Mitbestimmung in der Ausbildung

Von Schülern für Schüler

Mitbestimmung in der Ausbildung: Portäts von Lara, Sandra und Ann-Kathrin
Fotos: Lara Pochmann/privat, Sandra Bardt/privat, Ann-Kathrin Güngerich/privat

Nicht aufregen – ändern!

„Ich habe das Gefühl, dass mein Ausbilder mich nicht mag, immer hat er etwas auszusetzen.“ „Die anderen schließen mich aus, wenn wir gemeinsam Pause machen, außerdem lassen sie mich immer schlecht vor anderen dastehen.“ „Andere Azubis bekommen Unterstützung in Form von innerbetrieblichem Unterricht, wir dagegen müssen zusehen, wie wir klarkommen.“

Konflikte kann es immer geben – in der (Berufs-)Schule mit Mitschülern und Lehrern, aber auch während der Ausbildung mit anderen Azubis oder Ausbildern. Dann muss man Mut aufbringen, sich mit den Kollegen oder Vorgesetzten zusammensetzen und die Probleme ansprechen. Wenn das nicht hilft, gibt es Berater bei der zuständigen Kammer oder Gewerkschaft (siehe Arbeitnehmer haben Rechte). Noch besser ist es aber, wenn es im Betrieb eine JAV gibt, mit der man Probleme besprechen kann.

Die JAV ist die Interessenvertretung aller jugendlichen Arbeitnehmer unter 18 Jahren und aller Azubis, Praktikanten und Werksstudenten unter 25 Jahren. Sie setzt sich für eine qualifizierte und moderne Ausbildung und die Übernahme der Auszubildenden ein. Außerdem achtet sie darauf, dass Gesetze und Tarifverträge eingehalten werden. Dabei kann es auch mal passieren, dass die JAV-Mitglieder mit dem Arbeitgeber oder der Ausbildungsleitung aneinandergeraten. Damit die JAV-Mitglieder in ihren Entscheidungen frei sind und keine Angst vor negativen Konsequenzen haben müssen, stehen sie unter Kündigungsschutz. Sie dürfen an Betriebs-/Personalratssitzungen teilnehmen und bei Angelegenheiten, die Azubis oder jugendliche Arbeitnehmer betreffen, mitbestimmen. Dabei haben sie jedoch eine Verschwiegenheitspflicht und müssen alles, was in den Sitzungen besprochen wird oder was Azubis ihnen anvertrauen, geheim halten.

Interview

Warum wolltest du JAV-Mitglied werden?

Bianka: Weil ich mich nicht immer nur aufregen, sondern auch etwas ändern wollte.

Yannik: Man hat mich gefragt, und ich konnte mir das schon vorstellen, weil ich das im Verein schon mal gemacht habe.

Isabell: Mir war es wichtig, die Interessen der Auszubildenden zu unterstützen, auch weil ich selbst noch dazugehöre.

Marcel: Ich habe mich in meiner Ausbildung zu Tode gelangweilt und nach einer Möglichkeit gesucht, die Zeit zu füllen. Außerdem engagiere ich mich gern für andere, daher hat sich das ganz attraktiv angehört.

Malte: Die Aufgabe und die Verantwortung, die das Ehrenamt mit sich bringt, fand ich sehr spannend. Ich wollte meine Wünsche und Vorstellungen einbringen und umsetzen. Die JAV bietet die Möglichkeit, das Ausbildungssystem mitzugestalten. Es war eine tolle Erfahrung, die ich jedem empfehlen kann!

JAV-Arbeit: nur ein Ehrenamt oder auch eine Hilfe für die persönliche Karriere?

Bianka: Je nachdem, wie man es für sich selbst wahrnimmt: Man kann auch viel daraus machen. Insbesondere mit der Hilfe von Gewerkschaften und den älteren Hasen aus den Betriebs- oder Personalräten lässt sich auch hier schon der Weg für eine Karriere ebnen.

Isabell: In erster Linie ist es ein Ehrenamt, ich bin mir nicht sicher, inwieweit die Arbeit meiner Karriere helfen wird. Auf jeden Fall sammelt man dabei viele Erfahrungen.

Marcel: Es ist definitiv ein Sprungbrett zum unbefristeten Vertrag, was leider oft ausgenutzt wird.

Malte: Die JAV-Arbeit stellt ganz klar ein Ehrenamt dar, für das es keine Entschädigung oder einen finanziellen Ausgleich gibt. Die Mitglieder einer JAV stehen unter einer Doppelbelastung. Zum einen müssen Sie die Ausbildung oder das Arbeitsleben meistern, zum anderen den Aufgaben eines solchen Ehrenamtes nachkommen. Sie eignen sich dabei aber auch Soft Skills wie Engagement, Durchsetzungsvermögen, Teamarbeit und Kommunikationsfähigkeit an, die für eine persönliche Karriere von Vorteil sein können. Dazu gehört auch die Verantwortung, die die Mitglieder für sich und für andere tragen.

Fühlst du dich von der JAV gut vertreten?

Yannik: Ja, die JAV trägt Probleme beim Betriebs- oder Personalrat oder der Aus- und Fortbildung vor.

Marcel: In meiner eigenen Ausbildungszeit eher weniger. Ich war selbst JAV-Mitglied, aber habe mich bei persönlichen Problemen stets an den Personalrat gewandt.

