Arbeitswelt im Wandel

Arbeiten 4.0

Arbeitswelt im Wandel: Junge Menschen arbeiten gemeinsam mit Computer.
Foto: Shutterstock/racorn

Digitalisierung und Vernetzung der Arbeitswelt

Wir sind auf dem Weg in die Wissensgesellschaft und in eine digitale Ökonomie. Die digitale Vernetzung wirkt sich auf alle öffentlichen und privaten Lebensbereiche aus und damit auch auf die Arbeitswelt. Der Begriff Arbeiten 4.0 ist an die aktuell diskutierte vierte industrielle Revolution, die sogenannte Industrie 4.0, angelehnt. Industrie 4.0 bezeichnet die internetgestützte hoch automatisierte und vernetzte Produktionsweise. Arbeiten 4.0 umfasst alle Bereiche der Arbeitswelt. Es geht um die Frage, welche Auswirkungen die Digitalisierung hat und wie dieser Strukturwandel gestaltet werden kann. Veränderungen sind zum Beispiel:

  • Weniger qualifizierte Tätigkeiten fallen durch den Einsatz von Computern weg, sodass Qualifizierung und Weiterbildung noch wichtiger werden.
  • Mobile Arbeitsgeräte (Notebook, Tablet, Smartphone), digitale Vernetzung und die universelle Zugänglichkeit von Informationen, zum Beispiel über eine Cloud, machen das Arbeiten von jedem Ort aus und zu jeder Zeit möglich.
  • Arbeitnehmer arbeiten häufiger vernetzt in oder mit internationalen Unternehmen.
  • Über vernetzte Computer können Verhalten und Leistungen der Arbeitnehmer theoretisch ständig kontrolliert werden, weshalb der Beschäftigtendatenschutz und die Mitbestimmung von Betriebsräten beim Einsatz neuer Software an Bedeutung gewinnen.
  • Je mehr die Leistungsfähigkeit der digitalen Technik steigt, desto mehr Leistung wird auch von den Arbeitnehmern erwartet. Die Arbeit verdichtet sich, es wird in Schichten rund um die Uhr gearbeitet.
     

Ängste und Hoffnungen

Um Trends der zukünftigen Arbeitswelt zu analysieren, hatte die Bundesregierung in den Jahren 2015 und 2016 zu einem öffentlichen Dialog Arbeiten 4.0 eingeladen. Daran haben sich mehr als 200 Experten und 12.000 Bürgerinnen und Bürger beteiligt. Die Ergebnisse und Lösungsansätze sind im „Weißbuch Arbeiten 4.0“ dokumentiert. Bis November 2016 wurden über das Internet mehr als 5.000 Beiträge zu verschiedenen Aspekten der Arbeitswelt eingereicht. Hier eine Auswahl:

Zukunft der Arbeit bedeutet für mich, mobiler und flexibler, aber auch ersetzbarer zu sein. Globalisierung und Technologisierung ermöglichen es, von überall in derselben Qualität zu arbeiten.

Arbeiten 4.0 bedeutet vor allem auf den Demografie- und Strukturwandel einzugehen. Wir werden alle arbeitenden Hände benötigen, ob angestellt oder selbstständig. Wir brauchen flexible Regelungen!

Ich würde mir wünschen, dass ich mehr Zeit für meine Kinder in Zukunft haben werde und mir meine Arbeitszeiten flexibel einteilen kann. Hier ein passendes Konzept zu entwickeln, wäre toll!

Arbeiten in der Zukunft heißt für mich, Arbeit und Privates nicht zu trennen, sondern zu verbinden und davon zu profitieren, zum Beispiel Ideen finden beim Biken.

Digitalisierung heißt bei uns: Automatisierung, Standardisierung, mehr Monotonie, mehr Ergebniskontrolle, vor allem aber: Vernichtung ‚alter‘ Arbeitsplätze, wenige neue für weniger Geld. Ist das o.k.?

Die Flexibilisierung der Arbeitszeit ist wünschenswert, aber der Schutz vor Selbstausbeutung darf dabei nicht außer Acht gelassen werden.

Noch zu wenige Menschen wissen mit den Möglichkeiten der aktuellen Technik richtig umzugehen. Ich wünsche mir für die Zukunft, dass sich das ändert und auch ‚ältere Semester‘ das Potenzial nutzen können.

Man müsste noch mehr Roboter ‚beschäftigen‘, damit die Menschen qualifiziertere Arbeit machen und vor allem bei körperlich anstrengender Arbeit (zum Beispiel in der Pflege) besser unterstützt werden können.

Auswirkungen des digitalen Wandels

Der digitale Wandel vollzieht sich auf drei miteinander verbundenen Ebenen:

  1. Neue, immer leistungsfähigere Technologien: Das Arbeiten wird zunehmend vernetzt. Der Informationsaustausch kann prinzipiell von überall und zu jeder Uhrzeit erfolgen, auch über Ländergrenzen hinweg. Die Arbeitsprozesse werden von IT-Systemen unterstützt, kontrolliert und teilweise sogar gesteuert. Bestimmte Arbeitsschritte werden dadurch entbehrlich, andere kommen neu hinzu.
  2. Neue Dienstleistungen, Produkte und Geschäftsmodelle: Es entstehen neue Berufsbilder, zum Beispiel Mediengestalter Digital und Print, und digital erzeugte Produkte, zum Beispiel durch 3-D-Drucker. Online-Plattformen schaffen mit ihren Geschäftsmodellen neue zentrale Marktplätze nicht nur für Informationen und Waren, sondern auch für Arbeit und Dienstleistungen, die vorher dezentral angeboten wurden.
  3. Neue Kommunikations-, Konsum- und Arbeitskultur: Die Menschen kommunizieren auf neuen Wegen miteinander, zum Beispiel über soziale Netzwerke, und haben veränderte Konsumvorlieben. Die Digitalisierung erlaubt flexiblere Arbeitsmodelle, zum Beispiel mobiles Arbeiten. Einerseits lassen sich dadurch Familie und Beruf besser vereinbaren, andererseits wird es durch die ständige Erreichbarkeit schwieriger, Arbeit und Freizeit zu trennen.

Die sozialen Sicherungssysteme sind für Vollzeitarbeitsverhältnisse konzipiert. Arbeitnehmer in sogenannten atypischen Arbeitsverhältnissen, etwa Soloselbstständigkeit, Zeitarbeit oder Leiharbeit, sind schlechter abgesichert. Bildung und Qualifizierung sollten an die neue Arbeitswelt angepasst werden, aber auch Geringqualifizierte müssen teilhaben können.

Prognose 2030: Veränderungen der Beschäftigtenzahl in ausgewählten Branchen

Excel-Datei zum Schaubild

Schaubild: Veränderungen Beschäftigtenzahl 2030
Quelle: Bundesministerium für Arbeit und Soziales: Weißbuch Arbeiten 4.0, Berlin 2017, Seite 52

 

Die Texte und Bilder entstammen dem Schülermagazin Sozialpolitik
Stand Juli 2017

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