber finanziert. Die Höhe der Beiträge orientiert sich am Bruttogehalt des Arbeitnehmers. Die Beitragssätze sind gesetzlich festgelegt.
  • Prinzip der Solidarität: Unabhängig von der Höhe der eingezahlten Beiträge ist jeder durch die Sozialversicherungen abgesichert. Mit diesem solidarischen Ansatz wird ein Ausgleich geschaffen zwischen Gesunden und Kranken, Erwerbstätigen und Arbeitslosen, Jungen und Alten, Singles und Familien.
  • Prinzip der Äquivalenz: Äquivalenz bedeutet Gleichwertigkeit. Das heißt, die Höhe der Leistungen richtet sich nach der Höhe und Dauer der Einzahlungen. Dieses Prinzip greift bei der Rente, dem Arbeitslosengeld, der Unfallversicherung und bei Lohnersatzleistungen wie Krankengeld.
  • Prinzip der Selbstverwaltung: Die Sozialversicherungen werden unter Aufsicht des Staates von Trägern verwaltet, zum Beispiel die Krankenversicherung von den Krankenkassen. Die Träger sind organisatorisch selbstständig. Arbeitnehmer und Arbeitgeber sind unmittelbar daran beteiligt.
  • Prinzip der Freizügigkeit: Jeder Bürger der Europäischen Union kann in einem Mitgliedsstaat seiner Wahl leben und arbeiten. Die sozialen Mindeststandards – dazu gehört auch eine soziale Grundsicherung – sind in der Charta der Grundrechte der Europäischen Union verbindlich niedergelegt.
     

Einnahmen und Ausgaben

Wie und in welchem Ausmaß die sozialen Sicherungssysteme funktionieren, hängt entscheidend davon ab, wie viele Menschen Beiträge in die Sozialversicherungen einzahlen und welche Leistungen für wie viele Empfänger bezahlt werden müssen. Sinkt die Zahl der Beitragszahler und steigt die Zahl der Empfänger aufgrund des demografischen Wandels oder infolge von wirtschaftlichen Krisen, hat der Gesetzgeber (Bundestag, Bundesrat) folgende Möglichkeiten:

  1. Er kann die Beiträge für diejenigen erhöhen, die in die Sozialversicherungen einzahlen müssen.
  2. Er kann die Leistungen für die Empfänger kürzen. Sie müssen dann einige Leistungen selbst zahlen oder sich zusätzlich privat absichern.
  3. Er kann die Sozialversicherungen durch Steuereinnahmen bezuschussen.

Umgekehrt gilt: Wenn die Einnahmen höher sind als die Ausgaben, können die Beiträge gesenkt, Steuermittel gekürzt oder die Leistungen erhöht werden.

Sozialstaatliche Umverteilung

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Schaubild: Sozialstaatliche Umverteilung
Quelle: IAQ-Forschung 1/2015, Datenbasis: SOEP, www.sozialpolitik-aktuell.de

 

Die Texte und Bilder entstammen dem Schülermagazin Sozialpolitik
Stand Juli 2017

13 Antworten

Kommentare

Es sind, wenn man zählen könnte 5 anstatt 4 Jugendliche. Dankeschön für Ihr Verständniss.

Danke für Ihren Hinweis - korrigieren wir :-) Freundliche Grüße, K. Rieger, Redaktion Sozialpolitik

Versteh ich nicht

Ich vermisse Zahlen zum Bundeszuschuss zur Rentenversicherung. Ich erinnere mich, dass schon vor 2010 ca. 80 Mio. Euro aus Steuermitteln nötig waren, die Rentenkasse zu stabilisieren.

Lieber Thomas, das ist richtig, die Bundeszuschüsse an die Rentenversicherung betrugen im Jahr 2012 rund 66 Milliarden Euro, die Beitragseinnahmen knapp 194 Milliarden Euro. Die Zuschüsse machten damit etwa ein Viertel der Gesamteinnahmen der Rentenversicherung aus. In der Materialdatenbank finden Sie ein Arbeisblatt und Schaubild und Hintergrundinformationen (auch zu den versicherungsfremden Leistungen) unter "Rentenversicherung - nicht nur fürs Alter": http://www.sozialpolitik.com/artikel/hintergrund-rentenversicherung-nicht-nur-fuers-alter . Beste Grüße, K. Rieger, Redaktion "Sozialpolitik"

Schöne Debatte

Da muss Ich euch recht geben die Deutsche Regierung stinkt hart ab!

Finde ich toll

Wie Lange mus ich warte fur U2 Folmuliar .Ich mochte meine Arbeitslosenversicherung mit nehmen nach Ausland Ich warte umg. Monath aber habe ich noch nicht Ergebnis.

Guten Tag, ich habe meinen Schülern folgende Aufgabe gegeben: - die 5 Säulen mit eigenen Worten wieder geben - Die Fragen : 1. " Erläutern Sie, warum die Prinzipien ,,Solidarität" und ... " 2. " Erläutern Sie, auf welche gesellschaftliche Entwicklung ... " Nun sind bei den Fragen viele Meinungen aufgekommen. Die Frage ist ob es eine einheitliche Lösung zu den Fragen von Ihnen gibt. Mit freundl. Grüßen Jäkel

Außer bei den Fragebögen zur Ergebnissicherung im Lehrerheft "Sozialpolitik" (dort stehen die Lösungen am Ende des Lehrerhefts) sind die Arbeitsaufträge in den übrigen Publikationen von "Sozialpolitik" bewusst so offen gehalten, dass sie in Einzel- und Gruppenarbeit und unter Anleitung der Lehrkraft selbst erarbeitet werden können. Wir geben aber gern ein paar Anhaltspunkte zu den Aufgaben: zu 1. Im Grundgesetz (s. o.) ist das Recht auf soziale Sicherheit verankert. Jeder hat Anspruch auf soziale Sicherheit, aber auch Pflichten gegenüber der Gemeinschaft. Nur wenn die Gesunde und Kranke, Junge und Alte usw. solidarisch sind und jeweils für den anderen einstehen, kann ein Ausgleich zwischen diesen Gruppen geschaffen und der Sozialversicherungsschutz für jeden gesichert werden. Dies funktioniert erfahrungsgemäß nur durch eine Pflichtversicherung, in die alle einzahlen müssen. Deshalb sind die Prinzipien Solidarität und Versicherungspflicht tragende Prinzipien der Sozialversicherung. zu 2. Das System der Sozialversicherung funktioniert nur, wenn es genügend Menschen gibt, die Beiträge in das Versicherungssystem einzahlen, damit die Leistungen für Bedürftige finanziert werden können. Der Zeichner spielt auf den demografischen Wandel - die Alterung der Gesellschaft - an: Die Menschen leben immer länger, aber es werden immer weniger Kinder geboren. Die Politik hat erkannt, dass es für den Erhalt des Sozialversicheurngssystem unter anderem wichtig ist, Familien und die Vereinbarkeit mit dem Beruf zu fördern und sie zu ermutigen, wieder mehr Kinder zu bekommen. Freundliche Grüße, K. Rieger, Redaktion Sozialpolitik

hallo sehr geehrte Läufer/herren Ich wollte mich über das thema Solidarprizip Informieren Da ich aber keine weiteren Informationen auf dieser Web-Seite bekommen habe, wollte ich mal hier fragen LG Hans Peter

Oben auf der 2. Seite steht was zum Solidarprinzip.

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