Malte: In der Ausbildung habe ich mich mit persönlichen Anliegen an die JAV gewandt. Ich hatte den Eindruck, dass die Ratschläge gut durchdacht waren und die Informationen auf einem großen Erfahrungsschatz basierten. Die Forderungen hätten meiner Meinung nach aber noch stärker gegenüber der Verwaltung vertreten werden können.

Hat die JAV deiner Meinung nach eine Chance, ihre Anliegen durchzusetzen?

Bianka: Ja! Die Betriebs-/Personalräte sind in der Regel sehr interessiert an Themen, die die Auszubildenden betreffen, und offen für neue Ideen.

Yannik: Die JAV soll bei den Betriebs-/Personalratssitzungen immer anwesend sein und hat auch einen eigenen Tagesordnungspunkt. Dabei stellt sie Aktuelles vor.

Isabell: Ja, die JAV erhält in der Regel die volle Unterstützung des Betriebs-/Personalrats.

Marcel: Auf jeden Fall … theoretisch. Bei Personalratssitzungen sind oft JAV-Mitglieder anwesend, denen wird auch Gehör geschenkt. Problematisch ist es, wenn die JAV-Mitglieder nur als stille Zuhörer dabeisitzen.

Malte: Ja, die JAV hat eine Chance, ein Anliegen durchzusetzen Hierbei ist es wichtig, Argumente, die für die Forderung sprechen, herauszuarbeiten.

Ist die JAV neutral?

Bianka: Sicherlich gibt es Themen, bei denen sich die einen mehr einsetzen, als die anderen. An sich ist die JAV aber – vor allem als neues und junges Gremium – neutral.

Yannik: Die JAV muss neutral sein, weil sie alle vertritt.

Isabell: In der Arbeit bisher auf jeden Fall!

Marcel: Auf dem Papier ja. Offiziell steht sie hinter den Auszubildenden, inoffiziell habe ich auch mitbekommen, wie man sich über Probleme lustig machte.

Glaubst du, dass die JAV gut genug geschult ist, um die Interessen und Anliegen der Auszubildenden zu vertreten?

Bianka: Diese Frage ist schwierig zu beantworten – es kommt darauf an, wie viele Seminare vom jeweiligen schon besucht wurden.

Isabell: Die JAV-Schulungen bieten auf jeden Fall eine gute Grundlage für die Arbeit der JAV. Ergänzend dazu bietet uns der Personalrat immer Unterstützung an.

Malte: Für Mitglieder der JAV besteht die Möglichkeit, Grundlagenseminare zu besuchen. Auf diesen Seminaren lernen die JAVler ihre Rechte und Pflichten sowie die damit verbundenen Aufgaben kennen. Ein Austausch mit anderen JAVen ist in solchen Kursen möglich. Es ist ebenfalls empfehlenswert, einen Erfahrungsaustausch mit den ehemaligen Mitgliedern zu organisieren. Der Betriebs- oder Personalrat steht auch als Ansprechpartner zur Verfügung.

Die Interviews führten Sarah Bardt, Lara Pochmann und Ann-Kathrin Güngerich.

Diskussion

Ist eine betriebliche Mitbestimmung von Jugendlichen in Form einer JAV sinnvoll?

A: Ja, das ist definitiv sinnvoll, und es sollte in jedem Betrieb, der ausbildet oder jugendliche Beschäftigte hat, eine Interessenvertretung für diese Personengruppe geben.

B: Aber es müssten sich ja auch erst mal Personen finden, die sich freiwillig dafür melden. Die Azubis, die in der JAV sind, machen es oft nur, da sie Aussichten auf einen unbefristeten Vertrag haben oder sich andere Vorteile erhoffen.

C: Das stimmt schon, deshalb sollten die jugendlichen Arbeitnehmer oder Azubis genaustens über die betriebliche Mitbestimmung informiert werden.

A: Das ist ein Thema, das die Leute interessieren sollte, immerhin geht es ja um ihre Interessen. Mit einer JAV haben sie die Möglichkeit, ihre Belange und Wünsche leichter durchzusetzen.

B: So einfach, wie sich das jetzt anhört, ist es aber auch nicht. Immerhin müssen alle Anträge erst mal durch den Betriebs- oder Personalrat abgesegnet werden. Ich denke, dass es dort oft wichtigere Themen als die Wünsche der JAV gibt.

C: So kann man das jetzt aber auch nicht sagen. Es kommt immer darauf an, welche Beziehungen man zum Betriebs- oder Personalrat hat.

B: Oft wird man erst im dritten Lehrjahr JAV-Mitglied. Nach der Ausbildung ist oft nicht mehr so viel Zeit für die Aufgaben der JAV.

C: Wenn man wirklich Interesse daran hat, anderen zu helfen, dann findet man auch auf der Arbeit Zeit dafür, daher sollte wirklich eine JAV gewählt werden, die bei allen möglichen Problemen, die am Arbeitsplatz auftreten können, helfen kann.

A: Und mit der JAV hat man als Azubi oder jugendlicher Beschäftigter immer einen Ansprechpartner in den eigenen Reihen.

 

Die Texte und Bilder entstammen dem Schülermagazin Sozialpolitik
Stand Juli 2017

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