Fit für die Berufswahl

Von Schülern für Schüler

Fit für die Berufswahl: Porträtbilder von Leon, Janik und Sarah
Fotos: privat

Aufgeschrieben: Wege zum Beruf

„In drei Kilometern bitte rechts abbiegen! Sie haben Ihre Zukunft erreicht!“

Ein Navigationssystem für die eigene berufliche Zukunft wäre genial. Man bekäme einen interessanten und gut bezahlten Beruf, genau wie man ihn in der Zieleingabe beschrieben hätte. Berufliche Absicherung – davon schwärmen viele Berufstätige, und vor allem viele Berufsanfänger wünschen sich, ihren Traumjob zu finden. Aber das Leben und die Berufswahl lassen sich nicht so einfach vorherbestimmen. Deshalb stehen viele Schulabgänger vor der Qual der Wahl, wie sie ihr Berufsleben planen und organisieren sollen. Sie müssen sich für einen Weg entscheiden, denn sie sind selbst ihr Navigationssystem.

Einige Hürden sind da zu nehmen: Da wäre zunächst das vielfältige Berufsangebot. Ratgeber, Expertengespräche oder Berufstests im Internet sollen bei der Orientierung helfen. Aber funktioniert das tatsächlich? In kurzen Gesprächen oder durch das schnelle Beantworten von Fragen scheint es kaum möglich, die Lenkrichtung einzustellen und so den Weg zum Erfolg zu finden. Sollte man daher besser seinem eigenen Gefühl trauen? Man könnte ja seine Hobbys und Interessen zum Beruf machen. Wären das nicht die besten Voraussetzungen für einen gelungenen Karrierestart, weil man dann auch hoch motiviert ist? So einfach ist das leider auch nicht. Angesichts des immensen Wettbewerbs kann auch das Hobby nicht immer zum gewünschten Erfolg verhelfen. Viele Berufsanfänger bekommen dies zu spüren. Entweder müssen sie sich vorerst mit kleinen Minijobs oder Praktika zufriedengeben oder ihre Träume und Vorstellungen zerplatzen irgendwann komplett.

Aber nicht nur die berufliche Qualifikation muss bewältigt werden, die Berufsstarter müssen sich außerdem mit verschiedenen geforderten Kompetenzen auseinandersetzen, zum Beispiel hohe Belastbarkeit und Flexibilität. Da wird auch das Privatleben beeinflusst, denn eventuell müssen sie sich entscheiden, ob sie für die Arbeitsstelle umziehen oder lieber in ihrer Heimat nach einer Alternative suchen sollen. Somit können zukünftige Berufstätige also nicht einfach ihre Wunschzukunft eintippen. Sie müssen diese Masteraufgabe selbst lösen und frühzeitig damit loslegen – oder wie ein Navigationssystem sagen würde:

„Fangen Sie bitte jetzt an, sich Gedanken über ihre Zukunft zu machen!“

Leon Bornemann, 17 Jahre, Albert-Einstein-Schule, Maintal

 

Mutmacher:

Aus dem Hobby einen Beruf machen:

Janik (20): Seit meiner Kindheit bin ich bei der freiwilligen Feuerwehr. Jetzt studiere ich Physik und möchte später beruflich bei der Feuerwehr arbeiten.

Nicht den Mut verlieren, auch wenn der Weg holprig ist:

Sarah (18): Nach einigen Beratungen habe ich mich selbstständig für einen Beruf als medizinische Fachangestellte beworben. Zu dieser Zeit hatte ich drei Bewerbungsgespräche und auch drei Zusagen für eine Ausbildungsstelle. Bei einer habe ich dann angefangen zu arbeiten. Nach der Ausbildung wäre ich noch ein Jahr auf die Fachoberschule gegangen, um nicht nur eine Ausbildung, sondern auch ein Fachabitur zu haben. Das war der Plan. Aber daraus wurde nichts! Nach drei Monaten habe ich entschieden, dass die Ausbildung nicht das Richtige für mich ist. Da es zu spät war, als Nachrücker Unterricht an der Fachoberschule zu nehmen, entschloss ich mich für einen Bundesfreiwilligendienst in einer Kinderkrippe. Oft braucht man ein Jahrespraktikum oder eben einen Freiwilligendienst, um überhaupt das Studium anfangen zu können. Meinen Bundesfreiwilligendienst beende ich jetzt mit einem guten Gefühl. Im Sommer 2016 werde ich mein Fachabitur in Richtung Wirtschaft und Verwaltung beginnen. Ich weiß, das ist ein komplett anderer Weg, aber genau das finde ich wichtig, denn erst dann kann ich sagen, was mir am meisten Spaß gemacht hat. Erst dann weiß ich auch, was das Richtige für mich ist und worin ich mich gerne weiterbilden möchte.

 

Umgehört:

Leon hat sich bei Schülern und jungen Berufsstartern nach ihren Eindrücken und Erfahrungen bei Berufswahl und Jobsuche erkundigt.

Warst du zu Beginn deiner Berufsorientierung und Berufswahl überfordert?

Michel (16): Ja, total. Es gibt so viele Informationen und Möglichkeiten, dass ich anfangs gar nicht wusste, wie ich mich orientieren und schließlich entscheiden sollte.

Valerie (17): Überfordert bin ich nicht. Aber die Berufswelt und die Angebote sind extrem unübersichtlich. Es gibt leider keine einfache Zusammenfassung oder einen Überblick über alle Berufe.

Sarah (18): Nein, mir fiel es nicht schwer, einen passenden Beruf zu finden, denn in meiner Schulzeit habe ich mehrere Praktika absolviert.

