Soziale Gerechtigkeit

Soziale Marktwirtschaft

Soziale Gerechtigkeit und Sozialstaat: Ausschnitt des Berliner Reichstagsgebäudes mit Glaskuppel
Foto: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Made in Germany

Die Idee der sozialen Marktwirtschaft wurde von dem deutschen Ökonomen Alfred Müller-Armack entwickelt. Ludwig Erhard, Bundeswirtschaftsminister von 1949 bis 1963, setzte sie politisch um. Sein großes politisches Ziel lautete Wohlstand für alle. In einer sozialen Marktwirtschaft soll jeder Einzelne nicht nur auf seine individuelle Leistungsfähigkeit angewiesen sein, sondern in Notsituationen auch mit der Unterstützung der Allgemeinheit rechnen können. Soziale Marktwirtschaft heißt also: Die wirtschaftliche Freiheit des Einzelnen soll mit den sozialen Bedürfnissen der Allgemeinheit in Einklang gebracht werden.

Made in Germany hat nicht nur Deutschland verändert, sondern die Welt:

Schaubild: Erfindungen Made in Germany
Fotos: Fotolia/blueskies9, Adidas AG, Bayer Schering Pharma AG, Fotolia/alphavisions, Otto Bock Healthcare GmbH, Shutterstock/WDG Photo

Freie Marktwirtschaft versus soziale Marktwirtschaft

Das Modell einer freien Marktwirtschaft funktioniert durch einen freien Wettbewerb, freie Preisbildung über Angebot und Nachfrage und den Privatbesitz von Produktionsmitteln (Maschinen, Fabriken). Produzenten treffen freie Entscheidungen, was sie wie und in welcher Menge produzieren. Konsumenten treffen freie Entscheidungen, welche Produkte sie kaufen. Arbeitgeberver­bände und Gewerkschaften handeln Arbeitsbedingungen und Löhne aus (Tarifautonomie). Ziel ist es, optimale wirtschaftliche Ergebnisse zu erreichen.

Leistungsschwächere Marktteilnehmer (zum Beispiel ältere oder kranke Arbeitnehmer oder Alleinerziehende, die wenig flexibel sind) werden jedoch durch den harten Wettbewerb abgehängt. Um dies zu verhindern und die Interessen der Allgemeinheit zu schützen, greift der Staat ein und schafft einen gesetzlichen Rahmen für das wirtschaftliche Handeln. So entsteht eine soziale Marktwirtschaft.

Ziele der sozialen Marktwirtschaft

Soziale Gerechtigkeit:

  • Alle Menschen sollen die gleichen Bildungschancen haben. Daher werden Bildungseinrichtungen wie Kitas, Schulen und Hochschulen vom Staat finanziert (siehe Armut und Reichtum, Berufswahl und Gesellschaft für alle 1).
  • Die Einkommens- und Vermögensunterschiede in der Gesellschaft sollen nicht zu groß werden. Dafür sorgen die Steuergesetze und die sozialen Leistungen des Staates (siehe Soziale Leistungen).


Soziale Sicherheit:

  • Die Sozialversicherungen sichern gegen die größten Lebensrisiken ab wie Arbeitslosigkeit, Krankheit, Pflegebedürftigkeit, nach einem Unfall oder im Alter (siehe Sozialversicherung im Überblick).
  • Die Wettbewerbsschutz sichert die Konkurrenz in einer Marktwirtschaft. Er verhindert, dass zu mächtige Marktteilnehmer den Markt beherrschen und der Wettbewerb zum Nachteil der Verbraucher eingeschränkt ist.
  • Schutz von Arbeitnehmern: Kündigungsschutz, Arbeitsschutz, Mindestlohn und Mitbestimmung geben Arbeitnehmern Sicherheit. Niemand darf willkürlich entlassen werden (siehe Arbeitsrecht 2). Die Arbeitsbedingungen dürfen die Gesundheit nicht gefährden (siehe Unfallversicherung). Arbeitnehmer sollen von ihrer Arbeit leben können (siehe Arbeitsrecht 2) und haben ein Recht auf Mitbestimmung im Betrieb (siehe Arbeitsrecht 1).
  • Der Verbraucherschutz schützt die Konsumenten (Information, Rechte).
  • Der Umweltschutz veranlasst Unternehmen und Konsumenten, Umweltstandards zu beachten.
     

Soziale Marktwirtschaft

Excel-Datei zum Schaubild

Schaubild: Soziale Marktwirtschaft
Quelle: eigene Darstellung

Die soziale Marktwirtschaft in der Diskussion

Als Wirtschaftssystem ist die soziale Marktwirtschaft in Deutschland unumstritten. Über ihre konkrete Ausgestaltung wird jedoch immer wieder verhandelt und diskutiert:

