Pflegeversicherung

Hilfe und Pflege nicht nur für Senioren

Pflegeversicherung: Ausschnitt von der Hand einer Pflegerin, die die Hand einer betagten Patientin hält.
Foto: Shutterstock/Melpomene

Der fünfte Zweig der Sozialversicherung

Die Pflegeversicherung wurde als fünfter und letzter Zweig der Sozialversicherung im Jahr 1995 eingeführt (siehe Sozialversicherung im Überblick). Die gesetzliche Pflegeversicherung übernimmt Kosten zur Pflege im Alter oder bei Krankheit und wird aus Beiträgen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern gemeinsam getragen. Beide zahlen jeweils 1,175 Prozent des monatlichen Bruttoeinkommens des Arbeitnehmers, Kinderlose zahlen zusätzlich 0,25 Prozent (Stand 2016, siehe Gehaltsabrechnung unter Berufseinstieg). Nach Angaben des Bundesministeriums für Gesundheit erhielten im Jahr 2015 rund 2,7 Millionen Menschen Leistungen aus der Pflegeversicherung, Tendenz steigend. Mehr als zwei Drittel von ihnen wurden zu Hause versorgt.

Wer sich zu Hause pflegen lassen will, kann zwischen Geld- und Sachleistungen oder einer Kombination von beidem wählen. Die Betreuung durch ambulante Pflegedienste oder eine Sozialstation gehört zu den Sachleistungen. Pflegebedürftige können anstelle der häuslichen Pflegehilfe auch Pflegegeld beantragen. Wenn weder eine häusliche noch eine teilstationäre Pflege infrage kommen, hilft nur noch die Aufnahme in ein Heim.

Neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff: Pflegegrade statt Pflegestufen

In den Jahren 2015 und 2016 sind zwei Pflegestärkungsgesetze in Kraft getreten. Insgesamt stehen ab 2017 jährlich fünf Milliarden Euro zusätzlich für die Pflege zur Verfügung. Ab Januar 2017 werden ein neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff und ein neues Begutachtungsinstrument zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit eingeführt. Die bisherige Unterscheidung zwischen Pflegebedürftigen mit körperlichen Einschränkungen und Pflegebedürftigen mit kognitiven und psychischen Einschränkungen fällt weg. Um den Grad der Pflegebedürftigkeit zu bestimmen, werden die Fähigkeiten und die Selbstständigkeit in den folgenden sechs Lebensbereichen eingeschätzt:

  • Mobilität (zum Beispiel selbstständiger Positionswechsel im Bett)
  • kognitive und kommunikative Fähigkeiten (zum Beispiel Verstehen und Reden, räumliche und zeitliche Orientierung)
  • Verhaltensweisen und psychische Problemlagen (zum Beispiel in der Nacht, Aggressionen)
  • Selbstversorgung (zum Beispiel selbstständiges Waschen, Essen oder Trinken)
  • Bewältigung von krankheitsbedingten Anforderungen und Belastungen (zum Beispiel selbstständige Medikamenteneinnahme, Blutzuckermessen)
  • Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte (zum Beispiel Anpassung an Veränderungen, Kontaktpflege)
     

Ein Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung erfasst die individuellen Beeinträchtigungen und das Ausmaß, in dem der pflegebedürftige Mensch sich noch selbst ohne fremde Hilfe versorgen kann, in einem Gutachten. Die Pflegekasse entscheidet dann auf dieser Grundlage über den Pflegegrad. Das Ergebnis ist die Einstufung in einen von fünf Pflegegraden, welche die bisherigen drei Pflegestufen (und die sogenannte Pflegestufe 0) ersetzen. Die Einstufung reicht von geringer Beeinträchtigung (Pflegegrad 1) bis zur schwersten Beeinträchtigung mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung (Pflegegrad 5). Eine Zeiterfassung des Pflegeaufwands spielt in der neuen Begutachtung keine Rolle mehr.