Wie hast du dich informiert? Hast du dir Rat geholt, zum Beispiel durch Berufstests im Internet oder durch ein Gespräch mit einem Experten?

Kevin (17): Ich wollte mir Rat von Berufsberatern holen. Leider konnte ich mit deren Hilfen dann nicht viel anfangen. Aber seit der Beratung bekomme ich Mails mit interessanten Ausbildungsangeboten zugeschickt. Bei einigen dieser Unternehmen möchte ich mich demnächst bewerben. Ich habe jetzt eine Perspektive.

Rosi (17): Ich habe verschiedene Berufsmessen besucht. Außerdem war ich bei Uni-Kennenlern-Tagen dabei und habe mich in Büchern informiert. Das kann ich nur empfehlen. Die Berufstests im Internet sind absolut sinnlos. Nachdem ich die Charakter- und Interessenfragen beantwortet hatte, lautete der Ratschlag, Theologie zu studieren. Ich bin bekennende Atheistin.

Irgendwann muss die Entscheidung fallen. Was hat dir da am meisten weitergeholfen und war vielleicht sogar ausschlaggebend für deine Wahl?

Geronimo (19): Meine Eltern und ich haben uns über meine berufliche Zukunft unterhalten, und sie haben mir Tipps gegeben. Dann habe ich mich für meine angestrebten Berufe beworben und darauf geachtet, dass dabei ein duales Studium angeboten wird, weil dies meiner Meinung nach der beste Weg für einen gesicherten Arbeitsplatz ist.

Michel (16): Die Beratung hat mir nicht so viel geholfen. Deshalb habe ich mir dann konkrete Berufe herausgeschrieben, die mir besonders gefallen haben. Außerdem habe ich mir von meinen Eltern helfen lassen. Anschließend habe ich mich für einige dieser Berufe beworben.

 

Diskussion:

Soft Skills, das sind die weichen Fähigkeiten wie Teamfähigkeit, Flexibilität und Belastbarkeit. Für viele Arbeitgeber sind sie genauso wichtig wie Fachwissen, sie stehen aber nicht im Zeugnis. Leon diskutiert mit zukünftigen und bereits erfahrenen Berufstätigen über Soft Skills.

Angenommen, du arbeitest seit wenigen Monaten in einem Betrieb und hast sofort sehr viel zu erledigen, was eine hohe Belastung für dich darstellt. Würdest du zu deinem Chef gehen und mit ihm über dein Problem sprechen? Oder würdest du versuchen, alles zu schaffen?

Marcel (16): Ich würde nicht zum Chef gehen. Es ist meine Anfangs-, also Probezeit, da möchte ich einen guten Eindruck machen.

Geronimo (19): Ich würde niemals zum Chef gehen. Es ist meine Arbeit, dafür werde ich bezahlt, also muss ich sie auch machen.

Sarah (18): Wir jungen Menschen müssen lernen zu sagen, was uns nicht passt. Nicht unfreundlich, sondern ganz sachlich. Nur so geht man mit einem guten Gefühl von und zu der Arbeit, und nur so kann sie langfristig Spaß machen. Sich einzugestehen, dass es jetzt zu viel ist und dass man Hilfe benötigt, ist kein Zeichen der Schwäche, sondern ein Zeichen der Stärke!

Flexibilität ist heutzutage sehr wichtig für das Ausüben eines Berufes. Würdest du für dein Studium, deine Ausbildung oder deinen Arbeitsplatz umziehen?

Michel (16): Ein Umzug für den Beruf kommt für mich nicht in Frage. Zu Hause ist da, wo deine Freunde sind! Das heißt, ich möchte dort wohnen, wo ich mich wohlfühle, und das ist eben bei meiner Familie und meinen Freunden und nicht in der Nähe meines Arbeitsplatzes.

Valerie (17): Ja, ich würde umziehen. Jedoch kommt es auf die Entfernung an. Drei bis vier Stunden Fahrtzeit zu meiner Heimat würde ich akzeptieren, weiter aber nicht.

Marcel (16): Natürlich würde ich umziehen, wenn ich dort die Möglichkeiten und Chancen für mich sehe.

Du hast die Wahl zwischen zwei Berufen: Der erste bereitet dir sehr viel Spaß, bringt aber leider kaum Geld ein. Der zweite Beruf macht keinen Spaß, aber du verdienst sehr viel. Für welchen Beruf würdest du dich entscheiden?

Geronimo (19): Ich würde mich für den besser entlohnten Beruf entscheiden, da man seinen Spaß ja auch in der Freizeit haben kann. Mit dem verdienten Geld kann man außerdem seine materiellen Wünsche besser erfüllen.

Sarah (18): Egal wie viel Geld man verdient, auf Dauer wird man mit einem unbefriedigenden Beruf unglücklich und eventuell sogar depressiv. Das Wichtigste ist, dass man morgens aufsteht und sich auf die Arbeit freut, denn alles was einem Spaß macht, macht man auch gut. Und weil man gut arbeitet, klettert man eventuell die Karriereleiter hinauf und verdient somit doch sehr gut.

Valerie (17): Ich würde versuchen, beides zu erfüllen. Denn sollte ich kaum etwas verdienen, lohnt sich der „freudige“ Beruf nicht, da ich mich privat in einer finanziellen Notlage befinden würde und daher nicht glücklich sein könnte. Aber wenn mir die Arbeit Spaß bereitet, wäre ich bereit, mehr zu arbeiten und daher dann mehr zu verdienen.

 

Die Texte und Bilder entstammen dem Schülermagazin Sozialpolitik
Stand Juli 2016

2 Antworten

Kommentare

Super klasse prima

Ja, so ein Navigationssystem hätte ich auch gern (Seuftz).

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