Berufseinstieg

Von Anfang an versichert

Berufseinstieg: Zwei Arbeiter in der Metallindustrie mit Schutzhelmen und Schutzbrillen im Gespräch.
Foto: Shutterstock/Christian Lagerek

Geteilte Kosten

Vom ersten Tag der Ausbildung an besteht Sozialversicherungsschutz. Der ist zwar nicht kostenlos, aber die Arbeitnehmer müssen ihre Beiträge für die Arbeitslosenversicherung, Krankenversicherung, Pflegeversicherung und Rentenversicherung nicht allein finanzieren. Arbeitgeber und Arbeitnehmer teilen sich die Beiträge jeweils zur Hälfte. Eventuelle Zusatzbeiträge der Krankenkasse muss der Arbeitnehmer selbst tragen. Die Beiträge für die Unfallversicherung übernimmt allein der Arbeitgeber.

Die Arbeitnehmeranteile werden direkt vom Lohn abgezogen. Der Arbeitgeber überweist das Geld zusammen mit seinem Anteil an die Sozialversicherungsträger. Wenn man nicht mehr als 325 Euro brutto im Monat verdient, zahlt der Arbeitgeber die Sozialabgaben sogar allein (Geringverdienergrenze). Wer den Ausbildungsplatz verliert, etwa weil die Firma schließt, oder wer später einmal arbeitslos wird, ist weiter versichert. In diesem Fall übernimmt die Bundesagentur für Arbeit die Beiträge.

Eine sinnvolle Pflicht

Die Mitgliedschaft in der gesetzlichen Sozialversicherung ist aus mehreren Gründen eine sinnvolle Pflicht: Man beteiligt sich mit Beiträgen, die sich am eigenen Leistungsvermögen orientieren, am Solidarprinzip (Einer für alle, alle für einen, siehe Sozialversicherung im Überblick). Dadurch ist man automatisch auch selbst gegen die größten Lebensrisiken wie Krankheit, Unfall, Pflegebedürftigkeit, Alter und Arbeitslosigkeit abgesichert.

Die Krankenkasse, über die man kranken- und pflegeversichert ist, kann man sich selbst aussuchen und muss sie dem Arbeitgeber nennen. Wichtige Kriterien für die Auswahl sind beispielsweise der Umfang der Leistungen, spezielle Wahltarife oder Prämien für gesundheitsbewusstes Verhalten. Mit den Beiträgen zur Rentenversicherung erwirbt man den Anspruch auf eine spätere Rente. Bei einem Arbeits- oder Wegeunfall erhält man Rentenleistungen der Unfall- und gegebenenfalls auch der Rentenversicherung. Wenn man seinen Arbeitsplatz verliert, hat man Anspruch auf Arbeitslosengeld. Dafür meldet man sich spätestens am ersten Tag der Beschäftigungslosigkeit, frühestens drei Monate im Vorfeld, persönlich bei der örtlichen Arbeitsagentur. Wer die Frist versäumt, muss mit einer Sperrzeit von einer Woche rechnen und erhält in dieser Zeit kein Arbeitslosengeld.

Neben den gesetzlichen Sozialversicherungen gibt es auch eine Vielzahl von privaten Versicherungen. Die Versicherungsgesellschaften werben mit zahlreichen Produkten um junge Kunden. Verbraucherschützer halten für Berufseinsteiger nur drei private Vorsorgeformen für sinnvoll: eine Haftpflichtversicherung, eine Berufsunfähigkeitsversicherung und eine private Altersvorsorge (siehe Rentenversicherung 2).

Ausbildungsstart:

Darum muss man sich selbst kümmern

  • dem Arbeitgeber die persönliche Identifikationsnummer, abgekürzt Steuer-ID, Geburtsdatum und Religionszugehörigkeit mitteilen
  • eine Bescheinigung vom Arzt einholen, sofern man nicht volljährig ist (Berechtigungsschein bei der Gemeindeverwaltung oder Stadtverwaltung beantragen)
  • eine Kranken-/Pflegekasse aussuchen, Angebote vergleichen
  • ein Gehaltsgirokonto bei einer Bank oder Sparkasse einrichten
  • die Rechte und Pflichten von Auszubildenden kennen (siehe Arbeitsrecht 1)
  • sich über staatliche Fördermöglichkeiten informieren und gegebenenfalls einen Antrag stellen, zum Beispiel für Wohngeld oder Umzugskosten
  • den Arbeitgeber nach vermögenswirksamen Leistungen und betrieblicher Altersvorsorge fragen (siehe Rentenversicherung 2)
  • Anmeldeformulare der Berufsschule ausfüllen
  • Arbeitgeber über Berufsschulzeiten informieren
     

Darum kümmert sich der Arbeitgeber

  • zur Sozialversicherung anmelden: Der Arbeitgeber muss seine Arbeitnehmer und Auszubildenden bei der Unfallversicherung, Arbeitslosenversicherung und Rentenversicherung melden. Die Beiträge für die Sozialversicherung werden automatisch vom Gehalt abgezogen.
  • Sozialversicherungsausweis beantragen: Jeder Arbeitnehmer erhält eine persönliche Sozialversicherungsnummer, abgekürzt SV-Nummer, die er das ganze Leben lang behält. Der Sozialversicherungsausweis wird ihm per Post zugeschickt.
  • Steuern abführen: Wenn Lohnsteuer anfällt, zahlt der Ausbildungsbetrieb diese an das Finanzamt, ebenso den Solidaritätszuschlag und eventuell die Kirchensteuer.
  • Ausbilder stellen, Ausbildungsinhalte festlegen und überprüfen
  • Ansprechpartner benennen, zum Beispiel Jugend- und Auszubildendenvertretung, Betriebsrat, Gleichstellungsbeauftragte, Behindertenbeauftragte
  • in die Sicherheitsvorschriften des Betriebs einweisen
     

Im Ausbildungsvertrag müssen stehen:

  • Name und Anschrift der Vertragspartner
  • Art der Ausbildung
  • Beginn und Dauer der Ausbildung
  • Ziel der Ausbildung
  • Pflichten des Ausbildenden
  • Pflichten des Auszubildenden
  • Arbeitszeit
  • Höhe der Ausbildungsvergütung
  • Dauer des Jahresurlaubs
  • Voraussetzungen für Kündigung
  • Hinweis auf geltende Tarifverträge, Betriebsordnungen oder Dienstvereinbarungen
  • Datum und Unterschrift der Vertragspartner
     

Musterverträge zum Herunterladen gibt es bei www.dihk.de > Themenfelder > Aus- und Weiterbildung > Ausbildung > Ausbildungspolitik > Service.

Beispiel-Gehaltsabrechnung eines Auszubildenden

Excel-Datei zum Schaubild

Schaubild Beispiel-Gehaltsabrechnung eines Auszubildenden
Quelle: eigene Darstellung

 

Die Texte und Bilder entstammen dem Schülermagazin Sozialpolitik
Stand Juli 2016

2 Antworten

Kommentare

Ich weiß nicht wie ich mich verhalten soll. Mein Chef hat mir gekündigt und ich bin arbeitslos. Aber mit meinem Freund läuft es gerade

sehr interesanter Artikel

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