Gesundheit und Pflege als Jobmotor

Excel-Datei zum Schaubild

Schaubild Gesundheit und Pflege als Jobmotor
Quelle: Statistisches Bundesamt, Gesundheit Personal 2014, Fachserie 12, Reihe 7.3.1, Seite 14, Stand: Januar 2016

Unterstützung für pflegende Angehörige

Wer einen Familienangehörigen pflegt, muss oft die Berufstätigkeit einschränken. Um die Pflegenden zu unterstützen, zahlt die Pflegekasse für sie die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung. Voraussetzung dafür ist, dass die Pflegenden nebenher nicht mehr als 30 Stunden pro Woche arbeiten.

Seit Sommer 2008 haben Beschäftigte das Recht, bis zu zehn Arbeitstage der Arbeit fernzubleiben, um für nahe Angehörigen Pflege zu organisieren. Seit 2015 steht ihnen als Ausgleich für entgangenes Arbeitsentgelt ein Pflegeunterstützungsgeld zu. In Zeiten, in denen die Pflegeperson verhindert ist, kann für bis zu sechs Wochen eine Ersatzpflege in Anspruch genommen werden. In stationären Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern sollen bis zu 45.000 zusätzliche Betreuungskräfte eingestellt werden. Außerdem wird die Pflegeberatung neu geregelt und gestärkt.

Mehr Leistungen für Menschen mit Demenz

Durch die steigende Lebenserwartung haben sich die Anforderungen an die Pflegeversicherung verändert. Um auf die steigende Zahl von Demenzkranken, also altersverwirrten Menschen, zu reagieren, wurde im Juni 2012 ein Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz beschlossen und der Leistungskatalog für Demenzkranke erweitert. Mit dem zweiten Pflegestärkungsgesetz wurde 2016 ein neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff eingeführt. Ab dem Jahr 2017 wird in fünf neue Pflegegrade eingestuft (siehe oben).

Um die zusätzlichen Leistungen zu finanzieren, wurde der Beitragssatz für die Pflegeversicherung ab Januar 2015 um 0,3 Prozent erhöht und soll ab Januar 2017 um weitere 0,2 Prozent steigen. Die freiwillige private Vorsorge wird vom Staat mit einem Zuschuss von 60 Euro im Jahr gefördert. So sollen die Bürger ähnlich wie bei der Rentenversicherung (siehe Rentenversicherung 1) ermutigt werden, zusätzlich privat vorzusorgen und Geld für bessere Pflegeleistungen im Alter zu sparen.

Der Pflegebereich wächst

Während in anderen Branchen Arbeitsplätze wegfallen, steigt die Zahl der Beschäftigten im Pflegebereich kontinuierlich an. Doch es fehlt immer noch an Nachwuchs. Um die Attraktivität der Pflegeberufe weiter zu steigern, gibt es seit August 2010 für Pflegekräfte einen gesetzlichen Mindestlohn. Derzeit liegt die Lohnuntergrenze in den westlichen Bundesländern bei 9,75 Euro pro Stunde, in den östlichen Bundesländern bei 9,00 Euro (Stand 2016). Ab Januar 2017 wird er 10,20 Euro (West) und 9,50 Euro (Ost) betragen. Davon profitieren vor allem ungelernte Pflegekräfte bei privaten Pflegediensten. Die Verbände der freien Wohlfahrtspflege zahlen in der Regel deutlich mehr. Damit in der Pflege auch künftig genügend Fachkräfte zur Verfügung stehen, bereitet die Bundesregierung außerdem eine grundlegende Reform der Pflegeausbildung vor.

 

Die Texte und Bilder entstammen dem Schülermagazin Sozialpolitik
Stand Juli 2016

3 Antworten

Kommentare

Wer soll uns bloß pflegen, wenn wir mal alt sind, wenn das so weiter geht? Ich habe wirklich Angst davor, wie die Versorgung alter Menschen in Zukunft aussehen wird ...

In den östlichen Bundesländern liegt für Pfleger der Mindestlohn bei 8 €? Nicht viel, wenn man bedenkt, dass der allgemeine Mindestlohn bei 8,50 liegt!

NUN JA DA HABT IHR JA ALLE RECHT DAMIT ABER TROTZDEM FINDE ICH ES BLÖD DAS PFLEGER WENIGER GELD BEKOMMEN. ABER AUCH DIE ERZIEHER KRIEGEN MEINER MEINUNG NACH ZU WENIG GELD

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