Arbeitslosenversicherung

Arbeitslos, aber nicht mittellos

Arbeitslosenversicherung: Eine deprimierte junge Frau sitzt vor einem Laptop und stützt den Kopf auf die Hände.
Foto: Shutterstock/Ditty_about_summer

Arbeitsmarktpolitik

Eine hohe Arbeitslosigkeit führt nicht nur zu steigenden Sozialausgaben, sondern auch zur Ausgrenzung von Menschen aus der Gesellschaft. Eine hohe Zahl offener Stellen hingegen führt zu Einbußen bei Produktion und Wirtschaftswachstum, weil die Wirtschaft ihren Bedarf an Arbeitskräften nicht decken kann. Ziel der Arbeitsmarktpolitik ist es deshalb, Angebot und Nachfrage ins Gleichgewicht zu bringen und Arbeitsuchende möglichst schnell in sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse zu vermitteln.

Das Arbeitslosengeld

Arbeitnehmer erhalten Arbeitslosengeld aus der Arbeitslosenversicherung, wenn sie ihren Job verlieren, und werden bei der Suche nach einer neuen Arbeitsstelle unterstützt (siehe Sozialversicherung im Überblick). Die gesetzliche Arbeitslosenversicherung wird aus Beiträgen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern gemeinsam getragen. Beide zahlen jeweils 1,5 Prozent des monatlichen Bruttoeinkommens des Arbeitnehmers (Stand 2016, siehe Gehaltsabrechnung unter Berufseinstieg).

Wer arbeitslos wird und keine Kinder hat, erhält 60 Prozent des vorherigen Nettolohns als Arbeitslosengeld, mit Kindern sind es 67 Prozent. Wie lange Arbeitslosengeld gezahlt wird, hängt davon ab, wie alt der arbeitslose Mensch ist und wie lange er vorher Beiträge gezahlt hat. Die Bezugsdauer reicht von sechs bis zu zwölf Monaten. Nach längerer Versicherungsdauer und bei Versicherten im Alter von über 50 Jahren kann sie verlängert werden, höchstens jedoch auf 24 Monate. Auch Selbstständige, die auf freiwilliger Basis vorher Beiträge entrichtet haben, können Arbeitslosengeld erhalten.

Das Arbeitslosengeld II

Wer länger arbeitslos ist, hat Anspruch auf Arbeitslosengeld II, häufig auch Hartz IV genannt. Diese Grundsicherung wird aus Steuermitteln finanziert. Deshalb können es auch Menschen beziehen, die vorher nicht versicherungspflichtig beschäftigt waren. Bevor es in Anspruch genommen werden kann, muss Gespartes ab einem Freibetrag von 3.100 Euro bis maximal 10.050 Euro (abhängig vom Alter) aufgebraucht werden. Geldanlagen, die ausschließlich der Altersvorsorge dienen, sind geschützt. Für sie gilt ein erhöhter Freibetrag von maximal 50.250 Euro. Weitere Freibeträge gibt es für Kinder.

Im Jahr 2016 beträgt das Arbeitslosengeld II 404 Euro für Alleinstehende. Ehe- oder Lebenspartner erhalten jeweils 364 Euro. Die Regelsätze für Kinder und Jugendliche betragen je nach Alter 237 bis 306 Euro im Monat. Angemessene Kosten für Miete und Heizung sowie die Beiträge für die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung werden übernommen. Für Alleinerziehende und Schwangere gibt es zusätzliche Leistungen für den Mehrbedarf.

Mitteilungs- und Mitwirkungspflicht

Arbeitslose müssen der Arbeitsagentur oder dem zuständigen Jobcenter umgehend mitteilen, wenn sich ihr persönlicher Status ändert und sie zum Beispiel eine Nebentätigkeit aufnehmen, umziehen, arbeitsunfähig werden oder Ähnliches. Außerdem müssen sie regelmäßig zu Terminen mit dem Berufsberater erscheinen, an Trainingsmaßnahmen teilnehmen oder zu Vorstellungsgesprächen gehen, die der Berater vermittelt hat. Zumutbare Arbeit (siehe unten) dürfen sie nicht ablehnen. Sonst droht eine Sperrzeit oder eine Kürzung des Arbeitslosengeldes.

