Berufseinstieg

Von Anfang an versichert

Berufseinstieg: Junge Auszubildende in Arbeitskleidung unterhält sich mit Kollegen.
Foto: Shutterstock/Pressmaster

Geteilte Kosten

Vom ersten Tag der Ausbildung an besteht Sozialversicherungsschutz. Der ist zwar nicht kostenlos, aber die Arbeitnehmer müssen ihre Beiträge für die Arbeitslosenversicherung, Krankenversicherung, Pflegeversicherung und Rentenversicherung nicht allein finanzieren. Arbeitgeber und Arbeitnehmer teilen sich die Beiträge jeweils zur Hälfte. Eventuelle Zusatzbeiträge der Krankenkasse muss der Arbeitnehmer selbst tragen. Die Beiträge für die Unfallversicherung übernimmt allein der Arbeitgeber.

Die Arbeitnehmeranteile werden direkt vom Lohn abgezogen. Der Arbeitgeber überweist das Geld zusammen mit seinem Anteil an die Sozialversicherungsträger. Wenn man nicht mehr als 325 Euro brutto im Monat verdient, zahlt der Arbeitgeber die Sozialabgaben sogar allein (Geringverdienergrenze). Wer den Ausbildungsplatz verliert, etwa weil die Firma schließt, oder wer später einmal arbeitslos wird, ist weiterhin versichert. In diesem Fall übernimmt die Bundesagentur für Arbeit die Beiträge.

Eine sinnvolle Pflicht

Die Mitgliedschaft in der gesetzlichen Sozialversicherung ist aus mehreren Gründen eine sinnvolle Pflicht: Man beteiligt sich mit Beiträgen, die sich am eigenen Leistungsvermögen orientieren, am Solidarprinzip (siehe Einer für alle, alle für einen unter Sozialversicherung im Überblick). Dadurch ist man automatisch auch selbst gegen die Folgen von Krankheiten, Unfällen, Pflegebedürftigkeit, Alter und Arbeitslosigkeit abgesichert. So erwirbt man mit den Beiträgen zur Rentenversicherung beispielsweise den Anspruch auf eine spätere Rente.

Anders als bei privaten Versicherungen wird in der Sozialversicherung kein Vertrag geschlossen, bei dem Leistungen und Beitragshöhe individuell ausgehandelt werden. Sie beruht auf einem öffentlich-rechtlichen Sozialversicherungsverhältnis, das gesetzlich festgelegt ist. Wer in einem Ausbildungs- oder Arbeitsverhältnis steht, ist in der Regel automatisch sozialversichert. Nicht erwerbstätige Ehepartner und Kinder sind eingeschlossen.

Ergänzend zu der gesetzlichen Sozialversicherung können auch noch weitere Risiken individuell durch private Versicherungen abgesichert werden. Private Versicherungsgesellschaften werben mit zahlreichen Produkten um junge Kunden. Verbraucherschützer halten jedoch für Berufseinsteiger nur drei private Vorsorgeformen für sinnvoll: eine Haftpflichtversicherung, eine Berufsunfähigkeitsversicherung und eine private Altersvorsorge.

Im Ausbildungsvertrag müssen stehen:

  • Name und Anschrift der Vertragspartner
  • Art der Ausbildung
  • Beginn und Dauer der Ausbildung
  • Ziel der Ausbildung
  • Pflichten des Ausbildenden
  • Pflichten des Auszubildenden
  • Arbeitszeit
  • Höhe der Ausbildungsvergütung
  • Dauer des Jahresurlaubs
  • Voraussetzungen für Kündigung
  • Hinweis auf geltende Tarifverträge, Betriebsordnungen oder Dienstvereinbarungen
  • Datum und Unterschrift der Vertragspartner
     

Musterverträge zum Herunterladen gibt es bei www.dihk.de > Themenfelder > Aus- und Weiterbildung > Ausbildung > Ausbildungspolitik > Service.

Ausbildungsstart

Darum muss man sich selbst kümmern:

  • dem Arbeitgeber die persönliche Identifikationsnummer, abgekürzt Steuer-ID, Geburtsdatum und Religionszugehörigkeit mitteilen
  • eine Bescheinigung vom Arzt einholen, sofern man nicht volljährig ist (Berechtigungsschein bei der Gemeindeverwaltung oder Stadtverwaltung beantragen)
  • eine Kranken-/Pflegekasse aussuchen, Angebote vergleichen
  • ein Gehaltsgirokonto bei einer Bank oder Sparkasse einrichten
  • die Rechte und Pflichten von Auszubildenden kennen (siehe Arbeitsrecht 1)
  • sich über staatliche Fördermöglichkeiten informieren und gegebenenfalls einen Antrag stellen, zum Beispiel für Wohngeld oder Umzugskosten
  • den Arbeitgeber nach vermögenswirksamen Leistungen und betrieblicher Altersvorsorge fragen (siehe Rentenversicherung 2)
  • Anmeldeformulare der Berufsschule ausfüllen und Unterlagen zusammenstellen
  • Arbeitgeber über Berufsschulzeiten informieren
     

Darum kümmert sich der Arbeitgeber:

  • zur Sozialversicherung anmelden: Der Arbeitgeber muss seine Arbeitnehmer und Auszubildenden zur Sozialversicherung anmelden. Die Beiträge für die Sozialversicherung werden automatisch vom Gehalt abgezogen.
  • Sozialversicherungsausweis beantragen: Jeder Arbeitnehmer erhält eine persönliche Sozialversicherungsnummer, abgekürzt SV-Nummer, die er das ganze Leben lang behält. Der Sozialversicherungsausweis wird ihm per Post zugeschickt.
  • Steuern abführen: Wenn Lohnsteuer anfällt, zahlt der Ausbildungsbetrieb diese an das Finanzamt, ebenso den Solidaritätszuschlag und eventuell die Kirchensteuer.
  • Ausbilder stellen, Ausbildungsinhalte festlegen und überprüfen
  • Ansprechpartner benennen, zum Beispiel Jugend- und Auszubildendenvertretung, Betriebsrat, Gleichstellungsbeauftragte, Behindertenbeauftragte
  • in die Sicherheitsvorschriften des Betriebs einweisen
  • Auszubildende bei der Berufsschule anmelden
     

Beispiel-Gehaltsabrechnung eines Auszubildenden

Excel-Datei zum Schaubild

Schaubild: Beispiel-Gehaltsabrechnung eines Auszubildenden 2017
Quelle: eigene Darstellung

 

Die Texte und Bilder entstammen dem Schülermagazin Sozialpolitik
Stand Juli 2017

2 Antworten

Kommentare

Ich weiß nicht wie ich mich verhalten soll. Mein Chef hat mir gekündigt und ich bin arbeitslos. Aber mit meinem Freund läuft es gerade

sehr interesanter Artikel

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