Rentenversicherung 2

Mehr Rentner, weniger Kinder

Rentenversicherung: Kleine Figürchen eines Rentnerpaars in einer Landschaft von aufgetürmten Geldstücken.
Foto: Shutterstock/beeboys

Wichtige Reformen der Rente

2001 bis 2005: Absenkung Rentenniveau, Nachhaltigkeitsfaktor

Die Rentenleistungen sind an die Entwicklung der Bruttolöhne der Arbeitnehmer gekoppelt. Das wird auch dynamische Rente genannt. Mit der Rentenreform 2001 wurde der Rentenanstieg deutlich verringert und damit das Rentenniveau abgesenkt, um das System finanzierbar zu halten. Außerdem wurde ein sogenannter Nachhaltigkeitsfaktor bei der Rentenberechnung eingebaut: Werden die Beitragszahler weniger, fallen die jährlichen Rentenerhöhungen geringer aus als der Anstieg der Bruttoeinkommen.

2007: Rente mit 67

Das Renteneintrittsalter für die Regelaltersrente wird schrittweise von 65 auf 67 Jahre angehoben. Wer 1964 und später geboren wurde, kann in der Regel erst mit 67 Jahren ohne Abzüge in Rente gehen. In der Gesellschaft wird darüber diskutiert, ob das Renteneintrittsalter noch weiter angehoben werden sollte (siehe unten).

2009: Rentengarantie

Angesichts der Wirtschafts- und Finanzkrise wurde die im Jahr 2004 eingeführte  Rentenschutzklausel zur sogenannten Rentengarantie erweitert. Diese stellt sicher, dass die Renten bei sinkenden Löhnen nicht zurückgehen.

2014: Verbesserungen für besonders langjährig erwerbstätige Menschen und für Mütter

Erwerbstätige, die 45 Jahre oder länger Beiträge in die Rentenversicherung gezahlt haben, können zwei Jahre früher in Rente gehen, ohne dass die Rentenzahlungen gekürzt werden. Mütter oder Väter, deren Kinder vor dem Jahr 1992 geboren sind, erhalten für jedes Kind Rentenzuschläge, durch die ihre Erziehungsleistung nachträglich stärker anerkannt wird.

2017: Flexirente

Ziel des Flexirentengesetzes ist es, den Übergang vom Erwerbsleben in den Ruhestand flexibler gestalten zu können. Teilrente und Hinzuverdienst werden flexibler miteinander kombinierbar. Außerdem kann man mit Weiterarbeit neben der Rente den Rentenanspruch erhöhen. Wer früher in Rente gehen will und dafür Abschläge in Kauf nehmen müsste, kann diese nun früher und flexibler als bisher durch zusätzliche Beitragszahlungen in die Rentenversicherung ausgleichen.

Rente mit 70?

Ralf R., 45, Arbeiter:

Wer möchte von einem Zahnarzt behandelt werden, dem beim Bohren die Hände zittern? Was macht ein Dachdecker, der nicht mehr auf das Dach kommt, oder ein Maurer, der die Steine nicht mehr tragen kann?

Heidi J., 68, Hausfrau:

Ich kann das Wort ‚Lebensleistungsrente‘ nicht mehr hören. Ich habe Kinder großgezogen. Meine Rente beträgt 372 Euro. Meine Altersvorsorge schrumpft (keine Zinsen). So kann ich nicht in Würde alt werden.

Sibylle S., 38, Angestellte:

Ein Problem ist auch das immer spätere Arbeitseintrittsalter der Jungen: spätere Einschulung, Orientierungsjahr nach dem Schulabschluss, Lehre mit 20, Studienabschluss mit 30. Die Lebensarbeitszeit des Einzelnen ist gesunken.

Peter M., 57, Angestellter

Ich war 30 Jahre lang in einem großen Chemie-Unternehmen tätig. Im Alter von 55 Jahren wurde mir eine Abfindung angeboten und nahegelegt, mich in den vorzeitigen Ruhestand zu verabschieden. Hier müsste die Politik mal eingreifen.

Private Altersvorsorge: Riester-Rente

Der Staat fördert seit 2002 mit finanziellen Zulagen und Steuervergünstigungen den Aufbau einer privaten Altersvorsorge. Sie wird nach dem damaligen Arbeitsminister „Riester-Rente“ genannt. Vor allem Pflichtmitglieder in der gesetzlichen Rentenversicherung, Beamte, Richter und Soldaten, die mindestens vier Prozent des Brutto-Vorjahreseinkommens für die Altersvorsorge aufwenden, erhalten die volle Förderung. Bei Verheirateten muss nur einer von beiden die Voraussetzungen erfüllen, dann erhält auch der andere die Förderung. Geringverdiener zahlen nur einen Mindestbeitrag.

Familien und Geringverdiener profitieren am meisten von der Riester-Rente. Gefördert werden privates Wohneigentum, Banksparpläne, Rentenversicherungen und Fondssparpläne, die zertifiziert sind und bestimmte Vorgaben erfüllen. In den vergangenen Jahren hat sich herausgestellt, dass die Auszahlungen der Riester-Renten wegen der niedrigen Zinsen geringer ausfallen als erwartet. Zudem wird die Riester-Rente von Geringverdienern nicht so angenommen wie erhofft.

Betriebliche Altersversorgung

Seit dem Jahr 2002 kann jeder Arbeitnehmer vom Arbeitgeber verlangen, dass ein Teil seines Lohns in eine betriebliche Altersvorsorge fließt. Dies wird Entgeltumwandlung genannt. In Tarifverträgen ist diese Anlageform oft festgeschrieben. Die Beiträge können vom Arbeitgeber oder vom Arbeitnehmer allein oder von beiden gemeinsam finanziert werden. Auch hier unterstützt der Staat den Aufbau der Altersvorsorge, indem die Beiträge für Arbeitgeber und für Arbeitnehmer bis zu einer bestimmten Grenze steuer- und abgabenfrei sind. Für die Renten müssen jedoch später Steuern gezahlt werden.