Reformen auf dem Arbeitsmarkt

Um die Arbeitslosigkeit wirkungsvoll zu bekämpfen und Arbeitsuchende schneller wieder in Beschäftigung zu bringen, sind zwischen 2003 und 2005 mehrere Gesetze in Kraft getreten. Sie stehen unter dem Motto Fördern und Fordern und beinhalten folgende Regelungen:

Zumutbare Arbeit: Wer als Bezieher von Arbeitslosengeld II eine zumutbare Arbeit ohne wichtigen Grund ablehnt, muss Kürzungen bei den Geldleistungen in Kauf nehmen. Als zumutbar gilt zum Beispiel für Alleinstehende ein Umzug in eine andere Stadt oder eine Stelle, bei der die Bezahlung bis zu 30 Prozent unter dem Tariflohn liegt.

Minijobs: Geringfügige Beschäftigungen mit einer Lohnobergrenze von 450 Euro werden Minijobs genannt. Minijobber sind in der Arbeitslosen-, Kranken- und Pflegeversicherung versicherungsfrei. Nur in der Rentenversicherung müssen sie Beiträge zahlen: bei gewerblichen Minijobs 3,7 Prozent, in Privathaushalten 13,7 Prozent des Bruttolohns. Die Arbeitgeber zahlen für gewerbliche Minijobs pauschal 30 Prozent für Sozialversicherungen und Steuern plus den Beitrag zur Unfallversicherung, in Privathaushalten 12 Prozent zuzüglich Unfallversicherung. Gewerkschaften kritisieren, dass durch Minijobs viele Vollzeitarbeitsplätze und damit auch Beiträge für die Sozialversicherung verloren gingen. Die Wirtschaft betont dagegen, Unternehmen könnten so flexibler auf die Wirtschaft reagieren und mehr – wenn auch geringer bezahlte – Arbeitsplätze schaffen.

Ein-Euro-Jobs: Zusatzverdienst möglich

Ein-Euro-Jobs heißen offiziell Arbeitsgelegenheiten mit Mehraufwandsentschädigung. Die Arbeit muss im öffentlichen Interesse liegen und darf keinem örtlichen privaten Unternehmen Aufträge entziehen. Bezieher von Arbeitslosengeld II können damit zusätzlich Geld verdienen. Wer sich weigert, einen solchen Job anzunehmen, dem kann die Arbeitsagentur Zahlung kürzen.

Ein-Euro-Jobs sollen vor allem schwer vermittelbaren Langzeitarbeitslosen helfen, sich wieder an einen normalen Arbeitstag zu gewöhnen. Kritiker befürchten, dass sie reguläre Arbeitsplätze vernichten. Untersuchungen bestätigen, dass in einigen Fällen Arbeiten der regulären Belegschaft auf Ein-Euro-Jobber übertragen werden. Zudem gibt es Hinweise, dass jedes zweite Unternehmen zumindest einen Teil der beschäftigten Ein-Euro-Jobber nicht im Sinn des Gesetzgebers einsetzt. Da die Ein-Euro-Jobber in der Arbeitslosenstatistik nicht auftauchen, spricht man hier von versteckter Arbeitslosigkeit.

Vermittlungsbudget

Das persönliche Vermittlungsbudget ist ein Bestandteil des Fördersystems der Arbeitslosenversicherung, das auf die individuelle Situation des Arbeitsuchenden ausgerichtet wird. Dazu zählen etwa die Übernahme von Bewerbungskosten oder finanzielle Umzugsbeihilfen. Auch wer Arbeit sucht und keinen Schulabschluss hat, kann ihn mithilfe des persönlichen Vermittlungsbudgets nachholen.

