Gesellschaft für alle 1

Auf dem Weg zur inklusiven Schule

Inklusion: Ausschnitt von Kinderhänden, die auf einem Bogen mit Braille-Schrift entlang fahren. Auf die Hände sind Augen aufgemalt.
Foto: Shutterstock/Olga PRaktika

Die Idee der Inklusion

Inklusion bedeutet die gemeinsame und vor allem gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit und ohne Behinderung am politischen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben. Dazu zählen Arbeitswelt und Freizeit, aber natürlich auch Erziehung und Bildung in Kindergarten, Schule, Universität und Betrieb. Vielfalt und Unterschiedlichkeit der Menschen werden in der Inklusion als Chance begriffen, voneinander zu lernen und zu profitieren - unabhängig von den Voraussetzungen, die ein Mensch mitbringt. Inklusion ist aber nicht nur eine Idee. Vielmehr ist sie mit dem Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderung vom Dezember 2006 zu einer verbindlichen Richtlinie der Politik auf allen Ebenen geworden.

UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung

Im März 2009 ist in Deutschland das Übereinkommen der Vereinten Nationen (United Nations, abgekürzt UN) über die Rechte von Menschen mit Behinderung in Kraft getreten. Die Bundesregierung hat sich zu dessen Einhaltung und Umsetzung verpflichtet. Menschen mit Behinderung sollen in allen gesellschaftlichen Bereichen genauso am öffentlichen Leben teilhaben können wie Menschen ohne Behinderung. Arbeit und Bildung sind dabei zentrale Bereiche, welche die Bundesregierung mit Nationalen Aktionsplänen für mehr Teilhabe und Chancengleichheit fördern will. Teil des neuen Nationalen Aktionsplans 2.0 sind gesetzliche Neuregelungen unter dem Stichwort Budget für Arbeit. Übergreifendes Ziel ist es, für das Potenzial und die Leistungsfähigkeit von Menschen mit Behinderung zu sensibilisieren und sie besser in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Weitere Informationen gibt es unter www.bmas.de

Inklusiver Unterricht

Noch besuchen in Deutschland zwei von drei Schülern mit Förderbedarf spezielle Förderschulen. Ziel und zugleich Forderung der Konvention der Vereinten Nationen ist es jedoch, möglichst viele Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung gemeinsam an Regelschulen zu unterrichten. Dazu müssen an den Regelschulen entsprechende Voraussetzungen geschaffen werden: Lehrkräfte müssen mit Blick auf die Anforderungen des inklusiven Unterrichts aus- und weitergebildet werden, Gebäude müssen barrierefrei gestaltet sein.

Inklusion als Prozess

Seit die Bundesregierung die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung unterzeichnet hat, ist der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf an den Regelschulen von rund 18 auf über 30 Prozent gestiegen. Da jedoch immer häufiger ein Förderbedarf attestiert wird, ist die absolute Zahl der Schüler, die an Förderschulen unterrichtet werden, im gleichen Zeitraum kaum zurückgegangen.

Kritiker bemängeln, dass die gestiegene Förderquote zum Erhalt der Förderschulen beiträgt und den Ausbau der Inklusionsschulen behindert. Ihrer Meinung nach sollten das Personal und die finanziellen Mittel der Förderschulen besser im inklusiven Unterricht an Regelschulen eingesetzt werden. Der hohe Anteil von Schülern an Förderschulen verweist darauf, dass die Ausstattung der Regelschulen noch nicht ausreicht, um den Inklusionsgedanken umzusetzen. Er zeigt auch, dass viele Eltern ihre Kinder mit Förderbedarf immer noch lieber auf Förderschulen schicken und sie dort besser aufgehoben sehen. Inklusion findet bisher vor allem in Kitas und Grundschulen statt. An den weiterführenden Schulen bleibt sie nach wie vor eine große Herausforderung für alle Beteiligten.

Umfrage: Wie Eltern Inklusion sehen

Excel-Datei zum Schaubild

Schaubild Umfrage: Wie Eltern Inklusion sehen
Quelle: Bertelsmann Stiftung: Wie Eltern Inklusion sehen – Erfahrungen und Einschätzungen, Gütersloh 2015, Seite 21 und 22, Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage mit 4.321 Eltern im Februar 2015

 

Die Texte und Bilder entstammen dem Schülermagazin Sozialpolitik
Stand Juli 2016

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