  • Sind wir in der sozialen Marktwirtschaft in unseren Entscheidungen noch frei?
  • Wie weit soll der Staat eingreifen? Ist es sinnvoll, dass er zum Beispiel Not leidende Branchen wie den Braunkohleabbau subventioniert, um dort die Arbeitsplätze zu erhalten?
  • Wo soll der Staat investieren? Soll er zum Beispiel eher mit Prämien für den Kauf von Elektroautos Umwelt und Wirtschaft unterstützen oder lieber Schulen mit Laptops ausstatten und in die Bildung investieren?
  • Ist die soziale Marktwirtschaft noch gerecht? Werden die Einkommensunterschiede größer?
  • Verlieren wir durch mehr sozialen Schutz unsere wirtschaftliche Leistungsfähigkeit? Werden durch Umweltschutzauflagen und Mindestlohn deutsche Produkte zu teuer?
  • Gefährdet mehr Marktfreiheit den sozialen Frieden? Grenzen niedrige Löhne Menschen aus der Gesellschaft aus?
  • Finden alle Menschen bezahlbaren Wohnraum? Inwiefern kann eine gesetzliche Mietpreisbremse dazu beitragen?
  • Wie begegnen wir dem Klimawandel und knapper werdenden Ressourcen? Wie gelangen wir zu einer ökologisch-sozialen Marktwirtschaft?

 

Die Texte und Bilder entstammen dem Schülermagazin Sozialpolitik
Stand Juli 2017

8 Antworten

Kommentare

kann mir irgendjemand helfen? was sind die besonderen Merkmale der sozialen Marktwirtschaft? wenn ja,dann sagt es mir! bitte!!

Hallo, die soziale Marktwirtschaft mit ihren Kernprinzipien Freiheit auf dem Markt und sozialer Ausgleich wird oben im Text genauer erläutert. Redaktion Sozialpolitik

Hallo liebe Readaktion. Ich stimme den Gründen einer sozialen Marktwirtschaft vollkomen zu, verstehe sie auch. Doch garantiert sie ein Leben in Würe und Freiheit, Diese Politische und wirtschaftliche Ordnung? Und welche Regeln machen denn die Marktwirtschaft gerechter?

Guten Morgen, danke für Ihren Beitrag. Zur Vertiefung des Themas können Sie sich das Arbeitsblatt und Schaubild "Marktwirtschaft: frei oder sozial?" unter http://www.sozialpolitik.com/files/64/Arbeitsblatt_Marktwirtschaft.pdf und http://www.sozialpolitik.com/files/64/Schaubild_Marktwirtschaft.pdf anschauen. Auf dem Arbeitsblatt werden drei Modelle moderner sozialer Marktwirtschaften vorgestellt und unterschiedliche Standpunkte zur Rolle des Staates anhand von Zitaten verdeutlicht. Das Schaubild zeigt, welche Konzepte der freien und sozialen Markwirtschaft zugrunde liegen und welche positiven und negativen Auswirkungen sie haben können. Beste Grüße, Katja Rieger, Redaktion Sozialpolitik

Hallo, Gibt es zu den arbeitsblättern auch vorhergesehene lösungen? LG Sabrina

Es gibt nicht zu allen Arbeitsblättern Lösungen - nur bei den Fragebögen zur Ergebnissicherung, die auch im gedruckten Lehrerheft enthalten sind: http://www.sozialpolitik.com/artikel/lehrerinformation-sozialpolitik. Bei allen anderen Arbeitsblättern und Schaubildern, die monatlich online erscheinen, sind die Arbeitsaufträge bewusst so offen gehalten, dass sie in Einzel- und Gruppenarbeit und unter Anleitung der Lehrkraft selbst erarbeitet werden können. Freundliche Grüße, K. Rieger, Redaktion Sozialpolitik

Ich verstehe nicht wie ich die sozialen und die freiheitlichen Ziele der sozialen Marktwirtschaft anhand von Merkmalen aus den beiden Spalten des Schaubilds erläutern soll. Die Aufgabenstellung verwirrt mich sehr, da ich den Zusammenhang der Merkmale mit den Zielen nicht erkennen kann. Bitte um Aufklärung. :-)

Lieber Silas, hier eine Erläuterung zu dem Arbeitsauftrag: Die freiheitlichen und die sozialen Ziele stehen in den beiden Spalten der Grafik "Soziale Marktwirtschaft" ganz unten. Die Merkmale, mit denen diese Ziele erreicht werden sollen, stehen fettgedruckt mit Aufzählungspunkten darüber. Einige der Begriffe hinter den Aufzählungspunkten sollen nun beispielhaft erläutert werden. Zum Beispiel beim Merkmal "Soziale Gerechtigkeit" der Begriff "Bildungschancen": Schulen und sind in Deutschland kostenlos, sie werden vom Staat (steuer-)finanziert, damit alle Menschen die gleiche Chance auf eine gute Bildung bekommen. Oder der Begriff "Steuergerechtigkeit": Reichere Menschen zahlen mehr Steueren als ärmere Menschen, und viele soziale Leistungen für Notleidende (z. B. ALG II, Sozialhilfe, Jugendhilfe) werden aus Steuern finanziert. Zu den meisten Begriffen sind die Infos dazu im Heft Sozialpolitik bzw. unter www.sozialpolitik.com zu finden, zu anderen muss dazu recherchiert werden. Wir werden in der nächsten Ausgabe versuchen, die Aufgabe noch etwas prägnater zu formulieren ... Freundliche Grüße, Katja Rieger, Redaktion "Sozialpolitik"

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