Berufsorientierung

Fachkräfte gesucht

Berufsorientierung: Drei junge Leute beschriften Haftnotizzettel, die sie an ein Fenster geklebt haben.
Foto: Shutterstock/wavebreakmedia

Berufsbiografie früher und heute

Vor rund 50 Jahren war der Berufsweg oftmals vorgegeben. Viele Kinder traten in die Fußstapfen ihrer Eltern. Wer in einem Betrieb Fuß gefasst hatte, konnte sich seines Arbeitsplatzes in der Regel sicher sein.

Heutige Lebensläufe sind viel häufiger von Brüchen, aber auch von neuen Chancen geprägt: Praktika, Zeiten der Arbeitslosigkeit oder Selbstständigkeit, befristete Beschäftigungsverhältnisse, Elternzeiten, Teilzeit, Arbeitsplatzwechsel, Umorientierung und erneutes Durchstarten kennzeichnen das Berufsleben. Viele Menschen – vor allem junge – wollen verschiedene Berufe und Branchen kennen lernen, bevor sie sich festlegen. Voraussetzung dafür ist jedoch ein erfolgreicher Schul- oder Ausbildungsabschluss.

Auszubildende gesucht!

Grundsätzlich haben sich die Startbedingungen für Schulabgänger in den vergangenen Jahren verbessert. Das Verhältnis zwischen angebotenen Ausbildungsplätzen und Bewerbern ist ausgeglichener geworden. Dennoch gibt es Probleme: Nach wie vor können viele Jugendliche, vor allem mit niedrigem Schulabschluss oder aus strukturschwachen Gegenden, kaum eine passende Ausbildungsstelle in ihrer Region finden. Gleichzeitig werden viele Ausbildungsplätze nicht besetzt, weil Unternehmen keine qualifizierten Bewerber finden oder weil die Ausbildungsberufe für die Jugendlichen nicht attraktiv erscheinen (siehe Berufswahl).

Bis zum Jahr 2030 wird es laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung etwa 3,6 Millionen weniger Erwerbstätige in Deutschland geben. Gesucht werden vor allem Fachkräfte, also Menschen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung oder einem gleichwertigen Abschluss. Wirtschaftsexperten warnen vor einem Fachkräftemangel in Deutschland, der sich bereits heute in einigen Branchen bemerkbar macht.

Die Bundesregierung hat daher verschiedene Maßnahmen beschlossen, um zusätzliche Fachkräfte zu gewinnen. Arbeitnehmer sollen die Möglichkeit haben, sich kontinuierlich weiterzubilden. Die Gesundheit älterer Arbeitnehmer soll gefördert werden, damit sie länger arbeiten und ihre Erfahrungen und Fähigkeiten einbringen können. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf soll weiter verbessert werden, damit Eltern arbeiten können. Bildungsangebote für Kinder im Vorschulalter sollen ausgebaut werden, und die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss soll sinken. Außerdem sollen qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland besser integriert und deren Bildungsabschlüsse und Zeugnisse leichter anerkannt werden.

Arbeitswelt nach Wirtschaftsbereichen

Excel-Datei zum Schaubild

Schaubild Arbeitswelt nach Wirtschaftsbereichen
Quelle: Statistisches Bundesamt: Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen 2015, Fachserie 18 Reihe 1.5, Stand: Mai 2016

Praktikum

Ein Praktikum ist eine gute Möglichkeit, Berufsfelder kennenzulernen und erste Erfahrungen in der Arbeitswelt zu sammeln. In manchen Fällen gelingt es auch, Kontakte für einen späteren Ausbildungs- oder Arbeitsplatz zu knüpfen.

Praktika, die während der Schulzeit absolviert werden, dauern etwa zwei Wochen. Jugendliche, die keinen Ausbildungsplatz finden, oder Arbeitslose können sechs bis zwölf Wochen lang in einem Betrieb ein Praktikum zur Erprobung machen. Auch knapp 30 Prozent der Hochschulabsolventen beginnen ihr Berufsleben mit einem Praktikum, Volontariat oder Ähnlichem. Pflichtpraktika werden meist nicht vergütet, weil sie Teil der Ausbildung sind. Bei einem freiwilligen Praktikum kann man individuell über eine Bezahlung verhandeln.

Ein Praktikum ist kein Arbeitsverhältnis. Der Ausbildungszweck steht beim Praktikum im Vordergrund. Es zeichnet sich dadurch aus, dass der Praktikant Gelegenheit bekommt, möglichst viele Bereiche des Betriebes kennenzulernen und verschiedene, für das Berufsfeld wichtige Tätigkeiten auszuprobieren. Wer nur am Kopierer steht, Kaffee kocht oder andere unqualifizierte Hilfsarbeiten erledigt, macht kein Praktikum, sondern erledigt einen Aushilfsjob, der entsprechend vergütet werden sollte.

Freiwilliges Engagement

Beim Jugendfreiwilligendienst (Freiwilliges Soziales oder Ökologisches Jahr) können sich junge Menschen ehrenamtlich einsetzen. Der Bundesfreiwilligendienst (früher: Zivildienst) steht allen – auch älteren – Menschen offen. Die Freiwilligendienste dauern sechs Monate bis maximal zwei Jahre. Die Sozialversicherungsbeiträge übernimmt die jeweilige Einsatzstelle. Für die Freiwilligen gibt es ein Taschengeld von maximal 372 Euro, und sie bekommen zum Abschluss ein qualifiziertes Zeugnis.

Ausbildung in Deutschland

Karikatur zum Thema Berufsorientierung mit zwei Bildern. Bild 1: Eine Gruppe junger Leute steht auf einer Party zusammen. Einer sagt: Ich? Was ich zur Zeit mache? Eine total interessante Geschichte! Ich mache ... Bild 2: Die anderen lassen ihn nicht zu Ende reden, sondern vollenden den Satz im Chor: ein Praktikum!
Zeichnung: Freimut Woessner, 2007

 

Die Texte und Bilder entstammen dem Schülermagazin Sozialpolitik
Stand Juli 2016

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