Arbeitslosigkeit in Deutschland

Excel-Datei zum Schaubild

Schaubild Arbeitslosigkeit in Deutschland
Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Der Arbeitsmarkt in Zahlen 2015 bis 2015, Seite 24, Stand: April 2016

 

Die Texte und Bilder entstammen dem Schülermagazin Sozialpolitik
Stand Juli 2016

12 Antworten

Kommentare

Wer behauptet, dass Arbeitslose einfach faul sind, hat echt keine Ahnung vom Leben, und in was für Notlagen man UNVERSCHULDET geraten kann. Das kann JEDEM passieren! Viele alleinerziehende Mütter können z. B. nicht arbeiten, obwohl sie es gern wollen, weil sie keine Betreuung für ihre Kinder haben, oder weil die Tagesmutter mehr kostet als das, was sie verdienen würden. Arbeitslosigkeit ist derzeit ein Massenphänomen, das jeden treffen kann auch viele Hochqualifizierte!

Ach so. Du hast natürlich Recht, nur hat das nichts mit dem Thema zu tun. Sag mal lieber welche Verbesserungsvorschläge es gibt.

Ich finde es eine Katastrophe bei Arbeitlosengeld II, dass man aus seiner Wohnung raus soll, wenn es nur 60,- € mehr Kaltmiete sind. Bei dem Hamburger Whg.Markt sind alle Wohnungen teurer wie meine. Kaltmiete weniger und Warmmiete gleich 200,- € mehr. Und wenn man dann noch bedenkt wieviel der Umzug kostet ( mind. 2000,- € Genossenschaftsanteile, doppelte Miete am Anfang, Umzugswagen und Helfer, Renovierung, alles als Dahrlehen) da sind 60,- € Kaltmiete mehr doch ein Witz! Und das ich nur weil mein Sohn ausgezogen ist, dann auf dieser Weise in eine nicht zu bewältigenden Notlage gedrängt werde ist schlimm. Ich bin inzwischen über 50 Jahre und bekomme keine fördernde Kurse mehr von JobCenter und dementsprechend keine passenden Jobs mehr...

das thema ist sehr ernst

Nein!

Ich finde es sehr schlimm, dass viele Menschen arbeitslose als "Assi", faul und als schmarotzer bezeichnen. Meine Mutter ist arbeitslos weil sie sich um meine Großeltern kümmern muss die einfach hilfe brauchen. Mein Verlobter ist arbeitslos weil er lange zeit psychisch krank war. Neulich in der Schule hatten wir das Thema und eine Gruppe meinte dass ALLE Arbeitslose nur zuhause rumsitzen und sich keine Jobs suchen. Mitlerweile kommen wir nicht mal mehr mit dem Harz IV um die Runden. Das Beste finde ich einfach, ich verdiene jetzt 348€ pro Monat und genau so viel wurde meiner Mutter vom Harz IV abgezogen. Ich ziehe derzeit um und brauche das Geld selber, doch ohne mein Geld kommen wir nicht durch. Es kann nicht sein, dass ich als 18 jährige das Geld für meine Mutter verdiene?

Hallo Jasmin, kannst du nicht so was wie Umzugsbeihilfe vom Job-Center bekommen? Und Wohngeld für dich beantragen? Sobald du ausgezogen bist, bekommt deine Mutter das Geld doch wieder, das momentan abgezogen wird, oder?

Ein sehr sehr wichtiges Thema, finde ich! Lg, Ich.

Inhaltlich eine gute Zusammenfassung, danke! Bitte weiter machen. Sniederman - das bin ich.

Desto sozialer die Politik wird, desto asozialer wird die Gesellschaft. Anarchie ist die einzig moralisch vertretbare Einstellung, Kameraden!

Der AfD gefällt das! Zusammenhalten Kameraden!

warum wird den alleinerziehende elternteil von alg2 wenn diese bei einen elternteil das wochenende sind, für mich ist dieses eine sanktion für alleinerziehende, und ich glaube es wird unseren gerichten nochich viel arbeit machen, diese art von sozialpolitik ist kinderfeindlich und mit unseren grundgesetz nicht vereinbar. mfg r.wolff

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