Gesellschaft für alle 2

Arbeiten mit Behinderung

Inklusion: Zwei Berufstätige schauen sich gemeinsam ein Dokument an. Der Mann lehnt am Schreibtisch, die Frau sitzt im Rollstuhl.
Foto: Shutterstock/Phovoir

Gleiche Chancen

Mit einem speziellen Gesetz zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung sollen Diskriminierungen beseitigt und ein selbstbestimmtes Leben ermöglicht werden. So müssen zum Beispiel neue öffentliche Gebäude behindertengerecht geplant werden. Arbeitgeber mit mindestens 20 Arbeitsplätzen sind gesetzlich verpflichtet, wenigstens fünf Prozent der Arbeitsplätze mit schwerbehinderten Menschen zu besetzen. Wer diese Quote nicht erfüllt, muss eine Abgabe zahlen. Mit dem Geld werden schwerbehinderte Menschen dabei unterstützt, auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt eine Beschäftigung zu finden. Das Sozialgesetzbuch Neuntes Buch, abgekürzt SGB IX, hat die Förderung der aktiven, selbstbestimmten und eigenverantwortlichen Teilhabe am Leben in der Gesellschaft zum Ziel.

Die Bundesregierung hat zudem zum 1. Januar 2017 das Bundesteilhabegesetz verabschiedet. Dieses Gesetz soll Menschen mit (drohender) Behinderung und Schwerbehinderten ein selbstbestimmtes Leben in Deutschland ermöglichen. Sie erhalten nun staatliche Leistungen aus einer Hand und müssen nicht mehr mehrere Anträge bei verschiedenen Stellen einreichen. Außerdem orientieren sich diese Leistungen am tatsächlichen Bedarf und sind nicht länger dem Fürsorgesystem der Sozialhilfe zugeordnet.

Die Leistungen und Unterstützungen dienen vor allem der besseren Eingliederung in Kindergarten, Schule, Ausbildung und Beruf sowie der verbesserten Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

Von der Beeinträchtigung zur Behinderung

Der Teilhabebericht der Bundesregierung unterscheidet zwischen Menschen mit Beeinträchtigungen und Menschen mit Behinderungen. Menschen mit Beeinträchtigungen haben aufgrund von geistigen oder körperlichen Störungen zum Beispiel beim Sehen, Hören oder Gehen eine verminderte Leistungsfähigkeit. Aber erst wenn ihre Teilhabe an der Gesellschaft und am Arbeitsleben durch diese Störung und aufgrund ungünstiger Umweltfaktoren dauerhaft eingeschränkt ist, spricht der Teilhabebericht von einer Behinderung.

Dieser Definition liegt die Sichtweise zugrunde, dass es normal ist, verschieden zu sein, und dass Beeinträchtigungen Teil der menschlichen Vielfalt sind. Erst die Benachteiligung macht aus einer Beeinträchtigung eine Behinderung. Diese Sichtweise ermöglicht es, die individuelle Lebenssituation zu berücksichtigen und diejenigen Faktoren genauer in den Blick zu nehmen, die vom Beeinträchtigt-Sein zum Behindert-Werden führen.

Berufsausbildung mit Behinderung

Nach dem Berufsbildungsgesetz haben junge Menschen mit Behinderung grundsätzlich Anspruch auf eine reguläre Berufsausbildung. Wenn sie zusammen mit Jugendlichen ohne Behinderung ausgebildet werden, haben sie bessere Chancen, vom Betrieb übernommen und auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt beschäftigt zu werden. Nach Angaben des Bundesinstituts für Berufsbildung bewertet etwa die Hälfte der Betriebe, die Jugendliche mit Behinderung ausbilden, ihre Erfahrungen als positiv.

Bei der Ausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf werden die besonderen Verhältnisse von Menschen mit Behinderung berücksichtigt. Dies gilt vor allem für den Zeitraum und die Gestaltung der Ausbildung, die Dauer der Prüfungszeiten, die Zulassung von Hilfsmitteln und Hilfeleistungen wie Gebärdensprachdolmetschern. Wenn eine Regelausbildung wegen einer Behinderung nicht möglich ist, kann ein sogenannter Fachpraktiker- oder Werkerberuf erlernt werden. Dafür gibt es besondere Ausbildungsregelungen. Für Jugendliche mit Lernschwierigkeiten werden zum Beispiel praktische Ausbildungs- und Prüfungsinhalte stärker betont als theoretische. Umgekehrt können bei körperlichen Behinderungen bestimmte praktische Anteile weggelassen werden.

Wenn der Leistungsstand und die Behinderung es während der Ausbildung erlauben, kann eine Ausbildung in einem Fachpraktiker- oder Werkerberuf mit einer Anschlussförderung auch nach der regulären Ausbildungsordnung fortgesetzt werden.

Unterstützte Beschäftigung

Unterstützte Beschäftigung ist ein Angebot für Menschen, die aufgrund ihrer Behinderung keine reguläre Berufsausbildung oder Berufsvorbereitungsmaßnahme absolvieren können, aber auch keine speziellen Angebote in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung brauchen. Die Berufseinsteiger werden durch Beratung unterstützt und bis zu zwei Jahre lang in einem Betrieb qualifiziert. Diese Beschäftigung wird als Rehabilitationsmaßnahme in der Regel von der Bundesagentur für Arbeit finanziert.

Persönliches Budget

Mit dem sogenannten Persönlichen Budget können Menschen mit Behinderung selbstbestimmt soziale Leistungen einkaufen und bezahlen, beispielsweise Fahrdienste oder Haushaltshilfen. Jüngere Menschen mit Behinderung, die volljährig werden, können das Persönliche Budget auch nutzen, um beispielsweise zu Hause auszuziehen und in einer betreuten Wohngemeinschaft zu leben.

Die Antragstellung und die Wahl der Leistungsform sind freiwillig: Als Experte in eigener Sache kann jeder selbst entscheiden, welche Maßnahmen für ihn persönlich hilfreich sind. Diese Wahlfreiheit fördert die Selbstbestimmung und Teilhabe von Menschen mit Behinderung.

Arbeitslosenquote von Menschen mit und ohne Behinderung

Excel-Datei zum Schaubild

Schaubild: Arbeitslosenquote von Menschen mit und ohne Behinderung
Quelle: Bundesagentur für Arbeit, in: Zweiter Teilhabebericht der Bundesregierung über die Lebenslagen von Menschen mit Beeinträchtigungen, Berlin 2016, Seite 190, www.bmas.de

 

Die Texte und Bilder entstammen dem Schülermagazin Sozialpolitik
Stand Juli 2017

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