Die Zukunft der Rente

Die Finanzierung der Rentenversicherung bleibt angesichts der demografischen Entwicklung eine große Herausforderung. Nur nach langer Erwerbstätigkeit und privater Vorsorge kann der gewohnte Lebensstandard im Alter aufrechterhalten werden. Frauen, Alleinerziehende, Geringverdiener, Minijobber und Menschen, die aufgrund einer Erwerbsminderung nicht voll arbeiten können, sind am stärksten von Altersarmut bedroht. Um die Sozialversicherung zu stabilisieren, werden verschiedene Vorschläge diskutiert:

  • Die betriebliche Altersvorsorge (Betriebsrente) soll ausgebaut werden. Für die betriebliche Altersvorsorge besteht besonders in kleinen Unternehmen und bei Beschäftigung mit niedrigem Einkommen noch erhebliches Verbreitungspotenzial. Das Betriebsrentenstärkungsgesetz, das am 1. Januar 2018 in Kraft treten soll, setzt hier mit wesentlichen Neuregelungen an.
  • Ein anderer Vorschlag ist, alle Erwerbstätigen in die gesetzliche Rentenversicherung einzubeziehen. Einkommensstarke Bevölkerungsgruppen, vor allem Selbstständige und Beamte, würden dann die gesetzliche Rentenversicherung mitfinanzieren. Durch die bereits bestehenden, historisch gewachsenen Strukturen der Alterssicherungssysteme würde eine Umsetzung des Vorhabens allerdings zu erheblichen Problemen führen.
  • Mit Maßnahmen zur Fachkräftegewinnung und zur Integration von Zuwanderern (siehe Berufsorientierung) soll die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse erhöht und die Sozialversicherung gestützt werden.
     

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat Ende 2016 ein Gesamtkonzept zur Alterssicherung vorgelegt. Das Konzept sieht ein garantiertes Rentenniveau von mindestens 46 Prozent bei einem maximalen Beitragssatz von 25 Prozent bis 2045 vor. Selbstständige sollen durch die Aufnahme in die gesetzliche Rentenversicherung besser abgesichert werden. Zugleich soll die zusätzliche Altersvorsorge ausgebaut werden, indem die betriebliche Altersvorsorge ausgeweitet und die Riester-Rente vereinfacht wird.

Karikatur: Rente im Dialog

Zeichnung: Thomas Plaßmann, 2017

 

Die Texte und Bilder entstammen dem Schülermagazin Sozialpolitik
Stand Juli 2017

3 Antworten

Kommentare

Wie Sie sicher wissen, haben wir in Deutschland unterschiedliche Systeme für die Altersversorgung, die gesetzliche Rentenversicherung, die Politikerversorgung, die Beamtenversorgung und die berufsständischen Versorgungssysteme für die Selbständigen. Was auch in den vorliegenden Materialien nicht genannt wird, ist, dass Deutschland das einzige Land in Europa ist, in dem nicht alle Bürger in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert sind. In allen anderen Ländern gibt es entweder eine Volksversicherung, das heißt alle Bürger sind pflichtversichert, oder eine Erwerbstätigenversicherung, das heißt alle Erwerbstätigen sind pflichtversichert, sozusagen vom Bundespräsidenten bis zum Hilfsarbeiter. Allein in Deutschland gibt es die Pflichtversicherung mit wenigen Ausnahmen nur für abhängig Beschäftigte. Für Selbständige gelten überwiegend die berufsständischen Versorgungssysteme, für Beamte und Richter die Beamtenversorgung. Wäre es nicht erforderlich hier darauf einzugehen?

Sehr geehrter Herr Sorgalla, danke für Ihren Beitrag. Zur Erklärung: Die Materialien "Sozialpolitik" richten sich an Schüler und Auszubildende, die erfahren sollen, warum Sie beim Berufseinstieg Sozialbeiträge von ihrem ersten Gehalt abgezogen bekommen. Darum werden hier die fünf Zweige der Sozialversicherung erklärt. In den Kapiteln Rentenversicherung 1+2 geht es deshalb auch vor allem die gesetzliche Rente, die zwei Drittel aller Altersvorsorgeausgaben in Deutschland abdeckt. Die Texte in der Rubrik "Wissen" hier im Internet entsprechen den Texten des gedruckten Schülermagazins "Sozialpolitik", in dem wir aus Platzgründen möglich kompakt erklären müssen. Ich werde Ihre Anregung jedoch gern aufnehmen und in die Redaktionssitzung zur nächsten Aktualisierungsrunde einbringen. Denkbar wäre auch, eines unserer nächsten Online-Arbeitsblätter, die wir Lehrern jeden Monat zum Herunterladen anbieten, dem Thema "Altersversorgungssysteme für verschiedene Berufsgruppen" zu widmen. Auf einem Arbeitsblatt hätten wir genügend Platz das Thema zu vertiefen. Einen europäischer Vergleich sozialer Sicherungssysteme wird ansatzweise in dem Arbeitsheft "Grundwissen soziales Europa" unter www.sozialpolitik.com/europa gezogen. Dort verweisen wir auch auf den "Sozialkompass Europa" unter www.sozialkompass.eu - eine Datenbank, die einen Vergleich der europäischen Sozialsysteme ermöglicht. Freundliche Grüße Katja Rieger, Redaktion "Sozialpolitik"

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