Kompetenzerwartungen: Demografischer Wandel

Die Geburtenrate in Deutschland ist anhaltend niedrig und die Menschen werden immer älter. Der medizinische Fortschritt sorgt dafür, dass Seniorinnen und Senioren häufig im Alter noch gesund und fit sind. Was für den Einzelnen sehr positiv ist, stellt den Arbeitsmarkt und die Gesellschaft hingegen vor große Herausforderungen.

Der demografische Wandel bringt Probleme, die alle gemeinsam lösen müssen. Es wird immer weniger Erwerbstätige geben, die in die gesetzlichen Sozialversicherungen einzahlen. Je älter die Menschen werden, desto häufiger werden sie krank oder brauchen Pflege – obwohl viele von ihnen heutzutage durchaus bis ins hohe Alter fit bleiben. Wenn auch in Zukunft Gerechtigkeit zwischen den Generationen bestehen soll, müssen die sozialen Sicherungssysteme auf einem soliden Fundament stehen.

Um den Wohlstand in Deutschland halten zu können, darf sich auch der Fachkräftemangel, der sich in manchen Regionen und Branchen heute schon abzeichnet, nicht ausweiten. Die Politik will daher verstärkt Menschen aktivieren, die bisher weniger am Erwerbsleben teilhaben:

  • Frauen mit Kindern,
  • ältere Menschen,
  • Langzeitarbeitslose und
  • Menschen mit Behinderungen.
     

Auch Fachkräfte aus anderen Ländern werden angeworben. Das heißt: Deutschland lebt von der Vielfalt, die neue Chancen schafft.

In Bezug auf den Ausbildungsmarkt hat der demografische Wandel auch positive Seiten. Lange gab es nicht mehr so viele unbesetzte Lehrstellen. Die Jugendarbeitslosigkeit lag Anfang 2016 bei 6,9 Prozent und ist damit gegenüber dem Vorjahr um 0,3 Prozentpunkte gesunken. Damit ist Deutschland das Land mit der geringsten Jugendarbeitslosigkeit in Europa. Allerdings kommt es hierzulande verstärkt zu Passungsproblemen: Viele Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt, gleichzeitig finden immer mehr Jugendliche keine Lehrstelle. Häufig passen die Berufswünsche der Jugendlichen und das Ausbildungsangebot der Unternehmen nicht zusammen. Da immer mehr Betriebe ihre Lehrstellen nicht besetzen können, besteht die Gefahr, dass betroffene Unternehmen sich mittelfristig aus der Berufsausbildung zurückziehen.

Der demografische Wandel hat nicht nur Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt, sondern betrifft sämtliche Lebensbereiche. Die Demografiestrategie, welche die Bundesregierung 2012 verabschiedet hat, bezieht sich daher auf vielfältige gesellschaftliche Bereiche. Hinter allem steht die Frage: Wie können wir so leben und arbeiten, dass die Lebensqualität auch morgen für Alt und Jung gesichert ist?

Kompetenzerwartungen

Die Schülerinnen und Schüler

  • verstehen, was sich hinter dem Begriff demografischer Wandel verbirgt,
  • erkennen die Auswirkungen des demografischen Wandels auf den Arbeitsmarkt und die Gesellschaft,
  • werden sensibilisiert für die künftigen Herausforderungen, die der demografische Wandel mit sich bringt,
  • kennen die Demografiestrategie der Bundesregierung und können diese bewerten,
  • nehmen die Vielfalt und das Miteinander der Generationen als Chance wahr,
  • merken, dass der demografische Wandel jeden betrifft, und dass jeder Einzelne eine lebenswerte Zukunft mitgestalten kann und muss.
     

Methodisch-didaktische Hinweise

Als Einstieg kann ein Austausch über die eigene Familie der Schülerinnen und Schüler dienen.

  • Wie lebt die Familie zusammen?
  • Welche Generationen sind vertreten?
  • Wer ist berufstätig, wer nicht?
     

Wenn möglich, können die Schülerinnen und Schüler Menschen in Seniorenheimen besuchen und sie interviewen. Vielleicht gibt es sogar ein Mehrgenerationenhaus in der Umgebung. Durch Gespräche mit älteren Menschen bekommen die Jugendlichen ein Gespür dafür, wie es den Seniorinnen und Senioren geht.

Im Anschluss sollten sie die demografische Entwicklung anhand der Arbeitsmaterialien herausarbeiten – mit Blick auf die Herausforderungen, die damit in Zukunft verbunden sind. Die Schülerinnen und Schüler sichten die Handlungsfelder und erarbeiten die Maßnahmen, die notwendig sind, um die Auswirkungen des demografischen Wandels abzufedern.

Auf dem ersten Arbeitsblatt zu den Auswirkungen des demografischen Wandels auf den Arbeitsmarkt geht es um den Fachkräftemangel und Strategien, diesen abzuwenden. Das Schaubild verdeutlicht die Entwicklung der Erwerbstätigenquoten nach Altersgruppen und nennt die Berufsgruppen mit dem höchsten Fachkräftebedarf.

Anhand des zweiten Arbeitsblatts zum demografischen Wandel beschäftigen sich die Schülerinnen und Schüler mit den Auswirkungen auf die Gesellschaft. Das dazugehörige Schaubild stellt die Bevölkerungsentwicklung in Deutschland dar, und zeigt, in welchen Bereichen sich ältere Menschen freiwillig engagieren.

Abschließend können die Schülerinnen und Schüler in Kleingruppen Szenarien für eine Welt von morgen entwerfen: Wir schreiben das Jahr 2060. Nahezu ein Drittel der Menschen in Deutschland ist über 65 Jahre alt.
Wie kann das Zusammenleben aussehen? Wie sollte die Arbeitswelt gestaltet werden? 

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