Gesellschaft für alle 2

Arbeiten mit Behinderung

Inklusion: Zwei Berufstätige schauen sich gemeinsam ein Dokument an. Der Mann lehnt am Schreibtisch, die Frau sitzt im Rollstuhl.
Foto: Shutterstock/Phovoir

Gleiche Chancen

Mit einem speziellen Gesetz zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung sollen Diskriminierungen beseitigt und ein selbstbestimmtes Leben ermöglicht werden. So müssen zum Beispiel neue öffentliche Gebäude behindertengerecht geplant werden. Arbeitgeber mit mindestens 20 Arbeitsplätzen sind gesetzlich verpflichtet, wenigstens fünf Prozent der Arbeitsplätze mit schwerbehinderten Menschen zu besetzen. Wer diese Quote nicht erfüllt, muss eine Abgabe zahlen. Mit dem Geld werden schwerbehinderte Menschen dabei unterstützt, auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt eine Beschäftigung zu finden. Das Sozialgesetzbuch Neuntes Buch, abgekürzt SGB IX, hat die Förderung der aktiven, selbstbestimmten und eigenverantwortlichen Teilhabe am Leben in der Gesellschaft zum Ziel.

Die Bundesregierung hat außerdem ein Bundesteilhabegesetz erarbeitet. Dieses Gesetz soll Menschen mit Behinderung ein selbstbestimmteres Leben ermöglichen. Staatliche Leistungen sollen sie künftig aus einer Hand erhalten und nicht mehr bei verschiedenen Stellen. Zudem sollen sich diese Leistungen stärker am persönlichen Bedarf und der individuellen Lebensplanung orientieren. Menschen mit Behinderung und ihre Verbände sind in Arbeitsgruppen am Gesetzgebungsprozess beteiligt. Das Bundesteilhabegesetz soll in drei Stufen in den Jahren 2017 bis 2020 in Kraft treten.

Von der Beeinträchtigung zur Behinderung

Der Teilhabebericht der Bundesregierung unterscheidet zwischen Menschen mit Beeinträchtigungen und Menschen mit Behinderungen. Menschen mit Beeinträchtigungen haben aufgrund von geistigen oder körperlichen Störungen zum Beispiel beim Sehen, Hören oder Gehen eine verminderte Leistungsfähigkeit. Aber erst wenn ihre Teilhabe an der Gesellschaft und am Arbeitsleben durch diese Störung und aufgrund ungünstiger Umweltfaktoren dauerhaft eingeschränkt ist, spricht der Teilhabebericht von einer Behinderung.

Dieser Definition liegt die Sichtweise zugrunde, dass es normal ist, verschieden zu sein, und dass Beeinträchtigungen Teil der menschlichen Vielfalt sind. Erst die Benachteiligung macht aus einer Beeinträchtigung eine Behinderung. Diese Sichtweise ermöglicht es, die individuelle Lebenssituation zu berücksichtigen und diejenigen Faktoren genauer in den Blick zu nehmen, die vom Beeinträchtigt-Sein zum Behindert-Werden führen.

Berufsausbildung mit Behinderung

Nach dem Berufsbildungsgesetz haben junge Menschen mit Behinderung grundsätzlich Anspruch auf eine reguläre Berufsausbildung. Wenn sie zusammen mit Jugendlichen ohne Behinderung ausgebildet werden, haben sie bessere Chancen, vom Betrieb übernommen und auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt beschäftigt zu werden. Nach Angaben des Bundesinstituts für Berufsbildung bewertet etwa die Hälfte der Betriebe, die Jugendliche mit Behinderung ausbilden, ihre Erfahrungen als positiv.

Bei der Ausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf werden die besonderen Verhältnisse von Menschen mit Behinderung berücksichtigt. Dies gilt vor allem für den Zeitraum und die Gestaltung der Ausbildung, die Dauer der Prüfungszeiten, die Zulassung von Hilfsmitteln und Hilfeleistungen wie Gebärdensprachdolmetscher. Wenn eine Regelausbildung wegen einer Behinderung nicht möglich ist, kann ein sogenannter Fachpraktikerberuf erlernt werden. Dafür gibt es besondere Ausbildungsregelungen. Für Jugendliche mit Lernschwierigkeiten werden zum Beispiel praktische Ausbildungs- und Prüfungsinhalte stärker betont als theoretische. Umgekehrt können bei körperlichen Behinderungen bestimmte praktische Anteile weggelassen werden.

Unterstützte Beschäftigung

Unterstützte Beschäftigung ist ein Angebot für Menschen, die aufgrund ihrer Behinderung keine reguläre Berufsausbildung oder Berufsvorbereitungsmaßnahme absolvieren können, aber auch keine speziellen Angebote in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung brauchen. Die Berufseinsteiger werden durch Beratung unterstützt und bis zu zwei Jahre lang in einem Betrieb qualifiziert. Diese Beschäftigung wird als Rehabilitationsmaßnahme in der Regel von der Bundesagentur für Arbeit finanziert.

Persönliches Budget

Mit dem sogenannten Persönlichen Budget können Menschen mit Behinderung selbstbestimmt soziale Leistungen einkaufen und bezahlen, beispielsweise Fahrdienste oder Haushaltshilfen. Jüngere Menschen mit Behinderung, die volljährig werden, können das Persönliche Budget auch nutzen, um beispielsweise zu Hause auszuziehen und in einer betreuten Wohngemeinschaft zu leben. Das Persönliche Budget ist freiwillig: Als Experte in eigener Sache entscheidet jeder selbst, welche Maßnahmen für ihn persönlich hilfreich sind. Diese Wahlfreiheit fördert die Selbstbestimmung und Teilhabe von Menschen mit Behinderung.

Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung

Excel-Datei zum Schaubild

Schaubild Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung
Quelle: Bundesagentur für Arbeit: Schwerbehinderte Menschen in Beschäftigung, www.statistik.arbeitsagentur.de, Stand März 2016

 

Die Texte und Bilder entstammen dem Schülermagazin Sozialpolitik
Stand Juli 2016

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